Mike Leon Grosch - Tief
Kurzfazit: Wahnsinns-Stimme vs. Schlagerfox!
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Über den Sänger
Mike Leon Grosch wurde 1976 in Wuppertal geboren und einem breiten Publikum durch die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar„ bekannt, in deren dritter Staffel er 2006 hinter Tobias Regner den zweiten Platz belegte. Nach seinem Debütalbum „Absolute„, auf dem er den Schmuspop fortsetzte, der ein innerhalb der damaligen Mottoshows präsentiert hat, wurde es ruhig um ihn. Zunächst lebte er von seinen Ersparnissen, schlug sich als Flaschensammler durch und erlitt 2016 zwei Herzinfarkte. 2019 dann das „Comeback„ mit einer Teilnahme beim „Supertalent.„ Im April 2021 erschien sein zweites Album „Wenn wir uns wiedersehen„.
Diese Biografie ist wichtig, um das Album einordnen zu können. „Absolute” war 2006 kommerziell erfolgreich und platzierte sich weit oben in den deutschen Charts, die Single „Don’t Let It Get You Down” erreichte die Spitzenposition. Danach folgte der klassische Casting-Absturz mit allem, was dazugehört. Wer nach so einem Jahrzehnt wieder auf die Bühne zurückfindet, hat Material für Texte, und genau das hört man „Tief” an.
Was steckt hinter dem Album Tief?
„Tief” erschien im September 2023 und ist das dritte Studioalbum des Sängers. Entstanden sind die Songs in Songwriting-Sessions gemeinsam mit seiner Frau Daniela, für den überwiegenden Teil der Produktionen zeichnete Oli Nova verantwortlich, der zuvor bereits für Namen wie Andrea Berg, Michelle, Maite Kelly oder Semino Rossi gearbeitet hat. Neben dem Duett mit seiner Frau findet sich auf dem Album auch eines mit Sonia Liebing.
Der Titel ist Programm: Es geht um Ehrlichkeit, um Konflikte, um emotionale Tiefe. Die Frage ist nur, ob die musikalische Verpackung dieser Ansage folgt.
Das Album im Überblick
Mike Leon Grosch hat viel gesehen und noch mehr erlebt. Das alles verarbeitet er in seinem dritten Album „Tief„ in insgesamt fünfzehn neuen Songs, die allesamt mit aus seiner Feder stammen. Allerdings macht bereits der erste Titel das Dilemma des Albums deutlich. „Durch den Regen„ kombiniert einen schönen Text und die wirklich unglaubliche Stimme von Mike Leon Grosch mit recht dumpfen Schlagerfoxbeats. Kein Wunder, ist der Sänger doch jetzt im Popschlager unterwegs.
Und genau finde ich schade. Nicht per se, allerdings klingt die Instrumentalisierung stellenweise so nach Drumcomputer und Heimorgel, dass die Titel ihre Klasse nicht komplett entfalten können. Bei Songs wie „Endlich passiert„ oder „Wenn das so ist„ ist man schon geneigt, nach den ersten Tönen die Skip-Taste zu drücken, um diesen unsäglichen Beats zu entkommen. Es empfiehlt sich durchaus, das nicht zumachen, denn Text und Stimme können überzeugen. Aber zu dieser Erkenntnis muss man erstmal gelangen.
Mehr noch. Immer wenn Mike Leon Grosch die Schlagerfoxnummer nicht ganz so intensiv fährt, wird das Album richtig gut. Songs wie „Katapult„, „Der Mann„ oder „Es tut nicht mehr weh„ zeigen eindrucksvoll, was hier möglich gewesen wäre.
Stimme und Texte
Was auf dem Album nie zur Debatte steht, ist die Stimme. Grosch hat ein Volumen und eine Ausdruckskraft, die im deutschen Popschlager selten sind, und er setzt sie nicht als Effekt ein, sondern erzählend. Auch die Texte tragen: Sie sind konkret, sie meiden die Floskeln des Genres weitgehend und sie profitieren erkennbar davon, dass ihr Autor die beschriebenen Tiefpunkte selbst durchlaufen hat.
Produktion und Sound
Der Reibungspunkt ist die Produktion. Ein Text über eine durchlebte Krise verträgt keinen Rhythmus, der nach Tanzkurs klingt. An mehreren Stellen kollidieren die beiden Ebenen so deutlich, dass die Wirkung des Songs verpufft. Bei den zurückgenommenen Nummern verschwindet dieses Problem sofort, was die These stützt, dass hier eine Genre-Entscheidung und nicht das Songwriting das Album ausbremst.
Trackliste
01 - Durch den Regen
02 - Alles wird anders
03 - Keiner darf dich sehen
04 - Du bist alles
05 - Endlich passiert
06 - Katapult
07 - Der Mann
08 - Mit der Zeit verliebt sein
09 - Verliebt sein (feat. Sonja Liebing)
10 - Wenn das so ist
11 - Himmel und Hölle
12 - Frei
13 - Hitze der Nacht
14 - Meine Wahl
15 - Es tut nicht mehr weh
Die Duette
Zwei Duette setzen eigene Akzente. Eines singt Grosch mit seiner Frau Daniela, die auch am Songwriting beteiligt war, das andere mit Sonia Liebing. Gerade das zweite ist eine naheliegende Genre-Paarung, funktioniert aber besser als viele Pflichtduette im Popschlager, weil beide Stimmen genug Substanz haben, um nicht ineinander zu verschwimmen. Wer die Trackliste durchhört, merkt außerdem, dass das Album inhaltlich einen Bogen schlägt: von „Durch den Regen” am Anfang bis zu „Es tut nicht mehr weh” am Schluss ist eine Bewegung erkennbar, die kein Zufall sein dürfte.
Für wen lohnt sich Tief?
Wer Popschlager mag und mit Schlagerfoxrhythmen kein Problem hat, bekommt hier ein überdurchschnittlich gut gesungenes und geschriebenes Album des Genres. Wer aus der Richtung deutschsprachiger Pop oder Singer-Songwriter kommt, braucht Geduld: Die ersten Takte einiger Titel sind eine echte Hürde, dahinter liegen aber Songs, die deutlich mehr können, als ihre Beats vermuten lassen. Als Einstieg empfehlen sich „Katapult” und „Es tut nicht mehr weh”, weil dort beide Seiten des Albums zusammenfinden.
Fazit: Lohnt sich Tief?
Zwiespältig ist das Wort, dass dieses Album für mich am besten beschreibt. Mike Leon Grosch ist ein unglaublich guter und ausdrucksstarker Sänger, der in seinen Texten richtig was zu sagen. Leider verliert er sich zu oft und sehr in einfachen Schlagerfoxbeats, die meinen Hörgenuss doch ein wenig getrübt haben. Etwas mehr echte, handgemachte Musik und „Tief„ wäre ein absoluter Volltreffer. So bleiben nur einzelne Songs wie „Katapult„ oder „Es tut nicht mehr weh„ hängen, die jedoch eindrucksvoll zeigen, was möglich gewesen wäre.
Unsere Bewertung
Musik: 3,5
Stimme: 5
Texte: 5
Instrumentalisierung: 2,5
Hörspaß: 3
Häufig gestellte Fragen
Wann ist das Album Tief erschienen?
Tief erschien im September 2023 und ist Mike Leon Groschs drittes Studioalbum. Es folgte auf Wenn wir uns wiedersehen von 2021 und das Debüt Absolute aus dem Jahr 2006.
Wie viele Songs sind auf Tief?
Das Album enthält fünfzehn Titel, darunter Durch den Regen, Katapult, Der Mann und Es tut nicht mehr weh. Ein Duett mit Sonia Liebing ist ebenfalls dabei. Die Texte stammen sämtlich unter Mitwirkung des Sängers.
Wer ist Mike Leon Grosch?
Mike Leon Grosch wurde 1976 in Wuppertal geboren und wurde durch Deutschland sucht den Superstar bekannt, wo er 2006 hinter Tobias Regner den zweiten Platz belegte. Nach ruhigen Jahren, finanziellen Problemen und zwei Herzinfarkten 2016 kehrte er 2019 über das Supertalent zurück und ist heute im Popschlager unterwegs.
Ist Tief ein Schlageralbum?
Weitgehend ja. Das Album ist im Popschlager angesiedelt und arbeitet an vielen Stellen mit Schlagerfoxrhythmen. Genau daran scheiden sich die Geister: Wer diesen Sound mag, bekommt ein rundes Album, wer ihn nicht mag, muss über die Beats hinweghören, um an Texte und Stimme heranzukommen.
Welche Songs lohnen sich am meisten?
Am stärksten wirkt das Album dort, wo die Schlagerfoxbeats zurückgenommen sind. Katapult, Der Mann und Es tut nicht mehr weh zeigen am deutlichsten, was mit dieser Stimme und diesen Texten möglich gewesen wäre.
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