Yoko Tsuno - Die Himmelsdschunke
Kurzfazit: Zeitreise-Abenteuer im alten China mit starken Bildern und viel Herz.
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Worum geht es in Die Himmelsdschunke?
Yoko Tsuno, die Namensgeberin der gleichnamigen Comicserie aus der Feder des belgischen Autors und Zeichners Roger Leloup ist eine japanische Elektronikspezialistin, die in den Comicalben gemeinsam mit ihren Freunden immer wieder turbulente Abenteuer bestehen muss. In dem 22. Band der Yoko Tsuno-Serie, welcher den Titel „Die Himmelsdschunke“ trägt, lüftet Yoko gemeinsam mit Lin-Po, einer chinesischen Ärztin und ihren Freunden Vic, Knut, Mieke und Monya ein Geheimnis, dessen Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht.
Mithilfe einer mysteriösen Elfenbeinkugel und einer sehr alten Puppe kommen Yoko und ihre Freunde auf die Spur des Geheimnisses der dritten Gemahlin des Kaisers Tchen Tsong. Was zunächst wie ein Rätsel um zwei kunstvolle Sammlerstücke aussieht, entpuppt sich als Geschichte eines Kindes, das vor rund tausend Jahren geopfert werden soll. Und weil Yoko Tsuno nun einmal in einer Serie lebt, in der Zeitreisen möglich sind, bleibt es nicht beim Nachforschen.
Die Zeitreise ins 11. Jahrhundert
Yoko Tsuno reist gemeinsam mit ihren Freunden nicht nur an zahlreiche exotische Orte der Erde, sondern in den Comics spielt die Idee von Zeitreisen ebenfalls eine wichtige Rolle. In allen Yoko Tsuno-Comics fungiert Yokos aus der Zukunft kommende Freundin Monya als „Zeitreisetaxifahrerin“. In „Die Himmelsdschunke“ werden Yoko und ihre Freunde von Monya in das 11. Jahrhundert teleportiert. In farblich wunderbar ausgestalteten, detailreichen und liebevollen Zeichnungen wird dann in „Die Himmelsdschunke“ die Geschichte der 6-jährigen Kaisergemahlin Sin-Yi erzählt, und durch Yokos Reise durch die Zeit kann das grausame Schicksal von Sin-Yi schließlich doch noch abgewendet werden.
Der Band verbindet damit zwei Erzählebenen, die in vielen Serien schlecht zusammenpassen würden: die moderne Abenteuergeschichte mit technischem Einschlag und das historische Drama am Kaiserhof. Leloup löst das, indem er die Zeitreise nicht als Effekt inszeniert, sondern als Mittel zum Zweck. Die eigentliche Spannung liegt in der Frage, ob ein einzelnes Leben, das die Geschichtsschreibung längst abgehakt hat, überhaupt noch zu retten ist.
Die Figuren: Yoko und ihre Begleiter
Die Charaktere in den Yoko Tsuno-Comics sind relativ klassisch angelegt. Sie funktionieren wie ein festes Ensemble, das seine Rollen kennt, und genau das macht den Einstieg in einen beliebigen Band so leicht.
Yoko Tsuno
Yoko ist Elektronikerin, keine Superheldin. Sie löst Probleme mit Wissen, Beobachtungsgabe und Beharrlichkeit, und sie ist es, die in „Die Himmelsdschunke“ die moralische Entscheidung trifft. Dass eine japanische Ingenieurin in einer frankobelgischen Serie die Hauptrolle spielt, war zum Startzeitpunkt der Reihe alles andere als selbstverständlich und ist bis heute ein Alleinstellungsmerkmal.
Vic und Knut
Die beiden Freunde Vic und Knut begleiten Yoko auf ihren Abenteuern, wobei Vic seine Handlungen sorgfältig plant und Knut eher tollpatschig „durch die Handlung stolpert“. Das ist ein bewährtes Muster aus der Tradition der frankobelgischen Alben und sorgt für die humorvollen Entlastungsmomente, die eine ernste Geschichte wie diese gut gebrauchen kann.
Monya
Monya kommt aus der Zukunft und liefert die technische Voraussetzung für alles, was in diesem Band passiert. Sie ist in der Serie kein bloßer Handlungshelfer, sondern eine eigenständige Figur mit eigener Vorgeschichte, die Yoko schon mehrfach in andere Epochen gebracht hat.
Technik und Fantasie: das Markenzeichen der Reihe
Ein wichtiges Merkmal der Yoko Tsuno-Comicalben ist das häufige Vorkommen von futuristischen technischen Geräten und neuartigen Technologien. Viele der in den Yoko Tsuno-Alben erwähnten Geräte existieren zwar mittlerweile in ähnlicher Form, hierbei ist es jedoch wichtig zu erwähnen, dass ein Großteil der in den Yoko Tsuno-Alben existierenden Raumschiffe, Strahlenwaffen und Technologien zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung der jeweiligen Alben noch nicht bekannt waren.
Maschinen sind bei Leloup keine bloße Kulisse, sondern werden gezeichnet, als müssten sie tatsächlich funktionieren. In „Die Himmelsdschunke“ trifft dieser Blick auf historische Architektur, Schiffbau und Ornamentik des alten China. Die Panels sind entsprechend voll: Wer schnell durchblättert, verschenkt den halben Band.
Roger Leloup und die Yoko Tsuno-Serie
Der Erfinder von Yoko Tsuno, der Belgier Roger Leloup, arbeitete lange Zeit beim Studio Hergé mit an den beliebten Tim und Struppi-Comics (im Original „Tintin et Milou“), bevor er sich dann 1969 ganz dem Zeichnen eigener Comics widmete. Bis heute arbeitet er an der Yoko Tsuno-Serie, die sich zweifellos als sein „Lebenswerk“ bezeichnen lässt. Im Dezember 2005 ist der zum Zeitpunkt dieser Besprechung letzte Band aus der Yoko Tsuno-Reihe erschienen, dieser 24. Band trägt den Titel „Der siebente Code“.
In vielen der Yoko Tsuno-Comics finden sich detaillierte Zeichnungen historischer deutscher Städte und Bauwerke (beispielsweise der Rhein und die Burg Katz im 2. Band „Die Orgel des Teufels“ oder die Burg Pfalzgrafenstein im 19. Band „Rheingold“), der vorliegende Band „Die Himmelsdschunke“ spielt jedoch überwiegend im alten Asien.
Ausgabe und Erscheinungsjahr
Das französische Original erschien 1998 bei Dupuis unter dem Titel „La Jonque céleste“ und umfasst 46 Seiten. Die deutsche Ausgabe brachte Carlsen 1999 heraus. Wer die Reihe geschlossen sammeln möchte, findet die Bände inzwischen auch in Sammelbänden und Gesamtausgaben wieder, was gerade bei den älteren Alben die einfachere Beschaffung ist.
Für wen lohnt sich Die Himmelsdschunke?
Der Band eignet sich für Leser, die Abenteuercomics mit Substanz suchen und denen reine Action zu wenig ist. Wer frankobelgische Alben mag, aber von immer denselben männlichen Hauptfiguren genug hat, findet hier eine Serie, die seit Jahrzehnten eine Ingenieurin ins Zentrum stellt. Auch als Einstieg funktioniert der Band, weil die Geschichte in sich geschlossen ist.
Weniger geeignet ist er für Leser, die schnelle Pointen erwarten. Die Erzählung nimmt sich Zeit, die Texte sind dichter als in vielen aktuellen Serien, und das historische Setting verlangt etwas Aufmerksamkeit. Genau das ist aber auch der Grund, warum die Alben ihren Wiederlesewert behalten.
Fazit: Lohnt sich Die Himmelsdschunke?
Der Yoko Tsuno-Band „Die Himmelsdschunke“ ist allen Liebhabern anspruchsvoller frankobelgischer Comics vorbehaltlos zu empfehlen. Dem geneigten Comicleser offenbart sich hier ein wunderbar erzähltes und in eindrücklichen Bildern dargestelltes Abenteuer. Die Verbindung aus Zeitreise, historischem Stoff und der ruhigen, technisch genauen Bildsprache Leloups macht Band 22 zu einem der zugänglichsten Alben der Reihe – und zu einem, das nach dem Zuklappen länger nachhallt als der übliche Comic-Nachmittag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Yoko Tsuno - Die Himmelsdschunke?
Yoko Tsuno stößt gemeinsam mit der chinesischen Ärztin Lin-Po und ihren Freunden Vic, Knut, Mieke und Monya auf ein Geheimnis, das bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Eine Elfenbeinkugel und eine sehr alte Puppe führen die Gruppe auf die Spur der dritten Gemahlin des Kaisers Tchen Tsong. Mit Monyas Hilfe reist Yoko in die Vergangenheit, um das Schicksal des Mädchens Sin-Yi abzuwenden.
Der wievielte Band der Reihe ist Die Himmelsdschunke?
Es ist der 22. Band der Yoko-Tsuno-Serie. Das französische Original erschien 1998 bei Dupuis unter dem Titel La Jonque céleste, die deutsche Ausgabe kam 1999 bei Carlsen heraus.
Muss man die vorherigen Yoko-Tsuno-Bände kennen?
Nein. Die Himmelsdschunke erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte und lässt sich ohne Vorkenntnisse lesen. Wer die Reihe kennt, erkennt allerdings sofort das eingespielte Personal um Vic, Knut und die Zeitreisende Monya und ordnet deren Rollen schneller ein.
Für welches Alter eignet sich der Comic?
Die Reihe richtet sich an Jugendliche und Erwachsene, die anspruchsvolle frankobelgische Comics mögen. Die Geschichte kommt ohne drastische Gewalt aus, verhandelt mit dem drohenden Opfertod eines Kindes aber ein ernstes Motiv.
Wer steckt hinter Yoko Tsuno?
Der belgische Autor und Zeichner Roger Leloup. Er arbeitete lange im Studio Hergé an Tim und Struppi mit, bevor er sich 1969 ganz eigenen Comics widmete. Yoko Tsuno gilt als sein Lebenswerk.
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