Die heiligen Pflanzen unserer Ahnen

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Norbert Griebl: Die heiligen Pflanzen unserer Ahnen: Volksmedizin 1; Pflanzenzauberer – Praktische Anwendung

Magische Fotos und Recherche

Das fängt ja toll an: ein gestochen scharfes Foto, das einen tiefen Blick auf das anatomische Innenleben einer Pflanze offenbart, sowie magische Runen am Rande des Covers. So werden die Leserinnen und Leser des Buches von Norbert Griebl empfangen, der in erster Linie mal ein großartiger Fotograf ist. Ein Großteil der Detailbilder, derer es unheimlich viele in diesem Buch hat, sind von ihm selbst und vermitteln auf den ersten Blick einen mächtigen und opulenten Eindruck von all den heimischen Wunderwesen.

Griebl ist gelernter Wirtschaftsfachmann und sieht in Anzug und Krawatte nun mal wirklich wie alles aus, nur nicht wie ein Kenner der Mythen und Magie der Pflanzenwelt. Nun gut, vielleicht mag das auch damit zusammenhängen, dass man als Referenz für derlei Lesestoff den lebenden Waldschrat zitieren muss – und der sieht ja bekanntlich so aus, als käme er gerade aus einer Kommune. Ihm nimmt man dieses tiefe Wissen also sofort ab. Bei Griebl wirkt das dann tatsächlich auch ein bisschen zusammengeschrieben. Immerhin: er zitiert zahlreiche Quellen (selbstredend Storl natürlich auch), so dass man seine Portraits der Pflanzen zunächst mal als optisch ansprechendes Kompendium verstehen darf.

Und immerhin: diese Zusammenstellung ist gelungen. Gleich das Einstiegszitat von Ian Baldwin macht es deutlich, der anmerkt, dass die Intelligenz der Pflanzen so oder so vorhanden ist, es allein um die Frage geht, ob Menschen in der Lage sind, sie zu verstehen. Griebl jedenfalls versteht sie, bemüht sich sehr und bietet von gut 100 Arten spannende Beschreibungen an: mit Gattung, Namensherkunft, volkstümlicher Bedeutung, botanischer Verbreitung, Naturverständnis sowie Vorschläge für Medizin und Ernährung. Das alles hat man so – und auch in dieser Zusammenstellung – schon in vielen anderen Büchern gesehen, was nicht heißt, dass das schlecht ist – denn es ist wirkliches und bewegendes Wissen, zudem optisch groß hervorgehoben.

Toll zudem die bunte Mischung der Gewächse: Bäume, , Kräuter, Stauden; all das, was in Mitteleuropa heimisch (zumindest in einem jüngeren botanischen Sinne) und bekannt ist, wird vorgestellt. Negativ fallen dagegen die manchmal arg abgeschrieben wirkende Sprache (In alter Zeit gab es etc.) und die historischen Bezüge auf; da hat der ziemliche Defizite und bemüht  leider eher den Trivialjargon ohne zumindest einleitend ein paar Grundzüge zum modernen Verständnis historischer Arbeit preiszugeben. Ganz dolle treibt er es mit dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus, der zum wohlwollenden Germanfreund aufsteigt (was er nie gewesen ist), während die Germanen ganz nebenbei die Vorgänger „unseres Volkes“ sind. Och nee, das ist echt unangenehm!

Fazit:

Bis auf die zuletzt gemachte Einschränkung ein wunderbares, sehr toll anzuschauendes Buch, in dem sich eine Unmenge von wichtigen, faszinierenden und spannenden Erzählungen finden und die das Wissen der wirklichen Welt wieder in unsere Herzen zaubern wollen. Denn es wird sich auch niemals ändern: Die Pflanzen, Schwestern der Tiere, sind lebendige Magie: hier nachzulesen und nachzuschauen!

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