R. L. Stine: Die Mitbewohnerin
Kurzfazit: Langsam anziehender Grusel aus der Fear Street, solide erzählt
Fear Street 30 - Die Mitbewohnerin: Tür an Tür mit dem Tod - Die Buchvorlage zur Horrorfilmreihe auf Netflix
3,99 € Stand: 17.08.2026
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Das 171 Seiten dicke Buch ist im Jahre 2012 im Loewe Verlag Bindlach erschienen.
Hier liegt ein neuer Band aus der Fear-Street-Jugendbuchreihe vor. Da sie nicht nummeriert sind, kann ich leider nicht sagen, die wievielte Nummer es ist. Der Verlag selbst führt den Titel in seinen neueren Ausgaben inzwischen als Band 30 der Reihe. Für den Einstieg spielt das ohnehin kaum eine Rolle: Die Fear-Street-Bände sind in sich abgeschlossen, man braucht keinen einzigen Vorgänger gelesen zu haben.
Worum geht es in R. L. Stine: Die Mitbewohnerin?
Die Geschichte spielt, wie der Titel schon sagt, in der Fear Street in der fiktiven US-amerikanischen Stadt Shadyside.
Lea zieht mit ihren Eltern in eine alte, verfallene Villa, um die sich eine gruselige Legende rankt. Die Dachkammer ist schon seit über 100 Jahren verschlossen. Und das nicht ohne Grund. Dort soll nämlich ein Mord geschehen sein.
Leas Kinderzimmer liegt direkt unter der Dachkammer. Und plötzlich hört sie immerzu Schritte. Und genauso plötzlich fleht sie eine Stimme an, die Tür der Dachkammer zu öffnen. Natürlich weiß Lea, daß sie sich von dem Dachboden fernzuhalten hat. Doch die Neugierde ist stärker.
Das Haus als eigentliche Hauptfigur
Was den Band trägt, ist weniger ein ausgeklügelter Plot als der Schauplatz. Das Haus ist alt, es knarrt, es hat eine Tür, die nicht geöffnet werden darf, und es hat eine Vorgeschichte, die im Ort jeder kennt und niemand gerne ausspricht. Stine braucht keine ausführlichen Schockmomente, um Unbehagen zu erzeugen. Es reicht, daß Lea nachts über sich Schritte hört, während unten im Erdgeschoß die Eltern seelenruhig ihren Alltag verrichten.
Die Situation in der Schule
Parallel zur Dachkammer läuft ein zweiter Erzählstrang, der zunächst harmlos wirkt und dann plötzlich kippt. Die Situation in der Schule eskaliert mit einem Mord an einer verhaßten Mitschülerin, die Lea mit ihrem eifersüchtigen und unfreundlichem Verhalten drangsaliert und zur Weißglut treibt. Ab diesem Punkt ist nicht mehr klar, wer in dieser Geschichte eigentlich das Opfer ist – und ob Lea die Kontrolle über das, was in dem Haus vorgeht, jemals hatte.
Wer ist R. L. Stine und was ist Fear Street?
Den Autoren – und mit ihm die Serie – habe ich ja schon in anderen Buchbesprechungen vorgestellt. Daher verzichte ich hier auf die Vermittlung von literaturwissenschaftlichem Hintergrundwissen und verweise auf die jeweiligen Rezensionen.
Kurz eingeordnet für alle, die neu einsteigen: R. L. Stine ist der Autor, dem eine ganze Generation ihre ersten Gänsehautmomente verdankt. Fear Street ist dabei die ältere und deutlich härtere Schwester der bekannteren Gruselgeschichten für jüngere Kinder. Die Reihe richtet sich ausdrücklich an Jugendliche, spielt konsequent in derselben Kleinstadt Shadyside und arbeitet mit Motiven, die man aus dem klassischen Horrorkino kennt: verfluchte Häuser, alte Morde, Rache über Generationen hinweg. Dass Netflix den Kosmos der Reihe später für eine Filmtrilogie aufgegriffen hat, hat der Buchreihe im deutschsprachigen Raum noch einmal einen zweiten Frühling beschert.
Über das Buch
Shadyside kann man mit „Schattenseite“, Fear Street mit „Straße der Angst“ übersetzen. Diese Namen machen hier ihrer Bedeutung alle Ehre.
So ganz allmählich schleicht sich das Grauen, der Horror in das Leben einer amerikanischen Durchschnittsfamilie. Um genau zu sein: in das Leben der Tochter; die Eltern bekommen nichts davon mit. Die Handlung ist weitestgehend auf ihr Zuhause und die Schule beschränkt. Die Schulkollegen der Hauptperson bekommen allerdings ebenfalls nichts davon mit.
Der Horror erreicht seinen Höhepunkt am Ende des Buches. Nach meiner Einschätzung ist dieser Teil für kleinere, jüngere Kinder nicht unbedingt geeignet. Man muß schon allein altersmäßig eine gewisse Reife besitzen, um hier nicht einen großen Schrecken zu bekommen.
Was ist real, was Einbildung?
Was ist real? Was Phantasie? Was Fieberwahn? Über weite Strecken ist dies nicht auseinanderzuhalten. Genau darin liegt die Stärke des Buches: Der Leser sitzt so lange mit Lea in derselben Unsicherheit, bis er ihr selbst nicht mehr traut. Stine löst diese Ambivalenz erst spät auf, und er löst sie unfreundlicher, als man es nach den ersten Kapiteln erwarten würde.
Der schwache Punkt: die Eltern
Das Verhalten der Eltern ist hier leicht unglaubwürdig. Bekommen sie wirklich nicht mit, was mit ihrer Tochter in ihrer neuen Wohnung vor sich geht? Kann ein Kind wirklich schlimme Ereignisse verheimlichen, ohne daß es auffällt? Oder ist das nur der Spannung geschuldet? Keine Ahnung. Es ist der übliche Preis, den Jugendhorror für seine Konstruktion zahlt: Damit die Hauptfigur allein bleibt, müssen die Erwachsenen blind sein.
R. L. Stine liefert hier jedenfalls wieder gut geschriebene Spannung für jugendliche Leser ab. Das Buch ist zwar dicker als die Werke aus den Anfangstagen der Jugendbuchreihe (sie waren in der Regel auf 128 Seiten beschränkt); wirklich stören tut das aber nicht. Hat man einmal mit dem Lesen angefangen, möchte man auch nicht wieder damit aufhören.
Über den Verlag
Die Anfangstage des Verlagshauses liegen im 19. Jahrhundert. Am 8. Juni 1863 gründete Friedrich Loewe in Leipzig ein „Verlags- und Kommissionsgeschäft“. Der Verlag hatte zunächst noch keine bestimmte Programmrichtung. Er gab aber ab 1869 bevorzugt Jugendschriften, Klassiker, Märchen und Bilderbücher heraus. Dabei avancierten drei Loewe Bücher Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach Angaben des Verlages „zu echten Kinderbuchklassikern“. Gemeint sind hier die Bücher „Hänschen im Blaubeerenwald“ (1903), „Die Heinzelmännchen“ (1910) und Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“. Sie wurden im deutschen Sprachraum millionenfach verkauft und in fast alle Sprachen der Erde übersetzt. Der 2. Weltkrieg bremste Loewes Aufwärtstrend. Ein Bombenangriff vernichtete 1943 das Verlagshaus und legte die Buchproduktion lahm. Nach der Währungsreform musste der Verlag daher vom neuen Verleger Fritz Carl völlig neu aufgebaut werden. Wie vor dem Krieg gab der Verlag „schön und aufwändig ausgestattete Klassikerausgaben heraus“, wie er selbst berichtet. Da der Verleger Fritz Carl keine Nachkommen hatte, verkaufte er den Verlag 1965 an den Buchhändler Adolf Gondrom. Unter Volker Gondrom, der den Verlag bis heute leitet, entwickelte sich der Verlag nach eigenen Angaben zu einem der führenden deutschen Kinder- und Jugendbuchverlage.
Für wen lohnt sich Die Mitbewohnerin?
Der Band ist die richtige Wahl für jugendliche Leser, die Gruselgeschichten mögen, aber noch keinen ausgewachsenen Horrorroman lesen wollen. Er ist kurz genug, um an einem verregneten Wochenende durchgelesen zu werden, und er verlangt keine Vorkenntnisse aus der Reihe.
Weniger geeignet ist er für zwei Gruppen. Erstens für jüngere Kinder, denen das Finale zu weit gehen dürfte. Und zweitens für erwachsene Horrorleser, die Figurentiefe erwarten: Lea funktioniert als Identifikationsfigur, aber sie ist keine besonders vielschichtige Person, und die Nebenfiguren sind eher Funktionen als Charaktere. Wer das weiß und einordnen kann, bekommt genau das, wofür Fear Street gemacht wurde.
Fazit: Lohnt sich R. L. Stine: Die Mitbewohnerin?
Hier liegt gute Unterhaltung für Jugendliche vor, die dem bekannten, vertrauten Niveau der Buchreihe entspricht. Der Aufbau ist ruhig, der Schluss ist hart, und die Auflösung ist bösartiger, als es der harmlose Anfang vermuten lässt. Wer die Fear Street kennt, weiß, was er bekommt, und wird nicht enttäuscht. Wer sie noch nicht kennt, kann mit diesem Band problemlos einsteigen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Die Mitbewohnerin von R. L. Stine?
Lea zieht mit ihren Eltern in eine alte Villa an der Fear Street in Shadyside. Direkt über ihrem Zimmer liegt eine Dachkammer, die seit mehr als hundert Jahren verschlossen ist, weil dort ein Mord geschehen sein soll. Als Lea Schritte hört und eine Stimme sie bittet, die Tür zu öffnen, siegt die Neugier über die Vernunft.
Zu welcher Reihe gehört Die Mitbewohnerin?
Das Buch gehört zur Jugendbuchreihe Fear Street von R. L. Stine, die in der fiktiven US-Stadt Shadyside spielt. Der Loewe Verlag führt den Titel inzwischen als Band 30 der Reihe. Die Bände sind in sich abgeschlossen, man kann also ohne Vorkenntnisse einsteigen.
Ab welchem Alter ist Die Mitbewohnerin geeignet?
Der Roman richtet sich an jugendliche Leser. Vor allem das Finale ist deutlich härter als der ruhige Beginn, deshalb sollte man eine gewisse Reife mitbringen. Für Grundschulkinder ist das Buch nach unserer Einschätzung nicht die richtige Wahl.
Hat Die Mitbewohnerin etwas mit der Netflix-Reihe Fear Street zu tun?
Die Netflix-Filme greifen den Kosmos der Buchreihe und den Schauplatz Shadyside auf, verfilmen aber nicht diesen einzelnen Band. Wer die Filme mochte und wissen will, woher der Stoff kommt, findet in Die Mitbewohnerin einen typischen Vertreter der Buchreihe.
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