Rammstein – Zeit

WER „ROSENROT“ MAG, WIRD „ZEIT“ LIEBEN!

Die Band:

Keine andere deutsche Band polarisiert und begeistert Fans im In- und Ausland so wie die sechs Männer aus Berlin. Was 1995 mit dem ungeschliffenen Juwel „Herzeleid“ begann, setzte sich bis dato über insgesamt acht Studioalben fort. Dabei waren es immer wieder die provokativen Texte von „Bück dich“ über „Mein Teil“ bis hin zu „Ich tu dir weh“ (das zwischenzeitlich für eine Indizierung des Albums „Liebe ist für alle da“ sorgte), die Rammstein in die Schlagzeilen brachten. Zusammen mit dem martialischen Auftreten wurde die Band schnell in eine Ecke gedrängt, in die sie nicht wollte und in die sie auch überhaupt nicht hingehört.

Das Album: 

Die Corona-Pandemie hat etwas möglich gemacht, womit man zuvor nicht wirklich gerechnet hat. Rammstein legen nur drei Jahre nach ihrem letzten Album ein neues, ihr achtes Studioalbum vor. „Zeit“ lautet der schlichte Titel. Und wenn man die Kritiken sowohl von der Fachpresse, als auch von den Fans vergleicht, ist alles dabei. Die einen reden von einem echten Meisterwerk, die anderen davon, dass Rammstein ihren Biss verloren haben und nur noch eine bloße Kopie ihrer selbst sind. Im Gegensatz zu vielen Anderen war ich vom letzten, selbstbetitelten Werk nicht besonders angetan. Daher waren meine Erwartungen an dieses Album eher gering. 

Doch der als erstes ausgekoppelte Titelsong, untermalt von einem grandiosen Video unter der Regie von Robert Gwisdek steigerte meine Hoffnung. So melancholisch hat man die Brachialrocker eher selten gehört. „Zick Zack“ als zweite Single überzeugt mehr durch das Video, obgleich der Song sicher seine Livequalitäten hat. Das gilt letztlich für alle anderen Songs des Albums. Mit „Armee der Tristen“ gibt es einen Opener, der mich vom Tempo her an „Reise Reise“ erinnert und den ich in diese Schaffensphasen packen würde. Mit „Giftig“ und vor allem „Angst“ sind zwei absolut brillante Songs dabei, wobei das Video zu „Angst“ mehr als sehenswert ist. Über das viel diskutierte „Dicke Titten“ kann ich herzhaft lachen. Sicher ist das ziemlich platter, vorpubertärer Spaß, doch in Verbindung mit der Marschmusik machen Rammstein auch hier alles richtig. Gleiches gilt für „Lügen“, dass mit einem hörenswerten doppeldeutigen Text daherkommt, finde ich im ´Gegensatz zu zahlreichen anderen Rezensenten überaus gelungen. Die restlichen Titel „OK“, „Schwarz“ und „Meine Tränen“ passen ebenfalls hervorragend in das Gesamtbild dieses Longplayers.

Und natürlich kommt man nicht umher, ein paar Worte zu „Adieu“ zu verlieren. Ist es der Abschied von Rammstein oder nicht? Dafür spricht, dass das gesamte Werk von einer besonderen Melancholie getragen wird. Doch Rammstein sind ja genau für diese Doppeldeutigkeiten bekannt. Andererseits steht die Band mit der jetzt endlich fortgesetzten Stadiontour auf dem Höhepunkt ihres Schaffens und die Musiker werden auch nicht jünger. Zieht man hinzu, wie der sonstige Veröffentlichungszyklus ist, kann es gut sein, dass „Adieu“ wirklich der Abschiedssong ist. Wenn es so sein soll, dann haben sie sich aber einen mehr als würdigen Abschluss ausgesucht. Das gilt nicht nur für den Song, sondern für das gesamte Album. 

Trackliste:

01 – Armee der Tristen

02 – Zeit

03 – Schwarz

04 – Giftig

05 – Zick Zack

06 – OK

07 – Meine Tränen

08 – Angst

09 – Dicke Titten

10 – Lügen

11 – Adieu

Fazit:

Mir hat „Zeit“ bereits beim ersten Hördurchgang gefallen. Nach mehreren intensiven Durchläufen hat sich das weiter verstärkt. Für mich persönlich zählt es definitiv zu den drei besten Alben der Band. Mit „Armee der Tristen“, „Zeit“, „Giftig“ und „Angst“ sind Songs dabei, die ich weder auf „Rammstein“ noch auf „Liebe ist für alle da“ gehört habe. Ein tolles Album, das wie das oft unterschätzte „Rosenrot“ (welches ich ebenfalls sehr gelungen fand und finde) alle Stärken der Band ausspielt. So soll und muss Rammstein klingen. 

Bewertung:

Musik: 5

Instrumentalisierung: 5

Texte: 5

Abwechslung: 5

Hörspaß: 5

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