Taxi 79 ab Station

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Taxi 79 ab Station

Indridi G. Thorsteinsson. Transit Buchverlag 2011, Gebundene Ausgabe, 117 Seiten, € 14,80

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Indridi G. Thorsteinsson: Taxi 79 ab Station

Der Gastlandauftritt von Island dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse hat viele Bücher isländischer Autoren auf den deutschen Markt geschwemmt, darunter auch einige, die keineswegs neu waren. Taxi 79 ab Station ist bereits 1954 geschrieben worden; Wie schön, dass dieses Buch endlich auch von Menschen gelesen werden kann, die kein Isländisch verstehen – und wer tut das schon außerhalb Islands.

Inhalt

Zwischen 1941 und 2006 hatten die Amerikaner Truppen auf Island stationiert. Mit den Amerikanern brach die Moderne ein in die isländische Gesellschaft, die bis kurz davor noch bitterarm gewesen war. Mit den Amerikanern kam Geld ins Land und moderne Moden, wie glückliche Kinder genossen manche den neuen Glanz und kauften sich z.B. eines dieser glitzernden Autos, andere trauerten dem Verfall isländischer Werte nach.

Für Taxifahrer war es keine schlechte Zeit, amerikanische Soldaten pendelten häufig zwischen ihren Kasernen in Keflavik und dem Nachtleben, dass die Hauptstadt zu bieten hat. Eines Abends kutschiert auch der junge Ragnar wieder einen betrunkenen Soldaten zurück nach Keflavik. Eine folgenschwere Fahrt, denn auf dem Rückweg steht Gudridur, genannt Gógó, neben ihrem 8-Zylinder Buick am Straßenrand. Der Keilriemen ist gerissen, doch Ragnar kann mit einem Ersatz aushelfen. Er ist fasziniert von dieser Schönheit im Sommerkleid und hohen Absätzen, und auch sie scheint von dem jungen Habenichts angezogen. Man trifft sich wieder, eine Beziehung aus viel Verlangen, wenig reden und viel Alkohol entsteht. Die Taxifahrer bessern ihr Einkommen mit Alkoholschmuggel auf und somit kann Ragnar immer Nachschub liefern. Nicht, dass das nötig wäre, Gógó hat Geld, lebt im Luxus. Ihr Mann, ein reicher Geschäftsmann,  liegt in einer Nervenklinik in Dänemark und laboriert an den Folgen eines Pferdetritts.  Gogó lebt allein, nur am Wochenende, so sagt sie, trifft sie sich mit ihrer Mutter, da kann Ragnar nicht kommen.

Ragnar akzeptiert das, sein bester Freund Gudmundur hat da eher Bedenken. Für ihn ist Gógó nur eine „Oberklassenhure“, nicht gut für Ragnar. Um ihn von seiner Vernarrtheit zu „heilen“, überredet er ihn zu einem Jagdausflug. Zwar singt Gudmundur das Hohelied der Vögel, edler Tiere, trotzdem erschießt er umgehend drei Wildgänse –  die Ragnar seiner Angebeteten schenkt. So war das nicht gedacht. Als auch Ragnar die Augen nicht mehr vor den Sonntagsbesuchen der angeblichen Mutter verschließen kann und Gudmundur deutlich sagt, was er glaubt, dass Sache ist, prügeln sich die zwei. Ragnar setzt sich anschließend ins Auto und fährt aufs Land. Als Gógó ihn sucht kommt sie zu spät.

Fazit

Dieser sehr knappe, kurze Roman um eine amour fou wirft ein klares Licht auf die Zustände in Island in Zeiten des Umbruchs. Das Land, die freie Landschaft heilt nicht mehr,  die Begeisterung für Autos steht der Liebe zum Land entgegen. Die Verachtung der Amerikaner einerseits, aber die begeisterte Übernahme moderner Erungenschaften andererseits stehen einander genauso unversöhnlich gegenüber, wie Gudmundurs Hohelied auf die Vögel und die Schönheiten der Landschaft und der Ärger über Schlamm und Dreck und das unreflektierte Abknallen dreier Wildgänse.

Indridi Thorsteinsson hat vielleicht auch seine Kunst knapper klarer Erzählung von amerikanischen Autoren übernommen und mit isländischer Fabulierfreude verbunden, auf jeden Fall hat er seine Liebe zum Schreiben vererbt, einer seiner Söhne ist der bekannte isländische Krimiautor Arnaldur Indridason.

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