Beyond The Black - Beyond The Black
Kurzfazit: Erwachsen, aber in letzter Konsequenz nicht überzeugend!
Break the Silence
14,99 € Stand: 10.08.2026
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Über die Band
Beyond The Black wurden 2014 von Jennifer Haben (Gesang), Christopher Hummels (Gitarre), Niklas Lesser (Gitarre), Erwin Schmidt (Bass), Michael Hauser (Keyboards) und Tobias Derer (Schlagzeug) gegründet. Sehr früh in ihrer Laufbahn traten sie beim Wacken Open Air auf. Im Vorfeld der Veröffentlichung ihres ersten Albums tourten Beyond The Black als Support für Saxon in Großbritannien und konnten mit ihrem Debütalbum „Songs of Love And Death“ einige Achtungserfolge verbuchen. Unmittelbar nach dem zweiten Album „Lost in Forever“ wurde bis auf Sängerin Jennifer Haben die komplette Bandbesetzung ausgetauscht. Aktuell besteht die Band aus Chris Hermsdörfer und Tobi Lodes (Gitarre) sowie Kai Tschierschky (Schlagzeug).
Dieser Bruch ist für das Verständnis der Band wichtig. Beyond The Black sind seit dem Wechsel im Kern ein Projekt um eine Sängerin herum, und genau diese Konstruktion hört man dem Songmaterial an: Die Stimme steht immer im Zentrum, alles andere ordnet sich unter.
Das Album im Überblick
Das selbstbetitelte Album erschien im Januar 2023 bei Napalm Records und ist die fünfte Studioplatte der Band. Dass eine Gruppe ihr fünftes Album nach sich selbst benennt, ist üblicherweise eine Ansage: Hier steht, wofür wir stehen. Genau daran hakt es.
Schon seit ihrem Beginn versuchen Beyond The Black in den Gefilden von Kollegen wie Epica, Within Temptation und vor allem Nightwish zu wildern. Dabei waren auf ihren Alben immer wieder gute Ansätze vorhanden, doch in letzter Konsequenz war noch kein Album dabei, das die internationale Klasse der genannten Bands erreichen würde.
Letztlich gilt dies auch für das fünfte, nunmehr selbstbetitelte Album, das wieder zahlreiche gute Ansätze enthält. „Is There Anybody Out There“ ist ein interessanter Opener, „Winter Is Coming“ und „Into The Light“ zwei überaus flotte Nummern, doch Beyond The Black wissen meiner Meinung nach immer noch nicht, was sie wollen. Soll eher die Metalschiene bedient werden? Dann müssten sie endlich mal ein Brett raushauen, denn im Vergleich zu Nightwish sind Beyond The Black so weit vom Symphonic Metal entfernt, wie Kerstin Ott von einem Status als Sängerin. Will man eher den Mainstream ansprechen? Dann sollte man das Kokettieren mit der Metal-Attitüde unterlassen, da ein echter Metalhead die Band weiterhin nicht ernst nehmen kann.
Die einzelnen Songs
Die starken Momente
„Is There Anybody Out There“ eröffnet das Album mit einer Idee statt mit einem Standardriff und macht Lust auf mehr. „Winter Is Coming“, vorab als Single veröffentlicht, ist die Nummer mit dem größten Zug nach vorne. „Into The Light“ hält dieses Tempo. Auf diesen drei Titeln funktioniert die Band am besten, weil sie sich nicht entscheiden muss, sondern einfach spielt.
Die Ballade
Sicher, „Wide Awake“ ist eine schöne Ballade, aber jeder Song atmet den Sat-1-Werbemief, um wirklich Metal zu sein. Und daher kann ich mich weiterhin nicht komplett für diese Band erwärmen. Das ist besonders schade, denn gerade Jennifer Haben hat eine tolle Stimme. Doch was nutzt dies, wenn das Songmaterial weder Fisch noch Fleisch ist.
Die zweite Albumhälfte
Ab „Dancing In The Dark“ verliert das Album spürbar an Kontur. Die Songs sind sauber produziert und ordentlich gespielt, hinterlassen aber wenig. „Not In Our Name“ und „I Remember Dying“ schließen die Platte ab, ohne dass sich ein Refrain festsetzt.
Trackliste
01 - Is There Anybody Out There
02 - Reincarnation
03 - Free Me
04 - Winter Is Coming
05 - Into The Light
06 - Wide Awake
07 - Dancing In The Dark
08 - Raise Your Head
09 - Not In Our Name
10 - I Remember Dying
Erweiterte Ausgaben des Albums enthalten zusätzlich alternative Fassungen, darunter eine Piano-Version von „Wide Awake“ und eine Streicher-Version von „Raise Your Head“.
Produktion und Sound
Handwerklich gibt es an dieser Platte nichts zu bemängeln. Die Produktion ist modern, laut und aufgeräumt, die Gitarren sitzen präzise, das Schlagzeug klingt druckvoll, und der Gesang steht immer klar im Vordergrund. Genau darin liegt aber auch das Problem: Alles ist so glatt gebügelt, dass die Kanten fehlen, an denen man sich als Hörer festhalten könnte.
Die symphonischen Anteile bleiben dabei erstaunlich zurückhaltend. Wo Bands wie Epica oder Nightwish ganze Orchesterarrangements in den Vordergrund stellen, dienen Streicher und Chöre hier vor allem als Teppich unter dem Refrain. Wer das Etikett Symphonic Metal wörtlich nimmt, wird deshalb enttäuscht sein.
Was bedeutet das selbstbetitelte Album für die Band?
Ein Album nach der Band zu benennen, ist meistens eine Standortbestimmung. Nach dem kompletten Besetzungswechsel und mehreren Alben wäre der Moment da gewesen, sich klar zu positionieren. Stattdessen bleibt der Eindruck, dass zwei mögliche Wege gleichzeitig offen gehalten werden: der harte und der massentaugliche. Dass Jennifer Haben stimmlich beides tragen könnte, macht diese Unentschlossenheit umso ärgerlicher.
Für wen lohnt sich das Album?
Wer melodischen Rock mit weiblichem Gesang mag und über Radiotauglichkeit nicht stolpert, findet hier zehn gut produzierte Songs. Auch als Einstieg in das Genre taugt die Platte, weil sie niemanden überfordert. Wer dagegen von Symphonic Metal orchestrale Wucht, harte Gitarren und Dramatik erwartet, sollte bei Nightwish oder Epica bleiben. Zwischen diesen beiden Lagern sitzt das Album, ohne sich für eines zu entscheiden.
Fazit: Lohnt sich Beyond The Black?
„Beyond The Black“ bleibt der halbherzige Versuch einer großen Plattenfirma, eine Metalband massentauglich für ein jüngeres Publikum vorzustellen. Echte Metalheads werden sicher anerkennen, dass Sängerin Jennifer Haben richtig gut ist. Und ich bin sehr gespannt auf ihren Auftritt in Wacken. Doch auch dieses Album holt mich nicht komplett ab. Einmal gehört ist es genau so schnell wieder vergessen.
Unsere Bewertung
Musik: 3
Instrumentalisierung: 5
Stimme: 5
Abwechslung: 2,5
Hörspaß: 2,5
Häufig gestellte Fragen
Wer ist Beyond The Black?
Beyond The Black ist eine deutsche Symphonic-Metal-Band, die 2014 um Sängerin Jennifer Haben gegründet wurde. Nach dem zweiten Album wurde die komplette Besetzung bis auf Haben ausgetauscht. Seither bestehen sie aus Jennifer Haben, den Gitarristen Chris Hermsdörfer und Tobi Lodes sowie Schlagzeuger Kai Tschierschky.
Wann ist das selbstbetitelte Album von Beyond The Black erschienen?
Das selbstbetitelte Album kam im Januar 2023 bei Napalm Records heraus. Es ist das fünfte Studioalbum der Band. Vorab erschien Winter Is Coming als Single.
Welche Songs sind auf dem Album?
Die reguläre Fassung enthält zehn Titel, darunter den Opener Is There Anybody Out There, die schnellen Nummern Winter Is Coming und Into The Light sowie die Ballade Wide Awake. Erweiterte Ausgaben enthalten zusätzlich alternative Versionen von I Remember Dying, Wide Awake und Raise Your Head.
Klingt das Album wie Nightwish oder Within Temptation?
Es zielt in diese Richtung, erreicht die Härte und die orchestrale Wucht dieser Bands aber nicht. Beyond The Black stehen deutlich näher am Rock-Mainstream, mit eingängigen Refrains und vergleichsweise zurückhaltenden Gitarren. Wer harten Symphonic Metal sucht, wird das Album als zu weich empfinden.
Lohnt sich das Album für Metal-Fans?
Nur eingeschränkt. Die Instrumentierung ist sauber und Jennifer Habens Gesang ist stark, das Songmaterial bleibt aber unentschlossen zwischen Metal und massentauglichem Pop-Rock. Für Einsteiger in melodischen Metal ist es zugänglich, eingefleischte Metalheads wird es kaum überzeugen.
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