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Die philosophische Hintertreppe

4,5 von 5 Redaktion · 2011-09-26 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Der beste Seiteneinstieg in die Philosophiegeschichte, aber kein leichter.

Die philosophische Hintertreppe: 32 große Philosophen in Alltag und Denken
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Die philosophische Hintertreppe: 32 große Philosophen in Alltag und Denken

20,00 € Stand: 13.09.2026

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Die philosophische Hintertreppe von Wilhelm Weischedel

Worum geht es in Die philosophische Hintertreppe?

Bei diesem Buch handelt es sich um einen für Laien geschriebenes Sachbuch über 34 weltbekannte Philosophen und ihre Denkansätze.

Der Autor, Prof. Dr. Wilhelm Weischedel, war lange Jahrzehnte ordentlicher Professor für Philosophie an den Universitäten Tübingen und Berlin. Er lebte von 1905 bis 1975. Die Erstausgabe des Buches erschien 1966 bei der Nymphenburger Verlagshandlung in München, 1973 folgte eine erweiterte Fassung, und seither ist der Band in immer neuen Auflagen nachgedruckt worden.

Weischedels Ansatz ist, daß es nicht nur für Experten (als so genannte „Vordertreppe„, d.h. durch Lesen der Werke der Philosophen im Original) möglich sein sollte, die Thesen und Gedanken dieser Philosophen, die teilweise sehr kompliziert schreiben, zu verstehen, sondern auch für Laien, nämlich durch die von ihm so bezeichnete „Hintertreppe„. Er faßt daher auf 300 Seiten in recht leicht verständlicher Weise das Leben, die Hintergründe und die Werke dieser 34 Philosophen zusammen, ordnet sie in ihren jeweiligen geschichtlichen Hintergrund und die gesellschaftliche Situation ein.

Von Thales bis Wittgenstein

Dabei beginnt er im 6. Jahrhundert vor Christus mit Thales, der von den Wissenschaftlern als erster Philosoph bezeichnet wird, wobei dies auch unter den Experten umstritten ist. Weischedel begründet diesen Ansatz damit, daß Thales den Zeitbegriff in Bezug auf das menschliche Leben in Frage stellt. Letzter der geschilderten Philosophen ist ein Wissenschaftler aus der jungen Vergangenheit, nämlich der 1951 verstorbene Wittgenstein. In den 32 Kapitel dazwischen beschreibt er die Leistungen so bekannter Philosophen wie zum Beispiel Aristoteles, Platon, Leibniz, Voltaire, Kant, Hegel, Schopenhauer, Marx, Nietzsche usw.

Der Bogen umfasst damit rund zweieinhalb Jahrtausende, und weil die Kapitel chronologisch stehen, liest sich das Buch auch als Verlaufsgeschichte: Man sieht, wie eine Frage aufkommt, wie die nächste Generation sie umformuliert und wie sie irgendwann als erledigt gilt, ohne beantwortet worden zu sein.

Der Aufbau der Kapitel

Jeder Philosoph hat ein eigenes Kapitel, und in der Überschrift versucht Weischedel stets einen Titel, der das Werk desjenigen Philosophen treffend beschreibt, zu vergeben, so beispielsweise „Thales oder die Geburt der Philosophie„, „Eckhart oder Gott als Nichtgott„, „Voltaire oder Die Vernunft in der Klemme„, „Jaspers oder Das fruchtbare Scheitern„ bis hin zu „Wittgenstein oder Der Untergang der Philosophie„; er spannt also einen Bogen vom Beginn zum - vorläufigen - Ende der Philosophie, wobei sein Ansatz zur Zeit der Erstveröffentlichung offenbar so revolutionär war, daß er in seiner Einleitung sich ausführlich rechtfertigt, warum er einen so populärwissenschaftlichen Ansatz zur Beschreibung der Philosophen wählt.

Ferner enthält das Buch einen Prolog „Die zwei Aufgänge zur Philosophie„ und einen Epilog „Epilog oder Aufstieg und Abstieg„

Warum die Kapiteltitel wichtig sind

Diese Doppeltitel sind kein Schmuck, sondern die eigentliche didaktische Leistung. Weischedel zwingt sich damit, für jeden Denker einen einzigen Gedanken zu benennen, an dem alles andere hängt. Wer nur die Inhaltsübersicht liest, hat deshalb schon einen groben Überblick über die Philosophiegeschichte, und wer nach Monaten zurückblättert, findet über den Titel sofort wieder in das Kapitel hinein.

Was der Titel meint

Die Metapher der Hintertreppe ist der Schlüssel zum ganzen Buch. Die Vordertreppe ist der offizielle Weg: Man liest Kant im Original und arbeitet sich durch die Sekundärliteratur. Die Hintertreppe führt über den Dienstboteneingang, also über Biografie, Alltag, Zeitumstände und Anekdote, hinein in dasselbe Haus. Weischedel behauptet nicht, dass beide Wege gleichwertig sind. Er behauptet nur, dass der zweite existiert und dass er niemandem verwehrt sein sollte.

Genau deshalb steht am Anfang der Prolog über die zwei Aufgänge und am Ende der Epilog über Aufstieg und Abstieg. Das Buch reflektiert seine eigene Methode, statt sie stillschweigend zu benutzen.

Zur Ausgabe: 32 oder 34 Philosophen?

Wer den Titel vergleicht, stößt auf eine Irritation: Manche Ausgaben tragen im Untertitel die Zahl 34, andere sprechen von 32 großen Philosophen. Grund sind die verschiedenen Fassungen und Neuauflagen, die der Band seit 1966 erlebt hat. Am Charakter des Buches ändert das nichts, beim gezielten Kauf einer bestimmten Ausgabe lohnt aber ein Blick auf Untertitel und Verlag.

Für wen lohnt sich das Buch?

Für Leser, die aus Interesse und nicht aus Prüfungsdruck zur Philosophie kommen, ist die Hintertreppe fast ideal. Auch Schüler und Studenten anderer Fächer greifen gerne danach, weil sich einzelne Kapitel als abgeschlossene Einheiten lesen lassen, wenn ein Name einzuordnen ist. Wer Philosophie im Hauptfach studiert, wird das Buch dagegen schnell hinter sich lassen: Es ersetzt keine Primärlektüre und will das auch nicht.

Nicht geeignet ist es für Leser, die eine sehr einfache Sprache brauchen. Der Titel klingt flapsiger, als das Buch tatsächlich ist.

So liest man das Buch am besten

Von vorne nach hinten durchzulesen ist möglich, aber nicht zwingend. Sinnvoller ist oft der Einstieg bei einem Denker, der einem ohnehin schon begegnet ist, etwa Kant, Nietzsche oder Schopenhauer. Von dort aus arbeitet man sich rückwärts zu den Vorläufern und vorwärts zu den Gegenspielern vor. Weil jedes Kapitel für sich verständlich bleibt, funktioniert das ohne Verlust.

Wer parallel eine Zeitleiste mitführt oder sich die Doppeltitel notiert, hat nach der Lektüre ein belastbares Gerüst im Kopf. Das ist genau das, was Weischedel mit der Hintertreppe erreichen wollte: keine Fachkenntnis, aber Orientierung.

Fazit: Lohnt sich Die philosophische Hintertreppe?

Das Buch ist für alle an Philosophie interessierten Leser interessant, wobei trotz des fast flapsigen Titels doch ein recht hohes intellektuelles Niveau und Sprachverständnis vorausgesetzt wird - in den 60er-Jahren war einfach noch nicht die Zeit für absolut vereinfacht geschriebene Sachbücher im amerikanischen Stil à la „XX für Dummies„. Um sich ein erstes Bild über die wohl wichtigsten Philosophen der (westlichen) Welt zu verschaffen, ist es definitiv ein sehr guter, wenn auch nicht immer ganz leicht verständlicher Einstieg. Um einen wirklichen „Rundgang„ über die Philosophen zu ermöglichen, fehlen jedoch asiatische Philosophen wie zum Beispiel Konfuzius, um nur einen von vielen Wichtigen zu nennen. Dennoch sehr empfehlenswert!

Dass sich das Buch seit Jahrzehnten hält, spricht für sich. Es gibt inzwischen dutzende Einführungen in die Philosophiegeschichte, aber nur wenige, die ihren Leser gleichzeitig ernst nehmen und nicht überfordern.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Die philosophische Hintertreppe?

Wilhelm Weischedel stellt in kurzen Kapiteln 34 Philosophen der westlichen Welt vor, von Thales im 6. Jahrhundert vor Christus bis zu Ludwig Wittgenstein. Jedes Kapitel verbindet Leben, Zeitumstände und Grundgedanken des jeweiligen Denkers. Das Buch will damit einen Zugang schaffen, der ohne Originallektüre auskommt.

Was bedeutet der Titel Hintertreppe?

Weischedel unterscheidet zwei Wege zur Philosophie. Die Vordertreppe ist das Studium der Originalwerke, also der Weg der Fachleute. Die Hintertreppe führt über das Leben und den Alltag der Denker zu ihren Gedanken und steht damit auch Laien offen.

Wann ist das Buch erschienen?

Die Erstausgabe erschien 1966 bei der Nymphenburger Verlagshandlung in München, 1973 folgte eine erweiterte Fassung. Wilhelm Weischedel lebte von 1905 bis 1975. Seither ist das Buch in zahlreichen Auflagen und Ausgaben nachgedruckt worden.

Ist das Buch für Anfänger geeignet?

Es ist als Einstieg gedacht, setzt aber trotz des lockeren Titels ein gewisses Sprachverständnis und Durchhaltevermögen voraus. Wer eine Darstellung im Stil moderner Ratgeberliteratur erwartet, wird überrascht sein. Für interessierte Leser ohne Vorkenntnisse ist es dennoch einer der besseren Zugänge.

Welche Philosophen fehlen im Buch?

Weischedel beschränkt sich auf die westliche Tradition. Asiatische Denker wie Konfuzius kommen nicht vor, ebenso fehlen Philosophinnen und außereuropäische Schulen weitgehend. Wer einen wirklichen Rundgang durch die Philosophie sucht, braucht deshalb ergänzende Lektüre.

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