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Triffst du Buddha, töte ihn!: Ein Selbstversuch

4 von 5 von Rezension.org · 2010-03-01 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Radikal unspirituelle Indienreise, die trotzdem nachdenklich macht.

Triffst du Buddha, töte ihn! Ein Selbstversuch
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Triffst du Buddha, töte ihn! Ein Selbstversuch

13,00 € Stand: 17.08.2026

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Triffst du Buddha, töte ihn!: Ein Selbstversuch von Andreas Altmann

Worum geht es in Triffst du Buddha, töte ihn!?

Martialischer Titel, unblutiger Inhalt: Andreas Altmann wagt in „Triffst du Buddha, töte ihn!“ einen Selbstversuch. Ohne Sprengstoffgürtel, dafür mit klarem Verstand. Herausgekommen ist ein berührendes literarisches Roadmovie über eine Reise nach Indien - und eine Reise ins Innere des menschlichen Geistes.

Buddhismus ist mega-in: Seit Jahren werden wir von fernöstlichem Devotionalien-Ramsch überschwemmt. Ob als Statue oder Kühlschrankmagnet, Buddha gibt’s beim Discounter ebenso wie beim Kaffeeröster um die Ecke. Da ist es nur folgerichtig, dass Deutschlands bekanntester Reiseschriftsteller Andreas Altmann jetzt ein Buch zum Thema veröffentlicht. Allein der Titel macht stutzig: „Triffst du Buddha, töte ihn!“.

Was bedeutet „Wenn du Buddha triffst, töte ihn“?

Was nach Anstiftung zum Gewaltverbrechen klingt, hat einen gänzlich buddhistischen Hintergrund: Vor Jahren hörte Altmann in Indien den Satz „Triffst du Buddha auf der Straße, dann töte ihn“. Und ließ ihn sich erklären: „Buddha soll dir Hebamme sein, Guru und Mentor. Um das in dir schlummernde Potential zu wecken, es zur Welt zu bringen. Aber wenn es geweckt ist, dann musst du dich verabschieden, ihn von dir weisen, ihn ‚töten’“.

Der Satz ist also eine Warnung vor der Abhängigkeit vom Lehrer. Wer den Guru anbetet, statt seinem eigenen Weg zu folgen, hat das Gegenteil dessen erreicht, was die Lehre will. Genau daraus bezieht das Buch seine Struktur: Es ist ein Abschied. Ein definitiver, ohne Totschlag, dafür inklusive Abschiedsgeschenk.

Teil 1: Die Reise zu den heiligen Stätten

Im ersten Teil der Reise folgt Altmann den Spuren Buddhas und begibt sich zu den „heiligen Stätten“: seinem Geburtsort Lumbini, Bodhgaya, dem Ort, an dem er „erleuchtet“ worden sein soll, Kushinagar, dem Sterbeort. Dort findet er - nichts. Außer toten Steinen und erstarrtem Personenkult, das Ganze in Kombination mit pseudoreligiösem Massentourismus.

Diese Enttäuschung ist kein Nebenbefund, sondern das Fundament des Buches. Altmann verweigert sich der Erwartung, dass Orte an sich etwas bewirken. Wer erwartet, dass ein Autor am Ort der Erleuchtung ergriffen niedersinkt, bekommt hier das genaue Gegenteil: eine nüchterne Bestandsaufnahme von Souvenirständen, Eintrittsgeldern und Reisegruppen.

Die Menschen unterwegs

Die wahren Schätze finden sich unterwegs: Das Buch lebt von den Menschen, die Altmann unterwegs trifft. Sie teilen mit ihm ihre Geschichten und ihre Erfahrungen. Und Altmann teilt sie mit dem Leser. Er erzählt vom 18-jährigen Ishan, der jeden Tag nach der Schule zwei Stunden Weg zurücklegt, um mit Gleichgesinnten über Gedichte zu sprechen, von dem Zugpassagier, der den französischen Präsidenten wegen seiner Frau nicht mag („Er hätte jemanden aus seinem Dorf nehmen sollen“), vom stakselbeindürren Riksha-Fahrer Malulal, der behutsam ein blindes Paar über die Straße führt.

Diese Porträts sind der eigentliche Ertrag der Reise. Sie stehen für die These des Buches, ohne dass die These je ausgesprochen werden müsste: Was Menschen weiterbringt, findet sich nicht an Wallfahrtsorten, sondern in Alltagsszenen, die man übersieht, wenn man mit einem Programm reist.

Teil 2: Zehn Tage Vipassana

Die Reise endet im zweiten Teil, auf einem Meditationskissen im Dhamma Chakka Vipassana Center. Hier wird eine der ältesten Meditationstechniken Indiens gelehrt: Vipassana. Zehn Tage sitzen, zehn Tage den eigenen Atem beobachten - isoliert, wortlos - um zu geistiger Klarheit, innerem Frieden und zum eigenständigen Denken und Handeln zu kommen. Mit eingeschmuggelten Schreibutensilien notiert der Autor, was ihm beim stundenlangen Sitzen tagsüber durch den Kopf ging und wie er näher an Buddha und seine Weltanschauung herankommt. Um sich am Schluss dankbar von ihm zu verabschieden: „Der spirituelle Lehrer ist nur Wegweiser. Du musst dein eigener Meister werden“.

Bemerkenswert ist, dass Altmann die Regeln des Kurses ausgerechnet an der Stelle bricht, an der er als Autor nicht anders kann: beim Schreibverbot. Dieser kleine Regelbruch macht den zweiten Teil überhaupt erst möglich und ist zugleich der ehrlichste Moment des Buches. Der Beobachter kann nicht aufhören zu beobachten, auch nicht auf dem Meditationskissen.

Sprache und Stil

Der reportage-artige Erzählton wechselt von nonchalanter Nachlässigkeit über ätzende Ironie bis ins Poetische: „Das leise Quietschen der Naben, das Holpern der Räder, der Atem von Jeevan, dem Fahrer. Wie durch Milch tauchen wir, wie Watte liegt die Welt vor uns.“

Diese Bandbreite ist Stärke und Zumutung zugleich. Altmann kann in einem Absatz zärtlich und im nächsten schroff sein, und er nimmt weder sich noch andere aus. Wer eine gleichmäßig freundliche Erzählstimme sucht, wird sich daran reiben. Wer Reiseliteratur mag, die nicht beschwichtigt, findet hier genau das.

Der Autor Andreas Altmann

„Triffst du Buddha, töte ihn!“ ist das dreizehnte Buch von Andreas Altmann, dem bekanntesten deutschen Reiseschriftsteller. Das Buch erschien 2010 im DuMont Buchverlag. Altmann schreibt seit Jahrzehnten Reisereportagen und ist bekannt dafür, dass er sich selbst in seine Texte hineinschreibt, ohne sich dabei zu schonen. Auch in diesem Buch ist der Autor nicht der weise Beobachter, sondern ein Mann mit Ungeduld, Vorurteilen und Zynismus, der die eigene Reaktion auf das Erlebte mitprotokolliert.

Für wen lohnt sich das Buch?

Geeignet ist es für Leser, die gute Reiseliteratur suchen und keine Angst vor unbequemen Tönen haben. Auch wer sich für Vipassana interessiert und wissen will, wie sich zehn Tage Schweigen anfühlen, bekommt hier einen sehr konkreten, unverklärten Bericht.

Nicht geeignet ist das Buch für alle, die eine Einführung in die buddhistische Lehre erwarten, und erst recht nicht für Leser, die spirituelle Bestätigung suchen. Altmann liefert weder Anleitung noch Trost. Wer den Buddhismus über Devotionalien und Kalendersprüche kennengelernt hat, wird hier ziemlich unsanft abgeholt.

Fazit: Lohnt sich Triffst du Buddha, töte ihn!?

Ein gutes Buch, das einen - lässt man sich auf die radikal unspirituelle, gänzlich erleuchtungsfreie Erzählweise ein - nachdenklich macht. Die Unmittelbarkeit der Sprache wirkt an manchen Stellen ebenso verstörend wie wohltuend, das Weltwissen, das Altmann auf 256 Seiten vor dem Leser ausbreitet, macht neugierig - auf eigene Erfahrungen, aufs eigene - eigenständige - Denken und Handeln.

Der stärkste Teil ist nicht der Meditationskurs, sondern das, was dazwischen liegt: die Gespräche im Zug, die Rikschafahrten, die Menschen, die Altmann ernst nimmt. Der Titel hält am Ende, was er verspricht, nur eben ganz anders, als man beim ersten Lesen denkt.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet der Satz Triffst du Buddha, töte ihn?

Der Satz stammt aus der buddhistischen Überlieferung und ist nicht wörtlich gemeint. Buddha soll als Hebamme, Guru und Mentor dienen, um das eigene Potential zu wecken. Ist es geweckt, muss man sich von ihm verabschieden und selbst weitergehen, statt am Lehrer zu hängen.

Worum geht es in dem Buch?

Andreas Altmann reist im ersten Teil zu den heiligen Stätten des Buddhismus in Indien und Nepal, unter anderem nach Lumbini, Bodhgaya und Kushinagar. Im zweiten Teil nimmt er an einem zehntägigen Vipassana-Kurs teil, in dem geschwiegen und meditiert wird. Zwischen beiden Teilen stehen die Begegnungen mit Menschen, die er unterwegs trifft.

Ist das ein esoterisches Buch?

Nein. Altmann schreibt betont unspirituell, ironisch und ohne Erleuchtungsversprechen. Wer eine Anleitung zum Glücklichsein oder eine Einführung in buddhistische Lehre sucht, greift daneben. Das Buch ist eine Reisereportage mit Selbstversuch.

Was ist Vipassana?

Vipassana ist eine der ältesten Meditationstechniken Indiens. In dem von Altmann besuchten Kurs im Dhamma Chakka Vipassana Center wird zehn Tage lang geschwiegen und der eigene Atem beobachtet, isoliert und ohne Gespräche. Ziel sind geistige Klarheit, innerer Frieden und eigenständiges Denken und Handeln.

Wann ist das Buch erschienen?

Triffst du Buddha, töte ihn! Ein Selbstversuch erschien 2010 im DuMont Buchverlag. Es ist nach Angabe im Buch das dreizehnte Werk des Reiseschriftstellers Andreas Altmann.

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