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Ein Hauch von Amerika - Staffel 1

4,5 von 5 von Michael Krause · 2022-03-08 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Sehenswerte Geschichtsstunde mit starkem Ensemble und glaubwürdigem Setting

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Worum geht es in Ein Hauch von Amerika?

Kaltenstein im Jahr 1951. Die fiktive Ortschaft in der Pfalz ist geprägt von den US-Soldaten, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges dort stationiert sind. Mit den Soldaten hat auch ein recht lockerer Lebensstil Einzug gehalten, der vor allem Erika Strumm, die Tochter des Bürgermeisters, anspricht. Ihre beste Freundin Marie Kastner ist da wesentlich zurückhaltender. Sie hofft immer noch, dass Erikas Bruder Siegfried aus dem Krieg zurückkommt, immerhin hat sie ihm vor seiner Einberufung ein Eheversprechen gegeben. Dann lernt Marie allerdings den schwarzen GI George Washington kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn.

Damit ist die Konstellation gesetzt, die alle sechs Folgen trägt: eine Liebe, die im Dorf niemand gutheißt, ein Versprechen, das an einen Vermissten gebunden ist, und zwei Familien, deren Freundschaft daran zerbrechen kann. Die Serie erschien am 24. November 2021 zuerst in der ARD Mediathek und lief ab dem 1. Dezember 2021 im Ersten. Die DVD-Ausgabe folgte im März 2022.

Deutschland 1951: der historische Hintergrund

Wer nach Serien sucht, die im Jahr 1951 spielen, landet fast zwangsläufig bei Stoffen über die frühe Bundesrepublik, und genau da setzt „Ein Hauch von Amerika“ an. Der Staat ist zu diesem Zeitpunkt keine zwei Jahre alt, der Wiederaufbau läuft, und in weiten Teilen des Südwestens gehören amerikanische Uniformen zum Straßenbild. Für die Dorfbevölkerung sind die GIs beides zugleich: Besatzer und Verheißung. Sie bringen Nylonstrümpfe, Zigaretten, Jazz und eine Vorstellung von Freiheit mit, die zu den Verhältnissen in einem pfälzischen Dorf denkbar schlecht passt.

Gleichzeitig ist der Krieg nicht vorbei, sondern nur zu Ende gegangen. Familien warten Jahre nach der Kapitulation noch auf Vermisste, ehemalige Parteigänger sitzen weiterhin an ihren Schreibtischen, und über die eigene Rolle zwischen 1933 und 1945 wird geschwiegen. Dazu kommt der Rassismus, und zwar auf beiden Seiten: Im Dorf gilt eine Beziehung zu einem schwarzen Soldaten als Skandal, und auch innerhalb der US-Armee waren die Vorbehalte gegenüber afroamerikanischen Soldaten in dieser Zeit noch massiv. Die Serie legt diese Gemengelage frei, ohne sie in Lehrsätze zu übersetzen.

Die Figuren

Marie Kastner

Marie ist die ruhige, pflichtbewusste Hälfte der Mädchenfreundschaft. Sie hält an ihrem Wort fest, obwohl sie ahnt, dass Siegfried womöglich nie zurückkehrt. Gerade weil sie nicht als Rebellin angelegt ist, wiegt ihre Entscheidung für George so schwer: Sie bricht mit allem, was ihr Halt gegeben hat. Elisa Schlott, die bereits in „Unsere wunderbaren Jahre“ brilliert hat, ist diese Rolle auf den Leib geschrieben.

Erika Strumm

Die Tochter des Bürgermeisters ist die Lebenslustige, die sich am schnellsten auf das Neue einlässt. Sie tanzt, flirtet und probiert den amerikanischen Lebensstil aus, muss aber begreifen, dass Freiheit in Kaltenstein einen Preis hat. Franziska Brandmeier spielt sie mit spürbarem Drive.

George Washington

Der afroamerikanische GI trägt ausgerechnet den amerikanischsten aller Namen und ist trotzdem in beiden Welten ein Außenseiter. Reomy D. Mpeho gibt ihm eine Zurückhaltung, die die Figur vor dem Klischee vom charmanten Befreier bewahrt.

Siegfried Strumm

Der Heimkehrer ist die Figur, an der die Serie ihre Vergangenheitsfrage aufhängt. Jonas Nay, der seit „Unsere Mütter, unsere Väter“ öfter in solchen Rollen zu sehen war, agiert gewohnt souverän, obgleich er hier nicht die Ausstrahlung hat wie in der Agentenserie „Deutschland 83“.

Darsteller

Elisa Schlott ist Marie Kastner

Reomy D. Mpeho ist George Washington

Franziska Brandmeier ist Erika Strumm

Jonas Nay ist Siegfried Strumm

Dietmar Bär ist Friedrich Strumm

Anna Schudt ist Anneliese Strumm

Paul Sundheim ist Vinzenz Kastner

Winnie Böwe ist Luise Kastner

Julia Koschitz ist Amy McCoy

Philippe Brenninkmeyer ist Colonel Jim McCoy

Episodenübersicht

01 - Willkommen in Kaltenstein

02 - Frei sein

03 - Schulter an Schulter

04 - Vergiss die Amis

05 - Freunde und Feinde

06 - Kein Ort zum Leben

Produktinformationen

1 DVD

Laufzeit: ca. 270 Minuten

Sprache: Deutsch

Ton, Bild, Farbe:

FSK: ab 12 Jahre

Wie gut ist die Serie?

Nach zahlreichen Familienserien zur Wendezeit oder auch zur Zeit des Zweiten Weltkrieges will „Ein Hauch von Amerika“ jetzt die Zeit durchleuchten, in der amerikanische Soldaten in Deutschland stationiert waren. Dafür haben die beiden Drehbuchautoren Johannes Rotter und Christoph Mathieu das fiktive Städtchen Kaltenstein erdacht und zwei Familien erschaffen, deren Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird.

Marie und Erika sind beste Freundinnen, denen auch die Kriegswirren nichts anhaben konnten. Ihre Freundschaft ist Dreh- und Angelpunkt der sechs Teile, deren Spannung sich kontinuierlich steigert. Sicher wird dabei auf manche Stereotype zurückgegriffen, doch sowohl die lebenslustige Erika Strumm als auch die treue Seele Marie Kastner sind gut herausgearbeitet, zumal beide Figuren eine Wandlung vollziehen, die im Rahmen der Geschichte authentisch ist. Überhaupt ist die vorhandene Authentizität einer der großen Pluspunkte. Obgleich es eine Geschichte ist, die über Konflikte verfügen muss und die den Zuschauer unterhalten soll, sind das Setting und der Plot überaus glaubwürdig. Daher zeichnet die Serie ein wirklich interessantes Bild der damaligen Zeit.

Einen großen Anteil daran haben die Schauspieler. Maries Liebe zu George Washington, der sehr gut von Reomy D. Mpeho dargestellt wird, ist der Stein des Anstoßes, der auch ihre Freundin Erika bewegt, die von Franziska Brandmeier ebenfalls hervorragend gespielt wird. Getragen wird das Ensemble außerdem von Dietmar Bär und Anna Schudt, die dem Bürgermeisterpaar Strumm die nötige Ambivalenz geben.

Was weniger überzeugt

Ganz ohne Melodram kommt der Sechsteiler nicht aus. Manche Nebenfigur bleibt Typ statt Charakter, und einzelne Wendungen sind früh absehbar, weil das Erzählmuster der großen Event-Serien eben auch hier greift. Wer harte Milieustudie erwartet, bekommt stattdessen ein sorgfältig ausgestattetes Ausstattungsdrama, das seine Konflikte zuverlässig auflöst. Das schmälert den Gesamteindruck, verhindert aber nicht, dass die zentralen Fragen sitzen.

Für wen lohnt sich Staffel 1?

Wer historische Mehrteiler mag, in denen große Politik am Küchentisch verhandelt wird, ist hier richtig. Die Serie funktioniert für Zuschauer, die „Unsere wunderbaren Jahre“ oder vergleichbare Nachkriegsstoffe geschätzt haben, und ebenso für alle, die sich für die amerikanische Präsenz im Südwesten Deutschlands interessieren. Wegen der Themen Rassismus, Krieg und Gewalt ist die Freigabe ab zwölf Jahren gut gesetzt. Wer dagegen mit langsam erzähltem Familiendrama nichts anfangen kann, wird in den ersten Folgen ungeduldig.

Fazit: Lohnt sich Staffel 1?

Unterm Strich ist „Ein Hauch von Amerika“ ein überaus sehenswerter Mehrteiler, der gerne eine zweite Staffel bekommen kann. Stoff genug wäre noch da, und auch das Ende ist so gestaltet worden, dass es diese Reihe abschließt und trotzdem jede Menge Möglichkeiten für eine Fortsetzung offenlässt. Als Geschichtsstunde im Gewand eines Familiendramas ist die Miniserie ihre 270 Minuten wert.

Unsere Bewertung

Spannung: 4,5

Action: 4

Humor: 3,5

Erotik: 3,5

Anspruch: 5

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Ein Hauch von Amerika?

Die Serie spielt 1951 im fiktiven pfälzischen Kaltenstein, wo seit Kriegsende US-Soldaten stationiert sind. Im Mittelpunkt steht die Bauerntochter Marie Kastner, die sich in den afroamerikanischen GI George Washington verliebt, obwohl sie dem vermissten Siegfried Strumm ein Eheversprechen gegeben hat. Aus diesem Dreieck entwickelt sich ein Konflikt, der zwei befreundete Familien und das ganze Dorf erfasst.

Wie viele Folgen hat Staffel 1?

Es sind sechs Folgen, die als in sich geschlossene Miniserie angelegt sind. Die DVD-Ausgabe kommt auf eine Laufzeit von rund 270 Minuten. Das Ende schließt die Geschichte ab, lässt aber Raum für eine Fortsetzung.

Wann und wo lief Ein Hauch von Amerika im Fernsehen?

Die Serie erschien am 24. November 2021 zuerst in der ARD Mediathek und lief ab dem 1. Dezember 2021 im Ersten. Die DVD folgte im März 2022.

Wer spielt die Hauptrollen?

Elisa Schlott spielt Marie Kastner, Reomy D. Mpeho den GI George Washington und Jonas Nay den Heimkehrer Siegfried Strumm. Franziska Brandmeier ist als Erika Strumm zu sehen, Dietmar Bär und Anna Schudt spielen ihre Eltern.

Ist die Handlung historisch verbürgt?

Kaltenstein ist ein erfundener Ort und die Familien sind frei erfunden. Der Rahmen stimmt aber: US-Truppen waren in der Pfalz stationiert, viele Soldaten galten Jahre nach Kriegsende noch als vermisst, und Beziehungen zwischen deutschen Frauen und afroamerikanischen GIs stießen auf massive Vorbehalte.

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