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David Bowie - The Man Who Sold The World

4,5 von 5 Alle Rezensionen zu David Bowie von Rezension.org · 2011-08-18 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Bowies mutigstes Album und bis heute sein am meisten unterschätztes.

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Die Titelliste

  1. Width Of A Circle
  2. All The Madmen
  3. Black Country Rock
  4. After All
  5. Running Gun Blues
  6. Saviour Machine
  7. She Shook Me Cold
  8. The Man Who Sold The World
  9. The Supermen
  10. Lighting Frightening
  11. Holy Holy
  12. Moonage Daydream
  13. Hang On To Yourself

Die ersten neun Titel bilden das Originalalbum von 1970. Die Stücke zehn bis dreizehn sind Bonusaufnahmen aus einer späteren Wiederveröffentlichung, darunter frühe Fassungen von „Moonage Daydream” und „Hang On To Yourself”, die zwei Jahre danach in überarbeiteter Form auf Ziggy Stardust landeten.

Worum geht es auf The Man Who Sold The World?

Auf seinem dritten Album The Man Who Sold The World aus dem Jahr 1970 macht David Bowie eine erstaunliche Metamorphose durch. Weg vom Folksound des von der Hippie-Bewegung geprägten Albums „Space Oddity” zelebriert David Bowie hier auf diesem Werk einen viel schneidigeren, härteren Sound, der durch die vielen Stilwechsel auf der Scheibe ungemein progressiv ist.

Inhaltlich kreist die Platte um Wahnsinn, Kontrollverlust und Identität. Figuren verlieren den Verstand, Maschinen übernehmen die Macht, ein Ich begegnet seinem Doppelgänger. Wer nach einer durchgehenden Handlung sucht, wird nicht fündig, wohl aber nach einer sehr geschlossenen Stimmung: dunkel, unruhig und deutlich unbequemer als alles, was Bowie zuvor veröffentlicht hatte.

Der Bruch mit dem Folk der Space-Oddity-Zeit

Das Album erschien am 4. November 1970 zunächst in den USA bei Mercury Records, Großbritannien bekam es erst im April 1971 zu hören. Aufgenommen wurde es im Frühjahr 1970 in London, produziert hat Tony Visconti, der zugleich den Bass spielte.

Entscheidend für den neuen Klang ist der Einstand zweier Musiker: Gitarrist Mick Ronson und Schlagzeuger Mick Woodmansey sind hier zum ersten Mal auf einer Bowie-Platte zu hören. Beide bildeten später den Kern der Spiders From Mars. Da Bowie in dieser Phase stark mit seinem Privatleben beschäftigt war, arrangierten Ronson und Visconti einen Großteil des Materials selbst. Man hört das dem Album an: Es klingt weniger nach Songwriter am Mikrofon und mehr nach einer Band, die im Proberaum in Fahrt gerät.

Das Cover und seine zwei Gesichter

Das Cover indes produziert ein falsches Bild, hier zeigt Bowie zum ersten Mal seine feminine Seite und präsentiert sich ganz mutig im Rock, was für die amerikanischen Gemüter wohl etwas zu viel war, sodass extra für den US-Markt ein alternatives Cover gestaltet wurde. Wer die Platte heute in die Hand nimmt, sieht meist das Kleid-Motiv, das inzwischen zu den bekanntesten Bowie-Bildern überhaupt zählt. Mit dem harten Gitarrenrock in den Rillen hat es allerdings herzlich wenig zu tun.

Die wichtigsten Songs im Einzelnen

The Width Of A Circle

Schon der Opener „The Width Of A Circle” ist ein wahres Bombaststück, das mit über acht Minuten Länge auch noch ungemein episch ist. Harte Rockgitarren wechseln sich mit David Bowies sehr kraftvoll vorgetragenem Gesang ab, innerhalb des Songs gibt es immer wieder Melodienwechsel und stilistische Einschübe, die den Track sehr abwechslungsreich machen. Ein echtes Highlight und zugleich die beste Visitenkarte für Ronsons Gitarrenarbeit auf diesem Album.

All The Madmen

„All The Madmen” kommt wirklich sehr mad rüber, dieses Stück gehört sicherlich zu den ungewöhnlichsten, die David Bowie je aufgenommen hat. Der Song handelt von Selbstzerstörung und geistigem Wahnsinn, die Person in dem Song glaubt so langsam den Verstand zu verlieren und verrückt zu werden. Vor allem die folkigen Elemente wie das manische Flötenspiel, der wirre Synthesizer und die harten Gitarrenriffs machen den Song zu etwas Besonderem.

The Man Who Sold The World

Der bekannteste Song dürfte wohl der gleichnamige Titeltrack aus dem Album sein, der besonders in der Version von Nirvana bekannt geworden ist. Doch gefällt mir das Original zu „The Man Who Sold The World” immer noch am besten. Getragen wird es von einem kreisenden Gitarrenriff Mick Ronsons, über dem Bowie fast beiläufig von der Begegnung mit einem zweiten Ich singt.

Der Wahnsinn als roter Faden

Ja, der Wahnsinn wird auf dem Album großgeschrieben, es ist bestimmt David Bowies mutigstes Album, das sich im Grunde mit keinem Begriff so richtig beschreiben lässt. Es ist besonders Bowies speziellem Gesang zu verdanken, dass sich TMWSTW von allen anderen Alben abhebt, aber auch der Art und Weise, wie er mit harten Gitarrenriffs immer wieder eine extreme Stimmung erzeugt. Darüber hinaus ist es auch noch sehr psychedelisch, ich will gar nicht wissen, welche Drogen er damals konsumierte, während er das Album aufnahm, der Einfluss ist aber unüberhörbar vorhanden.

Nirvana und das zweite Leben des Titelsongs

Dass viele jüngere Hörer dieses Album überhaupt kennen, hat mit einem Fernsehauftritt zu tun. 1993 spielten Nirvana den Titelsong bei MTV Unplugged, Kurt Cobain schickte dafür seine Akustikgitarre durch ein Fuzz-Pedal. Die Aufnahme wurde zu einem der bekanntesten Momente der Bandgeschichte und verschaffte einem damals 23 Jahre alten Bowie-Stück eine zweite Karriere. Wer über diesen Umweg zum Original kommt, sollte sich auf etwas gefasst machen: Bowies Fassung ist kühler und deutlich weniger tröstlich.

Für wen lohnt sich das Album?

The Man Who Sold The World ist nichts für den schnellen Einstieg in Bowies Werk. Wer eingängige Hits sucht, ist bei Ziggy Stardust oder Hunky Dory besser aufgehoben. Diese Platte lohnt sich für alle, die Bowie als Rockmusiker erleben wollen, für Freunde des Hard Rock und des Psychedelic Rock der frühen Siebziger und für alle, die über Nirvana zum Titelsong gefunden haben und wissen wollen, wo er herkommt. Auch als Vorgeschichte zu den Spiders From Mars ist das Album Pflicht, denn hier beginnt die Zusammenarbeit, die Bowie zwei Jahre später zum Weltstar machte.

Fazit: Lohnt sich The Man Who Sold The World?

The Man Who Sold The World ist mit Abstand David Bowies mutigstes Album, hier experimentiert er mit vielen Rock-Elementen und bietet auch Einflüsse aus Folk, Blues und vor allem Psychedelic Rock. Zu meinen persönlichen Highlights gehört der Song „Width Of A Circle” und „Saviour Machine”. Leider wird das Album noch heute viel zu sehr unterschätzt, sodass man ihm einmal die Aufmerksamkeit schenken sollte, die es verdient hat.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist The Man Who Sold The World erschienen?

Das Album kam am 4. November 1970 in den USA bei Mercury Records heraus, in Großbritannien folgte es erst am 8. April 1971. Aufgenommen wurde es zwischen April und Mai 1970 in London. Es ist Bowies drittes Studioalbum und der direkte Nachfolger von Space Oddity.

Wer spielt auf The Man Who Sold The World mit?

Produzent Tony Visconti übernahm auch den Bass, an der Gitarre stand erstmals Mick Ronson, am Schlagzeug Mick Woodmansey. Beide gehörten später zu den Spiders From Mars, Bowies Begleitband der Ziggy-Stardust-Zeit. Weil Bowie damals stark mit seinem Privatleben beschäftigt war, stammt ein großer Teil der Arrangements von Ronson und Visconti.

Warum trägt David Bowie auf dem Cover ein Kleid?

Auf dem bekanntesten Motiv liegt Bowie in einem Kleid auf einer Chaiselongue und zeigt damit zum ersten Mal offen seine androgyne Seite. Für den US-Markt wurde ein alternatives Cover gestaltet, weil das Motiv dort als zu provokant galt. Mit dem harten Gitarrenrock der Platte hat das Bild allerdings wenig zu tun.

Ist die Nirvana-Version besser als das Original?

Nirvana spielten den Titelsong 1993 bei MTV Unplugged und machten ihn damit einer ganz neuen Generation bekannt. Für viele Hörer ist diese Fassung heute die bekanntere. Das Original von 1970 ist kühler, schwebender und lebt vom kreisenden Gitarrenriff Mick Ronsons, weshalb es hier klar den Vorzug bekommt.

Welche Songs sollte man zuerst hören?

The Width Of A Circle zeigt als über achtminütiger Opener das ganze Spektrum der Platte, All The Madmen steht für ihre verstörende Seite. Dazu kommen der Titeltrack und Saviour Machine. Wer Bowie bisher nur als Glam-Popstar kennt, findet hier ein deutlich härteres, gitarrenlastigeres Bild.

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