Mein schwarzer Hund
Kurzfazit: Ein Bilderbuch, das Depression in wenigen Bildern begreifbar macht.
Mein schwarzer Hund: Wie ich meine Depression an die Leine legte
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Wenige Bücher über Depression kommen mit so wenig Text aus wie dieses. Der Autor und Illustrator Matthew Johnstone braucht keine Kapitel voller Fachbegriffe, um verständlich zu machen, was eine depressive Episode mit einem Menschen anstellt. Er zeichnet sie. Die deutsche Ausgabe ist im Verlag Antje Kunstmann erschienen und umfasst 48 Seiten.
Worum geht es in Mein schwarzer Hund?
„Mein schwarzer Hund„ von Matthew Johnstone ist ein kleines Bilderbuch, das sich im Gegensatz zu „klassischen Bilderbüchern„ ausschließlich an Erwachsene richtet. Dabei behandelt das Bilderbuch ein Thema, welches sonst in Bilderbüchern nur selten zur Sprache kommt: Depressionen und den Umgang mit depressiven Menschen. Dabei verzichtet das Buch auf viele Worte, da die Bilder alleine schon für sich selbst sprechen und deutlich zeigen, was eine Depression ausmacht und wie Hilfe für Betroffene aussehen kann. Die Bilder in „Mein schwarzer Hund„ werden von einem ebensolchen schwarzen Hund dominiert, der stellvertretend für die Depression steht.
Zu Beginn des Buches ist dieser Hund noch relativ klein, doch im weiteren Verlauf des Buches wächst der Hund zu übermenschlicher Größe heran. Bildlich verdeutlicht dieses Wachstum des Hundes, was passiert, wenn eine Depression nicht behandelt wird: Die Depression wird von Tag zu Tag schlimmer, die negativen Gedanken häufen sich, bis irgendwann selbst die einfachsten Aufgaben im Alltag zu unlösbaren Herausforderungen werden. Doch dann schrumpft der schwarze Hund auch wieder, die Symptome der Depression klingen also schleichend ab. Das Buch zeigt, dass dies niemals von ganz alleine geschieht, sondern dass eine Heilung der Krankheit immer nur durch die richtige Behandlung möglich ist.
Der schwarze Hund als Bild für die Krankheit
Woher die Metapher kommt
Das Bild ist nicht neu, und darin liegt ein Teil seiner Kraft. Der Vergleich der Schwermut mit einem schwarzen Hund wird auf den englischen Schriftsteller Samuel Johnson zurückgeführt; bekannt geworden ist er vor allem, weil Winston Churchill ihn für seine eigenen depressiven Phasen benutzt hat. Johnstone greift damit eine Formulierung auf, die im Sprachgebrauch bereits vorhanden war, und übersetzt sie konsequent ins Bild. Wer den Ausdruck schon einmal gehört hat, versteht das Buch deshalb ohne jede Vorrede.
Warum das Bild so gut funktioniert
Ein Hund ist kein Monster. Er läuft mit, er legt sich quer, er nimmt Platz weg, er drängt sich zwischen den Erzähler und alles, was diesem eigentlich wichtig ist. Genau so beschreiben viele Betroffene ihren Zustand: nicht als Drama, sondern als zähe, ständige Anwesenheit. Dass der Hund im Buch wächst und später wieder schrumpft, macht außerdem etwas sichtbar, was in reiner Textform schwer zu vermitteln ist – dass eine Depression einen Verlauf hat und dass dieser Verlauf beeinflussbar ist.
Ein außergewöhnliches Bilderbuch über ein wichtiges und dennoch häufig verdrängtes Thema
Depressionen sind nach wie vor ein Phänomen, welches in der Literatur nur selten zur Sprache gebracht wird. Und in der Gesellschaft sind Depressionen leider immer noch allzu häufig ein Tabuthema. Die Krankheit wird meist totgeschwiegen, oder die von der Krankheit betroffenen Personen werden nicht ernst genommen. Dass dieses „Kleinreden„ der Krankheit genau der falsche Ansatz ist, um die Krankheit zu heilen, zeigt Johnstone in „Mein schwarzer Hund„ immer wieder sehr deutlich.
Er erklärt, warum es für die Betroffenen so wichtig ist, von Ihren Angehörigen und Mitmenschen ernst genommen zu werden und trotz der Krankheit noch als wertvolle Menschen wahrgenommen zu werden. Dafür benötigt Johnstone keine seitenlangen Erklärungen, sondern er beschränkt sich auf einige kurze aber sehr prägnante und stets treffende Erläuterungen, die die Botschaft der Bilder noch einmal unterstreichen.
Dabei ist eine solche Erklärung der Bilder in den meisten Fällen gar nicht unbedingt nötig, denn die Bilder sind durchweg so gut illustriert, dass sie auch allein ausreichen würden, um zu zeigen, was eine Depression ausmacht, was an einer Depression so gefährlich ist, wie Betroffenen geholfen werden kann und welche „gutgemeinten„, aber dennoch falschen Ratschläge und „Tipps„ in jedem Fall vermieden werden sollten.
Wer ist Matthew Johnstone?
Matthew Johnstone ist Autor und Illustrator und schreibt aus eigener Erfahrung. Das englische Original „I Had a Black Dog„ erschien 2005 und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation entstand daraus später ein kurzer Animationsfilm, der denselben Stoff in wenigen Minuten erzählt und weite Verbreitung gefunden hat. Zusammen mit seiner Frau Ainsley Johnstone hat er außerdem einen Folgeband vorgelegt, der sich ausdrücklich an Angehörige richtet und auf Deutsch unter dem Titel „Mit dem schwarzen Hund leben„ erschienen ist. Wer nach diesem Band weiterlesen möchte, findet dort die Fortsetzung aus der anderen Perspektive.
Umfang, Ausgabe und Leseprobe
Die deutsche Ausgabe bei Antje Kunstmann ist ein schmaler, gebundener Band von 48 Seiten. Man liest ihn in einer halben Stunde und sieht ihn danach trotzdem mehrfach durch, weil in den Zeichnungen Details stecken, die beim ersten Durchgang untergehen. Wer vorab hineinschauen möchte: Bei einem Bilderbuch reicht bereits eine einzelne Doppelseite, um den Ton zu treffen, und Verlags- wie Buchhandelsseiten zeigen üblicherweise Beispielseiten. Der erwähnte Kurzfilm wirkt zudem wie eine bewegte Leseprobe, weil er auf denselben Motiven aufbaut.
Für wen lohnt sich Mein schwarzer Hund?
Für Betroffene
Für Menschen mit einer Depression liegt der Wert weniger in neuen Informationen als in der Erleichterung, den eigenen Zustand einmal von außen dargestellt zu sehen. Das Buch nimmt niemandem etwas ab, aber es liefert eine Sprache – und zwar eine, die man Angehörigen in die Hand drücken kann, wenn das Erklären selbst zu anstrengend ist.
Für Angehörige und Kollegen
Hier ist das Buch am stärksten. Es zeigt sehr konkret, welche gut gemeinten Sätze schaden und welche Haltung hilft. Wer sich fragt, warum ein vertrauter Mensch plötzlich nicht mehr aus dem Bett kommt, bekommt in kurzer Zeit eine Vorstellung davon, was da eigentlich passiert – ohne sich vorher durch ein Fachbuch arbeiten zu müssen.
Was das Buch nicht leistet
Ein Therapieprogramm ist es nicht, und es will auch keines sein. Wer differenzierte Informationen zu Diagnostik, Medikamenten oder einzelnen Psychotherapieverfahren sucht, braucht zusätzlich einen ausführlichen Ratgeber oder ärztliche Beratung. Johnstone selbst weist unmissverständlich darauf hin, dass es ohne Behandlung nicht geht.
Fazit: Lohnt sich Mein schwarzer Hund?
„Mein schwarzer Hund: Wie ich meine Depression an die Leine legte„ ist ein absolut gelungenes Bilderbuch, dem es auf nicht einmal 50 Seiten gelingt, für Laien verständlich darzustellen, was eine Depression ist und wie die Krankheit geheilt werden kann - auch jeder medizinische Laie versteht ganz genau, was die Bilder ausdrücken sollen. Darüber hinaus gelingt Johnstone das seltene Kunststück, gerade da zum Lachen anzuregen, wo es eigentlich nicht angebracht wäre - ohne dabei auch nur einmal in den Bereich von platten Klischees abzugleiten. Kurzum: Ein absolut gelungenes Bilderbuch zu einem gerade heute überaus wichtigen Thema!
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Mein schwarzer Hund?
Matthew Johnstone erzählt in gezeichneten Bildern von seiner eigenen Depression. Die Krankheit hat die Gestalt eines schwarzen Hundes, der im Lauf des Buches immer größer wird und den Erzähler schließlich beherrscht. Im zweiten Teil zeigt Johnstone, wie der Hund durch Behandlung, Offenheit und Alltagsroutinen wieder kleiner wird.
Woher stammt die Metapher vom schwarzen Hund?
Der Vergleich der Schwermut mit einem schwarzen Hund wird auf den Schriftsteller Samuel Johnson zurückgeführt und ist vor allem durch Winston Churchill bekannt geworden. Johnstone nimmt dieses eingeführte Bild auf und macht daraus eine durchgehende Bildsprache. Genau darin liegt ein Teil der Wirkung des Buches.
Gibt es von Mein schwarzer Hund eine Leseprobe?
Weil es sich um ein Bilderbuch handelt, gibt schon eine einzelne Doppelseite den Ton des Buches wieder, und Verlags- wie Buchhandelsseiten zeigen üblicherweise Beispielseiten. Wer den Inhalt vorab erleben will, kann außerdem den gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation entstandenen Kurzfilm ansehen, der auf demselben Stoff beruht.
Für wen eignet sich das Buch?
Es richtet sich an Erwachsene: an Betroffene, die ihrem Zustand Worte geben wollen, und an Angehörige, Kollegen und Freunde, die verstehen möchten, was in einem depressiven Menschen vorgeht. Fachwissen ist nicht nötig, das Buch ist in einer knappen halben Stunde durchgesehen.
Ersetzt das Buch eine Behandlung?
Nein. Johnstone macht selbst deutlich, dass die Depression nicht von allein verschwindet, sondern behandelt werden muss. Das Buch ist ein Einstieg und eine Verständigungshilfe, kein Therapieprogramm und kein Ratgeber mit Übungsteil.
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