Hämatom - Lang lebe der Hass
Kurzfazit: Solides NDH-Album mit Festivalwucht, aber ohne jede Überraschung.
Lang Lebe der Hass
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Es gibt Bands, bei denen die Frage nach der künstlerischen Weiterentwicklung schlicht am Thema vorbeigeht. Hämatom sind so ein Fall. „Lang lebe der Hass“ erschien am 4. November 2022 beim Label Anti Alles über Rough Trade, elf Monate nach dem Vorgänger, und tut genau das, was die Band seit Jahren tut: laut, direkt und ohne Umweg.
Wer ist Hämatom?
2004 setzen sich Thorsten Scharf (Gesang), Jacek Zyla (Gitarre), Peter Haag (Bass) und Frank Jooss (Schlagzeug) im fränkischen Speicherdorf zusammen und gründeten eine Band, wobei von Beginn an eine spezielle Visualisierung im Mittelpunkt stehen sollte. So maskierten sich die Musiker und gaben sich Pseudonyme gemäß der Himmelsrichtungen (Nord, Ost, Süd, West). Schon ein Jahr später ging die Band mit J.B.O. auf Tour. 2008 debütierten Hämatom mit dem Album „Wut“. Erst nach dem Wechsel zum Label Rookies & Kings und dem dritten Album „Wenn man vom Teufel spricht“ gelang eine Platzierung in den deutschen Charts. Als einer der Vertreter der Neuen Deutschen Härte wuchs die Fangemeinde kontinuierlich an. „Wir sind Gott“ platzierte sich als erstes Album in den Top 5 der Charts.
Die Masken als Konzept
Die Anonymität ist bei Hämatom kein nachträglicher Marketingeinfall, sondern stand von Anfang an im Zentrum. Wer sich hinter Nord, Ost, Süd und West verbirgt, tritt hinter die Rolle zurück. Das erlaubt der Band eine Bühnenpräsenz, die sich stärker an Zeichen und Wiedererkennbarkeit orientiert als an Personen, und es passt zur Überzeichnung, mit der sie ihre Texte grundiert.
Wie klingt „Lang lebe der Hass“?
Mangelnde Arbeitswut kann man der Band nicht vorwerfen. Im Vorjahr erschienen erst das Akustikalbum „Berlin“ und anschließend das Studioalbum „Die Liebe ist tot“, jetzt folgt nur elf Monate später das nächste Studiowerk. Nachdem die Liebe tot ist, wird jetzt der Hass gefeiert. „Lang lebe der Hass“ lautet der durchaus provozierende Titel des zehnten Longplayers.
Wirkliche Innovationen und Neuerungen wird man hier vergeblich suchen. Elf Songs und eine Spieldauer von nicht einmal vierzig Minuten deuten an, dass es hier Vollgas gibt. Und das im typischen Hämatom-Stil, den man entweder mag oder eben nicht. Produziert wurde das Album von Vincent Sorg, dessen Handschrift für einen sehr geraden, klar konturierten Sound sorgt.
Der Einstieg
Das schon in Wacken erprobte „Es regnet Bier“ eröffnet ballermanndesk den Songreigen. Ansonsten knallen Titel wie „GAGA“ oder „Nobodys perfekt“ gut rein, ohne dabei genreprägend zu sein. In „Straßenbande 666“ kokettieren Hämatom ein wenig mit der Aggrorap-Szene.
Die Perlen im hinteren Teil
Die Perlen befinden sich eher im hinteren Teil. Die Kollaboration mit Equilibrium („Räche sich wer kann“) weiß dabei ebenso zu gefallen wie „Olympia“ (mit etwas mehr als vier Minuten der längste Song des Albums), der zeigt, dass Hämatom durchaus in der Lage sind, richtig gute Songs zu komponieren. Genau an dieser Stelle wird hörbar, dass die Band mehr könnte, als sie auf der ersten Albumhälfte zeigt.
Die Gäste
Neben Equilibrium ist auf „SOS“ die Sängerin Vivjan zu hören. Den Abschluss bildet mit „It’s Raining Beer“ eine englischsprachige Fassung des Openers, eingespielt gemeinsam mit Saltatio Mortis. Die Gästeliste bleibt damit fest im Umfeld der deutschen Festivalszene, was zur Ausrichtung des Albums passt.
Was das Album gut macht und was nicht
Die größte Stärke ist die Kompaktheit. Gut 36 Minuten sind für ein Album dieser Machart die richtige Länge, weil kein Titel überdehnt wird und die Platte nie in eine Durchhängephase gerät. Wer sie einlegt, ist vor dem nächsten Termin wieder draußen.
Die größte Schwäche ist die Vorhersehbarkeit. Wer die letzten Alben kennt, weiß nach zwanzig Sekunden, wohin die Reise geht. Das ist bei einer Band mit derart klarem Profil keine Katastrophe, aber es verhindert, dass das Album über den Moment hinaus im Gedächtnis bleibt. Auch die Provokation im Titel bleibt eher Geste als Programm.
Der Titel als Provokation
„Lang lebe der Hass“ ist die direkte Antwort auf den Vorgänger „Die Liebe ist tot“, und man muss die beiden Titel zusammen lesen, um die Geste zu verstehen. Es geht nicht um ein politisches Bekenntnis, sondern um die bewusste Zuspitzung, mit der die Band seit Jahren arbeitet. Wer bei Hämatom Feinsinn erwartet, ist ohnehin an der falschen Adresse, und wer die Überzeichnung mitgeht, findet in den Texten zwischen Alltagsfrust, Einsamkeit und Wut durchaus mehr, als das Cover vermuten lässt.
Trackliste
01 - Es regnet Bier
02 - GAGA
03 - Lang lebe der Hass
04 - Keinen Bock auf Menschen
05 - Straßenbande 666
06 - Nobody´s perfect
07 - SOS (feat. Vivjan)
08 - Ein Freund
09 - Räche sich wer kann (feat. Equilibrium)
10 - Olympia
11 - It´s Raining Beer (feat. Saltatio Mortis)
Für wen lohnt sich das Album?
Für alle, die Neue Deutsche Härte mit Festivaltauglichkeit und einem Augenzwinkern mögen, ist „Lang lebe der Hass“ eine sichere Bank. Es funktioniert auf der Autofahrt, im Zelt und vor der Bühne, und genau dafür ist es gemacht.
Wer dagegen musikalische Weiterentwicklung sucht oder mit der Mischung aus Härte und Klamauk fremdelt, wird auch mit diesem Album nicht warm. Als Einstieg in die Diskografie der Band taugt es dennoch, weil es alle Zutaten in konzentrierter Form enthält.
Fazit: Lohnt sich Lang lebe der Hass?
Hämatom legen mit „Lang lebe der Hass“ sicher keinen Meilenstein der Neuen Deutschen Härte vor. Ihre Mixtur ist allerdings für die großen Festivalbühnen ebenso geeignet wie für den Ballermann. So hat das Album ausreichend Zug nach vorne und gestaltet sich durch die kurze Spieldauer recht angenehm. Insgesamt ein solides Werk, das man hören kann, wenn man auf diese Spielart der härteren Rockmusik steht.
Unsere Bewertung
Musik: 4
Instrumentalisierung: 4,5
Stimme: 4
Texte: 4
Hörspaß: 3,5
Häufig gestellte Fragen
Wann ist Lang lebe der Hass von Hämatom erschienen?
Das Album kam am 4. November 2022 heraus und erschien beim Label Anti Alles über Rough Trade. Es ist der zehnte Longplayer der Band und folgte nur elf Monate auf das Studioalbum Die Liebe ist tot. Produziert wurde es von Vincent Sorg.
Wie viele Songs hat das Album und wie lang ist es?
Auf dem Album finden sich elf Titel mit einer Gesamtspieldauer von etwas mehr als 36 Minuten. Der längste Song ist Olympia mit gut vier Minuten. Diese Kürze ist ein Teil der Wirkung, denn das Album kommt schnell auf den Punkt und zieht sich an keiner Stelle.
Wer spielt bei Hämatom mit?
Die Band wurde 2004 von Thorsten Scharf am Gesang, Jacek Zyla an der Gitarre, Peter Haag am Bass und Frank Jooss am Schlagzeug gegründet. Von Beginn an treten die Musiker maskiert auf und verwenden Pseudonyme nach den Himmelsrichtungen Nord, Ost, Süd und West. Die Visualisierung war von Anfang an Teil des Konzepts.
Welche Gastmusiker sind auf dem Album vertreten?
Auf Räche sich wer kann ist Equilibrium zu hören, auf SOS die Sängerin Vivjan. Den Abschluss bildet mit It's Raining Beer eine englischsprachige Fassung des Openers gemeinsam mit Saltatio Mortis. Damit bleibt die Band im vertrauten Umfeld der deutschen Festivalszene.
Für wen lohnt sich Lang lebe der Hass?
Für Hörer, die Neue Deutsche Härte mit Festivaltauglichkeit und einer gehörigen Portion Humor mögen. Wer musikalische Innovation sucht, wird hier nicht fündig, denn die Band bleibt konsequent bei ihrem bekannten Rezept. Als Album für die Autofahrt oder den Festivalsommer funktioniert es dagegen einwandfrei.
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