Schiller - Illuminate
Kurzfazit: Viel Masse, viel Abwechslung und des Jubiläums würdig!
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Zum Angebot bei Amazon →Über den Musiker
Seit über zwanzig Jahren ist der Berliner Musiker Christopher von Deylen mit dem Musikprojekt Schiller unterwegs. Dabei hat er sich nicht nur im deutschsprachigen Raum zu einem wahren Meister der elektronischen Popmusik gemausert, der sich nur ungern in eine Schublade stecken lassen möchte. In seiner Musik verarbeitet er ganz unterschiedliche Einflüsse: Pop, Dance, Techno, Ambient, New Wave. Von Deylen ist für jedes Experiment zu haben, was auch die verschiedenartigen Gastmusiker wie Sarah Brightman, Peter Heppner, Xavier Naidoo oder Lang Lang unter Beweis stellen, die auf den bisherigen Alben mitgewirkt haben.
Begonnen hat die Geschichte 1998 mit dem Clubtrack „Das Glockenspiel„. Aus dem Trance-Projekt der späten Neunziger ist über ein Vierteljahrhundert ein eigener Klangkosmos geworden, der Instrumentalmusik, Gastvocals und Live-Inszenierung zusammenführt. Wer Schiller heute hört, hört weniger einen Genre-Vertreter als eine Handschrift: flächige Synthesizer, ruhige Melodieführung, viel Raum zwischen den Tönen.
Das Album im Überblick
Zu seinem 25. Jubiläum will Christopher von Deylen seinen Fans etwas bieten. Neben einer großen Arenatour ist es vor allem das neue Album „Illuminate„, dass als Doppelalbum mit insgesamt 28 neuen Songs daherkommt und eine Spielzeit von rund 2,5 Stunden hat. Das nenne ich mal ein Pfund. Wobei natürlich die Frage im Raum steht, ob es hier mehr Masse als Klasse gibt.
Veröffentlicht wurde „Illuminate„ am 10. März 2023 über Nitron/Sony Music. Das Publikum quittierte den Aufwand prompt: Das Album stieg auf Platz eins der deutschen Albumcharts ein und war damit das neunte Nummer-eins-Album im Schiller-Katalog.
Erwartungsgemäß erfindet Schiller das Rad nicht neu. Er setzt auf ganz bewährte Stilmittel, und lässt das Album mit der rauchigen Stimme der inzwischen verstorbenen Sprecherin Franziska Pigulla beginnen („Willkommen in der Welt von Schiller …). So hat man schon bei den ersten Takten des Openers „Empire Of Light„ das Gefühl im typischen Schiller-Sound angekommen zu sein.
Die erste CD: Reise durch die Klangfarben
Im Rahmen seiner elektronischen Möglichkeiten liefert Christopher von Deylen dann richtig viel Abwechslung. „Exotica„ oder insbesondere „Love And Tears„ leben von persischen Klängen und den schönen Vocals von Yalda Abbasis, die bereits auf „Morgenstund„ zu hören war. „Arc Céleste„ und „Der Himmel über der Wüste„ stellen eher ruhige Titel dar, die man auf „Colors„ hätte finden können. Auch mit Thorsten Quaeschning von Tangerine Dream hat sich Schiller wieder zusammengetan. Allerdings bleibt das zwanzigminütige Epos „Midsommar„ ein wenig unter seinen Möglichkeiten.
Highlights der ersten Hälfte
Am stärksten ist die erste CD dort, wo Schiller Vocals nicht als Dekoration einsetzt, sondern als eigenständige Stimme im Arrangement. „Love And Tears„ ist dafür das beste Beispiel: Die persischen Einflüsse verschieben die Harmonik so weit vom gewohnten Dur-Moll-Schema weg, dass das Stück auch nach mehreren Durchläufen nicht abgenutzt klingt. „Meer der Stille„ und „Ein Morgen im August„ funktionieren dagegen als klassische Schiller-Instrumentals: ruhig, breit, ohne Eile.
Wo Luft nach oben bleibt
„Midsommar„ ist der Titel, an dem sich die Geister scheiden werden. Zwanzig Minuten mit einem Mitglied von Tangerine Dream wecken Erwartungen an ein sich aufbauendes, sequenzergetriebenes Epos. Was kommt, ist schöner, aber vergleichsweise ereignisarmer Klangteppich. Das Stück ist nicht schlecht, es schöpft nur seine Länge nicht aus.
Die zweite CD: mehr Kontraste
Auf der zweiten CD kommen gleichermaßen unterschiedliche Klänge zum Einsatz. Mal ein Dance-Track wie „Lykke„, dann wieder ein etwas düsterer Song („Die schwarze Orchidee„). Und natürlich Titel bei denen Tricia McTeague zu hören ist, die an sich schon kleine Highlights sind.
Auffällig ist die dreiteilige „Endlos„-Suite gegen Ende, die dem Album einen ruhigen, fast meditativen Ausklang gibt, bevor „Paradigm Of Peace„ und die Reprise des Titelstücks den Bogen zum Anfang schließen. Diese Klammer ist der Grund, warum das Doppelalbum trotz seiner Länge nicht wie eine Playlist wirkt, sondern wie ein durchkomponiertes Werk mit Anfang und Ende.
Trackliste
01 - Willkommen
02 - Empire Of Light
03 - Illuminate (feat. Ro Nova und Tricia McTeague)
04 - Meer der Stille
05 - Exotica
06 - Reisefieber
07 - Arc Céleste (feat. Cedric Monnier)
08 - Der Himmel über der Wüste
09 - Space
10 - La Luna
11 - Ein Morgen im August
12 - Love And Tears (feat. Yalda Abbasi)
13 - Die innere Stimme
14 - Midsommar (feat. Thorsten Quaeschning)
15 - Stardust
16 - What Have We Got (feat. Ro Nova und Tricia McTeague)
17 - Die schwarze Orchidee
18 - Lykke (feat. Typewriter)
19 - Serenity
20 - Quiet Love (feat. Tricia McTeague)
21 - Let’s Watch The Stars
22 - Oceans Away
23 - El Color De La Luz (feat. Guenter Hass)
24 - Endlos I
25 - Endlos II (feat. Actin Sharivar)
26 - Endlos III
27 - Paradigm Of Peace (feat. Tricia McTeague)
28 - Illuminate (Reprise)
Für wen lohnt sich Illuminate?
Für Schiller-Hörer ist die Sache einfach: Hier gibt es zweieinhalb Stunden neues Material, das alle bekannten Register zieht, ohne sich zu wiederholen. Wer die Alben „Sehnsucht„, „Morgenstund„ oder „Colors„ mag, findet hier die Fortschreibung.
Einsteiger bekommen mit „Illuminate„ das vollständigste Bild des Projekts, aber nicht die kompakteste Einführung. Zweieinhalb Stunden am Stück sind viel verlangt, wenn man den Stil noch nicht kennt. Sinnvoller ist es, mit einer der beiden CDs zu beginnen und die andere später nachzuhören.
Wer von elektronischer Musik vor allem Beats und Druck erwartet, ist hier falsch. „Illuminate„ ist über weite Strecken ruhige, melodiebetonte Musik, die eher als Klangraum funktioniert als auf der Tanzfläche.
Fazit: Lohnt sich Illuminate?
Christopher von Deylen alias Schiller legt mit „Illuminate„ ein tolles Album vor, das seinem Jubiläum mehr als würdig ist. Vielleicht ist es nicht ganz so innovativ wie „Sehnsucht„ oder „Morgenstund„, aber es bietet für den, der Schiller mag, allerbeste Unterhaltung.
Die Frage nach Masse oder Klasse lässt sich damit klar beantworten: Es ist beides. Die 28 Titel tragen ihre Länge, weil sie unterschiedlich genug ausfallen, und die Jubiläumsdramaturgie mit Willkommensansage am Anfang und Reprise am Ende gibt dem Ganzen einen Rahmen. Abzüge gibt es nur dort, wo einzelne Stücke ihr Potenzial nicht ausreizen.
Unsere Bewertung
Musik: 4,5
Instrumentalisierung: 5
Stimmen: 5
Abwechslung: 4,5
Hörspaß: 5
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Titel hat Schillers Album Illuminate?
Illuminate ist ein Doppelalbum mit 28 neuen Titeln. Die Gesamtspielzeit liegt bei rund zweieinhalb Stunden. Damit ist es eines der umfangreichsten Werke im Schiller-Katalog.
Wann ist Illuminate erschienen?
Das Album kam am 10. März 2023 über Nitron/Sony Music heraus. Es markiert das 25-jährige Bestehen des Projekts Schiller, das 1998 mit dem Clubtrack Das Glockenspiel begann. Begleitet wurde die Veröffentlichung von einer Arenatour.
Wer ist bei Illuminate als Gast zu hören?
Auf dem Album sind unter anderem Tricia McTeague, Ro Nova, Yalda Abbasi, Cedric Monnier und Guenter Hass zu hören. Für das zwanzigminütige Stück Midsommar hat sich Christopher von Deylen erneut mit Thorsten Quaeschning von Tangerine Dream zusammengetan. Das Album beginnt außerdem mit der Stimme der verstorbenen Sprecherin Franziska Pigulla.
Lohnt sich Illuminate auch für Schiller-Einsteiger?
Ja, weil das Doppelalbum praktisch alle Facetten des Projekts abbildet: ruhige Ambient-Stücke, Dance-Tracks, Vocal-Nummern und ein langes instrumentales Epos. Wer allerdings nur eine Platte zum Kennenlernen will, ist mit Sehnsucht oder Morgenstund kompakter bedient. Illuminate ist eher das Panorama als der Einstieg.
Wie erfolgreich war Illuminate in den Charts?
Das Album stieg auf Platz eins der deutschen Albumcharts ein. Für Christopher von Deylen war es das neunte Nummer-eins-Album seiner Laufbahn. Damit gehört Schiller zu den erfolgreichsten deutschen Acts der elektronischen Musik.
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