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Verliebt und ausgeflippt

3,5 von 5 von Rezension.org · 2012-02-01 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Charmanter Coming-of-Age-Film, den man einmal gesehen haben kann.

Verliebt und ausgeflippt
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„Verliebt und ausgeflippt“ ist die deutsche Fassung des amerikanischen Films „Flipped“ aus dem Jahr 2010. Regie führte Rob Reiner, der am Drehbuch ebenfalls beteiligt war. Erzählt wird eine Kinder- und Jugendliebe über mehrere Jahre hinweg, und zwar konsequent zweimal: einmal aus der Sicht des Mädchens, einmal aus der Sicht des Jungen.

Worum geht es in Verliebt und ausgeflippt?

Amerika in den 1950er Jahren. Bryce Loski (Callan McAuliffe) ist sechs Jahre alt, als er mit seiner Familie in eine fremde Kleinstadt zieht. Schon wenige Minuten nach seiner Ankunft muss er Bekanntschaft mit Juli Baker (Madeline Carroll), seiner künftigen Mitschülerin, schließen.

Bryce ist genervt von ihrer aufdringlichen Art und möchte nichts mit Juli zu tun haben. Ebenso seine Eltern. Juli hingegen ist vom ersten Moment an verliebt in Bryce. Fortan versucht sie, wann immer es ihr möglich ist, Bryce für sich zu gewinnen. Und dieser möchte vor Scham im Boden versinken, denn Juli ist kein gewöhnliches Mädchen und stößt bei ihren Mitschülern häufig auf Ignoranz und Gehässigkeit.

Neben Bryce hat Juli ihr Herz an ihre Lieblingsplatane verloren. Als diese eines Tages abgeholzt werden soll und keiner, auch nicht Bryce, zu ihr steht, fängt sie an, die Menschen um sie herum mit anderen Augen zu sehen. Ist Bryce ihrer Liebe nicht wert? Hat sie sich all die jungen Jahre nur eingeredet, dass er perfekt für sie wäre? Als Juli beginnt, sich zunehmend von Bryce abzuwenden, beginnt auch er, die Dinge neu zu bewerten.

Die Filmhandlung erstreckt sich dabei über mehrere Jahre, vom Einzug der Loskis bis in die frühe Jugend der beiden Hauptfiguren.

Die Vorlage: Wendelin Van Draanens Roman

Der Film beruht auf dem 2001 erschienenen Jugendroman „Flipped“ von Wendelin Van Draanen. Das Buch erzählt dieselbe Geschichte kapitelweise abwechselnd aus Julis und Bryces Perspektive, und genau dieses Prinzip hat Reiner übernommen. Die Zeitebene hat der Film allerdings verschoben: Statt in der Gegenwart des Romans spielt er in den Jahren 1957 bis 1963, was den nostalgischen Ton der Bilder erklärt.

Wer den Roman kennt, wird die Verfilmung als verdichtete, aber im Kern treue Umsetzung erkennen. Wer den Film zuerst sieht, kann anschließend problemlos zum Buch greifen, ohne die Auflösung schon zu kennen, denn die Reize liegen hier ohnehin weniger in der Handlung als in den Perspektivwechseln.

Regie und Besetzung

Rob Reiner hat mit „Stand by Me“ und „Harry und Sally“ Filme gedreht, die genau dieses Terrain bespielen: Erinnerung, erste Gefühle, Freundschaft über die Jahre. „Verliebt und ausgeflippt“ liegt erkennbar in dieser Linie, bleibt aber leiser als seine bekanntesten Arbeiten.

Die Hauptdarsteller

Madeline Carroll spielt Julianna „Juli“ Baker, Callan McAuliffe spielt Bryce Loski. Carroll trägt den Film. Sie gibt Juli genau die Mischung aus Sturheit, Direktheit und Verletzlichkeit, die die Figur braucht, damit ihr Verhalten nicht nur als aufdringlich wirkt. McAuliffe hat die undankbarere Rolle: Bryce ist über weite Strecken passiv, feige und nicht besonders sympathisch. Dass er zum Schluss glaubwürdig kippt, ist eine Leistung.

Die Erwachsenenrollen

Anthony Edwards ist als Steven Loski, Bryces Vater, zu sehen, John Mahoney spielt den Großvater Chet Duncan. Weitere Erwachsenenrollen übernehmen Rebecca De Mornay, Penelope Ann Miller und Aidan Quinn. Vor allem Mahoney bekommt die ruhigen, klugen Szenen des Films, in denen der Großvater dem Enkel erklärt, was er an Juli übersieht. Diese Gespräche gehören zu den besten Momenten.

Was den Film besonders macht

Die Handlung wird aus Sicht der beiden Protagonisten erzählt. So wird eine Situation abwechselnd aus Sicht von Bryce und anschließend aus Julis Sicht gezeigt, was dem Zuschauer ermöglicht, tiefer in die Gefühlswelten der beiden jungen Charaktere hineinzuschauen und deren Gefühle und Gedanken besser nachvollziehen zu können.

Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich ein bestimmter Moment doch gedeutet und aufgenommen werden kann. Hier zeigt sich einmal mehr: Alles ist stets subjektiv. Juli scheint von Beginn an sehr reif zu sein, Bryce hingegen entwickelt sich erst im Laufe des Films zu einer eigenen Persönlichkeit.

Der Film ist insgesamt sehr liebenswürdig. Die Kulissen haben mir gut gefallen, ebenso der Soundtrack. Die Ausstattung der späten 1950er Jahre ist warm und aufgeräumt statt betont realistisch, was zur Erinnerungsperspektive passt.

Was den Film bremst

Zwischenzeitlich fand ich „Verliebt und ausgeflippt“ jedoch etwas langatmig. Auch habe ich mir etwas mehr von der Handlung beziehungsweise vom Ende versprochen. Bis zum Schluss habe ich gehofft, dass noch irgendetwas Entscheidendes passieren würde. Und dann war Schluss mit dem Film.

Das doppelte Erzählen fordert seinen Preis: Wer eine Szene zweimal zeigt, dehnt die Laufzeit, ohne die Geschichte voranzutreiben. In der zweiten Hälfte spürt man das. Auch die Konflikte bleiben klein, was Absicht ist, aber Zuschauer enttäuschen dürfte, die auf einen echten Wendepunkt warten. Die internationale Kritik war entsprechend geteilt, während das Publikum den Film deutlich wohlwollender aufgenommen hat.

DVD-Extras

Die DVD enthält unter anderem das Feature „Verliebt: Anatomie eines Beinahe-Kusses“, in dem die beiden Darsteller Madeline Carroll und Callan McAuliffe ihren ersten Kuss vor einer Filmcrew erleben, dazu Outtakes und Lachanfälle vom Set. Das ist netter Beiwerk-Stoff, aber kein Grund, den Film wegen der Extras zu kaufen.

Für wen lohnt sich Verliebt und ausgeflippt?

Für all diejenigen, die Geschichten über die erste große Liebe mögen und einen nostalgischen Liebesfilm suchen, ist dieser Film gut geeignet. Auch als Familienfilm mit älteren Kindern funktioniert er, weil er ohne Gewalt und ohne deutliche Sexualität auskommt und Themen wie Ausgrenzung, Elternvorurteile und Zivilcourage nebenbei mitverhandelt.

Weniger geeignet ist er für Zuschauer, die Tempo, Pointen oder eine überraschende Auflösung erwarten. Wer romantische Komödien wegen ihrer Zuspitzung schaut, wird hier ungeduldig.

Fazit: Lohnt sich Verliebt und ausgeflippt?

„Verliebt und ausgeflippt“ ist ein charmanter Coming-of-Age-Film mit einer bezaubernden Madeline Carroll. Ein sehenswerter Film, allerdings für mich kein Muss. Ich würde ihn in die Kategorie „Einmal sehen reicht“ einordnen. Mir fehlte einfach das gewisse Etwas.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Verliebt und ausgeflippt?

Bryce Loski zieht als Sechsjähriger mit seiner Familie in eine amerikanische Kleinstadt und wird dort sofort von seiner künftigen Mitschülerin Juli Baker bedrängt. Juli ist vom ersten Moment an verliebt, Bryce will nichts von ihr wissen. Über mehrere Jahre hinweg dreht sich dieses Verhältnis langsam um.

Wie heißt der Film im Original?

Der Originaltitel lautet „Flipped“. Der Film ist 2010 in den USA erschienen, Regie führte Rob Reiner. Der deutsche Titel „Verliebt und ausgeflippt“ ist deutlich verspielter als das Original.

Basiert Verliebt und ausgeflippt auf einem Buch?

Ja. Vorlage ist der 2001 erschienene Jugendroman „Flipped“ von Wendelin Van Draanen. Der Film übernimmt die doppelte Erzählperspektive des Buches, verschiebt die Handlung aber in die Jahre 1957 bis 1963.

Wer spielt die Hauptrollen?

Madeline Carroll spielt Julianna „Juli“ Baker, Callan McAuliffe spielt Bryce Loski. In den Erwachsenenrollen sind unter anderem Anthony Edwards, John Mahoney, Rebecca De Mornay, Penelope Ann Miller und Aidan Quinn zu sehen.

Für welches Alter ist der Film geeignet?

Der Film erzählt von Kindern und frühen Jugendlichen und kommt ohne Gewalt oder deutliche Sexualität aus. Er eignet sich damit gut für Familien und für jugendliche Zuschauer, die nostalgische Liebesgeschichten mögen. Sehr junge Kinder dürfte das ruhige Tempo langweilen.

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