Gary Numan - Dream Corrosion
Kurzfazit: Rockigstes Live-Album Numans mit ungewöhnlich mutiger Songauswahl.
Dream Corrosion
Verfügbarkeit und Preis direkt bei Amazon prüfen.
Preis bei Amazon ansehen →Worum geht es auf Dream Corrosion?
Bei Dream Corrosion handelt es sich um ein Live-Album, das am 6. November 1993 im Hammersmith Apollo in London aufgenommen wurde. Veröffentlicht wurde das Doppelalbum im August 1994 auf Numans eigenem Label Numa Records, gemeinsam kommen die beiden CDs auf gut zwei Stunden Spielzeit.
Zu dieser Zeit begann sich Gary Numan gerade von einer sehr schweren Krise zu erholen, hatte er doch im Vorjahr künstlerisch mit seinem Album Machine & Soul eine Bruchlandung erlitten. Glücklicherweise ist Dream Corrosion nicht das Livealbum zur Machine-&-Soul-Tour, denn dessen schlechte Songs braucht man nun wirklich nicht auch noch live.
Was macht die Setlist besonders?
Vielmehr handelt es sich um ein kleines Geschenk Gary Numans an seine Fans. Das Album präsentiert eine bunte Mischung von Tracks, von denen einige zuvor noch nie live zum Besten gegeben wurden. Diese Haltung unterscheidet Dream Corrosion von den meisten Live-Veröffentlichungen im Katalog, die sich sonst gern an den immer gleichen Hits entlanghangeln.
Die Raritäten
Darunter finden sich Exoten wie die B-Seite „Noise Noise“ aus der Zeit des Achtziger-Albums I, Assassin oder „Voix“ vom Funk-Album Metal Rhythm, das heute wohl völlig in Vergessenheit geraten ist. Solche Stücke im Konzertgewand zu hören, ist der eigentliche Grund, sich diese Platte zuzulegen.
Das Intro Mission
Wirklich überrascht war ich vom genialen Intro des Albums. „Mission“ stellt in puncto Düsternis eigentlich alle anderen Gary-Numan-Songs weit in den Schatten und klingt mit seinen irren Drumloops wie ein Vorläufer der aufkommenden Trip-Hop-Bewegung. Für einen Konzertauftakt ist das eine ungewöhnlich mutige Entscheidung, weil das Stück eben nicht sofort die Menge in Bewegung setzt, sondern erst einmal Atmosphäre aufbaut.
Die Tubeway-Army-Klassiker
Neben den üblichen Verdächtigen wie „Are Friends Electric?“, „Down In The Park“ und natürlich seinem größten Hit „Cars“ weist das Album auch ungewohnte Songs auf. So überrascht Gary Numan mit den alten Tubeway-Army-Klassikern „That’s Too Bad“ und „It Must Have Been Years“, die noch von der damaligen Punkszene beeinflusst waren und damit etwas roher und minimalistischer klingen als die anderen Stücke.
Der Klang: das rockigste Numan-Livealbum
Dream Corrosion ist überhaupt eines der rockigsten Live-Alben von Numan. Das ist zum einen den vielen Funk-Alben des Künstlers zu verdanken, die hier ja auch recht zahlreich vertreten sind. Titel wie „Outland“, „Generator“ und „The Machman“ funktionieren mit Band auf der Bühne merklich besser als in ihren Studiofassungen, weil die Härte hier aus echten Instrumenten kommt und nicht aus der Produktion. Schön, dass auch diese Seite Numans einmal näher beleuchtet wird, auch wenn diese Periode nicht gerade zu seinen stärksten gehört.
Selbst die alten Synthesizerstücke profitieren davon. „Me, I Disconnect From You“ und „We Are So Fragile“ gewinnen an Tempo und Kante, ohne dass sie ihren Charakter verlieren.
Die Band und die Bühnenfassungen
Ein Live-Album lebt davon, wie eine Band mit fremdem Material umgeht. Auf Dream Corrosion werden die Songs nicht nachgespielt, sondern übersetzt. Stücke, die im Original von Sequenzern getragen werden, bekommen hier ein Schlagzeug, das nach vorn drängt, und Gitarren, die Flächen ersetzen. Das nimmt den ganz alten Aufnahmen etwas von ihrer klinischen Kälte, gibt ihnen dafür aber Körper.
Nicht jeder Titel gewinnt dabei. „Cars“ etwa lebt im Original von seiner Sparsamkeit, und je mehr Instrumente hinzukommen, desto mehr verliert der Song seinen Sog. Bei „Down In The Park“ funktioniert die Übersetzung dagegen hervorragend, weil das Stück ohnehin von seiner drückenden Stimmung lebt. Diese Ungleichmäßigkeit gehört zu einem ehrlichen Live-Album dazu und ist einer aufpolierten Studioversion allemal vorzuziehen.
Die Aufnahmequalität
Der Mitschnitt ist sauber abgemischt, ohne die Halle wegzuretuschieren. Man hört das Publikum, man hört den Raum, und die Übergänge zwischen den Stücken bleiben erhalten. Wer Live-Alben schätzt, die den Abend als Ganzes abbilden statt als Aneinanderreihung von Einzeltiteln, wird damit gut zurechtkommen.
Dream Corrosion oder Dark Light?
Wer sich für eines der beiden Live-Alben aus dieser Zeit entscheiden muss, sollte auf die Werkphase achten. Dream Corrosion vom November 1993 ist das rockigere Album mit dem stärkeren Achtziger-Anteil und den größeren Überraschungen in der Setlist. Der ein Jahr später entstandene Mitschnitt Dark Light ist dunkler, ruhiger und dreht sich vor allem um das Album Sacrifice. Für Fans sind beide sinnvoll, weil sie einander ergänzen statt sich zu wiederholen.
Für wen lohnt sich Dream Corrosion?
Für Hörer, die Numans Katalog bereits kennen und die selteneren Ecken suchen, ist das Album ein Fest. Für Einsteiger ist es ungeeignet, weil ausgerechnet die bekanntesten Songs hier nicht im Mittelpunkt stehen. Wer Live-Alben grundsätzlich als Zweitverwertung abtut, sollte für dieses hier eine Ausnahme machen: Die Songauswahl allein rechtfertigt die Anschaffung.
Fazit: Lohnt sich Dream Corrosion?
Dream Corrosion gehört rückblickend betrachtet zu den gelungensten Live-Scheiben Numans. Vor allem der ungewohnt rockige Sound und die exzellente Auswahl der Stücke machen dieses Album zu etwas Besonderem. Ich kann diese Live-Kompilation jedem Gary-Numan-Fan uneingeschränkt empfehlen.
Die Tracklist von Dream Corrosion
CD 1
- Mission (Intro)
- Machine & Soul
- Outland
- Me, I Disconnect From You
- We Are So Fragile
- Respect
- Shame
- Films
- Dream Killer
- Down In The Park
- My World Storm
- The Machman
- Generator
- Noise Noise
CD 2
- Cars
- Voix
- You Are In My Vision
- It Must Have Been Years
- That’s Too Bad
- Remind Me To Smile
- I’m An Agent
- Are ‚Friends‘ Electric?
- My Breathing
- I Don’t Believe
- Bombers
- Jo The Waiter
- We Are Glass
Häufig gestellte Fragen
Wann und wo wurde Dream Corrosion aufgenommen?
Der Mitschnitt entstand am 6. November 1993 im Hammersmith Apollo in London. Veröffentlicht wurde das Doppelalbum im August 1994 auf Gary Numans eigenem Label Numa Records. Die beiden CDs laufen zusammen gut zwei Stunden.
Ist Dream Corrosion das Live-Album zur Machine-And-Soul-Tour?
Nein, und das ist ein Glücksfall. Zwar liegt der Mitschnitt zeitlich in der Nähe jenes Albums, die Setlist greift aber quer durch den gesamten Katalog. Numan präsentiert eine bunte Mischung, von der einige Stücke zuvor noch nie live gespielt worden waren.
Welche Raritäten enthält Dream Corrosion?
Auffällig sind die B-Seite Noise Noise aus der I,-Assassin-Zeit und Voix vom Album Metal Rhythm, das heute weitgehend vergessen ist. Dazu kommen die alten Tubeway-Army-Stücke That's Too Bad und It Must Have Been Years, die noch von der Punkszene ihrer Entstehungszeit geprägt sind.
Warum klingt Dream Corrosion so rockig?
Ein großer Teil der gespielten Titel stammt aus Numans Funk- und Rockphase der späten Achtziger, die live mit Band deutlich härter zur Sache geht als im Studio. Auch die Klassiker werden entsprechend druckvoll gespielt. Wer Numan nur als Synthesizerkünstler kennt, hört hier eine andere Seite.
Lohnt sich Dream Corrosion neben Dark Light?
Ja, weil beide Alben unterschiedliche Phasen abbilden. Dream Corrosion von 1993 ist rockiger und stärker von den Achtziger-Alben geprägt, das ein Jahr später aufgenommene Dark Light ist düsterer und dreht sich um Sacrifice. Für Fans ergänzen sich die beiden Mitschnitte.
Deine Bewertung
Teile deine Erfahrung zu „Gary Numan - Dream Corrosion". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.