Memento

Autorenwertung
  • Musik
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  • Instrumentalisierung
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  • Stimme
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  • Texte
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  • Hörspaß
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  • Gesamt
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Rezension von: michaelkrause2 | Rezensionsdatum:

DAS BÖHSE IST ZURÜCK!

Die Band:

Zu Zeiten der Punkbewegung gründeten Stephan Weidner (Bass), Kevin Richard Russell (Gesang) und Peter „Pe“ Schonowsky 1980 in Frankfurt die Böhsen Onkelz. Ein Jahr später stieß Gitarrist Matthias „Gonzo“ dazu. Die Band orientierte sich immer stärker an der Oi!-Bewegung und nahm Songs mit ausländerfeindlichen Inhalten auf, die vor allem in der Skinheadszene beliebt waren. 1984 erschien das bis heute indizierte Album „Der nette Mann“. Ende diesen Jahres begann die Band damit, sich von der Szene und deren Gedankengut zu distanzieren. In den folgenden Jahren folgten Alben wie „Kneipenterroristen“, „Heilige Lieder“ oder „Es ist soweit“, welche die Fangemeinde kontinuierlich vergrößert haben, auch wenn ihnen der Makel der Vergangenheit oft noch nachhing. Mit ihrem Album „Via Los Tioz“ erreichten die Böhsen Onkelz 1999 erstmals den ersten Platz der deutschen Albumcharts und wurden für den Echo nominiert. Seitdem erreichte jedes Album den Spitzenplatz der Charts und die Band mauserte sich zu einer der erfolgreichsten deutschen Rockbands. 2004 kündigten sie ihren Rücktritt an, den sie mit einer Tour und einem gigantischen Abschiedsfestival auf dem Lausitzring mit ihren Fans feierten.

Das Album:

Nun ist es also endlich da: Nach zwei Live DVD’s der Hockenheim-Comebackkonzerte in den Jahren 2014 und 2015, dem neuen Song „“ und einer im Vorfeld restlos ausverkauften Arenatour im November und Dezember diesen Jahres, legt die Frankfurter Band nach mehr als zehn Jahren ein neues Studioalbum vor.

Die Erwartungen der Fans waren sicherlich genau so groß wie die Skepsis der Kritiker. Wurden die Onkelz schon zu ihrer ersten aktiven Phase von den Fans geliebt, sind sie durch den zelebrierten Abschied am Lausitzring zu Legenden geworden. Nun also die große Frage, ob das neue Album „“ die großen Erwartungen erfüllen kann.

Betrachtet man das Album oberflächlich oder gar nach nur einem Hördurchgang, wird der eine oder andere sicherlich zu einem enttäuschenden, gar schlechten Urteil kommen. „Memento“ ist definitiv kein Album, das beim ersten Hören zündet. Man hört, dass sich die Onkelz als Band entwickelt haben, zumal jeder der vier Musiker mit Soloprojekten unterwegs gewesen ist. Auffällig ist, dass der Sound insgesamt recht melancholisch daherkommt. Er erinnert stellenweise an Stephan Weidners Soloprojekt Der W. Aber keine Angst, es gibt mehr als genug Momente, die an die alten Zeiten erinnern.

„Gott hat ein Problem“ ist der Song, der das Album eröffnet. Anders, als „Feuer“ vom Abschiedsalbum „Adioz“ ist dieser Song eher im Midtempobereich angesiedelt und zündet nicht sofort. Von diesem Kaliber gibt es weitere Songs, die sich jedoch von Mal zu Mal fester im Gehörgang festsetzen.

Es gibt aber auch Titel, die von den Nichten und Neffen sicherlich sofort ins Herz geschlossen werden. „Irgendwas für Nichts“ und „Auf die Freundschaft“ sind im wahrsten Sinne typische Onkelz-Songs, die mit Sicherheit begeistert aufgenommen werden. Mit „Wo auch immer wir stehen“ gibt es eine Ballade, die nicht ganz an die großen Momente wie „Erinnerungen“ oder „Wieder mal ´nen Tag verschenkt“ heranreicht, die sich aber trotzdem immer stärker in den Vordergrund spielt.

Mit jedem weiteren Hördurchgang entdeckt man neue Perlen. Ein Song, der mich vom ersten Moment an fasziniert ist, „Der Junge mit dem Schwefelholz“, eine fast achtminütige, bluesdurchtränkte Nummer, die zeigt, welch gute Musiker die vier Frankfurter sind und schon immer waren.

Die wirklich große Überraschung des Albums ist aber Kevin Russell. War er auf dem letzten Album schon von der Drogensucht gekennzeichnet, war ich überrascht, wie kraftvoll und frisch die Stimme aus der Gosse klingt. Nach all den Skandalen und negativen Schlagzeilen scheint er sich und seine Stimme wieder ins Lot gebracht zu haben.

Textlich warten keine großen Überraschungen auf den Hörer. Man würde den Songs aber sicher nicht gerechnet werden, wenn man Stephan Weidner Oberflächlichkeit vorwerfen würde. Allerdings gibt es auch keine wirklichen Neuheiten: Die typische Medienschelte („Gott hat ein Problem“, „Jeder kriegt was er verdient“) ist ebenso dabei, wie die typische Ode an die Freundschaft („Auf die Freundschaft“) oder die Nachhaltigkeit der eigenen Verfehlungen („Nach allen Regeln der Sucht“).

Trackliste:

01 – Gott hat ein Problem

02 – Frei

03 – Markt und Moral

04 – Jeder krieg was er verdient

05 – Mach’s dir selbst

06 – Irgendwas für Nichts

07 – Wo auch immer wir stehen

08 – Es ist sinnlos mit sich selbst zu spaßen

09 – Der Junge mit dem Schwefelholz

10 – Nach allen Regeln der Sucht

11 – Auf die Freundschaft

12 – 52 Wochen

 

Fazit:

Die Onkelz are back in town! Mütter werden schreien, Kritiker fluchen, Fans jubeln. Die vier Bad Boys aus Frankfurt legen mit „Memento“ ein würdiges, qualitativ sehr hochwertiges Album vor. Es mag zwei, drei Hördurchgänge dauern, bis man sich der Klasse bewusst wird. Dann wird jedoch unmissverständlich klar, dass die Böhsen Onkelz sehr eindrucksvoll beweisen, dass sie wieder zurück auf Deutschlands Hardrockthron sind.

 

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