rezension.org

Mein ist die Rache

5 von 5 Redaktion · 2008-08-01 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Familiendrama und Kriminalfall greifen hier so eng ineinander wie selten.

Mein ist die Rache
Anzeige · Bücher bei Amazon

Mein ist die Rache

0,01 € Stand: 13.09.2026

Preise können sich jederzeit ändern. Es gilt der Preis auf der Amazon-Produktseite.

Zum Angebot bei Amazon →
Auch bei Thalia ansehen →

Mein ist die Rache von Elizabeth George, Goldmann Verlag

Der Roman, mit dem die Geschichte um Inspector Lynley beginnt.

Worum geht es in Mein ist die Rache?

Es war alles so schön geplant. Thomas Lynley, Detective Inspector bei Scotland Yard und der dritte Lord von Asherton, will ein Wochenende mit seiner Freundin Deborah auf seinem feudalen Stammsitz Howenstow verbringen, um dort ihre Verlobung zu feiern. Anwesend sind auch ihre Freunde: Lady Helen Clyde, Simon Allcourt-St. James, Simons Schwester Sydney mit ihrem Freund Justin Brooks, Deborahs Vater Joseph Cotter, der Simons Butler ist, und Lynleys Bruder Peter.

Lady Daze Asherton, Peters und Thomas’ Mutter, heißt alle herzlich willkommen und freundet sich sehr schnell mit Deborah und Joseph Cotter an. Doch das kann nicht über die gespannte Stimmung zwischen Thomas Lynley und seiner Mutter hinwegtäuschen. Auch das Verhältnis zwischen den Brüdern ist nicht das Beste, da Peter drogenabhängig ist und dadurch ständig Ärger hat oder sein Studium am College abbricht.

Mein ist die Rache von Elizabeth George: wo steht der Roman in der Reihe?

Hier lohnt eine Einordnung, weil die Zählung verwirrend ist. Im englischen Original erschien das Buch 1991 unter dem Titel “A Suitable Vengeance” und war der vierte veröffentlichte Band der Inspector-Lynley-Reihe. Erzählt wird darin jedoch eine Vorgeschichte: Die Handlung spielt vor den Ereignissen des Debüts “A Great Deliverance” von 1988, das auf Deutsch als “Gott schütze dieses Haus” erschien.

Deutsche Ausgaben und Buchhändler führen “Mein ist die Rache” deshalb regelmäßig als Band 1 der Reihe. Beides ist also richtig, je nachdem, ob man nach Erscheinungsdatum oder nach innerer Chronologie sortiert. Für Leserinnen und Leser bedeutet das vor allem eines: Man kann hier ohne Vorwissen einsteigen und erlebt die Entstehung der zentralen Freundschaften mit, statt sie später nachgereicht zu bekommen.

Der Mord

Das Wochenende wird abrupt unterbrochen, als im nahegelegenen Dorf ein junger Journalist bestialisch ermordet wird. Natürlich schaltet sich Thomas Lynley sofort in die Ermittlungen ein. Alle Spuren führen nach Howenstow, sogar zu seinem eigenen Bruder.

Immer tiefer verstricken sich Thomas Lynley und sein bester Freund Simon in einem Netz aus unterdrückten Feindseligkeiten und Schuldgefühlen, da Thomas vor Jahren betrunken einen Unfall verursacht hatte, bei dem Simon schwer verletzt worden war und durch den ihm eine schwere Behinderung am Bein geblieben war. Doch bevor Lynleys Ermittlungen erste Fortschritte verzeichnen können, sterben zwei weitere Menschen.

Die Familie

Die Ereignisse überstürzen sich, und das Wochenende entwickelt sich zum Prüfstein für die gesamte Familie und die Freunde. Alle sind Täter und Opfer gleichermaßen. Ist Peter wirklich ein kaltblütiger Mörder? Wird Thomas Lynley den Fall lösen? Und was wird aus seiner Verlobung mit Deborah? Und wie überstehen die Familien und die Freunde dieses Wochenende?

Die Figuren

Thomas Lynley

Lynley ist die interessanteste Konstruktion der Reihe, weil er zwei Rollen gleichzeitig ausfüllt, die sich gegenseitig behindern. Als Polizist muss er einen Fall aufklären, als Sohn und Bruder ist er Teil des Milieus, in dem er ermittelt. In Howenstow kann er nicht Beamter sein, ohne Verräter zu werden, und nicht Familienmitglied bleiben, ohne seine Aufgabe zu verfehlen. Genau daraus zieht der Roman seine Spannung.

Deborah, Simon und Helen

Das Dreieck aus Deborah, Simon Allcourt-St. James und Helen Clyde ist mindestens so wichtig wie der Kriminalfall. Der alte Unfall, für den Thomas verantwortlich war, liegt über allen Beziehungen, ohne dass er offen ausgesprochen würde. Elizabeth George zeigt sehr genau, wie Höflichkeit zwischen Freunden zur Vermeidungsstrategie wird und wie teuer diese Vermeidung am Ende ist.

Peter Lynley

Peter ist keine bloße Verdächtigenfigur, sondern die Schwachstelle der Familie. Seine Sucht macht ihn unzuverlässig als Zeuge, unglaubwürdig als Entlastungsquelle und angreifbar als Verdächtiger. Dass ausgerechnet der Bruder des Ermittlers so leicht zu beschuldigen ist, treibt die Handlung mehrfach in die Enge.

Über Elizabeth George

Elizabeth George ist Amerikanerin, 1949 in Ohio geboren, und arbeitete viele Jahre als Englischlehrerin in Kalifornien, bevor sie 1988 mit “A Great Deliverance” ihren ersten Kriminalroman veröffentlichte. Darin führte sie Detective Inspector Thomas Lynley und seine Kollegin Sergeant Barbara Havers ein, deren Herkunft aus der Arbeiterklasse den bewussten Gegenpol zum aristokratischen Lynley bildet. Das Debüt wurde mit dem Anthony Award als bestes Erstlingswerk ausgezeichnet.

Bemerkenswert bleibt, dass eine amerikanische Autorin die englische Klassengesellschaft zum Dauerthema einer Reihe gemacht hat, die inzwischen weit über zwanzig Bände umfasst. Die BBC verfilmte den Stoff später als “The Inspector Lynley Mysteries”, wodurch die Figuren auch einem Publikum bekannt wurden, das die Bücher nie gelesen hat.

Für wen lohnt sich der Roman?

Für alle, die Kriminalromane nicht nur wegen der Auflösung lesen. Wer ein knappes Rätsel mit hoher Schlagzahl sucht, wird die ausführlichen Familienpassagen als Bremse empfinden, denn George nimmt sich sehr viel Zeit für Beziehungen, Herkunft und ungesagte Sätze. Wer dagegen psychologisch dichte Erzählungen mag, in denen der Fall die Figuren freilegt, ist hier genau richtig. Als Einstieg in die Reihe eignet sich der Band ausgesprochen gut.

Fazit: Lohnt sich Mein ist die Rache?

Elizabeth George schreibt erstklassige Krimis. Ich bin durch Zufall an dieses Buch geraten und seither ein Fan von Elizabeth George. Nicht nur der Fall ist spannend, auch die Familiengeschichte. Elizabeth George versteht es, jede Person so zu gestalten, dass man sich mit ihr identifizieren kann beziehungsweise sie versteht.

Und es wird klar, dass jede noch so kleine Aktion ein Nachspiel hat und jede vermiedene Aussprache zu unterdrückten Feindseligkeiten führen kann, auch oder gerade unter Freunden. Als ich dieses Buch gelesen hatte, konnte ich es nicht erwarten, den nächsten Roman der Lynley-Reihe in die Finger zu bekommen, um zu erfahren, wie es mit Lynley, Deborah, Helen und Simon weitergeht. Der Stil von Elizabeth George ist flüssig, der Fall ist gut recherchiert. Alles in allem super spannend.

Häufig gestellte Fragen

An welcher Stelle der Inspector-Lynley-Reihe steht Mein ist die Rache?

Der Roman erschien im englischen Original 1991 unter dem Titel A Suitable Vengeance und war damit der vierte veröffentlichte Lynley-Band. Erzählt wird er allerdings als Vorgeschichte, die vor den Ereignissen des Debüts A Great Deliverance von 1988 spielt. Deutsche Ausgaben werden deshalb häufig als Band 1 der Reihe geführt.

Worum geht es in Mein ist die Rache?

Thomas Lynley will auf dem Familiensitz Howenstow in Cornwall seine Verlobung mit Deborah feiern. Im nahegelegenen Dorf wird ein junger Journalist ermordet, und alle Spuren führen zurück auf das Anwesen, unter anderem zu Lynleys drogenabhängigem Bruder Peter. Während der Ermittlungen brechen alte Familienkonflikte und Schuldgefühle auf, und es sterben zwei weitere Menschen.

Kann man Mein ist die Rache als Einstieg in die Reihe lesen?

Ja, das funktioniert gut. Weil der Roman zeitlich vor dem Debüt angesiedelt ist, lernt man Lynley, Deborah, Simon Allcourt-St. James und Helen Clyde hier von Grund auf kennen. Wer die Reihe in der Erscheinungsreihenfolge liest, erfährt dagegen erst später, wie die Konstellation dieser vier entstanden ist.

Wer ist Elizabeth George?

Elizabeth George ist eine amerikanische Autorin, die 1949 in Ohio geboren wurde und viele Jahre als Englischlehrerin in Kalifornien gearbeitet hat. 1988 veröffentlichte sie mit A Great Deliverance ihren ersten Kriminalroman und führte darin Detective Inspector Thomas Lynley und Sergeant Barbara Havers ein. Der Roman wurde mit dem Anthony Award als bestes Debüt ausgezeichnet.

Wurde Mein ist die Rache verfilmt?

Ja. Die BBC-Reihe The Inspector Lynley Mysteries hat den Stoff verfilmt, die Folge lief unter dem deutschen Titel Mein ist die Rache. Die Serie folgt nicht durchgehend der Buchreihenfolge und kürzt die Nebenhandlungen deutlich, sodass gerade die Familiendynamik im Roman ausführlicher ausfällt.

Deine Bewertung

Teile deine Erfahrung zu „Mein ist die Rache". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.