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Unterbrich mich nicht, Gott

3 von 5 von Rezension.org · 2011-02-14 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Originelle Idee, flott erzählt, bleibt aber unter ihren Möglichkeiten.

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Worum geht es in Unterbrich mich nicht, Gott?

„Du würdest also niemals aufgeben?”, fragte er. „Niemals”, beharrte David. Kopfschüttelnd drehte sich Gott wieder um. „Warum, David? Nur weil du denkst, dass du so gut kämpfen kannst? Oder weil dein Kotflügel den Glanz verliert? Sind das tatsächlich die einzigen Gründe, warum du nicht aufgeben willst?”

Bei einer Biologieexkursion verunglückt ein Minibus. Seine Insassen, allesamt „Schnarchnasen”, finden sich kurze Zeit später im Himmel wieder, der jedoch nicht jedermanns typischer Vorstellung entspricht. Während seine Mitschüler sich über die höchsten Achterbahnen und besten Popkonzerte freuen, kämpft David verbissen darum, auf die Erde zurückkehren zu dürfen.

Deshalb fordert er, ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden, Gott zum Debattieren heraus. Zur Vorbereitung auf den Wettkampf steht ihm Marie zur Seite, ein Mädchen, welches David auf Erden stets verspottet hat. Obwohl sie sich durch ihr gemeinsames Schicksal versöhnen und eine emotionale Beziehung zueinander aufbauen, bleibt bis kurz vor der Debatte eine Frage offen: Wird es ihnen gelingen, Gott davon zu überzeugen, sie zurück zur Erde zu schicken?

Ein Himmel voller Achterbahnen

Die stärkste Idee des Buches steckt gleich in der Ausgangslage. Der Himmel, in dem die verunglückte Schulklasse landet, ist kein Ort der Andacht, sondern ein Wunschautomat: Wer Achterbahnen will, bekommt Achterbahnen. Wer Popkonzerte will, bekommt Popkonzerte. Die Mitschüler richten sich darin sofort ein, und genau diese Selbstverständlichkeit macht Davids Widerspruch interessant.

Denn David will das alles nicht. Er will zurück, und er kann nicht schlüssig erklären, warum. Das ist eigentlich die Frage, an der das Buch hängt: Was macht ein irdisches Leben so wertvoll, dass man es einem beliebig erfüllbaren Jenseits vorzieht? Der Roman stellt diese Frage klar. Er beantwortet sie nur nicht besonders tief.

Die Figuren

David

David ist ein Großmaul, und das Buch weiß das. Er redet zu viel, hört zu wenig zu und hält seine eigene Schlagfertigkeit für ein Argument. Dass ausgerechnet er es mit Gott aufnehmen will, ist die komische Grundfigur des Romans. Seine Gedanken werden im Text kursiv gesetzt, was ihm eine zweite, oft selbstentlarvende Stimme gibt.

Marie

Marie ist die Figur mit dem größten ungenutzten Potenzial. David hat sie auf der Erde verspottet, im Himmel wird sie ausgerechnet zu seiner Souffleurin. Aus dieser Konstellation ließe sich viel holen, das Buch nutzt sie aber vor allem als Stichwortgeberin und als Anlass für eine zarte Annäherung.

Gott

Der Gott dieses Romans ist ironisch, geduldig und deutlich weniger erhaben, als David erwartet. Er lässt sich auf die Debatte ein, statt sie abzuwehren, und stellt Rückfragen, die mehr treffen als Davids Argumente. Leider bleibt er über weite Strecken eine Stimme ohne Kontur.

Schreibstil und Lesbarkeit

Aufgrund der geringen Seitenanzahl und dem einfachen, leicht verständlichen Satzbau ist das Buch innerhalb kürzester Zeit durchgelesen. Trotzdem gelingt es der Autorin Mary E. Pearson, den Leser durch Sarkasmus und Humor zu fesseln. Besonders die Gedanken Davids werden deshalb in kursiver Schrift zum Ausdruck gebracht, was den Text auflockert und den Leser zum Schmunzeln bringt.

Hinzuzufügen ist, dass das Niveau im Bezug auf den Sprachstil niedrig ist. So lautet es beispielsweise zu Anfang: „David grapschte in die Luft und versuchte so zu seinem Körper zurückzukommen”. Für jüngere Leser im Alter von 10 bis 14 Jahren mag dies das Lesen erleichtern, anspruchsvolle Gemüter schütteln darüber eher den Kopf.

Spannung

Der Klappentext klingt vielversprechend, vielversprechender als die hauptsächliche Handlung. Die Debatte beschränkt sich auf nur acht Seiten, was im Hinblick auf die vorherige Andeutung enttäuschend ist. So werden von den 45 Argumenten lediglich ein paar als Beispiele formuliert. Diese sind vom Sinn her alle zwar realistisch aufgebaut, verfehlen doch meines Erachtens den „wahren Lebenssinn”. Erst das letzte, spontanste Argument könnte eine Kehrtwende mit sich bringen, falls Gott es akzeptiert.

Das ist das zentrale Problem des Buches: Es baut über den Großteil seiner Seiten auf ein Ereignis hin, das dann in einem Bruchteil des Umfangs abgehandelt wird. Wer wegen der Debatte liest, wartet lange und bekommt wenig.

Wer ist Mary E. Pearson?

Mary E. Pearson ist eine US-amerikanische Autorin, die vor allem für Jugendliteratur bekannt ist. „Unterbrich mich nicht, Gott” ist ihr Debütroman und erschien im Original unter dem Titel „David v. God”. Die deutsche Ausgabe kam bei Ravensburger heraus, übersetzt von Mechtild Testroet, und umfasst rund 128 Seiten.

Bekannt wurde Pearson später mit anderen Büchern: „The Adoration of Jenna Fox” wurde mehrfach ausgezeichnet, ihren größten Erfolg feierte sie mit „The Kiss of Deception”, dem Auftakt der Reihe „The Remnant Chronicles”, die auf Deutsch als „Der Kuss der Lüge” erschien. Wer sie über diese späteren Titel kennt, sollte hier keinen vergleichbaren Umfang und keine vergleichbare Tiefe erwarten. Der Debütroman ist kurz, schnell und leicht.

Für wen lohnt sich das Buch?

Der Verlag empfiehlt „Unterbrich mich nicht, Gott” ab zwölf Jahren. Sprachlich ist es aber so einfach gehalten, dass es auch für jüngere Leser funktioniert, die sonst schnell abspringen. Für Wenigleser ist die Kürze ein echtes Argument: Man hat das Buch in anderthalb Stunden durch und trotzdem etwas zum Nachdenken mitgenommen.

Gut brauchbar ist der Roman im Religionsunterricht der Sekundarstufe 1. Umgang mit dem Tod, Vorstellungen vom Paradies und die Frage nach dem Lebenssinn liegen hier offen auf dem Tisch, ohne theologisches Vorwissen zu verlangen. Wer dagegen literarischen Anspruch sucht oder eine ernsthaft durchgeführte Gottesdebatte erwartet, wird das Buch enttäuscht zuklappen.

Fazit: Lohnt sich Unterbrich mich nicht, Gott?

Ein moderner Roman zum Thema Umgang mit dem Tod, Vorstellung vom Paradies und dem eigenen, persönlichen Lebenssinn. Die neuartige Darstellung und Geschichte ist interessant anders, was sicherlich besonders für jüngere Leser reizvoll ist. Zudem regt die Geschichte zum Nachdenken über die eigene Situation an und fesselt somit über eine Lesezeit von anderthalb Stunden.

Persönlich bedauerlich finde ich jedoch, dass das Buch die Thematik eher oberflächlich „ankratzt”, das heißt nicht in die Tiefe der Protagonisten David, Marie oder Gott geht. Die Spannung und das Sprachniveau hätten noch deutlich gesteigert werden können. Aufgrund dessen ist das Buch nur jüngeren, anspruchsloseren Lesern zu empfehlen, möglicherweise auch Religionskursen in der Sekundarstufe 1, die im Unterricht solche Gottesbilder thematisieren.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Unterbrich mich nicht, Gott?

Bei einer Biologieexkursion verunglückt ein Minibus, und die Insassen finden sich kurz darauf im Himmel wieder. Während sich seine Mitschüler über Achterbahnen und Popkonzerte freuen, will David unbedingt zurück auf die Erde. Deshalb fordert er Gott zu einer Debatte heraus und tritt mit 45 Argumenten gegen ihn an.

Wer hat Unterbrich mich nicht, Gott geschrieben?

Die Autorin ist die US-Amerikanerin Mary E. Pearson. Das Buch ist ihr Debütroman und erschien im englischen Original unter dem Titel David v. God. Später wurde Pearson vor allem mit The Adoration of Jenna Fox und der Reihe The Remnant Chronicles bekannt, die auf Deutsch mit Der Kuss der Lüge startete.

Für welches Alter ist das Buch geeignet?

Der Verlag empfiehlt das Buch ab zwölf Jahren, es erschien in der Reihe Ravensburger Taschenbücher. Sprachlich ist es sehr einfach gehalten und dadurch schon für Leser ab etwa zehn Jahren zugänglich. Anspruchsvollere Jugendliche und Erwachsene dürften den Ton dagegen als zu flach empfinden.

Wie lang ist Unterbrich mich nicht, Gott?

Die deutsche Ausgabe umfasst rund 128 Seiten und ist damit sehr kurz. Wegen des einfachen Satzbaus liest man das Buch in etwa anderthalb Stunden durch. Die eigentliche Debatte zwischen David und Gott nimmt davon nur acht Seiten ein.

Eignet sich das Buch für den Religionsunterricht?

Ja, dafür ist es gut brauchbar. Der Roman verhandelt den Umgang mit dem Tod, Vorstellungen vom Paradies und die Frage nach dem persönlichen Lebenssinn in einer sehr zugänglichen Form. Besonders in der Sekundarstufe 1 lässt sich damit über Gottesbilder sprechen, ohne dass der Text die Klasse überfordert.

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