David Bowie - Pin Ups
Kurzfazit: Unterschätztes Coveralbum mit drei Glanzstücken und viel Spielfreude.
Pin Ups
8,79 € Stand: 10.08.2026
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Zum Angebot bei Amazon →Zwischen zwei Glam-Rock-Meilensteinen und dem düsteren Diamond Dogs steht ein Album, über das bis heute gestritten wird: Pin Ups, Bowies Verbeugung vor den britischen Bands seiner Jugend. Wer die Platte nur als Pausenfüller abtut, verpasst einige der eigenwilligsten Arrangements dieser Werkphase.
Worum geht es auf Pin Ups?
Pin Ups ist ein reines Coveralbum. David Bowie greift darauf zwölf Songs britischer Gruppen auf, die zwischen ungefähr 1964 und 1967 seine musikalische Sozialisation geprägt haben. Es gibt keine Neukomposition und keine versteckte Eigenleistung im klassischen Sinn, sondern zwölf Interpretationen von Stücken, die Bowie als Teenager in Londoner Clubs und im Radio gehört hat. Das Album erschien am 19. Oktober 1973 bei RCA Records und stieg in Großbritannien auf Platz 1, in den USA auf Platz 23.
Genau diese Ausgangslage erklärt, warum die Platte polarisiert. Ein Künstler, der gerade mit Ziggy Stardust eine ganze Kunstfigur erfunden und mit Aladdin Sane den Nachfolger geliefert hatte, legt anschließend eine Sammlung fremder Songs vor. Für viele Kritiker war das ein Rückschritt. Hört man das Album ohne diese Erwartung, klingt es eher wie ein Zwischenspiel, das Bowie sichtbar Spaß gemacht hat.
Die Tracklist von Pin Ups
- Rosalyn
- Here Comes The Night
- I Wish You Would
- See Emily Play
- Everything’s Alright
- I Can’t Explain
- Friday On My Mind
- Sorrow
- Don’t Bring Me Down
- Shapes Of Things
- Anyway, Anyhow, Anywhere?
- Where Have All The Good Times Gone
Pin Ups, das Album
Nach den beiden Vollblut Glam Rock-Alben Ziggy Stardust und Aladdin Sane, die für mich thematisch eine Einheit bilden, ging David Bowie für sein nächstes Album mal einen ganz anderen Weg und veröffentlichte ein Coveralbum. Auf dem Album Pinups ehrt Bowie seine 60er Jahre-Helden mit ausgewählten Coversongs, die ihn in den Jahren 64-67 entscheidend beeinflusst haben. So finden sich Titel von so namhaften Bands wie The Who, The Kinks, Pink Floyd und den Yardbirds.
Bei Presse und Publikum ist das Album leider nie so richtig gut angekommen und wird immer ein bisschen wie das schwarze Schaf seiner Glam-Rock-Periode angesehen. Rückblickend muss ich sagen, dass dem Werk zum großen Teil Unrecht getan wird. Sicherlich zeugt es nicht gerade von großer Originalität, irgendwelche Songs zu covern, aber wir sind hier immer noch in den 70ern und da klingen selbst Coveralben noch ganz anders als die heutigen lieblos zusammengeklöppelten Coversongs. So hängt die Qualität eines solchen Projektes natürlich auch immer von dem betreffenden Künstler ab, glücklicherweise haben wir mit David Bowie jemanden, der genau weiß, wie es geht und was er sich zutrauen kann.
Als jemand, der viele Jahre nach den 60ern geboren wurde, kannte ich die meisten Songs auf dem Album gar nicht, konnte also etwas unbefangener an die Sache herangehen, und was soll ich sagen, mir gefallen Bowies Versionen sehr gut. Er schafft es, diesen Songs seinen ureigenen Stil aufzudrücken, ohne es sich dabei zu einfach zu machen.
Die Originale hinter den Coverversionen
Wer Pin Ups wirklich verstehen will, sollte wissen, wessen Songs hier auftauchen. Die Auswahl ist kein Zufallsgriff in die Hitparade, sondern ein sehr persönlicher Querschnitt durch die britische Clubszene der mittleren Sechziger.
The Who und The Kinks
Von The Who stammen gleich zwei Stücke: „I Can’t Explain„ und „Anyway, Anyhow, Anywhere„. Beide gehören zu den frühen Singles der Band und tragen jene nervöse Rhythmik, die Bowie hier in ein deutlich flächigeres Klangbild überführt. Die Kinks sind mit „Where Have All The Good Times Gone„ vertreten, einem Song, dessen leicht resignativer Grundton erstaunlich gut zu Bowies Stimme passt.
Pink Floyd und die Yardbirds
„See Emily Play„ ist die vielleicht mutigste Wahl des Albums. Der frühe Pink-Floyd-Song aus der Syd-Barrett-Ära wird bei Bowie zu einem verfremdeten, fast unheimlichen Stück mit veränderter Stimme und Synthesizer. Von den Yardbirds kommen „I Wish You Would„ und „Shapes Of Things„, wobei letzteres im Arrangement am weitesten vom Original abrückt.
Sorrow und die Merseys
„Sorrow„ ist der bekannteste Titel des Albums und wurde auch als Single ausgekoppelt. Ursprünglich stammt der Song von der US-Gruppe The McCoys, in Großbritannien bekannt wurde er 1966 durch die Version der Merseys, die damit Platz 4 der Charts erreichten. Mick Ronson orientierte sein Arrangement an genau dieser Merseys-Fassung und übertrug dabei die gestrichene Basslinie auf eine Violine. Am Ende steht eine neue Klaviermelodie von Mike Garson.
Dazu kommen zwei Stücke der Pretty Things, nämlich „Rosalyn„ und „Don’t Bring Me Down„, außerdem „Here Comes The Night„, „Everything’s Alright„ sowie „Friday On My Mind„ von den Easybeats.
Die Highlights des Albums
Zu meinen Highlights gehört das sehr obskure Pink Floyd-Cover „See Emily Play„, das mit verfremdeter Stimme und sogar einem Synthesizer aufwarten kann und dem Titel etwas sehr Befremdliches verleiht, wie ich es aus dieser Zeit noch gar nicht kannte. Auch großartig ist das melodramatische „Sorrow„, das in dieser Version zu einem wahren Glam Rock-Knaller wird, der mich ein wenig an das Stück „Time„ vom Vorgänger erinnert. Drittes Highlight für mich ist der Yardbirds-Klassiker „Shapes Of Things„, das auch wieder recht experimentell daherkommt und selbst für Bowie-Verhältnisse ungewöhnlich instrumentiert ist. Die anderen Stücke auf dem Album sind alle sehr solide Bowie-Tracks, doch haben die drei zuvor genannten Tracks bei mir sofort gezündet, wo man hier doch noch etwas Zeit braucht, bis auch diese Lieder sich voll entfalten können.
Wer spielt auf Pin Ups mit?
Die Besetzung ist ein Grund dafür, dass die Platte trotz fremden Materials nach Bowie klingt. Er selbst übernimmt Gesang, Gitarre, Tenor- und Altsaxofon, Harmonika, Moog-Synthesizer und einen Teil der Arrangements. Mick Ronson steuert Gitarre, Klavier, Gesang und ebenfalls Arrangements bei, Trevor Bolder spielt Bass, Aynsley Dunbar sitzt am Schlagzeug. Mike Garson ist an Klavier, Orgel, Cembalo und E-Piano zu hören und sorgt für einige der ungewöhnlichsten Momente des Albums.
Produziert wurde Pin Ups von Ken Scott gemeinsam mit Bowie, aufgenommen wurde im Juli und August 1973 im Château d’Hérouville in Frankreich. Der Entstehungszeitraum war also kurz, was man dem Album im besten Sinn anhört: Es klingt nach einer Band, die im Studio spielt, nicht nach einem am Reißbrett entworfenen Konzeptwerk.
Einordnung im Werk von David Bowie
Pin Ups steht am Ende der Glam-Rock-Phase und markiert eine Zäsur. Danach folgte mit Diamond Dogs ein deutlich düstereres, konzeptuell aufgeladenes Album, und wenig später wandte sich Bowie mit Young Americans amerikanischen Soul-Einflüssen zu. Das Coveralbum wirkt aus dieser Perspektive wie ein bewusst gesetzter Schlussstrich unter eine Ära, verbunden mit einer Verbeugung vor den Musikern, die den Weg dorthin überhaupt erst möglich gemacht haben.
Interessant ist auch, dass hier viele Songs erstmals einem jüngeren Publikum begegneten. Wer 1973 vierzehn war, kannte „See Emily Play„ oder „Shapes Of Things„ oft nicht mehr aus dem Radio. Bowie hat mit Pin Ups also nebenbei eine ganze Generation an britische Musikgeschichte herangeführt.
Für wen lohnt sich Pin Ups?
Als Einstieg in Bowies Werk taugt die Platte nicht, dafür fehlt ihr der eigene Songkatalog. Wer aber Ziggy Stardust und Aladdin Sane bereits kennt und wissen will, woher der Sound dieser Alben kommt, bekommt hier den passenden Stammbaum in Albumlänge. Auch für Hörer, die sich für die britische Beat- und Mod-Szene der Sechziger interessieren, ist Pin Ups ein sehr angenehmer Zugang, weil Bowie die Vorlagen respektvoll, aber nicht ehrfürchtig behandelt.
Wer dagegen von jedem Bowie-Album einen Stilbruch, ein Konzept und eine neue Kunstfigur erwartet, wird enttäuscht. Pin Ups will nichts erfinden, es will Spaß machen.
Fazit: Lohnt sich Pin Ups?
Pin Ups ist viel besser als sein Ruf. Zwar handelt es sich hier durchweg um Coversongs bekannter Größen wie Pink Floyd, The Who oder den Yardbirds, aber Bowie geht mit so einer bestimmten Frische und einem solchen Erfindungsreichtum zu Werke, dass man einfach Spaß mit diesen Liedern haben muss. Als Pflichtkauf würde ich das Album niemandem verkaufen, als unterschätztes Nebenwerk mit drei echten Glanzstücken aber sehr wohl.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Pin Ups für ein Album?
Pin Ups ist ein reines Coveralbum von David Bowie, das am 19. Oktober 1973 bei RCA Records erschien. Bowie interpretiert darin zwölf Songs britischer Bands aus den Jahren um 1964 bis 1967, die ihn als Jugendlichen geprägt haben. Eigene Kompositionen enthält die Platte nicht.
Welche Originale hat Bowie auf Pin Ups gecovert?
Vertreten sind unter anderem The Who mit I Can't Explain und Anyway, Anyhow, Anywhere, The Kinks mit Where Have All The Good Times Gone, Pink Floyd mit See Emily Play und die Yardbirds mit I Wish You Would und Shapes Of Things. Dazu kommen Stücke der Pretty Things, der Easybeats und der Merseys.
War Pin Ups kommerziell erfolgreich?
Ja, das Album erreichte Platz 1 der britischen Charts und Platz 23 in den USA. Bei der Kritik kam es dagegen deutlich zurückhaltender an. Bis heute gilt es als das Stiefkind von Bowies Glam-Rock-Periode.
Lohnt sich Pin Ups für Bowie-Einsteiger?
Als erstes Bowie-Album ist Pin Ups die falsche Wahl, weil es keinen eigenen Songkatalog präsentiert. Wer Ziggy Stardust und Aladdin Sane bereits kennt, findet hier aber eine sehr unterhaltsame Ergänzung mit einigen überraschend eigenwilligen Arrangements.
Wer hat auf Pin Ups mitgespielt?
Neben Bowie an Gesang, Gitarre, Saxofon, Harmonika und Moog sind Mick Ronson an Gitarre und Klavier, Trevor Bolder am Bass, Aynsley Dunbar am Schlagzeug und Mike Garson an Klavier, Orgel, Cembalo und E-Piano zu hören. Produziert wurde die Platte von Ken Scott gemeinsam mit Bowie.
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