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DER RING DES NIBELUNGEN

4,5 von 5 Redaktion · 2015-04-09 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Freyers bildmächtiger Mannheimer Ring, musikalisch stark dirigiert

Der Ring des Nibelungen
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Der Ring des Nibelungen

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Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen (Mannheim 2013) [5 DVDs] Orchester des Nationaltheaters Mannheim (Darsteller, Hauptdarsteller), & 3 mehr Alterseinstufung: Freigegeben ab 6 Jahren Format: DVD erschienen bei der Arthaus Musik GmbH (Naxos Deutschland GmbH)

Im Jahr 2013 zum 200. Geburtstag von Richard Wagner wurde sein „Ring des Nibelungen“ am Nationaltheater in Mannheim aufgeführt.

Worum geht es im Ring des Nibelungen?

Wagners Tetralogie erzählt vom Raub des Rheingoldes und von einem Ring, der seinem Träger Macht über die Welt verspricht. Weil der Nibelung Alberich den Ring verflucht, sobald er ihn hergeben muss, zieht das Kleinod jeden ins Unglück, der nach ihm greift. Aus diesem Fluch entwickelt sich über vier Abende eine Geschichte über Macht, Vertragsbruch, Liebe und den Untergang einer Ordnung, die sich nicht mehr retten lässt.

Die vier Teile des Zyklus

Der Vorabend „Das Rheingold“ setzt den Konflikt in Gang: Alberich raubt das Gold, Wotan nimmt ihm den daraus geschmiedeten Ring ab und gibt ihn als Zahlung für die Götterburg weiter. „Die Walküre“ erzählt vom Geschwisterpaar Siegmund und Sieglinde und davon, wie Brünnhilde sich gegen den Willen ihres Vaters stellt und dafür auf dem von Feuer umgebenen Felsen zurückbleibt. In „Siegfried“ wächst der Titelheld heran, schmiedet das Schwert neu, erschlägt den Drachen und weckt Brünnhilde. Die „Götterdämmerung“ führt alles zusammen: Verrat, Siegfrieds Tod, Brünnhildes Opfergang und der Brand Walhalls.

Diese Anlage über rund fünfzehn Stunden Musik macht jeden Ring zu einem Projekt, an dem sich Häuser messen lassen müssen. Dass ein Theater der Größe Mannheims den kompletten Zyklus in zwei Spielzeiten stemmt, ist an sich schon bemerkenswert.

Der Dirigent Dan Ettinger

Er wurde 1971 in Israel geboren. Im Alter von 5 Jahren begann er Klavier zu spielen. Seine Eltern waren keine Musiker, aber eine seiner Großmütter war Geigerin. Bevor er Dirigent wurde, glänzte er als Bariton in seiner Heimat in Israel. Dan Ettinger ist schon seit der Spielzeit 2009/2010 Generalmusikdirektor am Nationaltheater in Mannheim und hat seinen Vertrag mehrfach verlängert.

Das Dirigat des Rings des Nibelungen von Dan Ettinger ist herausragend, insbesondere die Walküre ist fast kammermusikalisch poetisch gestaltet. In solchen Situationen zeigt Dan Ettinger eine außerordentliche Sensibilität, die er wohl als Sänger erlernt hat. Er hat den Neuen Mannheimer Ring komplett innerhalb von zwei Spielzeiten unter Leitung des Mannheimer Opernensembles und des Nationaltheaterorchesters eingespielt.

Bemerkenswert ist dabei die Balance. Ettinger drückt das Orchester nicht in den Vordergrund, sondern lässt den Sängern Raum, was gerade in einem Haus dieser Größe keine Selbstverständlichkeit ist. Die großen Steigerungen kommen deshalb nicht als Dauerzustand, sondern dort, wo sie hingehören.

Achim Freyer als Regisseur, Maler und Bühnenbildner

Der Regisseur, Maler und Bühnenbildner Achim Freyer hat für den Neuen Mannheimer Ring ebenfalls als Kostümbildner und Lichtgestalter sein Können unter Beweis gestellt. Ihm ist eine Inszenierung eines mythisch-magischen großartigen Theaters gelungen.

Achim Freyer erscheint wie ein Magier. Er erreicht einen Zauber der Kunst, woran sich andere Opernregisseure ein Beispiel nehmen könnten. In seinem Konzept spielt Wagners große Passion für das Puppenspiel eine bedeutende Rolle. Achim Freyer hat sein Konzept insgesamt stark an dem Denken von Wagner ausgerichtet. So ist die Interpretation der Idee Wagners möglicherweise sehr nahe.

Die Drehbühne als dramaturgisches Mittel

Mit Hilfe der Drehbühne am Mannheimer Theater konnte das Ineinanderfließen vergangener, jetziger und zukünftiger Zeiten optisch sehr ausdrucksstark dargestellt werden. Es ist eine ganz neue Kunst entstanden. Von der Richtung her wie der Expressionismus in der Malerei, aber hier als Ausdrucksform in der Oper.

Freyer verzichtet dabei weitgehend auf naturalistische Handlungsführung. Figuren erscheinen als Zeichen, Masken und Farbflächen, Bewegungen wiederholen sich, Symbole kehren über alle vier Teile hinweg wieder. Wer eine erzählte Geschichte im Sinne eines Films erwartet, wird damit nicht glücklich. Wer sich auf die Bildsprache einlässt, erlebt einen der eigenständigsten Ring-Zyklen der jüngeren Zeit.

Ein Konzept über vier Abende

Dass Regie, Bühne, Kostüm und Licht in einer Hand liegen, ist die eigentliche Stärke dieser Produktion. Nichts wirkt zusammengesetzt, alles gehört zum selben Entwurf. Der Preis dafür ist die Geschlossenheit des Systems: Man muss die Grundentscheidung mitgehen, sonst bleibt man vier Abende lang außen vor.

Die Sängerbesetzung

Die Sänger überzeugen eigentlich durchweg mit hoher Qualität. Bei Julia Nemeth, die die Brünnhilde singt, fallen stellenweise Intonationsprobleme auf, und die gesangliche Qualität der Stimme leidet bei manchen Stellen in sehr hohen Tonlagen.

Karsten Mewes singt überragend die Rolle des Alberich. Thomas Jesatko in der Rolle des Wotan bringt diesen sehr lyrisch herüber. Jürgen Müller singt Loge und Siegfried. Endrik Wottrich tritt als Siegmund und Edda Prochnik als Waltraute auf.

Auffällig ist, wie stark das Ensemble des Hauses die Produktion trägt. Es handelt sich nicht um einen Zyklus, der über international zusammengekaufte Gastbesetzungen funktioniert, sondern um eine Ensembleleistung. Das erklärt sowohl die Geschlossenheit des Spiels als auch die eine oder andere Grenze in den extremsten Partien des Fachs.

Bild, Ton und Ausstattung

Die Aufzeichnung stammt aus dem Nationaltheater Mannheim und ist bei Arthaus Musik erschienen. Freyers Konzept lebt von Farbe und Licht, weshalb die Bildqualität hier mehr Gewicht hat als bei einer konventionellen Inszenierung: Vieles an der Deutung erschließt sich überhaupt erst über die Ausleuchtung. Rezensenten weisen darauf hin, dass die Edition auf den deutschsprachigen Markt zugeschnitten ist und keine breite Auswahl an Untertitelsprachen bietet. Wer die Box verschenken möchte, sollte das im Blick behalten.

Für wen lohnt sich der Mannheimer Ring?

Empfehlenswert ist die Ausgabe für Wagner-Hörer, die den Zyklus bereits kennen und eine dezidiert eigene Handschrift erleben wollen. Auch für alle, die sich für Regietheater, Bühnenbild und die Verbindung von Malerei und Oper interessieren, ist Freyers Arbeit ein Hauptgewinn.

Für den ersten Kontakt mit dem Werk ist die Produktion dagegen nicht die naheliegende Wahl. Wer die Handlung noch nicht kennt, sollte entweder mit einer klassischeren Inszenierung beginnen oder zumindest eine Inhaltsangabe zur Hand haben.

Fazit: Lohnt sich DER RING DES NIBELUNGEN?

Es ist auf der DVD-Kollektion der gesamte Zyklus des Ring des Nibelungen eingespielt und wurde durch die neuartige Inszenierung in ein ganz anderes Licht gestellt. Man muss das Expressionistische, Bunte, Großartige ein bisschen mögen, dann hat man mit der Inszenierung einen Volltreffer.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es im Ring des Nibelungen?

Richard Wagners vierteiliger Zyklus erzählt, wie der Nibelung Alberich das Rheingold raubt und daraus einen Ring schmiedet, der seinem Besitzer Macht über die Welt verleiht. Weil Alberich den Ring verflucht, bringt er allen Verderben, die ihn an sich reißen, bis hin zu den Göttern selbst. Am Ende gehen Walhall und die alte Weltordnung unter.

Aus welchen vier Teilen besteht der Ring?

Der Zyklus umfasst „Das Rheingold“ als Vorabend sowie die drei Tage „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“. Gemeinsam ergeben sie eine durchgehende Handlung über mehrere Generationen. Wagner arbeitete daran über Jahrzehnte, die vollständige Uraufführung fand 1876 in Bayreuth statt.

Was ist das Besondere an der Mannheimer Inszenierung?

Achim Freyer verantwortet Regie, Bühne, Kostüme und Licht in einer Hand und schafft daraus ein durchgehend gestaltetes Bilduniversum. Statt naturalistischer Erzählung setzt er auf Symbole, Masken, Farbe und Anleihen beim Puppenspiel. Die Drehbühne des Nationaltheaters erlaubt es, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft optisch ineinanderfließen zu lassen.

Wer dirigiert den Mannheimer Ring?

Am Pult steht Dan Ettinger, seit der Spielzeit 2009/2010 Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim. Er hat den kompletten Zyklus innerhalb von zwei Spielzeiten mit dem Mannheimer Opernensemble und dem Nationaltheaterorchester erarbeitet. Besonders die Walküre gerät unter seiner Leitung fast kammermusikalisch.

Für wen lohnt sich die DVD-Ausgabe?

Vor allem für Wagner-Hörer, die bereits einen konventionellen Ring kennen und eine radikal eigene Bildsprache erleben wollen. Wer zum ersten Mal mit dem Werk in Berührung kommt, findet in Freyers Deutung wenig erzählerische Orientierung und startet mit einer klassischeren Inszenierung leichter.

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