Gary Numan - I, Assassin
Kurzfazit: Tanzbarer, unterschätzter Numan mit ungewöhnlich starken Bonustracks.
I,Assassin
13,99 € Stand: 23.08.2026
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Nach der Veröffentlichung von Dance 1981, das schon nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen konnte, nahm sich Gary Numan eine kleine Auszeit und hielt sich für die Sessions zu I, Assassin einige Zeit in den USA auf. Das Album erschien am 10. September 1982 bei Beggars Banquet und war Numans viertes Soloalbum. In den britischen Albumcharts stieg es bis auf Platz 8, aufgenommen wurde es in den Rock City Studios im englischen Shepperton.
I, Assassin kann zweifellos als Schwesteralbum zu Dance betrachtet werden, knüpft es doch dessen Faden nahtlos an. Auch das Image, das das Cover des Albums transportiert, ist wieder das gleiche: Gary im Gangsterlook der 30er Jahre. Im Unterschied zu Dance ist I, Assassin aber nun wirklich tanzbarer, auch die amerikanischen Funkeinflüsse kommen wieder verstärkt zum Tragen.
Der Sound: Funk, bundloser Bass und kalte Flächen
Das klangliche Markenzeichen der Platte ist der bundlose Bass von Pino Palladino, der die Stücke trägt und ihnen eine gleitende, fast sprechende Bewegung gibt. Besonders auf „Music For Chameleons“ ist dieser Ton nicht zu überhören. Numan stellt ihm die vertrauten kalten Synthesizerflächen gegenüber, verzichtet aber auf die harten, kantigen Sequenzen der ersten drei Alben. Das Ergebnis ist eine Musik, die man tatsächlich tanzen kann, ohne dass die typische Distanziertheit verloren geht.
Gerade dieser Wechsel hat dem Album damals geschadet. Wer 1982 den Synthie-Pionier von „Cars“ erwartete, fand einen Musiker vor, der lieber Groove und Atmosphäre erkundete. Aus heutiger Sicht ist genau das der Reiz.
Die Texte: Popstar-Erfahrungen und manische Fans
In lyrischer Hinsicht ist I, Assassin von autobiographischen Anekdoten durchsetzt. Neben seinen Erfahrungen als Popstar mit all seinen Schattenseiten werden auch persönliche Erfahrungen mit manischen weiblichen Fans thematisiert, am deutlichsten in „War Songs“. Numan schreibt hier nicht mehr über androide Zukunftsentwürfe, sondern über das, was ihm selbst widerfahren ist. Das macht die Platte persönlicher als vieles, was er bis dahin veröffentlicht hatte, auch wenn er sich äußerlich hinter dem Gangster-Image des Covers versteckt.
Die starken Stücke
Es gibt eine Vielzahl starker Tracks auf dem Album.
White Boys And Heroes
Ein düsterer Einstieg, der den Ton für die gesamte Platte setzt und zugleich als Single ausgekoppelt wurde. Der Song lebt vom Kontrast zwischen dem trockenen Rhythmus und den weit geöffneten Klangflächen darüber.
A Dream Of Siam
Das exotisch anmutende Stück ist einer der Momente, in denen Numan seine Klangpalette am weitesten öffnet. Es zeigt, wie viel atmosphärisches Gespür in ihm steckte, wenn er sich vom engen Songformat löste.
We Take Mystery To Bed
Der bekannteste Titel der Platte und eine der Singleauskopplungen. Er bringt mit seiner tollen Melodie jede New Wave Disco zum Beben. Dieses Stück ist übrigens gleich in zwei Versionen zu finden, einmal in der Singleversion und als Bonus in der Rohfassung, die sich im Sound sehr stark unterscheidet und interessante Einblicke in den Kreativprozess Gary Numans gewährt.
This Is My House
Ein weiterer Titel, der die Funk-Schlagseite des Albums offenlegt, ohne dabei jemals gefällig zu werden. Der Bass führt, die Stimme folgt.
Die Bonustracks: heimliche Höhepunkte
Überhaupt gehören die Bonustracks der Wiederveröffentlichung mit zu den stärksten Songs des Albums. „This House Is Cold“ und „Noise Noise“ hätten mühelos das Zeug zum Klassiker gehabt und wirken keineswegs wie Resteverwertung. Sie reihen sich vielmehr ganz gut ins Gesamtkonzept ein, statt als Fremdkörper aufzufallen, wie es bei Bonusmaterial sonst so üblich ist.
Was schwächelt
Mit „Bridge? What Bridge?“ ist leider aber wieder ein absolut nerviger Song auf dem Album. Naja, Song trifft es nicht ganz, vielmehr ist es eine Art Blödelsession im Studio, also rein improvisiert ohne viel Substanz. So etwas mag im Archiv seinen Platz haben, im Anhang einer Albumveröffentlichung stört es den Fluss.
Auch der Titelsong des Albums ist eher schwach ausgefallen. Dass ausgerechnet das Stück, das der Platte den Namen gibt, am wenigsten hängen bleibt, ist ein kleines Ärgernis, ändert aber nichts an der Qualität des übrigen Materials.
Einordnung: Wo steht I, Assassin in Numans Werk?
I, Assassin markiert das Ende der ersten großen Numan-Phase. Nach den Erfolgen der Jahre um The Pleasure Principle und Telekon suchte er ab Dance nach einer neuen Sprache und fand sie hier zumindest teilweise: weniger Kälte, mehr Bewegung, dafür ein Klangbild, das eng an den Bass gebunden ist. Was danach kam, führte ihn über Jahre in eine kommerziell wie künstlerisch schwierige Phase, aus der er erst Mitte der Neunziger mit Sacrifice wieder herausfand.
Wer die Entwicklung nachvollziehen will, hört Dance und I, Assassin am besten hintereinander. Beide Alben gehören zusammen, und I, Assassin ist die zugänglichere, geschlossenere der beiden Platten.
Tracklist
- White Boys And Heroes
- War Songs
- A Dream Of Siam
- Music For Chameleons
- This Is My House
- I, Assassin
- The 1930’s Rust
- We Take Mystery To Bed
- War Games
- Glitter And Ash
- The Image Is
- This House Is Cold
- Noise Noise
- We Take Mystery To Bed (Early Version)
- Bridge? What Bridge?
Fazit: Lohnt sich I, Assassin?
I, Assassin spinnt den Faden, den Gary auf Dance anfing zu weben, konsequent weiter. Das Album ist insgesamt eingängiger und leichter zugänglich, von sperrigen Soundexperimenten wird abgesehen.
Vor allem die guten Bonustracks zeichnen dieses Album aus, denn sie wirken nicht wie Fremdkörper, wie es sonst bei Bonustracks so üblich ist, sondern reihen sich ganz gut ins Gesamtkonzept ein.
Das beiliegende Booklet liefert viele hilfreiche Infos zur Entstehung des Albums. Aus meiner Sicht ein gutes, aber leider von vielen unterschätztes Album von Gary Numan.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist I, Assassin erschienen?
I, Assassin kam am 10. September 1982 bei Beggars Banquet heraus und ist Gary Numans viertes Soloalbum. In den britischen Albumcharts erreichte es Platz 8. Aufgenommen wurde es in den Rock City Studios in Shepperton.
Wie klingt I, Assassin im Vergleich zu Dance?
I, Assassin ist das Schwesteralbum zu Dance von 1981 und spinnt dessen Faden weiter. Der wesentliche Unterschied liegt in der Zugänglichkeit: I, Assassin ist deutlich tanzbarer, die amerikanischen Funkeinflüsse treten stärker hervor, und auf sperrige Soundexperimente wird weitgehend verzichtet.
Welche Singles stammen von I, Assassin?
Ausgekoppelt wurden „Music For Chameleons“, „We Take Mystery (To Bed)“ und „White Boys And Heroes“. „We Take Mystery To Bed“ ist bis heute der bekannteste Titel des Albums und bringt mit seiner Melodie jede New-Wave-Disco zum Beben.
Wer spielt den markanten Bass auf I, Assassin?
Der bundlose Bass, der den Sound des Albums prägt, stammt von Pino Palladino. Sein Spiel ist besonders auf „Music For Chameleons“ deutlich zu hören und gibt den ansonsten sehr elektronischen Arrangements ihre gleitende, organische Gegenstimme.
Lohnen sich die Bonustracks der Wiederveröffentlichung?
Ja, sie gehören zu den stärksten Momenten der Ausgabe. „This House Is Cold“ und „Noise Noise“ hätten das Zeug zum Klassiker gehabt, und die Rohfassung von „We Take Mystery To Bed“ zeigt, wie stark sich der Song im Studio noch verändert hat. Nur die improvisierte Studiospielerei „Bridge? What Bridge?“ ist verzichtbar.
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