Preis der Freiheit
Kurzfazit: Starkes Wendezeit-Drama mit großem Cast und viel echter Zeitgeschichte.
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Worum geht es in Preis der Freiheit?
Margot Spindler arbeitet als rechte Hand von Alexander Schalk-Golodkowski für die Koko. Der Behörde der DDR, die für das Beschaffen von Devisen zuständig war. Margot ist vom System absolut überzeugt und hat auch die Kinder ihrer verstorbenen Schwester Silvia unter ihre Fittiche genommen. Anders ist Margot jüngere Schwester Lotte, die als Alleinerziehende einen Buchladen betreibet und sich der aufkommenden Umweltbewegung in der DDR anschließt. In den Jahren von 1987 bis zum Mauerfall wird das Leben der Familie auf eine harte Probe gestellt. Roland, Silvias Sohn, ist mit dem Leben in der DDR unzufrieden und plant zu fliehen. Doch was wird aus seiner Schwester Christa? Lottes Sohn Ingo ist ebenfalls enttäuscht und schließt sich einer Gruppe von Neonazis an.
Der Titel meint dabei nicht nur die politische Freiheit, sondern auch den Preis, den jede einzelne Figur für ihre Entscheidung zahlt. Wer bleibt, zahlt mit Anpassung. Wer geht, zahlt mit dem Verlust der Familie. Wer aufbegehrt, zahlt mit Repression.
Was war die Koko?
Die Kommerzielle Koordinierung ist der eigentliche Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und unterscheidet den Dreiteiler von anderen DDR-Stoffen, die meist um die Staatssicherheit kreisen. Ihre Aufgabe war es, dem chronisch klammen Staat westliche Währung zu beschaffen – mit Methoden, die mit sozialistischer Wirtschaftslehre wenig zu tun hatten.
Zwei dieser Methoden zeigt die Serie deutlich: den Freikauf von Häftlingen durch die Bundesrepublik und die Abnahme von West-Berliner Müll gegen Devisen. Beides ist historisch belegt und wirkt im Film umso bitterer, weil es die Figuren um Margot als reines Geschäft behandeln.
Die drei Schwestern
Der Dreiteiler baut seine Erzählung konsequent um drei Frauen, die kaum unterschiedlicher sein könnten.
Margot Spindler
Margot ist die Systemtreue. Sie glaubt an den Staat, für den sie Devisen beschafft, und sieht zugleich, wie er auf den Bankrott zuläuft. Barbara Auer spielt diese Rolle kühl und berechnend, ohne sie zur Karikatur zu machen.
Lotte Bohla
Lotte betreibt einen Buchladen, zieht ihren Sohn allein groß und findet Anschluss an die entstehende Umweltbewegung. Sie ist der Gegenentwurf zu Margot und trägt den Teil der Handlung, in dem der Widerstand aus der Zivilgesellschaft heraus wächst.
Silvia Bohla
Silvia ist tot, als die Handlung einsetzt, und bleibt trotzdem präsent. Die Umstände ihres Todes ziehen sich als Rätsel durch alle drei Folgen und verbinden die Familiengeschichte mit dem politischen Rahmen.
Die nächste Generation
Roland will fliehen, seine Schwester Christa bleibt zurück, und Lottes Sohn Ingo landet bei Neonazis. Dass es in der DDR eine rechte Szene gab, die offiziell nicht existieren durfte, ist einer der unbequemeren Stränge der Serie.
Darsteller
Barbara Auer ist Margot Spindler
Nadja Uhl ist Lotte Bohla
Nicolette Krebitz ist Ina Winter / Silvia Bohla
Godehard Giese ist Norbert Krimling
Oliver Masucci ist Ilja Schneider
Angela Winkler ist Else Bohla
Joachim Król ist Paul Spindler
Janina Fautz ist Christa Bohla
Aaron Hilmer ist Roland Bohla
Michelangelo Fortuzzi ist Ingo Bohla
Thomas Thieme ist Alexander Schalk-Golodkowski
Produktinformationen
2 DVD‘s
Laufzeit: 270 Minuten
Sprache: Deutsch,
Ton, Bild, Farbe: Dolby Digital 2.0, 16:9, PAL
FSK: ab 12 Jahre
Regie und Drehbuch
Regie führte Michael Krummenacher. Das Drehbuch stammt von Michael Klette, Charlotte Wetzel und Gabriela Sperl, an dem auch der Regisseur beteiligt war. Ausgestrahlt wurde der Dreiteiler im ZDF an drei aufeinanderfolgenden Abenden zur Hauptsendezeit, die DVD fasst alle drei Teile auf zwei Discs zusammen.
Fazit: Lohnt sich Preis der Freiheit?
Im Fahrwasser einer Serie wie „Weißensee” kommt dieser im ZDF ausgestrahlte Dreiteiler daher, dessen Fokus nicht zentral auf den Machenschaften der Staatssicherheit, sondern auf der Arbeit der Koko liegt. Die Kommerzielle Koordination war durch den Verkauf von Gefangenen an die BRD und durch die Abnahme von Müll aus West-Berlin dafür verantwortlich, harte Devisen in die Kasse des Arbeiter- und Bauernstaates zu spülen. Ähnlich wie bei „Weißensee” hat man vor diesem geschichtlichen Hintergrund eine Familiengeschichte angesiedelt.
Das von Michael Klette, Charlotte Wetzel und Gabriela Sperl verfasste Drehbuch weist auch durchaus Parallelen zu der erfolgreichen ARD-Serie auf, ohne dabei ein Abklatsch zu sein. Vielmehr ist der Plot so spannend aufgebaut, dass man sofort in die Story gezogen wird.
Erstaunlich ist, wie eng man sich an tatsächliche Ereignisse gehalten hat. Egal ob das geheime filmen einer Giftmülldeponie in Bitterfeld oder das Konzert einer Berliner Rockband in der Zionskirche - Regisseur Michael Krummenacher bettet viele Begebenheiten der damaligen Zeit hervorragend in die Geschichte ein, die dadurch noch authentischer wird.
Der Spannungsbogen steigert sich kontinuierlich über alle drei Folgen. Man lebt und leidet mit den Charakteren, auch wenn das eine oder andere auf der Strecke bleibt. Insbesondere die Frage, was es mit dem Ableben von Silvia auf sich hat, wird weniger gut beantwortet. Sehr positiv ist, dass man auf eine sonst übliche Schwarz-Weiß-Zeichnung der Figuren verzichtet hat. Margot hat als Drahtzieherin der Koko nur das Wohlergehen der DDR im Sinn, besitzt aber auch eine verletzliche Seite.
Was uns zu dem durchweg tollen Cast bringt. Barbara Auer brilliert in der Rolle der kühl berechnenden Margot. Dagegen steht Nadja Uhl in der Rolle der Lotte. Sie verkörpert die aufkommenden Umweltaktivistin überaus glaubwürdig, wobei ihre Rolle ein wenig an die Serien von Anna Loss aus „Weißensee” erinnert. Etwas blass bleibt Nicolette Krebitz als Silvia, die, was die Intensität der Darstellung angeht, nicht ganz an Barbara Auer und Nadja Uhl heranreicht. Als Entdeckung können Aaron Hilmer als Roland und vor allem Janina Fautz als Christa genannt werden. Gerade Janina Fautz konnte ihre schauspielerische Klasse ja schon mehrfach in der Krimiserie „Wilsberg” unter Beweis stellen.
Unterm Strich ist „Preis der Freiheit” ein mehr als sehenswerter Dreiteiler, der als zeitgeschichtliches Drama komplett überzeugt und begeistert. Wer solche Filme über die deutsch-deutsche Vergangenheit mag, für den ist dieser Mehrteiler ein absolutes Muss.
Für wen lohnt sich der Dreiteiler?
Wer „Weißensee” mochte, findet hier den nächsten Stoff derselben Familie, nur mit anderem Schwerpunkt: weniger Stasi, mehr Devisen und Wirtschaft. Wer sich für die letzten Jahre der DDR interessiert, bekommt eine Erzählung, die mehr erklärt als viele Dokumentationen, weil sie die Mechanik des Staatsbankrotts an konkreten Figuren durchspielt.
Wer dagegen eine klare Aufteilung in Gut und Böse erwartet, wird enttäuscht. Genau das ist aber die Stärke der Serie: Margot ist Täterin und Schwester zugleich, Lotte ist mutig und überfordert, die Jugendlichen treffen Entscheidungen, die sich später nicht mehr korrigieren lassen. Mit 270 Minuten ist der Umfang überschaubar, der Nachhall aber deutlich länger.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Preis der Freiheit?
Der Dreiteiler erzählt die Jahre zwischen 1987 und der Wende aus der Sicht dreier sehr unterschiedlicher Schwestern. Margot arbeitet in leitender Position für die Kommerzielle Koordinierung der DDR und beschafft dem Staat harte Devisen, Lotte betreibt einen Buchladen und schließt sich der Umweltbewegung an, die verstorbene Silvia wirft bis zuletzt Fragen auf. Um sie herum geraten die Kinder der Familie in Fluchtpläne und in die rechte Szene.
Wer spielt in Preis der Freiheit mit?
Barbara Auer spielt Margot Spindler, Nadja Uhl ihre Schwester Lotte Bohla und Nicolette Krebitz die Rolle der Silvia Bohla beziehungsweise Ina Winter. Dazu kommen unter anderem Joachim Król, Angela Winkler, Oliver Masucci, Godehard Giese, Thomas Thieme als Alexander Schalck-Golodkowski sowie Janina Fautz, Aaron Hilmer und Michelangelo Fortuzzi als jüngere Generation.
Was war die Koko in der DDR?
Die Kommerzielle Koordinierung war der Bereich, der dem Staatshaushalt der DDR westliche Währung beschaffen sollte. Im Film wird das an zwei bekannten Feldern gezeigt: am Freikauf von Häftlingen durch die Bundesrepublik und an der Abnahme von Müll aus West-Berlin. Geleitet wurde der Bereich von Alexander Schalck-Golodkowski, für den die Hauptfigur Margot arbeitet.
Ist Preis der Freiheit eine wahre Geschichte?
Die Familie Bohla-Spindler ist erfunden, der Rahmen um sie herum jedoch eng an tatsächliche Ereignisse angelehnt. Heimlich gefilmte Giftmülldeponien in Bitterfeld oder das Konzert in einer Berliner Kirche sind Motive, die es so oder ähnlich gegeben hat. Diese Mischung sorgt für die Glaubwürdigkeit der Serie.
Wie lang ist Preis der Freiheit und wo kann man ihn sehen?
Die DVD-Ausgabe umfasst zwei Discs mit rund 270 Minuten Laufzeit, freigegeben ab 12 Jahren. Ausgestrahlt wurde der Dreiteiler im ZDF an drei aufeinanderfolgenden Abenden. Wer ihn am Stück sieht, sollte sich also auf einen langen Fernsehabend einstellen.
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