Erasure - Loveboat
Kurzfazit: Mutiges, zu Unrecht verrissenes Erasure-Album mit starken Melodien.
Loveboat [Vinyl LP]
36,62 € Stand: 10.08.2026
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Zum Angebot bei Amazon →Loveboat ist das Album, an dem sich Erasure-Hörer bis heute scheiden. Für die einen ist es der Punkt, an dem das Duo den Faden verloren hat, für die anderen die letzte Platte, auf der Vince Clarke und Andy Bell noch etwas riskiert haben. Diese Rezension gehört klar zur zweiten Gruppe.
Worum geht es auf Loveboat?
Loveboat ist das neunte Studioalbum von Erasure und erschien am 23. Oktober 2000 bei Mute Records. Aufgenommen wurde es zwischen 1999 und 2000 im Studio 37B in Chertsey in der Grafschaft Surrey sowie in Son Ripoll auf Mallorca, produziert haben es Erasure zusammen mit Flood. Musikalisch ist es ein überwiegend langsames, balladenlastiges Synthpop-Album, das die typischen Erasure-Zutaten an mehreren Stellen bewusst aufbricht: Gitarrenklänge, ungewöhnliche Songstrukturen und ein Sound, der weniger auf Hochglanz getrimmt ist als bei den Vorgängern. Kommerziell ging die Rechnung nicht auf, in Großbritannien verfehlte das Album die Top 40.
Die Tracklist von Loveboat
- Freedom
- Where In The World
- Crying In The Rain
- Perchance To Dream
- Alien
- Mad As We Are
- Here In My Heart
- Love Is The Rage
- Catch 22
- Moon & The Sky
- Surreal
Loveboat, das Album
Nach dem überaus gelungenem Cowboy ließen sich Erasure wieder 3 Jahre Zeit, bevor sie mit ihrem Loveboat in See stachen. Ähnlich wie auf dem Erasure-Album war man hier wieder etwas mutiger und schloss auch unkonventionelle Ideen bei der Songgestaltung nicht aus.
Freedom: Gitarre zu Beginn, Synthies gleich danach
So irritiert der Opener „Freedom“ mit einer kleinen Gitarrenpassage zu Beginn, doch wird man schnell belehrt, dass es sich bei diesem Stück immer noch um Erasure handelt, denn es dauert nicht lange und Vince’ urtypische Synthieparts spielen auf. Als erste Single ausgekoppelt, erreichte der Titel Platz 27 der britischen Singlecharts und blieb damit deutlich hinter den Erfolgen der frühen Neunziger zurück.
Where In The World, Crying In The Rain und Perchance To Dream
„Where In The World“ ist wieder eine Traumballade geworden, Andy singt mit ganz tiefer Stimme, die einem unter die Haut geht. „Crying In The Rain“ mag ich persönlich nicht so sonderlich, irgendwie ist dieses Stück sehr dumpf und dümpelt langweilig vor sich hin. „Perchance To Dream“ ist mal wieder ein richtiges Falsett-Stück, Andy singt mit sehr hoher Stimme, sodass sich dieser Titel mühelos mit einem „Blues Away“ messen könnte.
Moon & The Sky und Surreal
Bleibt das Tempo bei den meisten Songs doch recht moderat, ist „Moon & The Sky“ der einzige Track auf Loveboat, der in die Upbeat-Kategorie fällt und mit einem wuchtigen Bassbeat aufwartet. Genau dieser Titel bekam später noch eine zweite Chance: Mute veröffentlichte ihn im Dezember 2001 in überarbeiteter Fassung als erweiterte Single unter dem Titel Moon & the Sky Plus. Das wunderschöne „Surreal“ bildet den krönenden Abschluss dieses Albums, das von der Fachwelt wie auch Fans, meiner Meinung nach zu Unrecht, verrissen worden ist.
Warum wurde Loveboat so schlecht aufgenommen?
Viele kreideten dem Album eine schlechte Produktion an, ich konnte auch beim mehrmaligen Hören nichts dergleichen feststellen. Vielleicht liegt es aber auch an der Erwartungshaltung der Leute, wie ein Erasure-Album zu klingen hat, und wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden, wird es gleich schlecht gemacht.
Dazu kommt der Zeitpunkt. Um das Jahr 2000 hatte klassischer Synthpop im Radio wenig zu melden, und ein Album, das statt Tanzflächenhits vor allem ruhige, verschachtelte Songs anbietet, hatte es doppelt schwer. Wer 1992 über die Abba-esque-EP zu Erasure gefunden hatte, bekam hier schlicht nicht das, wonach er suchte.
Was Loveboat den anderen Alben voraus hat, ist, dass es mutiger und experimentierfreudiger klingt, auch besitzen die Songs viele schöne Melodien, die das Album aus dem Durchschnittsbrei hervorstechen lässt. Die Produktion lässt den Stücken Kanten, die auf einem sauber durchgemischten Erasure-Album der Neunziger weggeschliffen worden wären. Man muss das mögen, aber es ist eine bewusste Entscheidung und kein handwerklicher Unfall.
Hintergrund: Erasure um das Jahr 2000
Erasure sind ein 1985 in London gegründetes Synthpop-Duo, bestehend aus Sänger Andy Bell und dem Keyboarder, Songschreiber und Produzenten Vince Clarke. Nach dem Debüt Wonderland folgte 1987 mit The Circus der Durchbruch in Großbritannien, die kommerziell stärkste Phase reicht etwa bis zur Abba-esque-EP von 1992, die als einzige Erasure-Veröffentlichung die Spitze der britischen Singlecharts erreichte.
Loveboat markiert das Ende einer Dreijahrespause nach Cowboy und steht damit am Übergang in die zweite Karrierehälfte des Duos. Was danach kam, das Coveralbum Other People’s Songs von 2003 und Nightbird von 2005, ging deutlich stärker auf Nummer sicher. Genau vor diesem Hintergrund wirkt Loveboat im Rückblick besser, als es der zeitgenössische Verriss vermuten lässt.
Einordnung im Katalog
Im Gesamtwerk steht Loveboat zwischen den beiden Polen des Duos: auf der einen Seite die makellosen Popalben Chorus und I Say I Say I Say, auf der anderen Seite die Experimente wie das selbstbetitelte Erasure-Album von 1995. Loveboat gehört eindeutig zur zweiten Gruppe, ist dabei aber melodischer und zugänglicher als der große Bruder von 1995.
Für wen lohnt sich Loveboat?
Als Einstieg in die Diskografie taugt Loveboat nicht. Wer Erasure zum ersten Mal hört, ist mit The Circus, Chorus oder I Say I Say I Say besser bedient, weil dort die bekannten Hits und der prägende Sound versammelt sind.
Lohnenswert ist Loveboat für drei Gruppen: für Hörer, die das Duo bereits kennen und die ruhigeren Balladen mögen, für alle, die an der experimentellen Seite von Vince Clarke interessiert sind, und für Sammler, die den Katalog vollständig haben wollen. Wer ausschließlich Uptempo-Synthpop sucht, wird bei elf Stücken genau eines finden, das diese Erwartung erfüllt.
Fazit: Lohnt sich Loveboat?
Loveboat ist nach meinem Dafürhalten Erasures letztes gutes Album, hier ist wenigstens noch so eine gewisse Experimentierfreude zu spüren, die ich auf den jüngsten Alben einfach vermisse. Mir erscheint es, als wollten Erasure heute einfach auf Nummer sicher gehen und es allen recht machen, was aber tödlich für jeden kreativen Schaffensprozess ist. Von daher kann ich nur hoffen, dass Erasure mit ihrem nächsten Album wieder etwas mehr riskieren und uns wieder mit ihren Ideen überraschen.
Loveboat ist und bleibt ein willkommener Gast in meinem CD-Spieler, weil es so schön anders klingt. Ein Album, das man zweimal hören muss, bevor es sich öffnet, und das dann länger bleibt als manche Platte, die beim ersten Durchlauf besser gefallen hat.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist Loveboat von Erasure erschienen?
Loveboat kam am 23. Oktober 2000 bei Mute Records heraus und ist das neunte Studioalbum von Erasure. Aufgenommen wurde es zwischen 1999 und 2000 in den Studios 37B in Chertsey (Surrey) und Son Ripoll auf Mallorca. In den britischen Albumcharts verfehlte die Platte die Top 40.
Wer hat Loveboat produziert?
Produziert wurde das Album von Erasure gemeinsam mit Flood. Man hört der Platte an, dass die Songs rauer und weniger glattpoliert stehen bleiben, als Erasure-Hörer es aus den frühen Neunzigern gewohnt waren. Genau das war einer der Hauptkritikpunkte bei Erscheinen.
Welche Singles stammen von Loveboat?
Erste Single war Freedom, das Platz 27 der britischen Singlecharts erreichte. Später folgte Moon & the Sky, das Mute in Großbritannien im Dezember 2001 in überarbeiteter Form als erweiterte Veröffentlichung unter dem Titel Moon & the Sky Plus in den Handel brachte.
Warum wurde Loveboat von vielen Fans abgelehnt?
Der häufigste Vorwurf lautete, die Produktion sei zu dünn und das Album klinge zu wenig nach Erasure. Loveboat ist tatsächlich langsamer, sperriger und weniger auf Hitformate ausgerichtet als die Vorgänger. Wer typischen Synthpop im Stil von Chorus erwartet, wird enttäuscht, wer sich einlässt, findet viele schöne Melodien.
Lohnt sich Loveboat für Erasure-Einsteiger?
Als erstes Album ist Loveboat die falsche Wahl. Wer Erasure kennenlernen will, greift besser zu The Circus, Chorus oder I Say I Say I Say. Loveboat lohnt sich für alle, die das Duo schon kennen und einmal die ungewöhnlichere, experimentierfreudigere Seite hören möchten.
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