Richard Dawkins – Der Gotteswahn

Inhaltsverzeichnis
Klassik

Stephan Moccio – Legends, Myths And Lavender

Musik

Axel Rudi Pell – Risen Symbol

Musik

Bon Jovi – Forever

Ich bin selbst nicht religiös aber…

Damit hätte Richard Dawkins, Autor von „Der Gotteswahn“, vermutlich wieder ein flaues Gefühl in seiner Magengegend, aber ich beginne meine Rezension einfach trotzdem auf diese Weise, weil sie in meinen Augen schon gewissen Vorverurteilungen den Boden nimmt.

Wissenschaftlichkeit? – Fehlanzeige

Das Werk Dawkins reiht sich nun in eine längere Reihe von Erscheinungen ein, die Wikipedia zu Recht nicht in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen des Evolutionsbiologen auflistet, denn es steht fest, dass die Sprache zu polemisch und humorvoll gestaltet ist, als das man sie als wissenschaftlich betiteln könnte, was in meinen Augen der ganzen Auseinandersetzung enorm abträglich ist, denn so bleibt der fade Beigeschmack Halbwahrheiten gelesen zu haben. Dawkins selbst meinte dazu, dass es auflockernd und gegen den Nimbus geschehen ist, dass Religionen immer mit Samthandschuhen angefasst werden müssten, was an sich keine schlechte Herangehensweise ist, aber dann müsste trotzdem ein gewisses Maß an Wissenschaftlichkeit gewahrt werde.

Kritik an inhaltlichen und stilistischen Elementen

Wie der Titel bereits vermuten lässt verfolgt Dawkins die Intention, dem gemeinen Menschen die Wahrheit, man möchte schon fast meinen in halbreligiöser Art und Weise, zu verkünden. Dabei beruft er sich endlos und zudem ermüdend auf Darwin, wobei ich mir als Geisteswissenschaftler schon vorstellen kann, dass es daneben auch noch andere nennenswerte Naturwissenschaftler gibt, die es verdient hätten seine Argumente gegen die Existenz Gottes und alle damit verbundenen Erscheinungen zu erwähnen. Doch das muntere Treiben Darwins genießt bei Dawkins absoluten Vorrang und wenn überhaupt, werden nur andere Nebendisziplinen anhand von verschiedenen Beispielen/Autoren vereinfacht dargestellt, so dass man nahtlos an die unwissenschaftliche Art und Weise der Sprache anknüpft. Seine Intention, wie er es nennt, unseren Burka-Sehschlitz zu erweitern, halte ich ebenso für verfehlt, da er in gewisser Hinsicht damit Ähnliches verfolgt wie alle Arten von Religionen, wogegen er sich im übrigen erwehrt. Darin sehe ich dann den größten Kritikpunkt an Dawkins Buch: ein erhöhtes Maß an Selbstreflexivität hätte seinem „Gotteswahn“ vermutlich gut getan, denn dann wäre ihm wahrscheinlich aufgegangen, dass er in gleichen Gefilden schwimmt und ebenso eine Subreligion aufbaut mit dem Versuch, ihr einen absoluten Wahrheitsanspruch überzustülpen, wie es die anderen schon seit weit mehr als 1000 Jahren veranstalten.

Ein weiterer daraus resultierender Punkt ist, dass durch die oberflächliche Behandlung man schnell bemerkt, dass sich Dawkins, als Naturwissenschaftler, überhaupt nicht mit geisteswissenschaftlichen Problematiken auseinandersetzt hat, was ich ihm sehr ans Herz legen würde, da manche Auswüchse, die er als absurd oder skuril abwertet, damit verständlich werden, beispielsweise mit der Soziologie oder Geschichte.

Positives, wenn man davon reden kann

Positiv, neben aller Kritik, sollte erwähnt werden, dass es Dawkins wenigstens versucht sich auf allen Ebenen dem Problem und seinen Verhaltensweisen, zu nähern. Das dabei aber wie oben angemerkt, nicht wirklicher Tiefgang erzeugt, was wiederum den Wert des Werkes in meinen Augen stark in Frage stellen lässt, wirkt negativ. Also kann man dabei auch nicht wirklich von positiven Aspekten sprechen.

Fazit

Ich bin etwas enttäuscht! Nachdem ich den Film Religulous, mit Bill Maher, gesehen hatte, der schon in seiner ganzen Art polemisch ist, dachte ich, dass hier wenigstens ein wenig mehr Wissenschaftlichkeit herrschen würde, doch als Fazit kann man dem Film noch mehr Wert beimessen als dem Buch von Dawkins. Schade! Wer sich also mit halbaufgetauten und schon x-mal gehörten Argumenten einlullen lassen will, kann Dawkins Werk lesen, aber wer das gleiche schneller und genau so, nur mit der sich bewussten Intention der humorvollen Darstellung, sich anschauen will, sollte sich den Film ansehen. Beides ist nicht unbedingt wissenschaftlich, aber Maher ist sich dem wenigstens bewusst und will uns nicht als die darwinistische Erlöserfigur aufwarten, wie es Dawkins tut.

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