rezension.org

Township blues

4,5 von 5 Redaktion · 2011-11-02 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Harter, gut recherchierter Jugendroman über AIDS und Gewalt in Südafrika.

Township Blues: Ausgezeichnet mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2001
Anzeige · Bücher bei Amazon

Township Blues: Ausgezeichnet mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2001

5,11 € Stand: 13.09.2026

Preise können sich jederzeit ändern. Es gilt der Preis auf der Amazon-Produktseite.

Zum Angebot bei Amazon →
Auch bei Thalia ansehen →

Ein Jugendroman vom bekannten deutsch-niederländischen Autor, der sich mit Gewalt in Südafrika und mit der Geißel des südlichen Afrika, der AIDS-Pandemie, befasst. Es ist eines der besten Jugendbücher zum Thema und wird mittlerweile auch häufig in Schulen gelesen. Ausgezeichnet wurde es 2001 mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis.

Worum geht es in Township blues?

Thinasonke, Thina genannt, hätte genug Gründe, totunglücklich zu sein: Sie ist erst 14, als sie von drei Jugendlichen überfallen wird, niedergeschlagen, beraubt und brutal vergewaltigt. Für die Mutter zählt in erster Linie, dass niemand von der Schande ihrer Tochter erfährt. Niedergeschlagen und beraubt, ja, vergewaltigt, nein. Als Thina ihre Tage bekommt und somit klar ist, dass sie nicht schwanger geworden ist, ist für die Mutter alles wieder in Ordnung. AIDS ist ein so großes Tabuthema, dass nicht einmal Mutter und Tochter darüber reden können. Auch nicht, als Thinas heimlich gemachter Test positiv ausfällt.

Eine Familie unter Druck

Gewalt ist allgegenwärtig in den Townships Südafrikas. Thinas Familie weiß das nur zu gut. Thina ist im Knast geboren, als ihre Mutter kurzerhand eingesperrt wurde, weil sie ihren Sohn schützen wollte. Thinas älterer Bruder kommt zwar wieder frei, aber für seine politische Überzeugung hat er einen hohen Preis zahlen müssen. Körperlich bleibt Mangaliso nur ein Hinken, sein Geist ist jedoch durch die Folter verwirrt, und er spricht nicht mehr.

An dieser Figur wird sichtbar, was der Roman insgesamt leistet: Er erzählt die Apartheid nicht als Geschichtskapitel, sondern als etwas, das in einer Familie weiterwirkt, lange nachdem die politischen Verhältnisse sich geändert haben.

Thabang und das Leben auf der Straße

Doch jetzt, nach der politischen Wende Südafrikas, drohen andere Gefahren. Thabang, Thinas Freund, muss zusehen, wie seine Mutter an AIDS stirbt. Vor den Anfeindungen der Nachbarn, die mit der Krankheit der bösen Geister nichts zu tun haben wollen, flieht Thabang mit seinem kleinen Bruder nach Kapstadt und versucht, auf der Straße zu überleben. Thina findet ihn und holt ihn zurück.

Damit rückt das zweite große Thema in den Vordergrund: die Stigmatisierung. Nicht das Virus allein zerstört hier Leben, sondern das Schweigen darüber und die Reaktion der Nachbarschaft auf jeden, der es bricht.

Warum das Buch trotzdem erträglich bleibt

Weil es Menschen gibt wie Thinas Großmutter, die die Jungen aufnimmt, und wie Thabang, deshalb ist diese Anhäufung menschlichen Leids nicht unerträglich. Es gibt Freude, Hoffnung und Liebe. Sogar für Thina. Es gibt Strukturen, alte, wie sie gegenüber den dingfest gemachten Vergewaltigern greifen, und neue, wie sie von Lehrern und Sozialarbeitern angeboten werden, die ein Gerüst zum Festhalten bieten. Thina ist nicht allein und schon gar nicht hilflos, auch wenn ihr sehr viel abverlangt wird.

Die Figuren

Thina

Thina ist eine sympathische, starke junge Frau, in die man sich gut hineinversetzen kann. Sie ist keine Heldin im billigen Sinn: Sie hat Angst, sie verschweigt, sie zögert. Gerade weil van Dijk ihr diese Widersprüche lässt, funktioniert der Roman für jugendliche Leser, die sich sonst schnell belehrt fühlen.

Die Mutter

Lutz van Dijk gelingen, so scheint es, die Frauenfiguren besonders gut: die Mutter etwa, die in ihrer Verbitterung nur noch den Wunsch nach einem besseren Leben kennt und nur noch einen Weg dahin sieht, von dem sie sich nicht abbringen lassen will. Was nicht in ihr Weltbild des Aufstiegs passt, existiert nicht für sie. Auch Thinas Ängste, ihre Verstörung und ganz besonders ihre Krankheit nicht. Damit will sie nichts zu tun haben. Diese Figur ist die unangenehmste des Buches und zugleich die glaubwürdigste.

Thabang

Nur Thabang, Thinas Freund, ist in seiner ungebrochenen Liebe ein wenig zu gut, zu flach geraten. Er ist der Gegenentwurf zu den Tätern und trägt darum eine Last, die die Figur nicht ganz aushält. Wo Thina und die Mutter widersprüchlich sind, bleibt er eindeutig.

Wer ist Lutz van Dijk?

Lutz van Dijk weiß, wovon er schreibt. Der 1955 in Berlin geborene Autor lebt seit 2001 in Kapstadt und arbeitet in einem von ihm mitbegründeten Hilfsprojekt für von AIDS bedrohte Kinder und Jugendliche mit, der Organisation HOKISA, Home for Kids in South Africa. Autorenhonorare aus dem Buch und das Preisgeld des Gustav-Heinemann-Friedenspreises hat er nach eigenen Angaben in diese Arbeit gegeben. Und er hat gründlich recherchiert.

Van Dijk widmet sein Buch einer jungen Frau aus dem Township KwaMashu bei Durban, die von ihren Nachbarn ermordet wurde, nachdem sie öffentlich bekannt hatte, HIV-positiv zu sein. Diese Widmung ist kein Beiwerk, sie erklärt, warum der Roman die Stigmatisierung so konsequent in den Mittelpunkt stellt.

Warum das Buch im Unterricht funktioniert

Der Roman wurde ins Englische, ins Afrikaans und ins Xhosa übersetzt und wird auch an südafrikanischen Schulen gelesen. Im deutschen Unterricht bietet er gleich mehrere Anknüpfungspunkte: Apartheid und die Zeit danach, HIV und AIDS als gesellschaftliches statt rein medizinisches Thema, sexualisierte Gewalt und der Umgang einer Familie mit Scham. Dass die Perspektive konsequent bei einer Jugendlichen bleibt, senkt die Hemmschwelle deutlich.

Eltern und Lehrkräfte sollten trotzdem wissen, worauf sie sich einlassen. Die Vergewaltigung wird nicht ausgeschmückt, aber auch nicht weggelassen, und die Folterfolgen bei Mangaliso sind deutlich benannt. Für jüngere oder empfindliche Leser ist eine Begleitung sinnvoll.

Für wen lohnt sich Township blues?

Für Jugendliche ab etwa zwölf Jahren, die eine Geschichte mit echtem Gewicht suchen. Für Schulklassen, die Südafrika behandeln. Und für erwachsene Leser, die wissen wollen, wie sich die AIDS-Jahre im südlichen Afrika von innen angefühlt haben, ohne einen Sachtext lesen zu wollen. Wer dagegen leichte Jugendliteratur sucht, liegt hier falsch.

Fazit: Lohnt sich Township blues?

Ja. Der Roman verbindet gründliche Recherche mit einer Hauptfigur, die trägt, und er verzichtet sowohl auf Beschönigung als auch auf Betroffenheitskitsch. Dass Thabang als Figur blass bleibt, ist der einzige nennenswerte Schwachpunkt. Für alles andere gilt: Es ist eines der besten Jugendbücher zu diesem Thema, und die Auszeichnung von 2001 ist verdient.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Township Blues?

Die vierzehnjährige Thinasonke, genannt Thina, lebt in einem Township am Rand von Kapstadt. Sie wird überfallen, beraubt und vergewaltigt, und ein heimlich gemachter Test fällt HIV-positiv aus. Der Roman erzählt, wie Thina mit dieser Diagnose, mit dem Schweigen ihrer Mutter und mit der Gewalt in ihrem Umfeld umgeht.

Wer hat Township Blues geschrieben?

Der Autor ist Lutz van Dijk, 1955 in Berlin geboren und deutsch-niederländischer Schriftsteller. Er lebt seit 2001 in Kapstadt und ist Mitbegründer der Kinderhilfsorganisation HOKISA, Home for Kids in South Africa. Seine Autorenhonorare aus dem Buch fließen in dieses Projekt.

Hat Township Blues einen Preis gewonnen?

Ja. Der Roman wurde 2001 mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis ausgezeichnet. Das Preisgeld hat van Dijk nach eigenen Angaben ebenfalls in die Arbeit von HOKISA gegeben.

Ab welchem Alter ist das Buch geeignet?

Der Handel führt den Roman in der Altersgruppe ab zwölf Jahren. Wegen der Themen Vergewaltigung, Folter und AIDS ist eine Begleitung durch Eltern oder Lehrkräfte sinnvoll. In Schulen wird das Buch häufig in der Mittelstufe gelesen.

Ist die Geschichte wahr?

Die Handlung ist erfunden, der Hintergrund nicht. Van Dijk hat für den Roman recherchiert und arbeitet selbst mit von AIDS betroffenen Kindern und Jugendlichen in Südafrika. Er widmet das Buch einer jungen Frau aus dem Township KwaMashu bei Durban, die von ihren Nachbarn ermordet wurde, nachdem sie öffentlich bekannt hatte, HIV-positiv zu sein.

Deine Bewertung

Teile deine Erfahrung zu „Township blues". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.