Rezension auf Englisch schreiben (review)
Zuletzt aktualisiert am 2026-07-28
Eine Rezension auf Englisch heißt review, und genau hier fängt das Problem an: Die deutsche Rezension und die englische review sind nicht dasselbe Textformat. Die deutsche Rezension darf ausschweifen, die englische review ist ein streng gebautes Gebrauchstextformat mit fester Reihenfolge, klarer Länge und einer Empfehlung am Schluss. Wer das weiß, hat die halbe Note schon sicher.
Auf rezension.org erscheinen seit 2007 Besprechungen zu Büchern, Filmen, Serien, Musik und Spielen. Die Bauteile sind dieselben, egal in welcher Sprache. Deshalb stehen in diesem Ratgeber nicht nur Vokabellisten, sondern auch echte Rezensionen aus dem Bestand als Anschauungsmaterial.
Was unterscheidet die englische review von der deutschen Rezension?
Drei Punkte fallen im Unterricht regelmäßig auf die Füße:
- Die review ist kürzer. In der Klassenarbeit sind 200 bis 300 Wörter der Normalfall, im Abitur 300 bis 400. Eine deutsche Rezension darf 800 Wörter haben, eine review nicht.
- Die review endet immer mit einer Empfehlung. Die Frage Wem würde ich das empfehlen? muss beantwortet sein. Ein Fazit ohne Zielgruppe gilt als unvollständig.
- Die review verrät den Schluss nicht. Die Inhaltsangabe stoppt vor dem Wendepunkt. Im Deutschen ist das eine Höflichkeit, im englischen Bewertungsraster ein Kriterium.
Auffällig ist, wie stark sich das in der Praxis deckt: Unsere Besprechung zu Fight Club bricht die Inhaltsangabe genau an der Stelle ab, an der die berühmte Auflösung beginnt, und bewertet danach nur noch Machart und Wirkung. Genau dieser Schnitt ist es, den eine review verlangt.
Wie ist eine englische review aufgebaut?
Vier Blöcke, immer in dieser Reihenfolge.
1. Introduction
Ein bis zwei Sätze mit den Eckdaten: Titel, Autor oder Regisseur, Erscheinungsjahr, Genre. Dazu ein Satz, der neugierig macht. Der Titel steht kursiv oder in Anführungszeichen und wird im Englischen in Title Case geschrieben, also Lord of the Flies, nicht Lord of the flies.
2. Summary
Der Handlungsabriss, drei bis fünf Sätze, im simple present. Nur der Ausgangskonflikt und die Hauptfiguren, keine Nebenstränge. Wie knapp das geht, zeigt unsere Rezension zu Die Tribute von Panem - The Hunger Games: Ausgangslage, Hauptfigur, Konflikt, fertig.
3. Evaluation
Der längste Teil und der einzige, für den es volle Punktzahl gibt. Hier wird bewertet, nicht nacherzählt, und jede Wertung braucht eine Begründung. Bewertet werden je nach Werk:
- Buch: Sprache und Stil, Figurenzeichnung, Spannungsaufbau, Glaubwürdigkeit, Thema
- Film: Regie, Schauspiel, Kameraführung, Schnitt, Filmmusik, Spezialeffekte
- Serie: Erzähltempo über die Folgen, Figurenentwicklung, Ende der Staffel
Wie eine Bewertung aussieht, die mehrere Ebenen trennt statt alles in einen Topf zu werfen, steht in unserer Besprechung zu Casablanca, die Drehbuch, Dialoge und Zeitkolorit getrennt beurteilt.
4. Conclusion and recommendation
Zwei bis drei Sätze: Gesamturteil, Zielgruppe, gegebenenfalls eine Einschränkung. Formulierungen wie I would recommend this novel to anyone interested in sind erwünscht, das englische Bewertungsraster fragt sie ab.
Vokabelliste deutsch/englisch
Diese Begriffe kommen in fast jeder review vor. Die dritte Spalte enthält die Stolperfallen.
| Deutsch | Englisch | Achtung |
|---|---|---|
| Rezension, Besprechung | review | nicht recension |
| Buchbesprechung | book review | |
| Filmkritik | film review (BE), movie review (AE) | nicht critic |
| Inhaltsangabe | summary, plot outline, synopsis | |
| Handlung | plot | nicht action |
| Figur, Charakter | character | nicht figure |
| Hauptfigur | protagonist, main character | |
| Gegenspieler | antagonist | |
| Erzähler | narrator | |
| Ich-Erzähler | first-person narrator | |
| Erzählperspektive | point of view | |
| Schauplatz | setting | |
| Wendepunkt | turning point, twist | |
| Kernaussage, Thema | theme, message | nicht theme für Musik |
| Regisseur | director | nicht regisseur |
| Drehbuch | screenplay, script | |
| Besetzung | cast | |
| Kameraführung | cinematography, camera work | |
| Schnitt | editing | |
| Filmmusik | soundtrack, score | |
| Nebenrolle | supporting role | |
| Zielgruppe | target audience | |
| Fazit | conclusion, verdict | |
| Empfehlung | recommendation | |
| das Ende verraten | to give away the ending | |
| Verlag | publisher | |
| Erscheinungsjahr | year of publication, release date |
Bewertungswörter, die über good und bad hinausgehen
Positiv: gripping (packend), compelling (fesselnd), convincing (überzeugend), moving (bewegend), well-paced (mit gutem Tempo), thought-provoking (zum Nachdenken anregend), witty (geistreich), subtle (feinsinnig), stunning (überwältigend, vor allem für Bilder)
Negativ: predictable (vorhersehbar), far-fetched (weit hergeholt), shallow (oberflächlich), repetitive (sich wiederholend), slow-paced (zäh), disappointing (enttäuschend), unconvincing (wenig glaubhaft), overlong (zu lang)
Nützliche Satzanfänge für jeden Abschnitt
Introduction
- The novel “Lord of the Flies”, written by William Golding and first published in 1954, tells the story of …
- Directed by … and released in …, the film follows …
- ”…” is a British crime series produced by the BBC.
Summary
- The story is set in …
- The plot centres on …
- Things take an unexpected turn when …
- Without giving away the ending, the situation soon gets out of hand.
Evaluation
- What I found particularly convincing is …
- The greatest strength of the novel lies in …
- On the downside, …
- The characters are drawn with remarkable depth, whereas the ending feels rushed.
- Although the pace is slow at first, the second half more than makes up for it.
Conclusion
- All in all, …
- To sum up, …
- I would highly recommend this book to readers who …
- It is not a film for everyone, but anyone interested in … will enjoy it.
Mustertext: book review auf Englisch
Der folgende Text ist eine vollständige review in Schullänge (rund 230 Wörter) zu Lord of the Flies, im deutschen Sprachraum bekannt als Herr der Fliegen.
A Group of Boys, a Deserted Island and No Rules
“Lord of the Flies”, written by the British Nobel laureate William Golding and first published in 1954, is a novel about a group of schoolboys who are stranded on an uninhabited island after a plane crash.
At first the boys are thrilled: there are no adults, no lessons and no rules. Ralph is elected leader and uses a conch shell to call assemblies, while Piggy, the clever outsider, tries to keep things organised. But Jack, who leads the choirboys, is far more interested in hunting than in keeping the signal fire alight. The group slowly splits into two camps, and the island stops being a playground.
What makes the novel so unsettling is how plausible this development feels. Golding never explains the change, he simply shows it, scene by scene, until the reader realises how far things have gone. The language is plain and easy to follow, which makes the brutal moments hit even harder. On the downside, the female perspective is completely absent, and some of the symbolism, especially the conch, is repeated so often that it becomes obvious.
All in all, “Lord of the Flies” is a short but demanding novel that stays with you. I would recommend it to readers from the age of fourteen and to anyone who enjoys stories about how quickly a group can fall apart.
Was der Text im Einzelnen macht
- Absatz 1 liefert Titel, Autor, Erscheinungsjahr, Gattung und Ausgangslage in einem einzigen Satz. Das ist die Standardform der introduction.
- Absatz 2 ist die Inhaltsangabe im simple present. Sie nennt drei Figuren, den Konflikt und bricht bewusst ab, bevor die Eskalation erzählt wird.
- Absatz 3 ist der Bewertungsteil. Wichtig ist die Struktur: erst eine begründete Stärke, dann mit On the downside zwei benannte Schwächen. Genau diese Zweiseitigkeit unterscheidet eine review von einer Werbeanzeige.
- Absatz 4 fasst zusammen und nennt eine konkrete Zielgruppe samt Altersempfehlung.
Wer sehen will, wie dasselbe Muster auf Deutsch mit einem anderen Werk aussieht, findet es in unseren Besprechungen zu Stolz und Vorurteil, Frankenstein und Der Herr der Ringe 1 - Die Gefährten.
Typische Fehler deutscher Muttersprachler
Die folgenden Fehler stehen in fast jedem Korrekturbogen.
| Falsch | Richtig | Grund |
|---|---|---|
| The book handles about … | The book is about / deals with … | handeln von ist nicht to handle |
| I mean that the film is good. | I think that the film is good. | meinen im Sinne von denken ist to think |
| In the end I can say … | All in all / To sum up … | in the end heißt zeitlich schließlich |
| The film has impressed me very much. | The film impressed me. | Perfekt im Deutschen, simple past im Englischen |
| The author gives many informations. | … a lot of information. | information ist unzählbar |
| Eventually the plot is boring. | Possibly the plot is boring. | eventually heißt letzten Endes |
| The actual situation in the novel | The current situation | actual heißt tatsächlich |
| He becomes a letter. | He gets a letter. | bekommen ist nicht to become |
| I think, that the ending is weak. | I think that the ending is weak. | vor that steht kein Komma |
| The critic of the film was positive. | The review of the film was positive. | critic ist die Person, nicht der Text |
| Ralph found the conch and called … | Ralph finds the conch and calls … | Handlung immer im simple present |
Dazu drei Fehler, die keine Vokabelfehler sind und trotzdem Punkte kosten:
- Nacherzählen statt bewerten. Wenn im Bewertungsteil noch Handlung steht, war die Inhaltsangabe zu kurz gedacht. Faustregel: Ab dem dritten Absatz kommt kein neuer Handlungsschritt mehr vor.
- Wertung ohne Begründung. The film is great ist keine Bewertung. The film is great because the camera stays with one character for minutes at a time ist eine.
- Zu lange Sätze. Deutsche Schachtelsätze funktionieren im Englischen nicht. 15 bis 20 Wörter pro Satz sind das gesunde Maß, alles darüber wird fehleranfällig.
Checkliste vor der Abgabe
- Stehen Titel, Autor beziehungsweise Regisseur und Jahr im ersten Absatz?
- Ist die Handlung im simple present erzählt und endet sie vor dem Wendepunkt?
- Ist der Bewertungsteil länger als die Inhaltsangabe?
- Gibt es mindestens einen Kritikpunkt, nicht nur Lob?
- Ist jede Wertung mit because, since oder einem Beispiel begründet?
- Steht am Schluss eine Empfehlung mit konkreter Zielgruppe?
- Sind Titel in Title Case und einheitlich ausgezeichnet?
Wer sich vor der Klassenarbeit einlesen will, findet in unseren Besprechungen zu Romeo und Julia, Sherlock - Staffel 1, Alice im Wunderland und Shakespeare in Love jeweils genau die Bausteine wieder, die auch eine englische review braucht: Eckdaten, knapper Handlungsabriss, begründete Wertung, Empfehlung.
Häufig gestellte Fragen
Wie heißt Rezension auf Englisch?
Der Oberbegriff ist review. Für Bücher sagt man book review, für Filme film review (britisches Englisch) oder movie review (amerikanisches Englisch). Das deutsche Wort recension existiert im Englischen zwar, meint aber die philologische Textkritik alter Handschriften und ist im Unterricht falsch.
Wie lang muss eine review in der Schule sein?
In Klassenarbeiten sind 200 bis 300 Wörter üblich, im Abitur 300 bis 400. Entscheidend ist die Verteilung: Die Inhaltsangabe darf höchstens ein Drittel ausmachen, der Bewertungsteil muss der längste sein. Wer die halbe Seite mit nacherzählter Handlung füllt, verliert Punkte im Bereich Inhalt.
In welcher Zeitform schreibt man eine englische review?
Die Handlung wird im simple present erzählt, auch wenn das Buch vor 200 Jahren spielt: Ralph meets Piggy on the beach. Fakten zur Entstehung stehen im simple past: Golding published the novel in 1954. Die eigene Bewertung steht im present, Leseeindrücke können im present perfect stehen.
Darf ich in einer review das Ende verraten?
Nein. Eine review soll zum Lesen oder Ansehen einlocken, deshalb endet die Inhaltsangabe vor dem Wendepunkt. Standardformulierung dafür ist without giving away the ending oder no spoilers ahead. Nur wenn die Aufgabenstellung ausdrücklich eine Analyse verlangt, darf der Schluss besprochen werden.
Darf ich in einer englischen review I benutzen?
Ja, anders als in der wissenschaftlichen Textanalyse ist die Ich-Form in der review erwünscht, weil eine begründete persönliche Wertung verlangt wird. Üblich sind in my opinion, personally und what I found particularly convincing. Man sollte es aber nicht in jedem Satz wiederholen.