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Gary Numan - Pure

5 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan Redaktion · 2011-07-13 · aktualisiert 2026-10-01

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Gary Numans Pure ist ein Industrial-Album vom 9. Oktober 2000 mit harten Metalgitarren, kalten Industrialbeats und Texten über verlorenen Glauben und wird in der Rezension vom 13. Juli 2011 mit 5 von 5 bewertet. Das Album gilt als düsterstes und geschlossenstes Werk Numans und als guter Einstieg in seine zweite Karrierephase.

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  1. Pure
  2. Walking With Shadows
  3. Rip
  4. One Perfect Lie
  5. My Jesus
  6. Fallen
  7. Listen To My Voice
  8. A Prayer For The Unborn
  9. Torn
  10. Little Invitro
  11. I Can’t Breathe

Pure, das Album

Gary Numans erstes Album für das neue Jahrtausend ist ein echter Hammer. Waren die beiden Vorgängeralben, Sacrifice und Exile, fast vollständig synthetisch, überrascht Pure mit seinem harten Industrialsound und rasiermesserscharfen Metalgitarrenriffs, die sich unweigerlich in die Gehörgänge schneiden. Pure ist eines dieser Alben, wo von Anfang bis Ende einfach alles stimmt, nicht ein Ausfall ist auf dem Album. Auch gibt es musikalisch wieder mehr Abwechslung, war Exile doch recht eintönig, kann Pure mit vielen unterschiedlichen Melodien aufwarten und einer Musik, die selbst dem Fürsten der Dunkelheit noch das Fürchten lehren kann. Pure ist das mit Abstand düsterste Werk und Gary ungewohnt aggressiv. Lyrisch geht es wieder um Kritik gegen Gott und blinden Glaube. Gerade in dem von persönlichen Schicksalsschlägen handelnde „A Prayer For The Unborn„ kommt dies zum Tragen, wo es heißt:

„If you are my Father Then love lies abandoned and bleeding If you are my comfort Then nightmares are real and deceiving If you are my answer Then I must have asked the wrong question I’d spit on your heaven If I could find one to believe in„

Weitere Highlights sind der Opener und Titeltrack des Albums „Pure„, der mit einem schneidigen Gitarrenriff aufwartet und einem Industrialbeat, der durch Mark und Bein geht. Das vollelektronische „Walking With Shadows„, in dem Gary endlich mal wieder beweisen kann, was für ein genialer Klangkünstler in ihm steckt und der letzte Track auf der Platte „I Can’t Breathe„ , ein echt brachialer Metalhammer mit verstörenden Vocals. Mit „Fallen„ haben wir seit langer Zeit auch mal wieder einen Instrumentaltrack, der sich mit seinen gespenstischen Flüsterstimmen anhört, als hätte jemand die Büchse der Pandora geöffnet.

Wann und wo ist Pure entstanden?

Pure erschien am 9. Oktober 2000 bei Eagle Records und ist Gary Numans vierzehntes Soloalbum. Aufgenommen wurde es im selben Jahr in den Alien Studios in London, produziert hat Numan zusammen mit Sulpher. Zwischen Exile und Pure lagen einige Jahre, in denen sich Numans Ruf grundlegend verändert hatte. Vom belächelten Popstar der frühen Achtziger war er zur Bezugsgröße für eine ganze Generation amerikanischer Industrial- und Alternative-Musiker geworden, die ihn offen als Einfluss nannten. Pure ist das Album, auf dem er diese Rolle nicht länger nur passiv einnimmt, sondern selbst zurückschlägt.

Wichtig für das Verständnis der Platte ist die zeitliche Einordnung. Sie steht am Ende eines Jahrzehnts, in dem sich Numan Schritt für Schritt aus den Funk- und Pop-Sackgassen der späten Achtziger herausgearbeitet hatte. Sacrifice war 1994 der künstlerische Neuanfang, Exile die konsequente Verdüsterung, und Pure die Platte, auf der die Gitarren dazukommen und alles zusammenläuft. Die Funkphase der späten Achtziger beschreibt die Besprechung von Metal Rhythm anhand des Albums von 1988.

Wie klingt Pure?

Der Unterschied zu allem, was Numan vorher gemacht hat, liegt vor allem in der Härte. Wo Sacrifice mit trockenen Drumloops arbeitete, drückt Pure mit einem Schlagzeugsound, der eher an Industrial Metal erinnert. Die Synthesizer sind deshalb nicht verschwunden, sie liegen unter den Gitarren und geben den Stücken ihre Kälte. Genau diese Schichtung macht den Reiz aus: Ein reines Metalalbum wäre das hier nie geworden, dafür ist die Elektronik zu bestimmend.

Die Gitarre als neues Leitinstrument

Die Riffs auf Pure sind kurz, tief gestimmt und rhythmisch eingesetzt. Sie tragen die Songs nicht im klassischen Rocksinn, sondern funktionieren wie eine zusätzliche Perkussionsebene. Darin liegt die Stärke der Platte: Sie klingt hart, ohne in den Standardgesten des Metal aufzugehen. Der Titeltrack führt dieses Prinzip gleich zu Beginn vor, „Rip„ und „Torn„ setzen es konsequent fort.

Numans Stimme

Auffällig ist, wie präsent Numan hier singt. Auf früheren Platten wirkte die Stimme oft distanziert und maskenhaft, hier ist sie näher, brüchiger und stellenweise geradezu wütend. Auf „I Can’t Breathe„ kippt sie vollends ins Verstörende, an anderen Stellen bleibt sie flüsternd zurückhaltend. Diese Bandbreite ist einer der Gründe, warum die elf Stücke über die volle Länge tragen.

Elektronik und Atmosphäre

Dass Numan seine Herkunft nicht verleugnet, zeigen die ruhigeren Momente. „Walking With Shadows„ kommt ohne Gitarrenwucht aus und ist trotzdem eines der eindringlichsten Stücke des Albums. „Fallen„ ist ein reines Instrumental und erzeugt mit Flüsterstimmen eine Bedrohlichkeit, die kein Riff der Welt hinbekommen würde. Diese Wechsel zwischen Attacke und Sog sind es, die dem Album seine Dramaturgie geben.

Die Texte: Glaube, Zweifel und persönliche Wunden

Thematisch ist Pure ein Album über verlorenen Glauben. Titel wie „My Jesus„, „One Perfect Lie„ und „A Prayer For The Unborn„ lassen daran keinen Zweifel. Anders als bei einer bloßen Provokationsgeste steckt hinter den Zeilen jedoch eine biografische Erfahrung, die dem Zorn ihre Richtung gibt. Wer die zitierten Zeilen aus „A Prayer For The Unborn„ liest, versteht sofort, dass hier jemand nicht gegen Religion polemisiert, sondern mit einem Trost hadert, der ihm versagt geblieben ist.

Genau diese Konzentration auf ein einziges Thema war es, die einigen Kritikern damals sauer aufstieß. Der Vorwurf lautete, Numan habe sich an der Religionskritik festgebissen. Wer das Album am Stück hört, wird eher das Gegenteil bemerken. Die thematische Geschlossenheit ist der Grund dafür, dass Pure nicht wie eine Songsammlung, sondern wie ein Werk wirkt.

Wie wurde Pure aufgenommen?

Die Kritiken fielen extrem unterschiedlich aus. Metacritic weist für das Album einen Schnitt von 67 von 100 Punkten aus, und dieser Mittelwert verdeckt, wie weit die Einzelurteile auseinanderlagen. NME und Drowned in Sound vergaben jeweils nur 2 von 10 Punkten, das Release Magazine dagegen 7 von 10. Die Sunday Times nannte Pure Numans bestes Album seit seiner klassischen Phase von 1979 und 1980 - ein Urteil, das viele Fans bis heute teilen.

Kommerziell blieb die Platte ein Achtungserfolg. Die einzige Singleauskopplung „Rip„ erschien erst rund anderthalb Jahre nach dem Album und erreichte Platz 29 der britischen Charts. Für einen Künstler, den die Musikpresse zwei Jahrzehnte lang abgeschrieben hatte, war das eine bemerkenswerte Rückmeldung. Live bekamen die Stücke zusätzliches Gewicht, wie das Konzertalbum Scarred aus derselben Zeit zeigt.

Für wen lohnt sich Pure?

Pure ist die richtige Platte für alle, die Gothic und Industrial mögen und mit harten Gitarren kein Problem haben. Wer Numan ausschließlich als Synthiepionier der Jahre 1979 und 1980 schätzt und minimalistische Elektronik erwartet, sollte sich auf eine deutliche Umstellung einstellen. Als Einstieg in Numans zweite Karrierephase ist das Album dagegen ideal, weil es dessen Stärken bündelt: kalte Elektronik, physische Härte und Texte, die etwas riskieren. Sechs Jahre später folgte das Album Jagged von 2006, das wie eine elektronischere Fortsetzung klingt.

Fazit: Lohnt sich Pure?

Pure gehört zu den besten Gary Numan Alben überhaupt, man merkt Gary förmlich an, dass er sehr viel Herzblut in das Album investierte, auch der neue sehr industriallastige, aggressive Stil des Albums gefällt mir sehr, auch seine Stimme kommt so gut rüber wie lange nicht mehr. Ich lege „Pure„ jedem ans Herz, der etwas mit anspruchsvollem Gothic Industrial anfangen kann. Hier bekommt man echte Qualität geboten.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Gary Numans Album Pure erschienen?

Gary Numans Pure erschien am 9. Oktober 2000 bei Eagle Records und ist sein vierzehntes Soloalbum. Aufgenommen wurde es im selben Jahr in den Alien Studios in London, produziert hat Numan zusammen mit Sulpher.

Wie klingt Pure im Vergleich zu Sacrifice und Exile?

Gary Numans Pure klingt härter als Sacrifice und Exile: Statt fast vollständig synthetischer Klänge prägen scharfe Metalgitarrenriffs und harte Industrialbeats das Album. Die Synthesizer liegen unter den Gitarren und geben den Stücken ihre Kälte. Pure bietet zudem mehr Abwechslung als das eintönige Exile.

Worum geht es in den Texten von Pure?

Die Texte von Gary Numans Pure drehen sich um verlorenen Glauben, Zweifel und persönliche Schicksalsschläge. Am deutlichsten wird das in „A Prayer For The Unborn“, das mit einem Trost hadert, der dem Sprecher versagt geblieben ist. Einigen Kritikern stieß die Konzentration auf Religionskritik damals auf.

Welche Single wurde aus Pure ausgekoppelt?

Die einzige Single von Gary Numans Pure ist „Rip“. Sie erschien rund anderthalb Jahre nach dem Album und erreichte Platz 29 der britischen Charts.

Für wen lohnt sich Pure?

Gary Numans Pure lohnt sich für alle, die Gothic und Industrial mögen und mit harten Gitarren kein Problem haben. Das Album gilt als guter Einstieg in Numans zweite Karrierephase. Wer ihn nur als Synthiepionier der Jahre 1979 und 1980 schätzt, muss sich auf eine deutliche Umstellung einstellen.

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