Wilfried Hoppe: Landschaftspark Duisburg-Nord
Kurzfazit: Fachlich solide Momentaufnahme von 1999, heute nur noch bedingt aktuell.
Landschaftspark Duisburg-Nord: Ökologische und landeskundliche Beiträge
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Preis bei Amazon prüfen →Wilfried Hoppe / Stefan Kronsbein: Landschaftspark Duisburg-Nord; Mercator-Verlag Duisburg 1999; 135 Seiten; ISBN: 3-87463-280-6
Der Landschaftspark Duisburg-Nord ist ein etwa 200 Hektar großer Landschaftspark rund um ein stillgelegtes Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich. Er wurde im Rahmen der IBA (Internationale Bauausstellung Emscher Park) in den 1990er Jahren erschaffen und ist heute durchaus ein beliebtes Naherholungsgebiet im Duisburger Norden, das auch zu Kulturveranstaltungen genutzt wird.
Was ist der Landschaftspark Duisburg-Nord?
Bevor es um das Buch geht, lohnt der Blick auf den Gegenstand. Das Hüttenwerk in Meiderich ging zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Betrieb und wurde 1985 stillgelegt. Das Land Nordrhein-Westfalen erwarb das Gelände. Statt es abzuräumen, entschied man sich für einen bis dahin unüblichen Weg: Die Hochöfen, Gasometer, Bunker und Gleisanlagen blieben stehen und wurden zum Gerüst eines Parks.
Den Planungsauftrag erhielt der Landschaftsarchitekt Peter Latz im Jahr 1991, eingebettet in die Internationale Bauausstellung Emscher Park. 1994 wurden die ersten Bereiche für die Öffentlichkeit geöffnet, bis Ende der 1990er Jahre folgten weitere Hallen, Gebäude und Freiflächen. Fachlich gilt das Projekt bis heute als eines der wichtigsten landschaftsarchitektonischen Vorhaben der Jahrtausendwende, und der Park taucht regelmäßig in internationalen Ranglisten bemerkenswerter Stadtparks auf.
Genau in diese Phase fällt das vorliegende Buch. Es erscheint 1999, also zu einem Zeitpunkt, an dem der Umbau weitgehend abgeschlossen, die Entwicklung des Geländes aber gerade erst in Gang gekommen ist.
Über den Verlag
Der Schwerpunkt des Mercator-Verlages liegt in der Regionalgeschichte des Niederrheins und des Ruhrgebietes. Der Verlag wurde 1953 von Gert Wohlfarth als Carl Lange Verlag in Duisburg gegründet. Die Umbenennung in „Mercator-Verlag“ erfolgte im Jahre 1966. 1978 wurde er mit dem Verlag Fachtechnik des Verlegers Gert Wohlfarth in die Gert Wohlfarth GmbH integriert. 1989 wurde der Verlag Puppen & Spielzeug, 1997 die Global Doll Society übernommen. 1998 wurde der Walter Braun Verlag in Duisburg, von dem die Duisburger Forschungen herausgegeben werden, integriert.
Das erklärt auch den Charakter des Buches. Ein Verlag mit diesem Profil bringt keinen bunten Bildband für den Souvenirstand heraus, sondern einen Band für Leser mit regionalkundlichem Interesse.
Zu dem Buch
Der Naturwissenschaftliche Verein zu Krefeld hat das vorliegende Buch gemeinsam mit dem Verein Niederrhein aus Krefeld und dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz aus Köln herausgegeben. Es ist Band XII der Buchreihe „Niederrheinische Landeskunde. Schriften zur Geschichte des Niederrheins“.
Jörg Dettmar, Klaus Jebbink, Karl-Heinz Danielzik und Marion Raffelsiefer sind nur einige der Autoren, die Beiträge zu diesem Buch beisteuern.
Kein Touristenführer
Die oben genannten Herausgeber lassen es erahnen: Hier liegt kein klassischer Touristenführer vor. Nein, mitnichten. Der Ansatz ist hier ein völlig anderer. Die Umwelt, Flora und Fauna und Ökologie stehen in diesem Buch eindeutig im Vordergrund. So gibt es beispielsweise einen längeren Beitrag von Andreas Hachfeld zur Vegetation der Buschgruppen im Landschaftspark.
Wer wissen will, wo man parkt, wann die Lichtinstallation läuft oder welcher Rundweg sich für Kinder eignet, findet das hier nicht. Wer dagegen wissen will, welche Pflanzengesellschaften sich auf Schlackenflächen ansiedeln und wie sich ein Industriestandort ökologisch verhält, wenn man ihn in Ruhe lässt, ist richtig.
Aufbau und Ausstattung
Es gibt umfangreiches Karten- und Tabellenmaterial. Dies macht das Lesen zumindest dann etwas schwierig, wenn man sich im jeweiligen Thema nicht sehr gut auskennt. Für Leser mit fachlichem Vorwissen ist es dagegen der eigentliche Wert des Bandes, denn hier stehen Daten, die man sonst mühsam zusammensuchen müsste.
Die hier enthaltenen Fotografien sind leider nur in Schwarzweiß enthalten. Dies ist schon ein wenig kritikwürdig. In Zeiten der Farbfotografie wäre es sinnvoll gewesen, hier auch farbige Bilder zu veröffentlichen. Gerade bei einem Thema, bei dem es um Bewuchs, Rostfarben und Lichtstimmungen auf einem Industriegelände geht, verschenkt der Verzicht auf Farbe viel.
Die zeitliche Einschränkung
Eine weitere Einschränkung sollte an dieser Stelle ebenfalls nicht übersehen werden. Was die Ökologie anbelangt, gibt das Buch den Sachstand am Ende des 2. Jahrtausends wieder. Seitdem ist eine längere Zeit vergangen. Ob das Buch heute noch aktuell ist, sei einmal dahingestellt. Ein Besuch ist für denjenigen, der sich darüber informieren möchte, daher auf jeden Fall sinnvoll.
Das ist kein Nebenaspekt. Ein Buch über die Vegetation einer Industriebrache altert schneller als ein Buch über deren Geschichte, weil sich der Gegenstand selbst laufend verändert. Zwischen dem Erscheinen des Bandes und heute liegen mehr als zwei Jahrzehnte Sukzession, dazu ein deutlich veränderter Besucherbetrieb.
Für wen lohnt sich das Buch?
Für Studierende und Fachleute aus Landschaftsplanung, Geografie und Ökologie, die einen dokumentierten Ausgangszustand für Vergleiche brauchen. Für regionalkundlich Interessierte am Niederrhein und im Ruhrgebiet, die die Reihe ohnehin sammeln. Und für Leser, die den Park kennen und wissen wollen, was dort naturkundlich eigentlich passiert.
Nicht geeignet ist der Band für Besucher, die sich auf einen Ausflug vorbereiten wollen, und für alle, die einen Bildband über die Industriekulisse suchen. Für beide Zwecke gibt es passendere Titel.
Zu beachten ist außerdem die Verfügbarkeit. Der Band von 1999 ist nicht mehr überall lieferbar und taucht vor allem antiquarisch auf. Wer ihn braucht, sollte auch den Weg über Bibliotheken und die Vereinsbestände der Herausgeber im Blick behalten, denn die Reihe „Niederrheinische Landeskunde“ ist in regionalen Beständen meist vollständig vorhanden.
Fazit: Lohnt sich Landschaftspark Duisburg-Nord?
Der Ansatz, den Landschaftspark Duisburg-Nord hier ausschließlich unter ökologischen Gesichtspunkten zu beschreiben, greift eindeutig zu kurz. Das Buch zeigt eine Momentaufnahme aus dem Jahre 1999, ohne dass ersichtlich ist, wie sich der Landschaftspark in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird. Auch die Ausstattung hätte moderner sein können.
Was bleibt, ist ein fachlich sauber gearbeiteter Band mit gutem Karten- und Tabellenmaterial, der seinen Wert vor allem als Dokument seiner Entstehungszeit behält. Wer das sucht, greift zu. Wer einen aktuellen Überblick über den Park will, sucht anderswo weiter.
Häufig gestellte Fragen
Was steht in dem Buch drin?
Der Band versammelt ökologische und landeskundliche Beiträge verschiedener Autoren zum Landschaftspark Duisburg-Nord. Im Vordergrund stehen Umwelt, Flora, Fauna und die Entwicklung der Vegetation auf dem Industriegelände. Ein klassischer Reise- oder Besucherführer ist das Buch ausdrücklich nicht.
Wer hat den Band herausgegeben?
Herausgeber sind der Naturwissenschaftliche Verein zu Krefeld, der Verein Niederrhein aus Krefeld und der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz aus Köln. Erschienen ist der Band 1999 im Mercator-Verlag Duisburg mit 135 Seiten unter der ISBN 3-87463-280-6. Er ist Band XII der Reihe „Niederrheinische Landeskunde“.
Ist das Buch als Besucherführer für den Park geeignet?
Nur eingeschränkt. Es erklärt Hintergründe zur Ökologie des Geländes sehr genau, ersetzt aber keinen Wegweiser durch den heutigen Park mit Kletterhalle, Tauchgasometer und Veranstaltungsprogramm. Wer den Besuch plant, braucht zusätzlich aktuelles Material.
Wie aktuell sind die Angaben heute noch?
Das Buch gibt den Sachstand vom Ende des 2. Jahrtausends wieder. Seitdem hat sich die Vegetation auf dem Gelände weiterentwickelt und die Nutzung des Parks hat sich stark verändert. Als historische Momentaufnahme bleibt der Band brauchbar, als aktuelle Bestandsaufnahme nicht.
Was ist der Landschaftspark Duisburg-Nord überhaupt?
Es handelt sich um einen Landschaftspark rund um ein stillgelegtes Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich. Das Werk wurde 1985 stillgelegt, ab 1991 plante Peter Latz im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park den Umbau, 1994 wurden die ersten Bereiche für die Öffentlichkeit geöffnet. Heute ist der Park ein Naherholungsgebiet und ein Veranstaltungsort.
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