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Die Frau mit den Regenhänden

4,5 von 5 Redaktion · 2010-10-12 · aktualisiert 2026-10-01

Antwort

Die Frau mit den Regenhänden ist ein Roman von Wolfram Fleischhauer, der Paris 1867 und Paris 1992 in zwei Handlungssträngen verbindet, und erhält in der Rezension vom 12. Oktober 2010 4,5 von 5 Punkten. Ausgezeichnet wurde der Roman im Jahr 2000 beim Deutschen Krimi Preis, ein Krimi im engeren Sinn ist er nicht; der einzige echte Nachteil ist die Distanz zur modernen Hauptfigur Gaetane.

Die Frau mit den Regenhänden: Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi-Preis, Kategorie National 2000. Roman
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Die Frau mit den Regenhänden: Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi-Preis, Kategorie National 2000. Roman

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Die Frau mit den Regenhänden von Wolfram Fleischhauer

Ein Roman über zwei Städte, die eigentlich dieselbe sind: Paris im Jahr 1867 und Paris im Jahr 1992. Zwischen beiden liegen 125 Jahre, ein Justizfall und ein Geheimnis, das der Leser lange nicht zu fassen bekommt.

Worum geht es in Die Frau mit den Regenhänden?

Das Buch hat zwei parallele Handlungsstränge, die sich erst am Ende des Buches auf eine sehr ungewöhnliche Weise zusammenfügen.

Paris 1867: eine Mutter vor Gericht

Der erste Strang spielt im Paris des Jahres 1867, dem Jahr der Weltausstellung in der französischen Hauptstadt. Wieder einmal wird aus der Seine eine Kinderleiche geborgen, nichts Außergewöhnliches in dieser Zeit, in der viele Mütter aus Armut oder Verzweiflung ihre Kinder umbringen.

Schnell ist die Mutter des Kindes ausfindig gemacht und verhaftet. Ungewöhnlich ist jedoch, dass sie ihre Unschuld beteuert und betont, sie habe das Kind ins Krankenhaus gebracht. Ein Pflichtverteidiger übernimmt den Fall, und glücklicherweise fallen ihm bald Ungereimtheiten auf, aber das Schicksal der Frau scheint im damaligen französischen Rechtssystem besiegelt. Hilfe bekommt er unerwarteterweise von der jungen Mathilda, deren Bruder ein Freund des Verteidigers ist und die für die Zeit eine sehr selbständig denkende und handelnde junge Frau ist, die sich mutig daran macht, die Umstände der jungen Mutter zu hinterfragen.

Paris 1992: Bruno und Gaetane

Der andere Handlungsstrang spielt im Paris des Jahres 1992. Ein junger deutscher Architekturstudent, der die Weltausstellung von 1867 und ihre historischen Rahmenbedingungen in seiner Doktorarbeit untersucht, lernt in der Bibliothek die junge und geheimnisvolle Gaetane kennen und lieben. Sie lässt ihn aber nicht an sich heran, sondern versucht, ihn zu entmutigen, obwohl ihre Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhen. Bruno versteht das nicht und lässt nicht locker.

Welches Geheimnis hat Gaetane, welche politischen Motive stecken hinter der Verhaftung der jungen Mutter von 1867, und wie passen die beiden über ein Jahrhundert auseinanderliegenden Geschichten zusammen? Genau diese drei Fragen halten das Buch zusammen, und Fleischhauer beantwortet sie erst ganz zum Schluss.

Die Figuren

Mathilda, die eigentliche Ermittlerin

Mathilda ist die stärkste Figur des Romans. Sie handelt in einer Zeit und in einer Gesellschaft, die einer jungen Frau kaum Handlungsspielraum lässt, und sie nutzt trotzdem jede Lücke, die sie findet. Was sie tut, wirkt nie wie eine moderne Heldin im historischen Kostüm, sondern wie jemand, der die Regeln seiner Zeit genau kennt und sie deshalb umgehen kann.

Gaetane, die Unzugängliche

Die moderne Hauptfigur bleibt dagegen auf Distanz, und das ist die größte Schwäche des Buches. Die Charaktere werden zwar ausführlich geschildert, man wird jedoch, insbesondere mit der modernen Figur der Gaetane, nicht wirklich warm, zu obskur sind ihre Reaktionen. Dass sie ihren Verehrer immer wieder wegstößt, obwohl sie ihn liebt, ergibt am Ende Sinn, wirkt aber über weite Strecken schlicht rätselhaft.

Sehr viel näher gehen einem die sachlicher geschilderten, aber deutlich eindrucksvoller wirkenden historischen Figuren, allen voran Mathilda. Es ist ein interessanter Effekt: Die Menschen aus dem 19. Jahrhundert stehen dem Leser näher als die aus den neunziger Jahren.

Der historische Hintergrund

Die Weltausstellung von 1867 ist im Roman mehr als eine Kulisse. Paris zeigte sich damals als Hauptstadt des Zweiten Kaiserreichs unter Napoleon III. der ganzen Welt, während in denselben Straßen Armut und Kindersterblichkeit den Alltag bestimmten. Genau diesen Widerspruch nutzt Fleischhauer: Die Fassade, die sich eine Gesellschaft gibt, und das, was sie hinter dieser Fassade verschwinden lässt.

Der Roman lebt von sehr detailgetreuen Schilderungen des Paris von heute und damals sowie der Umstände der Weltausstellung, was das Buch allein schon sehr interessant macht. Wer sich für die Epoche interessiert, bekommt hier mehr als bei manchem Sachbuch.

Sprache und Stil

Die Sprache Fleischhauers ist sehr blumig und ebenfalls ungewöhnlich, sie wird von vielen Rezensenten gelobt. Auch wenn sie ab und an sehr aufgesetzt wirkt und bewusst blumig beziehungsweise willkürlich schön formuliert ist, ist sie doch eine wohltuende Abwechslung. Ein Beispiel von Seite 165: „Dieses (Gedicht) wuchs wie so selber an meiner Seele fest, wie unsichtbare Flügel.“

Solche Sätze muss man mögen. Wer nüchterne Prosa bevorzugt, wird an einigen Stellen die Augen verdrehen. Wer sich darauf einlässt, findet einen Ton, der sich von der üblichen Krimisprache angenehm unterscheidet.

Ist das überhaupt ein Krimi?

Der Roman ist kein Krimi oder Thriller im engeren Sinn, sondern ein spannend erzählter Roman. Es gibt eine Leiche, eine Verhaftung und ein Verfahren, aber keinen Ermittler, der Verdächtige abklappert, und keine Verfolgungsjagd. Ausgezeichnet wurde das Buch dennoch beim Deutschen Krimi Preis in der Kategorie National im Jahr 2000, und das passt insofern, als der eigentliche Kriminalfall nicht die Tat ist, sondern das, was mit ihrer Aufklärung geschieht. Um Mord und Justiz geht es auch in Ferdinand von Schirachs Roman, der von einem Mord zu einem realen Gesetz von 1968 führt.

Am Anfang ist es etwas mühsam, zwischen den Jahrhunderten hin und her zu springen, doch mit dem Lesen wächst die Neugier, was die beiden Stränge denn nun miteinander gemeinsam haben. Diese Neugier ist der Spannungsmotor des Buches, nicht die klassische Frage nach dem Täter.

Über Wolfram Fleischhauer

Wolfram Fleischhauer wurde 1961 in Karlsruhe geboren. Bekannt wurde er mit Romanen, die historische Stoffe und Kunstgeschichte verbinden, darunter „Die Purpurlinie“, „Drei Minuten mit der Wirklichkeit“ und „Das Buch, in dem die Welt verschwand“. Die Frau mit den Regenhänden erschien erstmals 1999 bei Schneekluth und ist seither in mehreren Taschenbuchausgaben erhältlich.

Für wen lohnt sich das Buch?

Empfehlenswert ist der Roman für Leser, die historische Stoffe mögen und bereit sind, sich auf eine ungewöhnliche Konstruktion einzulassen. Auch für Lesekreise eignet er sich, weil die Verbindung der beiden Zeitebenen Gesprächsstoff liefert.

Weniger geeignet ist er für alle, die einen schnellen Kriminalroman suchen. Wer nach fünfzig Seiten Tempo erwartet, wird es nicht bekommen. Und wer Figuren braucht, mit denen er sich sofort identifizieren kann, wird zumindest im Gegenwartsstrang auf Distanz bleiben.

Fazit: Lohnt sich Die Frau mit den Regenhänden?

Die Handlung und die Geschichte sind sehr ungewöhnlich, die Sprache ist eigenwillig, der historische Teil ist hervorragend recherchiert. Der einzige echte Nachteil ist die Distanz zur modernen Hauptfigur. Alles in allem ein sehr lesenswertes, ungewöhnliches Buch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Die Frau mit den Regenhänden?

Die Frau mit den Regenhänden erzählt zwei Geschichten parallel. Im Paris des Jahres 1867 wird eine Kinderleiche aus der Seine geborgen, die Mutter wird verhaftet und beteuert ihre Unschuld. Im Paris des Jahres 1992 untersucht ein deutscher Architekturstudent die Weltausstellung von 1867 und verliebt sich in die geheimnisvolle Gaetane. Erst am Ende fügen sich beide Stränge zusammen.

Ist Die Frau mit den Regenhänden ein Krimi?

Nein, Die Frau mit den Regenhänden ist kein Krimi oder Thriller im engeren Sinn, sondern ein spannend erzählter Roman. Es gibt eine Leiche, eine Verhaftung und ein Verfahren, aber keinen Ermittler und keine Verfolgungsjagd. Ausgezeichnet wurde das Buch dennoch im Jahr 2000 beim Deutschen Krimi Preis in der Kategorie National.

Wann ist der Roman erschienen und wer hat ihn geschrieben?

Die Frau mit den Regenhänden hat Wolfram Fleischhauer geschrieben, geboren 1961 in Karlsruhe. Der Roman erschien erstmals 1999 bei Schneekluth und ist seither in mehreren Taschenbuchausgaben erhältlich.

Muss man sich für die Weltausstellung 1867 interessieren?

Nein, für Die Frau mit den Regenhänden muss man sich nicht vorab für die Weltausstellung 1867 interessieren. Sie ist im Roman mehr als eine Kulisse und wird sehr detailgetreu geschildert, wer sich für die Epoche interessiert, bekommt aber mehr als bei manchem Sachbuch.

Wie schwierig ist der Wechsel zwischen den beiden Zeitebenen?

In Die Frau mit den Regenhänden ist der Wechsel zwischen den Jahrhunderten am Anfang etwas mühsam. Mit dem Lesen wächst die Neugier, was die beiden Handlungsstränge miteinander gemeinsam haben, und diese Neugier ist der Spannungsmotor des Buches.

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