rezension.org

Im Herzen Beduinin : Eine Liebe, die alle Unterschiede überwindet

4,5 von 5 von Rezension.org · 2010-01-29 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Warmherzige Erinnerungen an ein Leben in den Felshöhlen von Petra.

Im Herzen Beduinin: Eine Liebe, die alle Unterschiede überwindet (BLA - Allgemeine Reihe)
Anzeige · Bücher bei Amazon

Im Herzen Beduinin: Eine Liebe, die alle Unterschiede überwindet (BLA - Allgemeine Reihe)

2,96 € Stand: 17.08.2026

Preise können sich jederzeit ändern. Es gilt der Preis auf der Amazon-Produktseite.

Zum Angebot bei Amazon →
Auch bei Thalia ansehen →

Wenige Bücher machen so neugierig auf ein fremdes Leben wie dieses: Eine junge Frau aus Neuseeland gibt ihre Rückreise auf, heiratet einen Beduinen und zieht zu ihm in eine Höhle in der jordanischen Felsenstadt Petra. „Im Herzen Beduinin“ ist die deutsche Ausgabe ihrer Erinnerungen, die im englischen Original unter dem Titel „Married to a Bedouin“ erschienen sind.

Worum geht es in „Im Herzen Beduinin“?

Es scheint eine klassische Geschichte zu sein: Zwei Freundinnen, beide Anfang 20, reisen Ende der 70er Jahre in den Mittleren Osten, um einmal der zivilisierten westlichen Tristesse zu entkommen. In Jordanien angekommen, besuchen die beiden die Höhlenstadt Petra und lernen dort den Souvenirverkäufer Mohammad kennen, der ihnen die Atmosphäre der Felsenstadt näherbringt. Beide Frauen möchten noch länger in Petra bleiben, und Mohammad zeigt ihnen deshalb einen Platz zum Übernachten. Mohammad spricht sehr gut Englisch, da er lange Zeit als Touristenführer in Akaba gearbeitet hat. Marguerite verliebt sich in Mohammads sympathische, offene Art und seinen unvergleichlichen Humor. Sie beschließt, bei ihm zu bleiben.

Von nun an nimmt sie den Leser mit auf eine Reise in eine neue Kultur. Man erfährt, wie es sich in einer 2000 Jahre alten Höhle lebt, wie man als hochschwangere Frau Ausflüge in die Wüste übersteht und wie man ein Unternehmen aus dem Boden stampft. Queen Elizabeth und Königin Nur von Jordanien besuchen Marguerite und ihre Familie in ihrer Höhle. Beide Königinnen scheinen von Marguerites Lebensstil gleichermaßen fasziniert und irritiert zu sein.

Die Ehe mit Mohammad

Die Ehe von Mohammad und Marguerite verläuft trotz aller Bedenken von Marguerites Familie harmonisch, und Mohammad behandelt seine Frau gut. Marguerite muss zwar zum moslemischen Glauben konvertieren, um Mohammad heiraten zu können, weitere Zugeständnisse verlangt Mohammad jedoch nicht von ihr.

Marguerite tauscht zwar nach einiger Zeit ihre Jeans gegen lange Kleider und bindet sich ein Kopftuch um, doch das hat für sie praktische Gründe. Für Marguerite ist es ebenfalls von Vorteil, dass Mohammads Eltern bereits tot sind und kein Onkel als Clanchef bestimmt, was sie zu tun hat. Genau an dieser Stelle wird das Buch ehrlicher, als es auf den ersten Blick wirkt: Die Autorin macht deutlich, dass ihre vergleichsweise große Freiheit auch mit dieser besonderen Familienkonstellation zu tun hat und nicht automatisch für jede Frau im Dorf gilt.

Der Alltag in der Höhle

Mohammad und Marguerite bekommen eine Tochter und zwei Söhne, die ihre ersten Jahre in der Höhle von Petra verbringen. Mohammad entpuppt sich als begabter Handwerker, der viele Dinge aus der westlichen Kultur einfach nachbaut. So ist die Höhle von Mohammad und Marguerite beispielsweise die einzige Höhle im Dorf, die mit Fenstern ausgestattet ist. Wasser wird mit Eseln herangeschafft, gekocht wird über dem Feuer, und Marguerite wird mit ihrer Ausbildung nach und nach zur Anlaufstelle für medizinische Fragen im Dorf.

Der Umzug in die Siedlung

Doch die Zeit in der Höhle endet, als die jordanische Regierung ihren Beschluss langsam in die Tat umsetzt und alle Höhlenbewohner in Wohnsiedlungen umquartiert. Für Marguerite und Mohammad beginnt ein neuer Abschnitt, der seinen Anfang mit der Eingewöhnung in die neue Wohnsituation nimmt. Die Kinder werden größer, doch Marguerite und Mohammad sind glücklich miteinander und unternehmen sowohl alleine als auch mit den Kindern verschiedene Reisen – bis Mohammad im Jahr 2002 schwer erkrankt.

Wer ist Marguerite van Geldermalsen?

Marguerite van Geldermalsen wuchs mit ihren Eltern, zwei Brüdern und einer Schwester in Neuseeland auf. Nach ihrem Schulabschluss arbeitete sie in einer Einrichtung für geistig behinderte Kinder und absolvierte eine Ausbildung als Krankenschwester. Auf der Reise, die sie Ende der 70er Jahre nach Jordanien führte, lernte sie ihren Mann Mohammad Abdallah kennen, der als Souvenirverkäufer in Petra arbeitete. Seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 2002 lebt sie teils in Australien und teils in Jordanien. Besucht man die Touristenstadt Petra, kann man noch das Glück haben, sie am Souvenirshop der Familie zu treffen, wo sie ihren Sohn regelmäßig beim Verkauf unterstützt.

Wer nach ihr sucht, stößt schnell auf den englischen Originaltitel „Married to a Bedouin“, unter dem das Buch international bekannt geworden ist. Auf Deutsch erschien der Text zunächst als gebundene Ausgabe, später als Taschenbuch mit dem Untertitel „Eine Liebe, die alle Unterschiede überwindet“, übersetzt von Ursula Pesch.

Wie liest sich das Buch?

Der Ton ist der einer Erzählerin, die nicht belehren will. Van Geldermalsen berichtet chronologisch, in kurzen Szenen und mit vielen Alltagsdetails: Wie viel Mehl für das Brot gebraucht wird, wie eine Geburt ohne Klinik abläuft, wie man mit Nachbarinnen Tee trinkt und dabei eine neue Sprache lernt. Das macht das Buch leicht lesbar, nimmt ihm aber auch etwas Spannung, denn große dramatische Zuspitzungen sucht man vergeblich.

Was gut gelingt

Stark ist das Buch immer dann, wenn es konkret wird. Die Beschreibungen der Höhle, der Wüstenausflüge und der langsam wachsenden Akzeptanz im Dorf sind das Herzstück und lassen ein Leben plastisch werden, von dem die meisten Leser nur Postkartenbilder kennen. Auch die Schilderung, wie aus dem Souvenirverkauf ein kleines Familienunternehmen wird, ist unterhaltsam erzählt.

Wo es Grenzen gibt

Wer eine analytische Auseinandersetzung mit Religion, Frauenrollen oder jordanischer Politik erwartet, bekommt sie hier nicht. Die Autorin bleibt bei ihrer eigenen Perspektive, und die ist ausgesprochen wohlwollend. Manches, was aus westlicher Sicht heikel wirkt – die Konversion, das Kopftuch, die Abhängigkeit von der Großfamilie – wird eher beiläufig abgehandelt als diskutiert.

Für wen lohnt sich das Buch?

„Im Herzen Beduinin“ ist ein Buch für Leser, die sich für Jordanien, Petra und für Lebensgeschichten zwischen zwei Kulturen interessieren. Wer eine Reise nach Petra plant, bekommt hier deutlich mehr Hintergrund als in jedem Reiseführer. Wer dagegen ein kritisches Sachbuch über das Leben von Frauen im Nahen Osten sucht, greift besser zu einem anderen Titel.

Fazit: Lohnt sich Eine Liebe, die alle Unterschiede überwindet?

Während der Lektüre von „Im Herzen Beduinin: Eine Liebe, die alle Unterschiede überwindet“ wartet man förmlich darauf, die negativen Aspekte eines Beduinenlebens vor Augen geführt zu bekommen. Doch hier wird man auf positive Art und Weise enttäuscht, denn Marguerite van Geldermalsen versteht es, die Nachteile, die ihre Entscheidung mit sich bringt, gekonnt und charmant zwischen den Zeilen unterzubringen. Dieses Buch regt zum Nachdenken darüber an, ob die Reizüberflutung und der Konsum in unserer westlichen Kultur wirklich notwendig sind.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Im Herzen Beduinin?

Die Neuseeländerin Marguerite van Geldermalsen reist Ende der 70er Jahre in den Mittleren Osten, lernt in der jordanischen Felsenstadt Petra den Souvenirverkäufer Mohammad kennen und bleibt bei ihm. Das Buch erzählt ihr Leben als Ehefrau, Mutter und Krankenschwester in einer rund 2000 Jahre alten Höhle.

Ist Im Herzen Beduinin eine wahre Geschichte?

Ja, es handelt sich um autobiografische Erinnerungen. Die Autorin schildert ihre eigene Ehe mit Mohammad Abdallah, die Geburt ihrer drei Kinder und die Umsiedlung der Höhlenbewohner durch die jordanische Regierung. Das englische Original trägt den Titel Married to a Bedouin.

Wer ist Marguerite van Geldermalsen?

Sie wuchs in Neuseeland auf und arbeitete nach ihrer Ausbildung als Krankenschwester. Auf einer Reise durch den Mittleren Osten lernte sie ihren späteren Mann in Petra kennen. Nach dessen Tod im Jahr 2002 lebt sie abwechselnd in Australien und in Jordanien.

Wie lebte die Familie in Petra?

Die Familie bewohnte eine in den Fels geschlagene Höhle ohne fließendes Wasser und Strom, kochte über offenem Feuer und holte Wasser mit Eseln. Mohammad baute die Höhle handwerklich aus, sie war die einzige im Dorf mit Fenstern. Mitte der 80er Jahre wurden die Höhlenbewohner in eine Siedlung umquartiert.

Für wen lohnt sich das Buch?

Für Leser, die sich für Jordanien, Petra und den Alltag beduinischer Familien interessieren, und für alle, die Reise- und Lebensberichte mögen. Wer eine kritische Abrechnung mit traditionellen Rollenbildern erwartet, wird eher überrascht sein, denn der Ton bleibt durchweg warmherzig.

Deine Bewertung

Teile deine Erfahrung zu „Im Herzen Beduinin : Eine Liebe, die alle Unterschiede überwindet". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.