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Gary Numan - Jagged Edge

4 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan von Rezension.org · 2011-07-26 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Rohere Alternativfassungen von Jagged, oft besser als das Original.

Jagged Edge
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Jagged Edge

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Worum geht es auf Jagged Edge?

Das Doppelalbum Jagged Edge bietet die Gelegenheit, quasi hinter die Kulissen der Aufnahmesessions zu Jagged zu blicken. Es finden sich nämlich auf diesen beiden CDs alternative Fassungen zu den Liedern, die in dieser Form nicht auf dem offiziellen Album zu hören waren. Veröffentlicht wurde die Sammlung 2008 auf Numans eigenem Label Mortal, insgesamt 17 Titel verteilt auf zwei Discs.

Es handelt sich also weder um ein neues Studioalbum noch um eine klassische Remixplatte, sondern um eine Art zweite Lesart desselben Materials. An den Bearbeitungen waren unter anderem Ade Fenton, Rob Holliday, Monti und die Band Sulpher beteiligt. Ein Teil der Aufnahmen stammt aus der Phase, in der Numan gemeinsam mit Rob und Monti von Sulpher an der Produktion saß, also lange bevor Jagged seine endgültige Gestalt annahm.

Der Weg dorthin: Numans Sound nach 1994

Hat Gary Numan im Verlauf seiner Karriere immer wieder große Veränderungen in seinem Stil vorgenommen, man erinnere sich nur an die kläglich gescheiterten Funk-Experimente Ende der 80er, hat er seit seinem künstlerischen Comeback 1994 und dem Album Sacrifice endlich zu seinem eigenen Sound zurückgefunden. Ein Stil, den man ganz gut mit Gothic-Industrial umschreiben könnte: düstere, oft religiös gefärbte Texte und harte Gitarrenriffs zeichnen den neuen Numan aus.

Auf seinem im Jahr 2000 erschienenen Album Pure hat er diese neue Ausdrucksweise perfektioniert. Erst mussten wieder sechs Jahre ins Land gehen, bevor mit Jagged im März 2006 eine neue Gary-Numan-Platte das Licht der Welt erblickte. Die Erwartung der Fans an dieses Album war entsprechend hoch, wofür hätte man sonst so lange darauf warten sollen. Doch Jagged konnte diese nur teilweise erfüllen, waren doch die Tracks auf dem Album alle recht ähnlich arrangiert und auch formal nicht sehr abwechslungsreich.

Warum die roheren Fassungen oft besser funktionieren

So sind viele Tracks auf Jagged Edge viel roher und weniger aufwendig produziert als in ihrer endgültigen Fassung. Das ist insofern positiv anzumerken, als dass manche der Lieder auf Jagged einfach überproduziert klangen, als wollte man sie bewusst künstlich aufblasen, was aber dazu führt, dass die Authentizität verloren geht. Es war ja gerade diese Art von Sterilität und Minimalismus, die Gary Numans Musik ausgezeichnet hat; mit einer übertriebenen Produktion geraten diese sehr wichtigen Faktoren leider ins Hintertreffen.

Daher ist Jagged Edge eine gute Ergänzung zum Album, da hier der rauhere Numan-Sound zur Entfaltung kommt, den man schon auf Pure so mochte. Wo das offizielle Album Schichten übereinanderlegt, lässt diese Sammlung Luft zwischen den Spuren. Das kommt vor allem den Stücken zugute, die von einem einzelnen Riff oder einer einzelnen Sequenz leben.

Keine Demos, sondern Alternativen

Zwar sind alle Songs in ihrer Grundstruktur zu erkennen, soll heißen, es sind keine ominösen Demo-Aufnahmen, die irgendwie unfertig klingen. Vielmehr sind diese Stücke in einem Stadium, wo man durchaus an eine Veröffentlichung hätte denken können, doch Numan selbst waren die Stücke wohl noch nicht elektronisch genug, sodass er sie im Nachhinein noch einmal veränderte.

Das ist ein wichtiger Unterschied zu den üblichen Outtake-Sammlungen, die Künstler in Ermangelung neuen Materials zusammenstellen. Hier steht kein halbfertiges Material, sondern eine Serie bewusst getroffener, aber später verworfener Entscheidungen.

Warum es überhaupt zwei Fassungen gibt

Numan hat an Jagged über einen langen Zeitraum gearbeitet, und die Produktion wechselte dabei die Hände. In einer frühen Phase saß er mit Rob Holliday und Monti von Sulpher an den Aufnahmen, später prägte Ade Fenton als Mitproduzent das Klangbild des fertigen Albums. Aus dieser Verschiebung erklärt sich der Charakter von Jagged Edge: Hier hört man Songs, die eine andere Produktionsentscheidung überlebt haben.

Bemerkenswert ist, dass Numan diese Fassungen zwei Jahre nach dem Album überhaupt herausgebracht hat. Viele Künstler lassen solche Aufnahmen im Archiv verschwinden, weil sie den eigenen Entscheidungen widersprechen. Numan stellt sie stattdessen offen daneben und überlässt dem Hörer das Urteil. Das spricht für ein ziemlich robustes Verhältnis zum eigenen Werk und macht die Sammlung interessanter als jede Remix-Auskopplung.

Wer beide Alben nebeneinander hört, versteht auch besser, warum Jagged bei Fans so unterschiedlich ankam. Die Kritik richtete sich selten gegen die Songs selbst, sondern fast immer gegen ihre Verpackung. Jagged Edge nimmt genau diese Verpackung weg.

Die interessantesten Gegenüberstellungen

In A Dark Place

Auf Disc 1 steht der Single-Remix, auf Disc 2 eine abweichende Fassung. Der direkte Vergleich zeigt besonders deutlich, wie sehr die Wahl von Hall und Dynamik den Charakter eines Numan-Songs verändert.

Fold

Auch „Fold“ ist auf beiden Discs vertreten und liefert damit die wohl aufschlussreichste Doppelung der Sammlung. Die eine Variante drückt, die andere lässt den Song atmen.

Melt und Slave

Beide Stücke gehören schon auf Jagged zu den stärkeren Momenten. In den alternativen Fassungen tritt die rhythmische Grundlage klarer hervor, was den Songs eine Direktheit gibt, die auf dem Studioalbum unter den Effektschichten verschwindet.

Für wen lohnt sich Jagged Edge?

Diese Veröffentlichung richtet sich klar an Hörer, die Jagged bereits kennen. Wer Gary Numans Industrial-Phase erst entdecken will, beginnt besser bei Pure oder beim regulären Jagged-Album. Für alle anderen ist Jagged Edge eine der ergiebigsten Veröffentlichungen aus dieser Zeit, weil sie nicht bloß bekanntes Material neu verpackt, sondern eine ernsthafte Alternative zum Bekannten anbietet.

Tracklist

Disc 1

  1. Edge
  2. Fold
  3. Halo
  4. In A Dark Place (Single Remix)
  5. Blind
  6. Before You Hate It
  7. Haunted
  8. Slave
  9. Melt

Disc 2

  1. Fold
  2. Jagged
  3. Before You Hate It
  4. Pressure
  5. In A Dark Place
  6. Melt
  7. Slave
  8. Scanner

Fazit: Lohnt sich Jagged Edge?

Jagged Edge liefert tolle Einsichten in den Entstehungsprozess des ursprünglichen Jagged-Albums, die Songs sind etwas roher und klingen noch nicht so überproduziert wie in der späteren Fassung. Dieses Album lohnt sich natürlich auch, wenn man Jagged schon besitzt, da hier ganz neue Facetten der einzelnen Lieder zu Tage treten, die man vielleicht gar nicht vermutet hätte.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Jagged Edge genau?

Jagged Edge ist ein Doppelalbum mit alternativen Fassungen und Bearbeitungen der Songs vom Studioalbum Jagged. Es erschien 2008 auf Numans Label Mortal und umfasst 17 Titel auf zwei CDs. Viele der Aufnahmen stammen aus einer frühen Phase der Produktion und klingen deutlich anders als die offiziellen Versionen.

Lohnt sich Jagged Edge, wenn man Jagged schon besitzt?

Ja, gerade dann. Die Stücke sind roher, weniger dicht produziert und legen die Struktur der Songs offen. Wer Jagged kennt, hört hier vor allem, was auf dem Weg zum fertigen Album hinzugefügt und was gestrichen wurde.

Sind das unfertige Demos?

Nein. Alle Songs sind in ihrer Grundstruktur klar zu erkennen und wirken nicht wie Skizzen. Es sind Fassungen in einem Stadium, in dem man durchaus an eine Veröffentlichung hätte denken können. Numan selbst waren sie wohl noch nicht elektronisch genug, weshalb er sie im Nachhinein noch einmal veränderte.

Wer war an den Bearbeitungen beteiligt?

An den Fassungen wirkten unter anderem Ade Fenton, Rob Holliday, Monti und die Band Sulpher mit. Ein Teil der Aufnahmen entstand in der Zeit, als Numan mit Rob und Monti von Sulpher an der Produktion arbeitete, bevor Ade Fenton das fertige Album mitproduzierte.

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