Das Haus der tausend Laternen
Kurzfazit: Gothic-Krimi zwischen London und Hongkong, der sich fast von selbst liest.
Das Haus der tausend Laternen
4,99 € Stand: 17.08.2026
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Der Roman spielt in London und Hongkong um 1886. Jane Lindsay ein junges Mädchen, dessen Vater aus gutem Hause stammt, der jedoch aufgrund seiner Heirat mit einer Frau unter seinem Stand mit seiner Familie gebrochen hatte, steht mit ihrer Mutter völlig mittellos da, als der Vater plötzlich stirbt. Die Mutter, eine im Leben stehende, resolute Frau, findet eine gute Anstellung in London als Hauswirtschafterin bei Mr. Milner auf , einem Mann um die 45 Jahre, der seit Jahren Handel mit China treibt und sich große Teile des Jahres in seinem „Haus der 1000 Laternen„ in Hongkong aufhält. Er erlaubt der Mutter, dass die Tochter die Ferien in seinem Haus verbringt. Dort gibt es ein geheimes Zimmer, zu dem niemand Zutritt hat. Eines Tages treibt die Neugier jedoch das junge Mädchen in den Raum, in dem sich lauter chinesische Kostbarkeiten befinden. Prompt läuft sie dabei dem Hausherren, der zufällig gerade angekommen ist, über den Weg. Er sagt nichts, aber sie fürchtet, die Mutter verliere nun den Job. Die Jahre vergehen, und keiner kommt mehr auf den Vorfall zu sprechen. Im Gegenteil, Milner bildet sie parallel zu ihrer Schule im Bereich Antiquitäten aus, da sie großes Interesse und Talent zeigt.
Mr. Milner hat noch 2 Brüder (Magnus und Redmond) sowie 2 Neffen (Adam und Joliffe), die jedoch Konkurrenten im Geschäft sind. Dennoch kommt Joliffe häufig auf seinen Besitz in England zu Besuch. So lernt auch Jane Joliffe, einen charmanten lebenslustigen, aber etwas oberflächlichen jungen Mann kennen und verliebt sich in ihn. Sie heiraten nach kurzer Zeit, aber dann stellt sich heraus, dass Joliffe bereits mit einer Studentenliebe verheiratet ist. Obwohl er beteuert, dass er glaubte, seine Frau sei tot, trennt sich Jane (mit dem mittlerweile geborenen Sohn) von ihm und flieht nach Roland´s Croft. Dort muss sie feststellen, dass ihre Mutter todkrank an Schwindsucht erkrankt ist, daher erzählt sie ihr nichts von ihren Sorgen. Die Mutter stirbt glücklich in der Annahme, ihre Tochter gut versorgt zu wissen. Jane nimmt daher ihre Arbeit bei Milner wieder auf, schließlich heiraten sie sogar.
Milner, mittlerweile gesundheitlich angeschlagen, nimmt sie nun auch erstmals mit nach Hongkong in das Haus der 1000 Laternen, das für Jane sofort ein Geheimnis birgt - denn es sind gar nicht 1.000 Laternen. Sie und ihr Sohn lernen das Leben in China nach und nach kennen, und müssen feststellen, dass nicht alle Menschen ihr wohlgesonnen sind. Milner geht es nun schlechter, er wird immer antriebsloser und schließlich stirbt er. Sofort sind 3 Männer - unter ihnen auch Joliffe - dabei, die wohlhabende Witwe zu umgarnen. Plötzlich geht es auch ihr schlechter und sie weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann. Sie muss das Geheimnis lösen, um nicht auch zu sterben…
Die Figuren
Jane Lindsay
Jane ist keine Erbin und keine Adlige, sondern die Tochter einer Hauswirtschafterin, die sich ihre Stellung über Fachwissen erarbeitet. Genau das hebt sie von vielen Heldinnen dieses Genres ab: Ihr Kapital sind ihre Kenntnisse über chinesische Antiquitäten, nicht ihre Herkunft. Als Erzählerin ist sie nüchtern und selbstkritisch, was den Roman auch dann trägt, wenn die Handlung ins Melodramatische kippt.
Joliffe
Der charmante Neffe ist die Schwachstelle in Janes Leben und zugleich der stärkste Spannungsmotor des Buchs. Holt hält bis weit in die zweite Hälfte offen, ob er ein Betrüger oder ein unglücklicher Mann mit schlechtem Timing ist. Dass Jane ihn liebt und ihm trotzdem nicht trauen kann, ist der eigentliche Konflikt.
Mr. Milner
Der Chinahändler ist Mentor, Arbeitgeber und schließlich Ehemann. Sein Verhältnis zu Jane bleibt bis zuletzt schwer einzuordnen, und der Roman genießt diese Unklarheit sichtlich. Sein Tod ist der Punkt, an dem aus dem Entwicklungsroman ein Krimi wird.
Das Geheimnis des Hauses
Der Titel ist zugleich das Rätsel: Es sind gar nicht tausend Laternen. Diese Beobachtung ist der Faden, an dem Jane zieht, und Holt setzt sie geschickt ein. Das Haus ist nicht bloß Kulisse, sondern eigener Handlungsträger, ähnlich wie in den englischen Schauerromanen, an denen sich das Genre orientiert. Kostbarkeiten, verschlossene Räume, Diener mit eigenen Loyalitäten und ein Gebäude, dessen Grundriss selbst eine Auskunft enthält: Das ist klassische Gothic-Bauweise, nur eben nach Hongkong verlegt.
Victoria Holt: Wer steckt hinter dem Namen?
Die Autorin, Eleanor Alice Burford Hibbert, wurde 1906 geboren und schrieb unter mehreren Pseudonymen, darunter Jean Plaidy für historische Romane und Victoria Holt für ihre Gothic-Romane. Unter diesem Namen war sie international äußerst erfolgreich.
Das Haus der tausend Laternen erschien 1974 im Original als The House of a Thousand Lanterns und stand im selben Jahr auf der Bestsellerliste der New York Times. Auf Deutsch liegt der Roman unter anderem als Heyne-Taschenbuch mit rund 300 Seiten in der Übersetzung von Inge Wiskott vor, außerdem als E-Book. Antiquarisch ist er gut zu bekommen.
England und Hongkong im 19. Jahrhundert
Der historische Rahmen ist der zweite Grund, das Buch zu lesen. Holt erzählt vom Handel mit chinesischen Antiquitäten, von englischen Kaufmannsfamilien, die halbe Jahre in Hongkong verbringen, und von einer jungen Engländerin, die in einer Kultur lebt, deren Regeln sie erst lernen muss. Der Blick bleibt dabei der einer Erzählerin aus dem späten 19. Jahrhundert, mit allen Grenzen, die das mit sich bringt. Wer heute liest, sollte das mitdenken.
Was auffällt: Die Schauplätze wirken nicht wie Recherche, die abgeliefert wird, sondern wie Räume, in denen sich Figuren bewegen. Genau daran scheitern viele historische Romane, und hier gelingt es.
Fazit: Lohnt sich Das Haus der tausend Laternen?
Was zunächst - vor allem wegen der etwas unpräzisen Zusammenfassung auf dem Buchdeckel - wie ein schmalziger Historienroman anmutet, entpuppt sich als ein sehr historisch sehr interessanter geschriebener Krimi, der sich fast von selbst liest. Die Autorin, Eleanor Alice Burford Hibbert, die unter anderem unter dem Pseudonym Victoria Holt Romane geschrieben hat, ist eine der bekanntesten Autorinnen und bereits 1906 geboren. Dennoch mutet ihre Schreibweise äußerst modern an! Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet, die Schilderungen sowohl über das England als auch Hongkong des 19. Jahrhunderts sehr lebendig, so dass man die Orte richtig vor Augen hat und sich gut vorstellen kann.
Leider haben sich beim Buchdruck Fehler eingeschlichen, die vom Lektor hätten bemerkt werden müssen. So ist ein Absatz doppelt (S. 255), Ortsbezeichnungen werden falsch wiedergegeben und Tippfehler nicht korrigiert. Glücklicherweise behält das Buch dennoch seinen Reiz, so dass es gut zu empfehlen ist.
Für wen lohnt sich das Buch?
Für Leserinnen und Leser, die Gothic-Romane, historische Schauplätze und langsam aufgebaute Spannung mögen, und für alle, die einen Krimi ohne Blutspur suchen. Der Roman funktioniert eigenständig, Vorkenntnisse aus anderen Büchern der Autorin braucht es nicht.
Weniger geeignet ist er für Leser, die schnelle Thriller-Dramaturgie erwarten oder denen Zufälle in der Handlung grundsätzlich sauer aufstoßen. Beides kommt vor. Wer sich davon nicht stören lässt, bekommt einen Roman, den man an einem langen Wochenende durchliest.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Das Haus der tausend Laternen?
Jane Lindsay wächst mittellos auf, nachdem ihr Vater gestorben ist und ihre Mutter eine Stelle als Hauswirtschafterin bei dem Chinahändler Mr. Milner annimmt. Jane wird von ihm im Umgang mit Antiquitäten ausgebildet, heiratet ihn später und reist mit ihm nach Hongkong in das Haus der tausend Laternen. Dort stellt sie fest, dass das Haus ein Geheimnis birgt, und nach Milners Tod gerät sie selbst in Gefahr.
Wer ist Victoria Holt?
Victoria Holt ist eines der Pseudonyme der britischen Autorin Eleanor Alice Burford Hibbert, die 1906 geboren wurde. Sie veröffentlichte unter mehreren Namen, unter anderem auch als Jean Plaidy. Unter dem Namen Victoria Holt erschienen ihre Gothic- und Schauerromane, die international sehr erfolgreich waren.
Wann ist der Roman erschienen?
Das Original erschien 1974 unter dem Titel The House of a Thousand Lanterns und stand im selben Jahr auf der Bestsellerliste der New York Times. Auf Deutsch liegt der Roman unter anderem als Heyne-Taschenbuch mit rund 300 Seiten vor, übersetzt von Inge Wiskott, sowie als E-Book.
Ist das Buch ein Liebesroman oder ein Krimi?
Beides, mit deutlichem Übergewicht beim Krimi. Der Klappentext lässt einen Historienschmöker vermuten, tatsächlich trägt die Frage nach dem Geheimnis des Hauses und nach den Absichten der drei Verehrer die zweite Hälfte des Buchs. Wer reine Romanzen sucht, bekommt hier mehr Spannung als erwartet.
Muss man andere Bücher von Victoria Holt kennen?
Nein, der Roman ist in sich abgeschlossen und setzt keine Vorkenntnisse voraus. Wer den Ton mag, findet im übrigen Werk unter dem Pseudonym Victoria Holt zahlreiche ähnlich gebaute Romane mit einer jungen Erzählerin, einem großen Haus und einem Geheimnis.
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