Erasure - Cowboy
Kurzfazit: Unterschätzte Rückkehr zum kurzen Popsong, nur beim Liebesthema zu dick
Cowboy
11,97 € Stand: 10.08.2026
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Zum Angebot bei Amazon →Manche Alben werden nicht deshalb übersehen, weil sie schwach sind, sondern weil sie unaufgeregt sind. Cowboy ist so ein Fall. 1997 veröffentlicht, zehn Jahre nach den ersten großen Erfolgen, wirkt es wie das Album einer Band, die nichts mehr beweisen muss und genau deshalb wieder Spaß an der einfachen Form hat.
Worum geht es auf Cowboy?
Nach dem von vielen Leuten als zu sperrig empfundenen letzten Album von Erasure, dem selbstbetitelten Werk von 1995, kehrte die Band 1997 mit Cowboy zu ihren Dreiminuten-Popsongs zurück. Die Platte erschien am 31. März 1997 bei Mute Records, in den USA folgte sie am 22. April über Maverick. Produziert wurde sie von Gareth Jones und Neil McLellan, aufgenommen in mehreren Londoner Studios sowie auf Mallorca und im englischen Chertsey.
Cowboy ist wieder eine typische Erasure-Scheibe geworden, vom Sound her erdiger produziert als zum Beispiel I Say I Say I Say. Die Synthieparts sind wohldosiert auf die einzelnen Songpassagen verteilt und stehen nicht mehr so sehr im Vordergrund. Darüber hinaus ist das Album recht homogen, sodass man es an einem Stück durchhören kann, ohne sich besonders immer neu auf die Lieder einstellen zu müssen.
Die Höhepunkte des Albums
Rain
Das gefühlvolle „Rain“ stellt den perfekten Einstieg in die Welt des Cowboys dar. Nicht zufällig wurde es auch als Single ausgekoppelt: Der Titel setzt den Ton für das gesamte Album, ruhig, warm und ohne den Drang, sofort in den Refrain zu stolpern.
Reach Out
Das soulige „Reach Out“ kommt mit einem Männerchor im Gepäck daher und spielt im Chorus seinen Trumpf aus. Es ist der Moment, in dem sich am deutlichsten zeigt, wie weit Erasure hier von der reinen Synthesizerplatte weg sind und wie viel Gospel- und Soulfärbung Andy Bells Gesang verträgt.
Treasure
Mein persönliches Highlight ist „Treasure“, das einen sehr starken Synthiehook hat und in mir Bilder eines Mondspazierganges im Kopf hervorruft. „Treasure“ ist dabei der Song, der dem Titel des Albums am meisten gerecht wird. Bei einer Songzeile wie
„I dream of trees and roads I roam across the hills The sky is big, of deepest blue The clouds like smokey trains…“
fühlt man sich direkt in den Wilden Westen versetzt. Echt toll, der Song.
Die Singles
Als Singles erschienen „In My Arms“, „Don’t Say Your Love Is Killing Me“ und „Rain“. Zwei davon erreichten in Großbritannien die Top 30. Vor allem „In My Arms“ zeigt gut, worum es auf diesem Album geht: eine klare Strophe, ein Refrain, der sofort sitzt, und Schluss, bevor die Idee sich abnutzt.
Die Kritikpunkte
Natürlich gibt es bei all dem Lob auch ein paar Kritikpunkte. Zum einen sind mir persönlich zu viele Liebessongs darauf, auch die Worte „Love“ und „Darling“ werden übermäßig oft wiederholt. Bei einem Album, das ohnehin auf Homogenität setzt, verstärkt diese thematische Enge den Eindruck, dass die Stücke einander ähneln.
Auch die kleinen Synthiehooks, die Vince Clarke in vielen Erasure-Songs sozusagen als sein Markenzeichen verbaut, zünden nicht mehr so gut wie noch in früheren Alben. Sie klingen hier manchmal so, als wären sie einfach zufällig zustande gekommen.
Auch das Cover des Albums sagt mir nicht sehr zu. Ich finde computergenerierte Bilder allgemein eher abstoßend, im Falle von Cowboy einfach nur einfallslos.
Charts und Kritiken
Kommerziell war die Rückkehr zur einfachen Form ein Erfolg. Cowboy erreichte Platz 10 der britischen Albumcharts und Platz 43 der US-amerikanischen Billboard 200, was gegenüber dem Vorgänger eine deutliche Verbesserung bedeutete.
Die Kritik war gespalten, und zwar auf eine für dieses Album bezeichnende Weise. Smash Hits lobte den polierten, freundlichen, sympathischen und reinen Pop, während das NME das Album als geradezu obszön harmlose Kost abtat. Beide beschreiben dasselbe Album, sie bewerten nur unterschiedlich, ob Harmlosigkeit hier ein Vorwurf ist. Wer Erasure kennt, weiß, dass sie diesen Vorwurf schon immer bewusst in Kauf genommen haben.
Welche Version sollte man kaufen?
Es gibt eine Ausgabe des Albums mit zusätzlichen Titeln. Die US-Version enthält neben einer Fassung von Blondies „Rapture“ auch „Magic Moments“, eine Coverversion des Burt-Bacharach-Klassikers, der zuvor bereits auf dem Soundtrack zu Lord of Illusions erschienen war.
Von dieser Version rate ich persönlich jedoch ab, weil der Song stilistisch nicht zu den anderen passt und es den Hörgenuss doch ein wenig kaputtmacht. Wer die geschlossene Wirkung des Albums erleben will, greift zur Standardfassung und hört die Bonusstücke separat.
Wie hört sich Cowboy heute an?
Erstaunlich gut, und zwar aus einem Grund, der 1997 noch wie ein Nachteil aussah. Weil das Album auf die jeweils aktuellen Produktionsmoden weitgehend verzichtet und stattdessen auf handwerklich saubere Popsongs setzt, klingt es heute weniger datiert als vieles aus derselben Zeit. Der erdige Klang, den man damals als Rückschritt lesen konnte, erweist sich im Nachhinein als Schutz gegen das Altern.
Auch die Kürze der Stücke hilft. Wo spätere Erasure-Platten gelegentlich in die Breite gehen, bleibt Cowboy diszipliniert. Kein Song überschreitet die Aufmerksamkeitsspanne, kein Arrangement wird um seiner selbst willen ausgebaut. Das ist die Qualität, die dem Album lange abgesprochen wurde und die es inzwischen von seinen lauteren Zeitgenossen unterscheidet.
Für wen lohnt sich Cowboy?
Für Hörer, die Erasure schon kennen und ein Album suchen, das man nebenbei laufen lassen kann, ohne dass es belanglos wird. Cowboy ist die richtige Platte für den zweiten oder dritten Schritt in die Diskografie, nach Chorus und I Say I Say I Say.
Wer dagegen den experimentellen Erasure sucht, den es auf dem Vorgänger von 1995 tatsächlich gab, wird hier nicht fündig. Das ist keine Schwäche des Albums, sondern seine erklärte Absicht.
Fazit: Lohnt sich Cowboy?
Mit Cowboy ist Erasure wieder ein echtes Stück Popmusik gelungen, die Songs machen Spaß und sind abwechslungsreich. Hin und wieder erscheint mir das Liebesthema etwas überstrapaziert, aber wer Erasure kennt, weiß damit umzugehen. Cowboy, von vielen leider unterschätzt, ist einer meiner Favoriten.
Häufig gestellte Fragen
Wann erschien das Erasure-Album Cowboy?
Cowboy kam am 31. März 1997 bei Mute Records heraus, in den USA folgte am 22. April 1997 die Veröffentlichung über Maverick. Es ist das achte Studioalbum des Duos.
Wie klingt Cowboy im Vergleich zu den Vorgängern?
Deutlich direkter. Nach dem als sperrig empfundenen selbstbetitelten Album von 1995 kehrten Erasure zu kurzen, klar gebauten Popsongs zurück. Der Sound ist erdiger produziert als etwa auf I Say I Say I Say, die Synthieparts sind wohldosiert verteilt und stehen nicht mehr so stark im Vordergrund.
Welche Singles wurden aus Cowboy ausgekoppelt?
Drei Titel erschienen als Singles: In My Arms, Don't Say Your Love Is Killing Me und Rain. Zwei davon schafften es in Großbritannien in die Top 30. Das Album selbst erreichte dort Platz 10, in den USA Platz 43 der Billboard 200.
Was hat es mit dem Bonustitel Magic Moments auf sich?
Die US-Ausgabe enthält zwei zusätzliche Stücke, eine Version von Blondies Rapture und eine Coverversion des Burt-Bacharach-Titels Magic Moments, der zuvor auf dem Soundtrack zu Lord of Illusions erschienen war. Stilistisch passt Magic Moments allerdings kaum zum restlichen Album.
Lohnt sich Cowboy für Erasure-Einsteiger?
Als Zweit- oder Drittalbum ja. Cowboy lässt sich am Stück durchhören und enthält mit Rain, Reach Out und Treasure drei sehr zugängliche Stücke. Wer Erasure erstmals hört, sollte trotzdem eher mit Chorus oder I Say I Say I Say beginnen.
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