Othello
Kurzfazit: Zeitloser Zweispieler-Klassiker, nur die Verpackung ist eine Zumutung.
Othello für Gameboy
Verfügbarkeit und Preis direkt bei Amazon prüfen.
Preis bei Amazon ansehen →Reines Schwarz-Weiß-Denken
Politisch korrekt? Zumindest war es das für den Japaner Gorō Hasegawa, der 1971 das Brettspiel Othello als Patent anmeldete und zwar ganz bewusst in Anlehnung an den berühmten Mohren aus Shakespeares Drama. Bis dahin hatte das Spielprinzip allerdings schon fast 90 Jahre auf dem Buckel, firmierte aber bis dahin unter dem Namen Reversi und wurde schon in den 1880er Jahren in England erfunden.
Der ursprüngliche Name bedeutet im Lateinischen umkehrbar und beschreibt das Grundprinzip des Spiels auf einfache Art und Weise. Jeder Stein ist umkehrbar, hat eine schwarze und weiße Seite und kann blitzschnell in dem Besitz des einen oder anderen Spielers landen. Wird also während des strategischen Geschehens vom Weißen zum Mohr und umgekehrt.
Wie wird Othello gespielt?
Die Regeln passen auf zwei Seiten, und mehr braucht es auch nicht.
Der Aufbau
Gespielt wird auf einem quadratischen Brett mit 64 Feldern. Vier Startsteine liegen zu Beginn in der Mitte, jeweils zwei pro Farbe über Kreuz angeordnet. Diese feste Eröffnung ist der prominenteste Unterschied zum älteren Reversi.
Der Zug
Danach setzen die beiden Spieler abwechselnd Steine und versuchen mit ihrer Farbe gegenerische Steine, besser und im weiteren Verlauf häufiger Steinreihen einzuschließen. Darauf hin müssen diese umgedreht werden und sind somit nun im Besitz des Gegners. Eingeschlossen wird waagerecht, senkrecht und diagonal, und ein Zug ist nur dann erlaubt, wenn er tatsächlich mindestens einen gegnerischen Stein umdreht. Wer keinen gültigen Zug hat, muss aussetzen.
Das Spielende
Das Spiel endet, wenn keine Steine mehr gelegt werden können und derjenige, der dann die meisten Steine zählen kann, ist der Gewinner. Weil eine einzige Kette in der Schlussphase Dutzende Steine kippen kann, sagt der Zwischenstand erstaunlich wenig über den Ausgang aus.
Othello oder Reversi: der Unterschied
Die Unterschiede zwischen den beiden Varianten Othello und Reversi sind marginal, viel größer sind da die rechtlichen Streitereien, ob und wem denn nun die Uridee gehört. Bei Reversi verfügt jeder Spieler über 32 eigene Steine und setzt auch die Eröffnung selbst, bei Othello ist die Startstellung vorgegeben und die Steine gehören keiner Seite fest. Für Spielefreunde ist das völlig sekundär, es genügt zu wissen, dass aus dem Hause Piatnik eine schöne Neuauflage von Othello auf dem Markt ist, die zumindest offiziell nach diesen Regeln gespielt wird.
Warum das Spiel schwerer ist als es aussieht
Das Spiel ist so archaisch gut wie Dame oder Mühle. So wie die Steine und das Spielfeld pure Anordnung versprechen, so sind die Regeln in wenigen Sekunden klar, die Strategie aber lebenslänglich zu meistern. In Japan ist das Spiel eines der wichtigsten aller Zeiten, insgesamt – so hat ein findiger Untersuchender herausgefunden – ist dieses Brettspiel dasjenige, in dem die meisten Weltmeisterschaften stattfinden. Das ist ja auch schon mal was!
Die Ecken
Wer die Ecken hält, hat einen Stein, den niemand mehr umdrehen kann, weil er sich nicht einschließen lässt. Von dort aus lassen sich ganze Kanten absichern. Entsprechend dreht sich ein großer Teil des Spiels darum, dem Gegner die Felder unmittelbar neben den Ecken aufzuzwingen.
Wenig ist oft mehr
Der häufigste Anfängerfehler ist, möglichst viele Steine umzudrehen. Wer früh das halbe Brett in seiner Farbe hat, hat meist auch die wenigsten sinnvollen Anschlusszüge und muss irgendwann Felder freigeben, die er lieber behalten hätte. Erfahrene Spieler halten ihren Steinbestand lange bewusst klein.
Der Schluss entscheidet
Weil ein einziger Zug in einer offenen Stellung ganze Diagonalen kippen kann, sind Partien bis zum letzten Stein offen. Das führt zu einem Spielgefühl, das Schach oder Dame nicht bieten: Ein scheinbar aussichtsloser Rückstand kann sich in zwei Zügen in einen deutlichen Sieg verwandeln. Wer aufgibt, bevor das Brett voll ist, hat das Spiel nicht verstanden.
Othello am Bildschirm
Das Spielprinzip lässt sich mit wenigen Zeilen Code abbilden, weshalb es praktisch seit den Anfängen der Heimcomputer digitale Umsetzungen gibt, von Konsolenfassungen über Browserversionen bis zu Apps. Für das Erlernen der Regeln ist das bequem, weil das Programm ungültige Züge gar nicht erst zulässt.
Zugleich gehört Othello zu den Spielen, in denen Programme dem Menschen früh überlegen waren. Wer sich gegen eine hohe Schwierigkeitsstufe setzt, verliert deutlich und lernt daraus wenig. Am Brett gegen einen Menschen ist das Spiel deshalb nach wie vor die bessere Erfahrung, zumal die physischen Steine das Umdrehen zum eigentlichen Ereignis machen.
Die Ausgabe von Piatnik
Die Ausgabe von Piatnik unterstützt diese Simplizität. Einfaches Kartonmaterial als Verpackung, die Spielsteine in einem Plastikbeutel, das Brett stabil, aber aus leichtem Material. Dazu eine Anleitung von zwei Seiten und keine weiteren Extras – ergo: keinen Schönheitspreis in Layout, keine Notwendigkeit mehr zu bieten, als was es ist, nämlich dieses einfache Spielprinzip.
Der Schwachpunkt ist die Aufbewahrung. Es gibt kein Fach und keine Vertiefung für die Steine, sie liegen lose in der Schachtel und verteilen sich beim ersten Transport im gesamten Karton. Wer das Spiel mitnehmen will, packt die Steine besser in einen kleinen Beutel oder eine Dose.
Die Vertracktheit und die unendlichen Strategieoptionen kann jeder im Internet selbst nachlesen; so viele Foren, Beiträge und Überlegungen reichen für ein Leben. Am besten entwickeln kann man sich natürlichen im praktischen Tuns selbst, drum gilt für alle, die das Spiel noch nicht haben: zugreifen.
Für wen lohnt sich Othello?
Für alle, die ein Spiel für genau zwei Personen suchen, das in zwanzig Minuten durch ist und trotzdem Tiefe hat. Für Familien, in denen Kinder und Erwachsene ohne künstliche Handicaps gegeneinander antreten sollen. Und für alle, die Schach zu sperrig und Mühle zu dünn finden. Wer dagegen thematische Spiele mit Material, Karten und Erzählung mag, wird mit dem nüchternen Schwarz-Weiß nicht glücklich.
Fazit: Lohnt sich Othello?
Derlei Klassiker gehören in jeden Spielehaushalt, vor allen Dingen wo zwei Spieler sich legendäre Partien liefern wollen. Die Piatnik-Version besticht durch optisch sehr ansprechendes Material, hätte aber definitiv eine andere Verpackung gebraucht, in der man die Steine hineinlegen kann. So rutschen sie haltlos in der Packung herum. Wahrscheinlich haben die Produzenten angenommen, dass man das Spiel eh nie beiseite gelegt. So gesehen auch wieder gut.
Häufig gestellte Fragen
Wie geht Othello?
Zwei Spieler setzen abwechselnd Steine auf ein Brett mit 64 Feldern. Erlaubt ist nur ein Zug, der mindestens eine Reihe gegnerischer Steine zwischen dem neuen Stein und einem eigenen Stein einschließt. Alle eingeschlossenen Steine werden umgedreht und wechseln damit die Farbe. Wer am Ende mehr Steine seiner Farbe auf dem Brett hat, gewinnt.
Was ist der Unterschied zwischen Othello und Reversi?
Das Grundprinzip ist identisch. Bei Othello liegen zu Beginn vier Steine in einer festgelegten Anordnung in der Brettmitte, bei Reversi setzen die Spieler die ersten Steine selbst und verfügen über je 32 Steine. Für den Spielverlauf am Küchentisch macht das kaum einen Unterschied, für Turnierspiel schon.
Wie alt ist Othello?
Das Spielprinzip stammt als Reversi aus dem England der 1880er Jahre. Der Japaner Gorō Hasegawa meldete die Variante Othello 1971 in Japan an und benannte sie nach dem Mohren aus Shakespeares Drama, weil die Steine zwischen Schwarz und Weiß wechseln. In Japan ist das Spiel bis heute außerordentlich populär.
Ab welchem Alter und für wie viele Spieler ist Othello geeignet?
Othello ist ein reines Zweipersonenspiel. Die Regeln versteht ein Grundschulkind in wenigen Minuten, Strategie lernt man dagegen jahrelang. Genau diese Kombination macht es zum guten Spiel zwischen den Generationen.
Warum sind die Ecken beim Othello so wichtig?
Ein Stein in einer Ecke kann nie wieder eingeschlossen und damit nie wieder umgedreht werden. Ecken sind deshalb dauerhaft sicherer Besitz und Ankerpunkte für ganze Kanten. Erfahrene Spieler geben zwischenzeitlich Steine ab, nur um den Gegner zu einem Zug zu zwingen, der eine Ecke freigibt.
Deine Bewertung
Teile deine Erfahrung zu „Othello". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.