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Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker

4 von 5 Redaktion · 2012-07-23 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Stiller Rückblenden-Roman über Migration, der genaues Lesen belohnt.

Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker
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Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker

12,00 € Stand: 13.09.2026

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Renan Demirkan: Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker

Worum geht es in Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker?

In diesem halb autobiographischen Roman liegt eine junge türkische Frau in einem deutschen Krankenhaus und wartet auf den Beginn ihrer Kaiserschnitt-Operation. Der Narkosearzt verspätet sich und die junge Frau hat genügend Zeit, über sich, ihr Leben und über ihre Fremdheitsgefühle in Deutschland und in der Türkei nachzudenken.

Sie erinnert sich an bittere Erfahrungen, an Einsamkeit und ans Nicht-verstanden-werden. Zugleich denkt sie auch zurück an das Leben ihrer Familie in der Türkei, da, wo man schwarzen Tee mit drei Stück Zucker trinkt, wo sie in den Nussplantagen gespielt hat.

Vier Generationen in der Migration

Vier Generationen in der Migration: Die Großeltern, die in der Türkei zurückgeblieben sind, die Eltern, hin- und hergerissen zwischen beiden Heimaten, die Tochter, die in Deutschland ein Zuhause findet, trotz einiger Schwierigkeiten also ankommt, und die vierte Generation, das Kind, das in die neue Wirklichkeit hineingeboren wird, das Kind, auf dessen Geburt die Frau wartet.

Die Großeltern und die Eltern

Die Großeltern bleiben Erinnerung, ein Ort, den man besucht und wieder verlässt. Die Eltern dagegen tragen die eigentliche Last: Sie haben die Entscheidung getroffen, sie arbeiten in einem Land, dessen Sprache sie nur halb beherrschen, und sie müssen zusehen, wie ihre Kinder in einer Welt heimisch werden, in der sie selbst Gäste bleiben. Demirkan erzählt das ohne Anklage, aber mit einer Genauigkeit, die weh tut.

Die Tochter und das Kind

Die Erzählerin ist derjenige Teil der Familie, der ankommt, und gerade daraus entsteht ihr Konflikt. Sie ist in Deutschland zu Hause und wird trotzdem gefragt, woher sie komme; in der Türkei ist sie zu Hause und gilt trotzdem als die Deutsche. Das Kind, auf dessen Geburt sie wartet, wird diese Frage vielleicht nicht mehr kennen. Diese Hoffnung ist der stille Motor des ganzen Buches, und der Roman ist klug genug, sie nicht auszubuchstabieren.

Warum heißt der Roman Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker?

Der Titel nennt kein Thema, sondern eine Geste. Drei Stück Zucker in schwarzem Tee, so trinkt man ihn dort, wo die Familie herkommt, und wer ihn so serviert bekommt, ist willkommen. Damit steht ein einziges Alltagsdetail für all das, was beim Fortgehen nicht mitgenommen werden kann: Rituale, Selbstverständlichkeiten, ein Zuhause, das man nicht erklären muss. Dass der Roman diesen Titel trägt und nicht eines der großen Wörter wie Heimat oder Identität, sagt viel über seine Machart.

Wie das Buch erzählt

Es sind keine durchgängigen Geschichten, keine große Spannung, Renan Demirkan erzählt in Rückblenden, schimpft zwischendrin über den Narkosearzt und macht sich lustig über den Professor, der den Eindruck erweckt, sauer über einen verpassten Golftermin zu sein.

Der Ton

Zwischen Erinnerung und Krankenhausgegenwart wechselt der Text mitten im Absatz, oft ausgelöst von einer Kleinigkeit: einem Geruch, einem Satz des Pflegepersonals, dem Geräusch eines Wagens auf dem Flur. Das wirkt zunächst sprunghaft und erweist sich beim Weiterlesen als konsequent, denn genauso arbeitet Erinnerung. Die Sprache bleibt dabei einfach und sehr konkret, das Buch kommt ohne kunstvolle Sätze aus und ist gerade deshalb schwer wieder wegzulegen.

Was das Buch nicht ist

Ein Entwicklungsroman ist es nicht, ein Familienepos auch nicht, dafür ist es viel zu kurz. Es gibt keine Zuspitzung, keinen Höhepunkt, keine Auflösung im üblichen Sinn. Wer eine Handlung erwartet, die sich von Kapitel zu Kapitel steigert, sollte das vorher wissen.

Wer ist Renan Demirkan?

Die Erzählerin ist in der Türkei geboren, in Deutschland aufgewachsen und arbeitet als Schauspielerin, ein Alter Ego der Autorin, die 1955 in Ankara geboren wurde und seit den 1980er Jahren als Schauspielerin für Theater, Film und Fernsehen arbeitet. Demirkan kam 1962 als Siebenjährige mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Hannover, wo der Vater beim U-Bahn-Bau beschäftigt war. Ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover schloss sie 1980 ab.

Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker erschien 1991 bei Kiepenheuer & Witsch, es war ihr erstes Buch und stand monatelang auf den Bestsellerlisten. Seither sind weitere Titel gefolgt, darunter die Erzählung „Die Frau mit Bart“ und der Roman „Es wird Diamanten regnen vom Himmel“; außerdem gab sie den Band „Der Mond, der Kühlschrank und ich. Heimkinder erzählen“ heraus. Neben einer Reihe von Auszeichnungen für ihre schauspielerische Arbeit, unter ihnen der Grimme-Preis und die Goldene Kamera, erhielt sie auch das Bundesverdienstkreuz.

Für wen lohnt sich das Buch?

Wer sich einlässt auf diese Zustandsbeschreibung, ein recht schmales Buch von 137 Seiten, kann viel erfahren über die Arbeitsmigranten aus der Türkei, über die Problematik des Fortgehens und Ankommens. „Könntet ihr einen Tag in meinen Schuhen gehen, einen Tag mit meinen Augen sehen, ihr würdet mich verstehen.“

Das Buch hilft zu diesem Verständnis, es will aber sorgfältig gelesen werden. Für oberflächliche Leser könnte es schnell als langweilig eingestuft werden, es geschieht ja eigentlich nichts, jemand denkt nur nach und erzählt – mit großer Zärtlichkeit – Szenen aus einem Leben.

Für den Unterricht und für Lesekreise ist der Umfang ein Vorteil: 137 Seiten schafft eine Gruppe in überschaubarer Zeit, und der Text liefert genug Anlässe zur Diskussion, weil er keine fertigen Urteile mitliefert. Auch als Einstieg in die deutschsprachige Literatur von Autorinnen und Autoren mit türkischer Familiengeschichte eignet er sich, gerade weil er 1991 erschien, also lange bevor über solche Bücher als Genre gesprochen wurde.

Fazit: Lohnt sich Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker?

Ja, unter einer Bedingung: Man muss bereit sein, ein Buch zu lesen, in dem äußerlich nichts passiert. Wer diese Bedingung annimmt, bekommt auf 137 Seiten mehr Einsicht in vier Generationen Einwanderungsgeschichte als aus manchem dickeren Sachbuch, und er bekommt sie ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit Wärme und mit einem trockenen Humor, der immer dann auftaucht, wenn es sonst rührselig würde.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker?

Eine junge Frau türkischer Herkunft liegt in einem deutschen Krankenhaus und wartet auf ihren Kaiserschnitt. Weil der Narkosearzt sich verspätet, hat sie Zeit, über ihr Leben nachzudenken. In Rückblenden erzählt sie von der Kindheit in der Türkei, von der Ankunft in Deutschland und von dem Gefühl, an beiden Orten fremd zu sein.

Warum heißt der Roman Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker?

Der schwarze Tee mit drei Stück Zucker steht für die zurückgelassene Heimat: für die Familie in der Türkei, für Gastfreundschaft und für Alltagsrituale, die in Deutschland keinen Platz mehr haben. Der Titel benennt damit in einem einzigen Bild, worum das Buch kreist, ohne dass ein großes Wort wie Heimat oder Identität fallen müsste.

Ist Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker autobiografisch?

Das Buch ist halb autobiografisch. Die Erzählerin ist wie Renan Demirkan in der Türkei geboren, in Deutschland aufgewachsen und arbeitet als Schauspielerin, also ein Alter Ego der Autorin. Demirkan selbst kam 1962 als Siebenjährige mit ihrer Familie nach Hannover, wo ihr Vater beim U-Bahn-Bau arbeitete.

Wann und bei welchem Verlag ist das Buch erschienen?

Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker erschien 1991 bei Kiepenheuer & Witsch und war Renan Demirkans erstes Buch. Der schmale Roman stand monatelang auf den Bestsellerlisten und ist bis heute lieferbar, unter anderem als Taschenbuch und als Hörbuch.

Für wen eignet sich das Buch?

Für Leser, die sich auf ein leises Buch einlassen können, in dem äußerlich fast nichts geschieht. Wegen der klaren Sprache und des überschaubaren Umfangs von rund 137 Seiten eignet es sich auch für die Arbeit im Unterricht oder in Lesekreisen. Wer Spannung und durchgehende Handlung sucht, wird enttäuscht.

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