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Gary Numan - Dark Light

4 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan von Rezension.org · 2011-08-09 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Live-Doppelalbum, das Numans Neuanfang der 90er hörbar festhält.

Live-Dark Light
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Worum geht es auf Dark Light?

Das Jahr 1994 markierte einen Neuanfang für Gary Numan. Nach den eher durchwachsenen Funk-Eskapaden Ende der 80er und dem schrecklichen Album Machine And Soul kam er mit Sacrifice wie der Phönix aus der Asche zu seiner alten Form zurück. Mit Dark Light liegt nun ein Live-Album vor, das genau diese Umbruchstimmung einzufangen weiß. Hier verlässt sich Gary Numan wieder ganz auf seine Stimme und verzichtet auf die allzu poppigen Backgroundsängerinnen.

Wann und wo wurde Dark Light aufgenommen?

Der Mitschnitt entstand am 12. November 1994 im Labatt’s Hammersmith Apollo in London, mitten auf der Sacrifice-Tour. Veröffentlicht wurde das Doppelalbum im Juni 1995 in Großbritannien, Produzent war Numan selbst. In den Vereinigten Staaten erschien die Platte erst im August 1998, im April 2003 folgte eine remasterte Neuauflage. In den britischen Albumcharts kam Dark Light nicht über Rang 107 hinaus, was mehr über die damalige Marktposition des Künstlers aussagt als über die Aufnahme.

Der Sound: gruftiger denn je

Soundtechnisch hat sich viel getan. Der neue Numan-Sound ist sehr düster, und auch sein Image ist gruftiger denn je. Vorbei sind die Zeiten zweifelhafter Style-Experimente, Gary Numan hat nun endlich zu seinem wahren Sound gefunden. Doomige Drum-Loops treffen auf gotische Synthie-Melodien, die oftmals den Eindruck erwecken, sie seien irgendwo im Geheimen aufgenommen worden, in einer Krypta oder ähnlichem.

Wie die Klassiker neu arrangiert wurden

Da Sacrifice ein recht düsteres Album ist und sich lyrisch vor allem kritisch mit Kirche und Religion auseinandersetzt, hat man den klassischen Stücken kurzerhand ein neues Soundgewand spendiert. So klingen die alten Tracks wie auf Moll getrimmt, oftmals dabei in der Geschwindigkeit gedrosselt und im Arrangement leicht verändert, ohne dass ihnen der ursprüngliche Geist genommen wäre. Wer die Studiofassungen im Kopf hat, hört hier keine Kopie, sondern eine Lesart.

Die Setlist im Überblick

Das Live-Doppelalbum Dark Light enthält neben vielen Songs aus dem besagten Sacrifice auch eine Vielzahl von Klassikern. Darunter findet sich natürlich auch das obligatorische „Are Friends Electric?“. Im Gegensatz zu anderen Live-Alben von Gary Numan variiert die Tracklist aber deutlich stärker als üblich, sodass ein sehr spannendes Live-Album daraus geworden ist.

Die seltenen Stücke

Exoten wie „The Dream Police“ und das geniale „Jo The Waiter“ tauchen sonst kaum in Setlists auf. „Jo The Waiter“ stammt noch aus den Anfangstagen der Tubeway Army, bei der Gary Numan der führende Kopf war. Man hat hier also die seltene Gelegenheit, rare Stücke im Livegewand zu erleben. Genau das unterscheidet Dark Light von den vielen austauschbaren Live-Veröffentlichungen im Numan-Katalog.

Das Material von Sacrifice

Titel wie „A Question Of Faith“, „Desire“, „Scar“ und „Magic“ bilden das Rückgrat der beiden CDs. Live gewinnen sie an Wucht, weil die Drum-Loops im Konzertsaal härter wirken als auf Platte. Wer Sacrifice mag, bekommt hier die konsequente Fortsetzung.

Sacrifice und die Vorgeschichte des Albums

Um zu verstehen, warum Dark Light so klingt, wie es klingt, muss man die Jahre davor kennen. Ende der Achtziger hatte sich Numan von seinem ursprünglichen Sound entfernt und in Richtung Funk und Rock bewegt, mit Ergebnissen, die weder Kritiker noch Publikum überzeugten. Machine And Soul markierte den Tiefpunkt dieser Entwicklung. Sacrifice war die Antwort darauf: reduziert, dunkel, thematisch aufgeladen und ohne jeden Versuch, sich einem Radioformat anzunähern.

Ein Live-Album unmittelbar nach einem solchen Neustart ist immer auch eine Standortbestimmung. Numan hätte auf sicher spielen und ein Hitprogramm abliefern können. Stattdessen wird das neue Material in den Mittelpunkt gestellt, und die alten Songs müssen sich diesem Klangbild anpassen statt umgekehrt. Diese Konsequenz ist das eigentlich Bemerkenswerte an der Veröffentlichung.

Die Rolle der Stimme

Auffällig ist, wie viel Raum der Gesang bekommt. Nach Jahren, in denen Sängerinnen die Hauptstimme stützten, trägt Numan die Songs hier wieder allein. Das ist nicht immer makellos, aber es ist unmittelbar. Gerade in den ruhigeren Passagen entsteht dadurch eine Nähe, die den Studiofassungen dieser Zeit teilweise fehlt.

Für wen lohnt sich Dark Light?

Für Hörer, die Numans neunziger Jahre schätzen, ist das Album die naheliegendste Live-Dokumentation dieser Phase. Für Sammler ist die Songauswahl das Argument. Wer Gary Numan gerade erst entdeckt, fährt mit den Studioalben besser, weil ein Doppel-Livealbum mit dreizehn und zwölf Titeln als Einstieg schlicht zu viel auf einmal ist.

Ein Hinweis für Käufer: Dark Light existiert in mehreren Ausgaben, darunter die remasterte Fassung von 2003 und eine separat veröffentlichte Live-EP gleichen Namens. Die EP enthält nur einen kleinen Ausschnitt und ist nicht mit dem Doppelalbum zu verwechseln. Wer den vollständigen Konzertmitschnitt sucht, achtet auf die Ausgabe mit zwei Tonträgern.

Fazit: Lohnt sich Dark Light?

Das Live-Album Dark Light besticht durch eine interessante Songauswahl, die schwerpunktmäßig natürlich auf dem genialen Album Sacrifice beruht, aber auch sehr viele klassische Numan-Stücke aufzuweisen hat. Dadurch ist das vorliegende Werk sehr interessant und abwechslungsreich geworden. Ich kann Dark Light daher jedem Gary-Numan-Fan wärmstens ans Herz legen.

Die Tracklist von Dark Light

CD 1

  1. Pray (Intro)
  2. A Question Of Faith
  3. I Dream Of Wires
  4. Noise Noise
  5. Listen To The Sirens
  6. Everyday I Die
  7. Desire
  8. Friends
  9. Scar
  10. Magic
  11. Praying To The Aliens
  12. Replicas
  13. Mean Street

CD 2

  1. Stormtrooper In Drag
  2. Deadliner
  3. Bleed
  4. The Dream Police
  5. I Die; You Die
  6. The Hunter
  7. Remind Me To Smile
  8. Are ‚Friends‘ Electric?
  9. Do You Need The Service
  10. Love & Napalm
  11. Jo The Waiter
  12. I’m An Agent

Häufig gestellte Fragen

Wann und wo wurde Dark Light aufgenommen?

Der Mitschnitt entstand am 12. November 1994 im Labatt's Hammersmith Apollo in London während der Sacrifice-Tour. Veröffentlicht wurde das Doppelalbum im Juni 1995 in Großbritannien, produziert von Gary Numan selbst. In den USA erschien es erst im August 1998, 2003 folgte eine remasterte Neuauflage.

Welche Alben stehen auf Dark Light im Mittelpunkt?

Der Schwerpunkt liegt klar auf Sacrifice von 1994, dem Album, mit dem Numan nach den Funk-Jahren wieder zu seiner Form zurückfand. Dazu kommen Klassiker aus der Frühphase und einige selten gespielte Stücke. Die Setlist variiert stärker als bei anderen Live-Alben Numans.

Klingen die alten Songs auf Dark Light anders als im Original?

Ja, deutlich. Weil Sacrifice ein düsteres, religionskritisches Album ist, wurden die Klassiker klanglich daran angepasst. Sie wirken nach Moll getrimmt, sind oft im Tempo gedrosselt und im Arrangement verändert, behalten aber ihren ursprünglichen Geist.

Wie erfolgreich war Dark Light in den Charts?

Kommerziell blieb das Album eine Randnotiz und kam in Großbritannien nur auf Platz 107 der Albumcharts. Das lag an der damaligen Marktposition Numans, nicht an der Qualität der Aufnahme. Das Publikum entdeckte diese Werkphase erst Jahre später wieder.

Für wen lohnt sich Dark Light?

Vor allem für Hörer, die Sacrifice kennen und schätzen, und für Fans, die die Klassiker in ungewohnt dunkler Fassung hören wollen. Als erster Zugang zu Gary Numan ist ein Live-Doppelalbum aber der umständliche Weg.

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