Wer geht, gewinnt

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Andrea Latritsch-Karlbauer: Wer geht, gewinnt: Wie Ihr Gehen Ihr Handeln bestimmt

Intuitive Gangschule

Das ist durchaus ein interessanter Ansatz, mit dem die Autorin und Schauspielerin Andrea Latritsch-Karlbauer eine sinnvolle Vorgehens-Weise (sic) präsentiert. Wer geht, gewinnt, heißt hier ihr Buch, das man auf der anderen Seite aber auch genau so gut, Wer leben will, muss gehen, hätte nennen können. Anders formuliert: ein intuitiver, ganzheitlicher Ansatz wird hier vermittelt und der biologisch-anthropologische ein wenig vernachlässigt. Wie es auch ist: die Botschaft ist eindeutig, unmissverständlich und lebensnotwendig: Gehen ist Leben.

Anstatt jetzt aber beispielsweise den berühmten Entwicklungspyschologen Karl König zu zitieren, der in seinem epochalen und Jahrzehnte alten Werk, Die ersten drei Jahre des Kindes, ganz deutlich darauf aufmerksam gemacht hat, dass das Gehen erst zum Sprechen und Denken führt (eine Tatsache, die man, bis man es endgültig versteht, immer wieder rezitieren sollte), beruft sich die Autorin auf buddhistische Weisheiten, Trainingsbücher für Humor und vor allen Dingen auf ihre eigene Intuition. Und das gelingt sehr gut, denn die vielen Übungen, das gute Verständnis für Sprache und Wahrheitsformung des Körpers und die sehr persönliche Art machen das Buch authentisch und empfehlenswert.

Das Authentische drückt sich in den vielen persönlichen Gedichten aus, die die einzelnen Kapitel einleiten. Die Autorin erzählt von ihrem täglichen Gang mit ihrem Hund an einem Bachlauf. Die Tiere, die dort leben, der Obdachlose, der seine Magenbitterdeckel auf den Weg wirft, die gekreuzigte Ente (tolle Geschichte im Übrigen!), die gerettet wurde. Metaphern oder Zeichen, die auf die Theorie und die Praxis des Gehens hinweisen. Immer wieder stimmig, passend und sehr, sehr anwenderfreundlich. Erdung, das zentrale Element des Gehens, kann man so tatsächlich erreichen.

Manchmal wirkt das intuitive Vorgehen ein wenig scheuklappenblind. In den letzten Jahren, wie die Autorin vermutet, habe der Perfektions- und Bewertungsvirus um sich gegriffen, ist, historisch gesprochen, mehr als fahrlässig. Hier handelt es sich um eine 400 Jahre alte europäische Mentalitätsstruktur, die man deutlich hätte ausarbeiten und differenzieren können. Genau an jenen Stellen verliert man dann, nähert man sich der Schrift mit diesem rationalen Ansatz, ein wenig den Faden im buch; lässt man den Verstand aber ein wenig außen vor und folgt den Vorgaben, geht in den Fußstapfen von Latritsch-Karlbauer mit, dann geht, dann lebt es sich.

Die Übungen am Kapitelende (manchmal auch mittendrin; auch das etwas unübersichtlich) sind mal zur Wahrnehmung, zur Aktivierung oder zur Mobilisierung. Und sie greifen auf andere Beeiche hinaus, aufs Tanzen, aufs Lächeln, auf die Sprache. Alles alte Hüte, wenn man es aus therapeutischer Sicht betrachtet, aber dadurch nicht weniger wertvoll oder stimmig.

Fazit:

Einzig die Bilder ragen als negatives Beispiel heraus, denn warum von der Kunst des natürlichen, wirklich menschlichen Gehens sprechen und dann Bilder präsentieren, die ganz offensichtlich Fehlstellungen und unökonomisches Bewegen darstellen. Sprachlich, methodisch und vor allen Dingen inhaltlich dagegen ein sehr wertvolles Buch, das eigentlich in jeden Haushalt, in jeden Schuh gehört. Gehen muss dann jeder selber.

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