Die Kunst des Nichtdenkens
Antwort
Die Kunst des Nichtdenkens von Ryunosuke Koike ist ein Ratgeber des japanischen Mönchs mit acht Kapiteln voller Alltagsübungen für einen geklärten Geist. Die Rezension vom 24. Mai 2013 bewertet ihn mit 3,5 von 5: schön gemacht und für Einsteiger angenehm, für Leser mit Meditationserfahrung aber inhaltlich wenig Neues.
Die Kunst des Nichtdenkens: Durch Gelassenheit mehr Glück im Alltag
12,00 € Stand: 25.10.2026
Preise können sich jederzeit ändern. Es gilt der Preis auf der Amazon-Produktseite.
Zum Angebot bei Amazon →R. Koike: Die Kunst des Nichtdenkens: Durch Gelassenheit mehr Glück im Alltag
Worum geht es in Die Kunst des Nichtdenkens?
Kurz gesagt: um die These, dass der Mensch nicht an seinen Problemen leidet, sondern am pausenlosen Nachdenken über sie. Ryunosuke Koike nennt das unnötige Denken die eigentliche Quelle von Unruhe und schlägt als Gegenmittel keinen Gedanken vor, sondern die Sinne. Wer wirklich hört, sieht, schmeckt und tastet, hat schlicht keine Kapazität mehr fürs Grübeln. Das Buch führt diese Idee durch acht Bereiche des Alltags: Sprechen, Hören, Sehen, Schreiben, Essen, Wegwerfen, Berühren und Erziehen. Zu jedem Bereich gibt es Beobachtungen, kleine Regeln und Übungen.
Ich denke, also leide ich
Gar nicht so leicht, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, ist die Vorstellung, ein Buch über das Nicht-Denken zu schreiben. Denn das Schreiben, das Sammeln, Sichten, Ordnen und Klären der Gedanken ist ja gerade die Tätigkeit der Autoren; das heißt also: sie schreiben über eine Sache, die sie gerade selber tätigen; und rufen gleichzeitig dazu auf, dass die Leser diese Sache nicht unterlassen, aber doch so gut es geht einschränken mögen. Aber irgendwie muss man es ja auch sagen: Wenn man jemanden bitten will, ruhig zu sein, muss auch das erst in Worten und Gedanken formuliert werden. Menschliche Paradoxie, was willst du mehr.
Wer ist Ryunosuke Koike?
Der Japaner Ryunosuke Koike stammt aus einer alten Priesterfamilie und ist so seit jeher dem spirituellen Wissen zugeneigt und nicht den Bits und Bytes, wie im Land der untergehenden Sonne ja auch gut möglich. Nach seinem Studium ist er mittlerweile Oberpriester in einem Tempel geworden, leitet Zazen-Kurse, besitzt aber auch ein Café. Damit ist für den Stil seines Buches schon so einiges gesagt. Plauderton trifft Oberlehrer, gemütliches Ambiente verbindet sich mit asketischem Denken.
Ergänzend die nüchternen Daten: Koike wurde 1978 geboren und hat an der Universität Tokio studiert, mit Schwerpunkt auf westlicher Philosophie. Er gilt als Vertreter einer zeitgemäßen Auslegung der buddhistischen Lehre, was das doppelte Publikum erklärt, das er erreicht: Leser, die Buddhismus suchen, und Leser, die einfach weniger Stress wollen. Beide bekommen hier etwas, keiner bekommt alles.
Ausstattung und Sprache
Das Tollste an dem Buch, das bei Pendo erschienen ist, sind sicherlich das Format, der Einband, das Cover, der Duft, die japanischen Schriftzeichen an den Seitenrändern, das Leseband, also kurz: Äußerlichkeiten, die ganz sanft und verführerisch auf den Betrachter wirken und bescheiden wie japanische Zuschauer in einem Fußballstadion, die keinen Müll hinterlassen, zum Verweilen laden.
Wer die Erstausgabe nicht mehr bekommt, greift zur Taschenbuchausgabe, die 2015 bei Piper erschienen ist und 240 Seiten umfasst. Ins Deutsche übertragen hat den Text Nora Bierich. Die Übersetzung hält den Ton in der Schwebe zwischen Ratgeber und Traktat, und das ist der Sache angemessen: Koike doziert nicht, er erzählt, bis der Zeigefinger dann doch hochgeht.
Was das Buch inhaltlich bietet
Inhaltlich ist dieses Buch die tausendste, nein, hunderttausendste, nein, millionste… äh, geht’s noch weiter? Es ist auf jeden Fall die zigste Zusammenfassung buddhistischer, allgemein östlich spirituellen Gedankengutes und da spielt das Nicht-Denken - der geklärte Geist - nun mal eine herausragende Rolle, so auch in diesem Buch: Menschliche Verblendungen, die wirkliche Ausrichtung des Geistes, die Stärkung der Sinne, das Tun um des Tuns willen, ein paar Regeln zum Essen, Aufräumen und Erziehen. Bisweilen - typisch asiatisch - alles andere als easy going, sondern strikt und streng. Das hat der abendländische Mainstream mittlerweile übernommen und so zirkuliert sein altes christliches Gewissen am Rande von Ernährung und Ökologie; immerhin: auch hier sündigt und büßt er ohne Unterlass.
Die Übungen
Der praktische Teil ist die Stärke des Buches. Koike bleibt selten abstrakt, sondern hängt jede Einsicht an eine konkrete Situation: das Gespräch, in dem man nicht schon die eigene Antwort formuliert, während der andere noch spricht. Die Mahlzeit, bei der einmal kein Bildschirm läuft. Der Schrank, aus dem etwas verschwindet, ohne dass Ersatz nachrückt. Nichts davon ist neu, aber die Anordnung ist konsequent, und wer die Übungen ernst nimmt, merkt schnell, wie schwer schon die einfachste davon fällt.
Der Ton
Zwischen der freundlichen Oberfläche steckt eine erstaunliche Härte. Koike verlangt Verzicht, Ordnung und Disziplin, und er hält das ausdrücklich für eine Wohltat. Leser, die von einem Buch über Gelassenheit vor allem Trost erwarten, sollten sich darauf einstellen. Es gibt hier keine Erlaubnis, so weiterzumachen wie bisher.
Das Gespräch mit dem Hirnforscher
Das eigentlich Tollste an dem Buch ist das abschließende Gespräch zwischen dem Autor und dem Neurobiologen Yuji Ikegaya, das viel entspannter und erhellender als der Rest des Textes daherkommt. Wo mal jemand ganz offen ausspricht, wie fragwürdig die Idee ist, die Neurobiologie als Speerspitze der modernen Medizin anzusehen und Lebenswirklichkeiten als bloße Gehirnphänomene zu apostrophieren. Toll!
Irgendwie auch toll sind für habgierige Westmenschen so manche Anekdoten im Verlauf des Buches: wie Koike sein Fahrrad jedes Mal unabgeschlossen in seinen Garten stellt und es immer wieder geklaut wird. Verlust, Weggeben - macht doch nichts. Der erleuchtete Geist hat viel meditiert und sich von solchen Gedankenzwängen befreit.
Für wen lohnt sich das Buch?
Für Einsteiger ist es eine der angenehmsten Türen in dieses Themenfeld, gerade weil es ohne Fachvokabular auskommt und über den Alltag argumentiert. Für Leser mit Meditationserfahrung oder einem Regal voller Achtsamkeitsliteratur bringt es dagegen wenig Neues; sie werden vor allem den Schlussdialog mögen. Und wer ein reines Praxisbuch zur Sitzmeditation sucht, ist hier falsch: Zazen ist der Hintergrund, nicht der Gegenstand. Wer lieber mit Übungskarten arbeitet, findet im Kartenset Barfuß Schritt für Schritt 52 leichte Übungen und Meditationen für mehr Achtsamkeit.
Fazit: Lohnt sich Die Kunst des Nichtdenkens?
Natürlich ist der Großteil der Lehren und praktischen Umsetzungsideen toll, sagenhaft toll. Und ja, es stimmt, dass Denken größtenteils eine Krankheit ist. Wer das noch nicht weiß, kaufe dieses wirklich schöne Buch! Alle anderen, und derer gibt es viele, wissen das längst, setzen es nur zu selten um. Da hilft dann auch kein Buch mehr. Wer den Buddhismus auch aus der Sicht eines Reisenden kennenlernen möchte, kann Andreas Altmanns Selbstversuch an den heiligen Stätten lesen, bei dem er vor allem Massentourismus findet.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Die Kunst des Nichtdenkens?
Die Kunst des Nichtdenkens von Ryunosuke Koike beschreibt das pausenlose Nachdenken als Hauptquelle von Unruhe. Das Gegenmittel ist ein geklärter Geist, den man nicht durch mehr Denken erreicht, sondern durch geschärfte Sinne. Das Buch führt die Idee durch acht Bereiche des Alltags und gibt zu jedem Beobachtungen, kleine Regeln und Übungen.
Wer ist Ryunosuke Koike?
Ryunosuke Koike ist ein japanischer Mönch, der 1978 geboren wurde und an der Universität Tokio mit Schwerpunkt auf westlicher Philosophie studiert hat. Er stammt aus einer alten Priesterfamilie, ist Oberpriester in einem Tempel, leitet Zazen-Kurse und besitzt ein Café. Er gilt als Vertreter einer zeitgemäßen Auslegung der buddhistischen Lehre.
Welche Kapitel enthält das Buch?
Die acht Kapitel von Die Kunst des Nichtdenkens widmen sich dem Sprechen, Hören, Sehen, Schreiben, Essen, Wegwerfen, Berühren und Erziehen. Zu jedem Bereich gibt es Beobachtungen, kleine Regeln und Übungen. Den Abschluss bildet ein Gespräch zwischen Ryunosuke Koike und dem Neurobiologen Yuji Ikegaya.
Ist Die Kunst des Nichtdenkens ein Meditationsbuch?
Nur zum Teil, denn in Die Kunst des Nichtdenkens ist Zazen der Hintergrund und nicht der Gegenstand. Im Vordergrund stehen Alltagssituationen wie ein Gespräch, eine Mahlzeit oder ein Schrank. Wer ein reines Praxisbuch zur Sitzmeditation sucht, ist mit diesem Buch falsch beraten.
In welcher Ausgabe ist das Buch erhältlich?
Die deutsche Erstausgabe von Die Kunst des Nichtdenkens erschien bei Pendo mit Leseband und japanischen Schriftzeichen an den Seitenrändern. 2015 folgte die Taschenbuchausgabe bei Piper mit 240 Seiten. Ins Deutsche übertragen hat den Text Nora Bierich.
Deine Bewertung
Teile deine Erfahrung zu „Die Kunst des Nichtdenkens". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.