Der letzte Jude von Tamentit

Autorenwertung
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  • Lesbarkeit
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  • Erotik
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  • Gesamt
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Rezension von: B.Agada | Rezensionsdatum:

Der letzte Jude von Tamentit

von

 

Jeden Tag zur gleichen Zeit treffen sich Ibrahim und Barkahoum in einer Pizzeria in Algier. Sie erzählen sich Geschichten, die mit ihren Familien und Algerien zu tun haben.

Die Familien

Zohar, der Vater von Ibrahim, hat wie alle „nationalbewussten Algerier“ für ein freies Algerien gegen die französischen Kolonisatoren gekämpft, erzählt Ibrahim seiner Lebensgefährtin, doch er verliert den Faden und sich selbst in den Liebkosungen des Körpers seiner Geliebten Barkahoum. Diese erzählt ihrerseits von ihrem Vater, der eines Tages verschwand und nicht mehr zurückkam und ihrer Mutter, die ihre Tochter loswerden wollte.

Ibrahim erzählt

Ibrahim, Abraham oder Ephrahim, der seinen Namen nicht leiden kann, erzählt von seiner Großmutter, die Geschichten der Juden aus Andalusien zum Besten gab und seiner Tante Tamira, die als Jüdin einen Imam heiratete, weil sie sich in seine schöne Stimme verliebt hatte.

Sein Onkel Daoud, wollte in Constantine eine Musikschule gründen, doch die Leute dort waren schon zu sehr von den Wirren des Unabhängigkeitskrieges abgelenkt, der das frühere Zusammenleben von Christen, Juden und Muslimen in Misstrauen und Verleumdungen wandelte. Seine Parole: „Nur die Musik ist in der Lage, das Feuer der Rache und Feindseligkeiten zu löschen“ erzählte Daoud seinen Schülern, aber er sprach auch über Cheikh Abd el-Hamid Ben Badis, dem Gründer der Vereinigung der algerischen muslimischen Rechtsgelehrten und dem Fußballverein von Constantine.

Barkahoum erzählt

Barkahoum fantasiert von Tin Hinan abzustammen, doch dann meint sie eine Nachfahrin des Mystikers Abd el-Karim al-Maghili aus Tlemcen zu sein.

Ihre größere Schwester wurde beim Liebesspiel mit einem verheirateten Nachbarn erwischt und nachdem sie schwanger wurde, eigenhändig von ihrem Vater erhängt, was Barkahoum im Kindesalter miterleben musste. Zum Arbeiten wurde Barkahoum zur reichen Familie Branès geschickt und adoptiert. Dort arbeitet sie als Mädchen für alles im Haus und später als Gespielin der Dame des Hauses im Bett!

Ihr Stiefvater gab vor blind zu sein, aber so ganz glaubte Barkahoum nicht daran. Seit Jahren las sie ihm aus den vielen Büchern seiner Bibliothek vor. Eines Tages bat er Barkahoum die Geschichte von Abd el-Karim al-Maghili aufzuschreiben, der eines Tages, am Grab Ephraim al n’Kaoua schwor, die Juden zu vertreiben.

Juden und Muslime

In Nordafrika und Andalusien lebten Juden und Muslime Jahrhunderte lang, mal mehr mal weniger friedlich nebeneinander und miteinander. Ähnliche Bräuche, wie die Beschneidung der Jungen, und andere Feste wurden in Tamentit, einer bekannten Karawanenstation und religiöses Zentrum im Mittelalter, mitunter gemeinsam gefeiert. Bei Beerdigungen von Juden wurden Koranverse vom Imam gelesen.

Doch gab es Fanatiker, die alle Harmonie entzweiten und Kriege entfachten, früher wie heute und nicht nur zwischen Juden und Muslimen sondern auch zwischen Muslimen untereinander. Darum geht es in diesem Buch.

 

Autor:

Amin Zaoui, geboren 1956 in der Nähe von Tlemcen. Er arbeitet als Autor und Redakteur für arabischsprachige und französischsprachige Tageszeitungen. Eines seiner letzten Bücher wurde von Islamisten verbrannt, worauf er in den 1990er-Jahren nach Frankreich floh. Seit 2000 lebt er wieder in Algerien und dieses Buch ist tatsächlich zuerst in Algerien erschienen.

 

Fazit:

Wer meint, bei einem jüdisch-muslimisch beschnittenen Penis, der wie ein türkisches Minarett hoch steht und gerade von der Frau seines Herzens „vernascht“ wird, handelt es sich um einen Porno oder Shades of Grey auf „arabisch“, wird ein wenig enttäuscht sein, denn er hält das neueste Buch von Amin Zaoui in der Hand, dem „Enfant terrible“ der algerischen Medienlandschaft.

Die Kapitel werden abwechselnd von Ibrahim und Barkahoum in der Ich-Form erzählt, was zu Beginn etwas verwirrend ist, wenn man nicht durch den Klappentext vorinformiert ist. Zwischen Sexspielen und Orgasmen drehen sich die Geschichten um Personen, die in der algerischen Geschichte eine Rolle spielten.

Zaouis Erzählstil ist äußerst locker, aufreizend, er bricht mit Tabus in allen Beziehungen, provoziert und schockiert. Abgesehen von seinem Geschlechtsteil, das beide Erzähler immer wieder gern betrachten, und den lustvollen Minuten, die Ibrahim seiner Barkahoum schenkt, werden Geschichten phantasievoll ausschmückend fast unrealistisch nacherzählt.

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