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Cornu

4,5 von 5 von Rezension.org · 2013-01-07 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Ungewöhnliches Hörspiel für Kinder ab fünf, leider längst vergriffen.

Cornu: Ein akustisches Wahrnehmungsspiel [Spiel] von Reinhold Wittig (Autor) erschienen beim Verlag Kallmeyer

Worum geht es bei Cornu?

Cornu ist ein akustisches Wahrnehmungsspiel: Ein Spieler versteckt Gegenstände in einem verschließbaren Füllhorn, alle anderen müssen allein am Geräusch erraten, was darin steckt. Das ist die komplette Idee, und sie trägt eine ganze Partie. Entworfen hat das Spiel Reinhold Wittig, erschienen ist es 2007 beim Verlag Kallmeyer, der zur Friedrich-Verlagsgruppe gehört. Der Verlag empfiehlt es ab fünf Jahren, für drei bis sechs Spieler, bei einer Spieldauer von etwa einer halben Stunde.

Wer Wittigs Spiele kennt, weiß, dass dahinter kein Zufall steckt. Der 1937 geborene und im April 2026 verstorbene Göttinger war von Haus aus Geologe und hat im Lauf seines Lebens weit über hundert Spiele und Spielobjekte entworfen, viele davon in kleinen, eigenwilligen Auflagen. Cornu passt genau in diese Reihe: kein Themenspiel, kein Materialgewitter, sondern eine einzige Wahrnehmungsidee, sauber ausgearbeitet.

Inhalt und Material

Es wurden sehr ansprechende Materialien gewählt und diese sorgfältig gestaltet. Wunderschöne Farben wurden verwendet und angenehm zu berührende Gegenstände. Es stehen sechs verschiedene Gegenstände zur Auswahl, ein roter Zylinder aus Holz, ein grüner Quader aus Holz, eine gelbe Holzkugel, eine silberfarbene Metallkugel, die kleiner ist als die Kugel aus Holz, ein goldfarbenes Glöckchen, ein blaues Stück Stoff. Weiterhin gehören zu dem Spiel das Füllhorn aus Plastik, das mittels einfach abnehmbarem Deckel verschließbar ist, ein Sichtschutz aus Pappe zum Aufstellen und 40 Spielkarten, auf denen die genannten Gegenstände abgebildet sind.

Warum ausgerechnet ein Horn?

Die gebogene Form ist kein Dekor, sondern Spielmechanik. In einer geraden Dose würde ein Gegenstand einfach hin und her rutschen und immer denselben Aufprall erzeugen. Im Horn dagegen läuft die Kugel eine Kurve, das Glöckchen bleibt in der engen Spitze hängen, der Quader kippt statt zu rollen. Jede Bewegung erzeugt eine kleine Klangfolge statt eines einzelnen Geräuschs, und genau daraus lassen sich die Gegenstände auseinanderhalten.

Der Stoff als heimlicher Star

Das blaue Stoffstück ist der einzige Gegenstand, den man praktisch nicht hört. Es wird dadurch zur Falle und zur Rettung zugleich: Wer nichts hört, hat entweder ein leeres Horn oder den Stoff vor sich, und Kinder brauchen ein paar Runden, bis sie diesen Unterschied bewusst wahrnehmen. Nebenbei dämpft der Stoff die anderen Gegenstände, wenn er mit im Horn liegt, was Kombinationen deutlich erschwert.

Spielablauf

Bei dem Spiel kommt keine Langeweile auf. Es kann in der Länge beliebig variiert werden. Die Spielregeln sind sehr einfach und schnell erklärt. Die Spielkarten werden gemischt und verdeckt auf einen Stapel gelegt. Die vier obersten Karten werden aufgedeckt auf dem Tisch ausgelegt. Der Spielleiter wählt eine Karte in Gedanken aus und befüllt das Horn mit den abgebildeten Gegenständen. Dabei sind die Gegenstände und das Füllhorn hinter dem Sichtschutz versteckt, so dass die Mitspieler weder sehen können, was in das Horn hineingelegt wird, noch welche Gegenstände übrigbleiben. Das Horn wird verschlossen und dem ersten Spieler übergeben. Er soll nun durch Schütteln und Bewegen erraten, welche Gegenstände sich darin befinden. Kann er die richtige Karte benennen, erhält er diese und eine neue wird vom Stapel aufgedeckt. Wer am Ende die meisten Karten oder eine bestimmte Anzahl, die vorher ausgemacht wurde, hat, hat gewonnen.

Die Anleitung sieht als Standardziel fünf richtig erratene Karten vor. Am Tisch mit kleineren Kindern bewährt sich eher die kürzere Variante: drei Karten, dann wechselt der Spielleiter. So kommt jedes Kind einmal in die Rolle dessen, der das Horn befüllt, und diese Rolle ist mindestens so reizvoll wie das Raten selbst.

Wie schwer ist es wirklich?

Ein einzelner Gegenstand ist nach zwei, drei Partien sicher zu erkennen. Anspruchsvoll wird es, sobald zwei oder drei Dinge gleichzeitig im Horn liegen, denn dann überlagern sich die Geräusche. Die Metallkugel übertönt die Holzkugel, das Glöckchen legt sich über alles. Erwachsene liegen hier keineswegs automatisch vorn, was Cornu zu einem der wenigen Kinderspiele macht, bei denen ein Gleichstand zwischen den Generationen nicht künstlich herbeigeführt werden muss.

Spielsinn

Hierbei wird die Wahrnehmung, insbesondere der Hörsinn, geschult. Genaues differenziertes Hören ist in unserer reizüberfluteten Welt mit ständigen Geräuschen und Lärm immer seltener bei Kindern anzutreffen und sollte daher geübt werden. Aber auch ein feines Gespür wird gefordert und gefördert. Man muss gut konzentriert bei der Sache bleiben. Schon Kleinkinder finden Spaß daran, herauszufinden, was sich in dem Horn versteckt. Sie üben dabei genau hinzuschauen, hinzuhören, mit Gefühl etwas zu bewegen und dabei die Bewegung von unterschiedlichen Gegenständen wahrzunehmen.

Dazu kommt eine Fähigkeit, die bei Spielen selten benannt wird: das Aushalten von Stille. Wer das Horn schüttelt, braucht am Tisch für ein paar Sekunden Ruhe, sonst hört er nichts. Kinder merken das sofort und sorgen selbst dafür, dass niemand dazwischenredet. Diese Selbstregulierung ist im Trubel eines Kindergeburtstags mehr wert als jede pädagogische Ansage.

Für wen lohnt sich Cornu?

Cornu passt in Familien mit Kindern zwischen fünf und zehn Jahren, in Kindergartengruppen und in die logopädische oder ergotherapeutische Praxis. Gerade dort, wo an auditiver Differenzierung gearbeitet wird, ist ein Spiel, das genau diese Übung als Wettbewerb verpackt, die Anschaffung wert. Weniger geeignet ist es für Runden, die Aufbau, Erzählung und Entwicklung erwarten: Cornu bleibt über die ganze Partie hinweg dasselbe, es steigert sich allein über die Zahl der Gegenstände im Horn.

Ein praktischer Hinweis noch: Der Verlag führt Cornu als vergriffen ohne Neuauflage. Wer es sucht, findet es nur noch gebraucht und sollte auf Vollständigkeit achten. Fehlt ein einziger Gegenstand, sind sämtliche Karten mit dieser Kombination unbrauchbar. Wegen der Kleinteile ist das Spiel für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet.

Fazit: Lohnt sich Cornu?

Das Spiel „Cornu“ begeistert. Es ist ein außergewöhnliches Spiel, sehr einfach, aber mal ganz etwas anderes. Es werden drei bis sechs Spieler benötigt. Die Spieldauer ist höchstens eine halbe Stunde und kann nach Belieben variiert werden. Es handelt sich um ein akustisches Wahrnehmungsspiel. Es ist sehr empfehlenswert, besonders für Kinder, die Probleme haben, genau hinzuhören bzw. sich auf eine Sache zu konzentrieren. Das Spiel wurde aus einfachen, aber hochwertig verarbeiteten Materialien gestaltet.

Der einzige ernsthafte Kritikpunkt ist die Verfügbarkeit. Ein Spiel, das mit sechs Gegenständen und einem Stück gebogenem Plastik so viel erreicht, hätte eine Neuauflage verdient.

Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert das Spiel Cornu?

Ein Spieler befüllt hinter einem Sichtschutz ein verschließbares Füllhorn mit den Gegenständen, die auf einer der ausliegenden Karten abgebildet sind. Das verschlossene Horn wandert zum nächsten Spieler, der es schüttelt, kippt und dreht. Allein am Geräusch und am Gewicht muss er erraten, welche Karte gemeint ist.

Für welches Alter und wie viele Spieler ist Cornu gedacht?

Der Verlag empfiehlt Cornu ab fünf Jahren und für drei bis sechs Spieler. Eine Partie dauert rund eine halbe Stunde, lässt sich aber beliebig kürzen, indem man eine feste Kartenzahl als Spielziel vereinbart. Wegen der Kleinteile ist das Spiel für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet.

Welche Gegenstände stecken in Cornu?

Zum Spiel gehören eine Holzkugel, ein Holzzylinder, ein Holzquader, eine kleinere Metallkugel, ein Glöckchen und ein Stück Stoff. Jeder dieser sechs Gegenstände klingt im Horn anders, der Stoff sogar fast gar nicht. Genau aus diesen Klangunterschieden entsteht das ganze Spiel.

Was trainiert Cornu bei Kindern?

Cornu schult vor allem das differenzierte Hören, also die Fähigkeit, ähnliche Geräusche voneinander zu unterscheiden. Dazu kommen Konzentration, Geduld und ein feines Gespür für Bewegung und Gewicht. Für Kinder, die schwer zuhören oder schnell abgelenkt sind, ist das ein sinnvolles Training im Spielgewand.

Kann man Cornu noch kaufen?

Cornu erschien 2007 bei Kallmeyer und wird beim Verlag als vergriffen ohne Neuauflage geführt. Wer das Spiel haben möchte, ist deshalb auf Gebrauchtangebote angewiesen. Achten Sie dabei darauf, dass alle sechs Gegenstände und der Deckel des Horns vorhanden sind.

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