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Filmkritik schreiben

Zuletzt aktualisiert am 2026-07-28

Eine Filmkritik ist kein Aufsatz über das eigene Gefühl beim Zuschauen, sondern ein begründetes Urteil. Der Unterschied zeigt sich an einem einzigen Satz: „Der Film war spannend” ist keine Kritik, „die Spannung hält, weil der Film seine Hauptfigur konsequent in Echtzeit durch die Stadt hetzt” ist eine. In den rund 1.000 Film- und Serienrezensionen im Archiv dieses Portals sind es genau diese Begründungen, die eine brauchbare Kritik von einer Inhaltsangabe mit Sternchen trennen.

Filmkritik, Filmanalyse, Filmrezension: Was ist der Unterschied?

Die drei Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen, meinen aber verschiedene Textsorten mit verschiedenen Zielen.

FilmkritikFilmanalyseFilmbesprechung / Rezension
Zielbewerten und einordnenbeschreiben und deutenzum Ansehen raten oder abraten
Publikumkennt den Film meist nichtkennt den Film in der Regelkennt den Film nicht
Wertungja, klar formuliertzurückhaltend bis gar nichtja, oft als Note oder Sterne
Handlungnur so viel wie nötigvollständig, auch das EndeAnriss ohne Spoiler
Typischer OrtZeitung, Magazin, PortalSchule, UniversitätHandels- und Portalseiten

Für die Schule bedeutet das: Wer eine Filmanalyse abgeben soll, arbeitet Kameraeinstellungen, Montage und Motive systematisch durch und darf dabei auch das Ende verwenden. Wer eine Filmkritik abgeben soll, nutzt dieselben Beobachtungen, verdichtet sie aber zu einem Urteil und lässt die Auflösung weg. Die Analyse ist die Werkstatt, die Kritik ist das fertige Möbelstück.

Nach welchen Kriterien bewertet man einen Film?

Sechs Gewerke tragen jeden Spielfilm. Man muss nicht alle sechs abarbeiten, aber man sollte zu jedem eine Meinung haben und die zwei oder drei auswählen, die den Film tatsächlich prägen.

Regie

Die Regie entscheidet über Tonfall, Tempo und darüber, was der Film überhaupt zeigen will. Gute Kritiken machen diese Haltung sichtbar. Bei American Beauty etwa lässt sich das Regiedebüt von Sam Mendes an seinem eigenen Untertitel festmachen, „sehen Sie genau hin”: Der Film baut eine makellose Vorstadtfassade auf, um sie Szene für Szene aufzubrechen. Bei 16 Blocks prägt Richard Donner den Film über eine durchgehend düstere Atmosphäre, die erst durch den Wortwitz der beiden Hauptfiguren erträglich bleibt.

Drehbuch

Hier geht es um Aufbau, Dialoge und Figurenlogik. Nützliche Prüffragen: Treffen die Figuren Entscheidungen, oder passieren ihnen nur Dinge? Sind die Wendungen vorbereitet oder aus dem Nichts geholt? Klingen die Dialoge nach Menschen oder nach Erklärstücken für das Publikum? Die erste Staffel von Breaking Bad taugt als Beispiel für eine Prämisse, die sich in zwei Sätzen erzählen lässt und trotzdem eine ganze Serie trägt: Ein Chemielehrer mit Krebsdiagnose kocht Crystal Meth, um seine Familie abzusichern.

Schauspiel

Trennen Sie die Leistung vom Film. Genau daran hängt der Reiz einer ehrlichen Kritik: In der Besprechung von The Dark Knight wird Heath Ledgers Joker ausdrücklich als genial und überzeugend beschrieben, das Gesamturteil über den Film fällt trotzdem negativ aus, weil ihm Witz und Charme der älteren Batman-Filme fehlen. So etwas ist kein Widerspruch, sondern ein Gütezeichen. Bei 16 Blocks ist es umgekehrt das Zusammenspiel zweier Darsteller, das den Film trägt.

Kamera

Bildausschnitt, Perspektive, Licht und Farbe. Statt „schöne Bilder” sollte im Text stehen, was die Bilder tun: ob die Kamera nah an den Figuren klebt oder Distanz hält, ob sie ruhig steht oder mitläuft, ob der Film in kalten oder warmen Tönen erzählt. Bei Klassikern wie Casablanca gehört die Schwarzweiß-Bildsprache zur Wirkung dazu und darf nicht als technische Einschränkung abgetan werden.

Schnitt

Der Schnitt bestimmt das Tempo. Auffällig wird er meist nur, wenn er misslingt: wenn Actionszenen so hektisch montiert sind, dass man die Geografie verliert, oder wenn ein Film nach einem starken ersten Akt zäh wird. Bei Heimkino-Veröffentlichungen kommt eine zweite Bedeutung dazu, nämlich die Frage nach der Fassung. Die Besprechung von Fight Club weist ausdrücklich darauf hin, dass nur die FSK-18-Fassung ungeschnitten ist, während eine ältere DVD gekürzt wurde. Solche Hinweise sind für Leser oft wertvoller als das halbe Fazit.

Musik und Ton

Score, Songs und Sounddesign. Die Frage lautet nicht, ob die Musik gefällt, sondern ob sie führt oder überredet. Ein Score, der jede Emotion vorwegnimmt, ist ein Schwachpunkt, auch wenn er als Album funktioniert. Bei Großproduktionen wie Der Herr der Ringe: Die Gefährten reicht der Musikanteil bis ins Bonusmaterial hinein, was in einer Kritik der Veröffentlichung erwähnt gehört.

Wie ist eine Filmkritik aufgebaut?

Ein Aufbau, der sich über tausend Rezensionen hinweg bewährt hat:

  1. Überschrift. Kein Titel plus „Kritik”, sondern eine These oder ein Bild aus dem Film. Sie darf zuspitzen, aber nicht lügen.
  2. Einstieg, zwei bis vier Sätze. Entweder eine konkrete Szene, eine Beobachtung oder die Einordnung in Genre und Werk der Regie. Kein „In diesem Film geht es um”.
  3. Inhalt, ein Absatz. Ausgangslage, Hauptfigur, zentraler Konflikt. Alles bis etwa zum Ende des ersten Drittels, nicht weiter. Die Besprechung von Inception macht das vor: Sie erklärt die Prämisse des Traumdiebstahls, ohne auch nur anzudeuten, wie der Film sie auflöst.
  4. Hauptteil, zwei bis vier Absätze. Pro Absatz ein Kriterium mit Beleg. Reihenfolge nach Wichtigkeit für diesen Film, nicht nach Schema.
  5. Einordnung. Vergleich mit ähnlichen Filmen, mit dem Vorgänger oder mit der Vorlage. Hier gehört auch die Frage hin, für wen der Film gemacht ist.
  6. Fazit, drei bis fünf Sätze. Klares Urteil samt Zielgruppe. Wer für wen was empfiehlt, ist nützlicher als eine Note ohne Adressat.
  7. Datenblock. Regie, Jahr, Laufzeit, Besetzung, bei Discs zusätzlich Fassung, FSK, Bild- und Tonformat, Bonusmaterial.

Wie geht man mit Spoilern um?

Drei Regeln reichen in der Praxis:

  • Die Ein-Drittel-Grenze. Was der Trailer und die ersten dreißig Minuten zeigen, ist frei. Alles danach ist begründungspflichtig.
  • Wendungen nur mit Vorwarnung. Wenn ein Urteil ohne die Auflösung nicht funktioniert, setzt man einen eigenen Absatz mit einem deutlichen Hinweis davor. Kein versteckter Halbsatz mitten im Fließtext.
  • Auch die Struktur kann spoilern. Sätze wie „spätestens nach dem dritten Zeitsprung ahnt man alles” verraten mehr, als sie sollen. Bei Filmen, die von einer Wendung leben, hilft die Beschreibung der Wirkung statt des Inhalts: Man schreibt, dass der Film seine Regeln im letzten Akt umdreht, nicht wie.

Bei Serien gilt zusätzlich eine Staffelgrenze. Eine Kritik zur ersten Staffel darf nichts aus der zweiten verwenden, auch nicht als Begründung dafür, dass sich das Durchhalten lohnt.

Beispielformulierungen für die Filmkritik

Die linke Spalte steht in fast jeder eingereichten Schülerkritik, die rechte macht daraus eine Aussage.

StattBesser
„Der Film war sehr spannend.”„Die Spannung hält, weil der Film seine Hauptfigur nie aus dem Bild lässt.”
„Die Schauspieler haben gut gespielt.”„X trägt die Figur über weite Strecken allein, weil ihr der Film kaum Dialog gibt.”
„Die Musik war passend.”„Der Score bleibt unter den Szenen, statt sie zu kommentieren.”
„Der Film war langweilig.”„Nach dem Wendepunkt wiederholt der Film seine Ausgangssituation dreimal, ohne sie weiterzudrehen.”
„Ich kann den Film nur empfehlen.”„Wer Genre A mag und mit langsamem Erzähltempo zurechtkommt, wird hier bedient.”

Bausteine für den Einstieg: „Der Film beginnt mit einer Szene, die alles Weitere vorwegnimmt.” / „Regie Y hat schon in Z gezeigt, dass sie … , hier führt sie es weiter.” / „Auf dem Papier ist das ein Genre-Film. Nach zwanzig Minuten ist klar, dass es um etwas anderes geht.”

Bausteine für das Fazit: „Als Ganzes bleibt der Film hinter seiner Prämisse zurück, sehenswert ist er wegen …” / „Handwerklich untadelig, aber ohne Risiko.” / „Ein Film für Zuschauer, die … erwarten, kein Film für Zuschauer, die … suchen.”

Was ist bei Serien anders?

Eine Serienkritik bewertet nicht einzelne Episoden, sondern das Muster. Drei Punkte kommen zur Filmkritik hinzu:

  • Das Konzept der Staffel. Bei Game of Thrones, erste Staffel ist es das Nebeneinander mehrerer Handlungsstränge auf zwei Kontinenten. Die Frage der Kritik lautet, ob die Serie diese Stränge zusammenhält oder ob sie auseinanderfällt.
  • Die Formel. Prozedurale Serien leben von einer wiederkehrenden Struktur. Bei Dr. House, Staffel 1 ist das der Fall der Woche plus eine Figur, die man eigentlich nicht mögen soll. Die Kritik prüft, ob die Formel innerhalb einer Staffel abnutzt.
  • Die Veröffentlichung. Anzahl der Discs, Untertitel, Bonusmaterial, deutsche Synchronisation. Wer eine Boxveröffentlichung bespricht, bespricht auch das Produkt.

Dokumentarfilme brauchen wieder eigene Kriterien. Bei Super Size Me zählt nicht das Drehbuch, sondern die Anlage des Selbstversuchs, die Auswahl der Gesprächspartner und die Frage, ob der Film seine These belegt oder nur bebildert. Wer eine Doku mit dem Kriterienkatalog für Spielfilme misst, geht daran vorbei.

Die häufigsten Fehler

  • Nacherzählen statt bewerten. Wenn zwei Drittel des Textes Handlung sind, ist es keine Kritik.
  • Urteile ohne Beleg. Jedes Adjektiv braucht eine Szene, einen Dialog oder eine Entscheidung als Beweis.
  • Das Ende verraten, weil es die Kritik erleichtert.
  • Superlative im ersten Absatz. „Bester Film aller Zeiten” ist erst nach der Begründung eine Aussage.
  • Den Film mit der Vorlage verwechseln. Eine Verfilmung darf abweichen, die Frage ist nur, ob sie es begründet tut.
  • Die Zielgruppe vergessen. Ein klares „für wen” rettet auch eine mittelmäßige Kritik.

Häufig gestellte Fragen

Wie lang muss eine Filmkritik sein?

Für die Schule reichen meist 400 bis 600 Wörter, das entspricht rund einer bis anderthalb Seiten. Online funktionieren 600 bis 1.200 Wörter gut, weil dort noch Angaben zu Fassung, Bildqualität und Bonusmaterial dazukommen. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern dass jedes Urteil eine Begründung aus dem Film selbst mitbringt.

Was ist der Unterschied zwischen Filmkritik und Filmanalyse?

Die Filmkritik bewertet und richtet sich an ein Publikum, das den Film noch nicht gesehen hat. Sie endet mit einer Empfehlung oder einer Absage. Die Filmanalyse beschreibt und deutet systematisch, wie ein Film gemacht ist, und verzichtet weitgehend auf ein Geschmacksurteil. In der Schule wird die Analyse oft als Vorarbeit für die Kritik verlangt.

Darf ich in einer Filmkritik das Ende verraten?

Nein, jedenfalls nicht ohne Warnung. Die Faustregel lautet: alles bis zum Ende des ersten Drittels darf in die Inhaltsangabe, danach wird es zum Spoiler. Wenn eine Wendung für das Urteil unverzichtbar ist, kündigt man sie mit einem deutlichen Hinweis an und setzt sie in einen eigenen Absatz.

Schreibt man eine Filmkritik im Präsens oder Präteritum?

Die Handlung steht im Präsens, weil der Film sie bei jedem Ansehen neu erzählt. Auch die Wertung steht im Präsens. Präteritum nutzt man nur für Umstände außerhalb des Films, etwa das Erscheinungsjahr, die Dreharbeiten oder eine Auszeichnung.

Wie bewerte ich einen Film, der mir nicht gefallen hat, aber gut gemacht ist?

Indem man Handwerk und Geschmack trennt. Man benennt zuerst, was objektiv gelungen ist, etwa eine schauspielerische Leistung oder die Kameraarbeit, und stellt danach klar, warum der Film für einen selbst trotzdem nicht funktioniert. Diese Trennung macht eine Kritik glaubwürdiger als ein pauschales Verriss- oder Loburteil.

Welche Angaben gehören an den Anfang einer Filmkritik?

Titel, Erscheinungsjahr, Regie, Genre, Laufzeit und die wichtigsten Darsteller. Bei einer Besprechung von DVD oder Blu-ray kommen Fassung (gekürzt oder ungeschnitten), Altersfreigabe, Bild- und Tonformat sowie das Bonusmaterial dazu. Diese Angaben stehen als Block vor oder hinter dem Fließtext, nicht mitten im Urteil.