Einsteins Theorien

Sonne/Weiß: Einsteins Theorien: Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie für interessierte Einsteiger und zur Wiederholung

Nicht wirklich anders

Da müssen wir den Verlag und die Autoren doch beim Wort nehmen. Denn angeblich ist dieses Buch über die revolutionären und hellsichtigen Theorien Albert Einsteins so pfiffig wie kein anderes zuvor. Denn es möchte trotz seines anspruchsvollen Inhaltes eine breite Leserschaft ansprechen, wobei die Spezielle Relativitätstheorie von 1905 und die Allgemeine Relativitätstheorie, zehn Jahre später, im Mittelpunkt stehen sollen. Dass dadurch auch zahlreiche weitere Postulate wie Doppler-Effekte, Raum-Zeit-Phänomene, Aberration, die Big-Bang-Theorie sowie Einsteins berühmte Energie-Formel integriert werden – wunderbar; dann haben wir ja alles Wichtige dabei, das uns fortan auf eine andere Art und Weise als in den drögen Physikschulbüchern oder noch schlimmer: Universitätsfachbüchern angesprochen hat.

Um es in einem Satz vorweg zu nehmen: das Buch unterscheidet sich in keinerlei Hinsicht von irgendwelchen anderen Fachbüchern über Einsteins Theorien oder moderne Physik. Keine bildhaften Beispiele, die auch nicht andere Autoren und Einstein selbst (!) benutzen (der Beobachter der Eisenbahn, der Regen, der gegen das Fahrzeug schlägt, das Zwillingsparadoxon etc.), dazu eine fachorientierte Sprache, viele Formeln und eine Systematik, die wir aus jedem anderen Physikbuch kennen. Warum dieses Buch als etwas Anderes angepriesen wird, ist völlig unverständlich und wäre sicher eine reizvolle Aufgabe für Albert Einstein, nämlich dieses Mysterium naturwissenschaftlich nachvollziehbar zu machen.

Um es deutlich zu machen: dieses Buch ist tatsächlich eine profunde, ausgereifte und ausgeklügelte Einführung und Vertiefung in die Theorien Albert Einsteins mit klarer Systematik, logischem Aufbau und verständlicher Aufbereitung. Nur, dies gibt es so auch schon seit langer Zeit. Wer eine Einführung erwartet hat, die auch den interessierten Laien anspricht, der sollte tatsächlich an gute Jugendbücher zurückgreifen oder im Internet nach anschaulichen Stützen suchen; dieses Buch gehört zweifelsfrei in den Fachbereich, auch wenn ein physikalisch interessierter Laie (einer der beiden Autoren ist Mediziner und nicht explizit Physiker) Teil des Autorenduos ist; es bleibt auf sehr, sehr hohem akademischen Niveau. Und logischerweise auch dort stecken. Das Kausalitätsprinzip verhindert auch nach wie vor alle für den Einsteiger so faszinierende Theoreme wie Raum und Zeiterscheinungen. Schade, auch an diesem Punkt wäre mehr Lebendigkeit angebracht gewesen.

Das Beste am Buch sind die jedes Kapitel einleitenden und zumeist auch abschließenden Zitate des Meisters persönlich. Was für eine Verve, was für eine Klarsicht, was für einen reellen Blick in die Unendlichkeit. Von dieser Kraft hätten sich die Autoren ruhig eine Scheibe abschneiden können und gemeinsam mit Einstein in die Tiefe vordringen; dann hätten sie wahrscheinlich auch erwähnt, dass Einstein seine Erkenntnisse zunächst geträumt hat und nicht aus Büchern gelernt oder wie viele vor und nach ihm errechnet hat. Er hat geträumt und verstanden, hat Bilder gesehen und ist auf Lichtstrahlen durchs Universum geflogen.

Fazit:

Ein tolles Buch – für alle Physiker und Akademiker. Für Laien, Interessierte oder auch Einstein-Nerds aber definitiv nichts Neues oder Besonderes, vielmehr hat es einen sehr konservativen Ansatz (siehe Big-Bang-Theorie, die fast ungefragt hingenommen wird).

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