Die Giftköchin
Kurzfazit: Bitterböse finnische Komödie mit einer Heldin, die man nicht vergisst.
Die Giftköchin: Roman
12,00 € Stand: 17.08.2026
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Zum Angebot bei Amazon →„Die Giftköchin“ ist ein Roman des finnischen Autors Arto Paasilinna, im Original 1988 unter dem Titel „Suloinen myrkynkeittäjä“ erschienen. Ins Deutsche übertragen hat ihn Regine Pirschel. Der Handel führt das Buch häufig als Finnland-Krimi, was nur die halbe Wahrheit ist: Es ist vor allem eine schwarze Komödie über eine alte Dame, die sich nicht länger ausnehmen lässt.
Worum geht es in Die Giftköchin?
Linnea Ravaska, Offizierswitwe, lebt weitab in einem Häuschen auf dem Lande. Es scheint idyllisch zu sein, auch wenn Linnea, die noch sehr rüstig ist, ihr Wasser selbst heraufpumpen muss und ihre Einkäufe weit tragen. Aber die Idylle trügt. Zwar ist Linnea nicht arm, aber gerade das ist verantwortlich für ihr Martyrium. Für ihren Neffen, den Sohn ihrer verrückten Schwester, fühlt sie sich verantwortlich. Für ihn verkauft sie ihre schöne Stadtwohnung, um ihn mit dem Geld vor dem Gefängnis zu bewahren. Keine gute Idee.
Der kleinkriminelle und arbeitsscheue Kauko und seine zwei Kumpanen wollen nicht nur die Rente der alten Dame abkassieren, Kauko kommt jeden Zahltag, sie wollen auch möglichst alles, was sie noch so hat. Aber zuerst einmal wollen sie Spaß. Also besuchen sie die alte Dame in ihrem Häuschen, natürlich in einem gestohlenen Auto.
Zerstörerisches Partyleben
Mit zu viel Alkohol, Spaß in der Sauna, dem Freiluftgrillen eines gestohlenen Ferkels und überhaupt viel „Party“ zerstören die drei nahezu das gesamte Haus. Möbel enden als Grillholz, zu viel getrunkenes Bier landet in beiderlei vom Körper verarbeiteter Form in der Sauna und im Garten, die Polizei ist überhaupt keine Hilfe, und die Tatsache, dass die verzweifelte Linnea sie gerufen hat, verärgert die drei Taugenichtse so sehr, dass sie Linnea dazu zwingen, ein von ihnen ausgedachtes Testament zu unterschreiben.
Linnea, die zu einem alten Freund und ehemaligen Liebhaber nach Helsinki geflüchtet ist, ist nur zu klar, dass die drei, einschlägig vorbelastet, jetzt ihren Tod planen. Aber was kann eine alte Frau, als Dame erzogen, Offizierswitwe, und ein alter Arzt, der nur noch für ebenso alte Patienten seine Praxis öffnet, da tun?
Wie sich Linnea wehrt
Die folgende Passage verrät, wie die Sache ausgeht. Wer den Roman unvorbelastet lesen möchte, springt am besten gleich zum Abschnitt über den Autor.
Wenn die drei sie fänden, dann setzt es sicher wieder Schläge und Schlimmeres. Linnea will vorbereitet sein. Aus verschiedenen Substanzen des Arztschrankes und mit Hilfe einschlägiger Literatur braut sich Linnea ein Gift zusammen, das sie immer bei sich trägt, um sich umbringen zu können, wenn es sein müsste. Dummerweise setzt sich einer der drei Verfolger auf die Spritze und stirbt, passenderweise auf dem Friedhof. Für die Polizei ein Junkie, der sich den goldenen Schuss gesetzt hat.
Und, wie es hier nicht im Einzelnen verraten werden soll, auch die anderen beiden Taugenichtse sterben durch Linneas beherztes Handeln und ihre guten Ideen. Der alten Dame ist so noch ein spätes Glück mit dem Arzt Jaakko beschieden, und auch nach ihrem Tod, in der Hölle, in der schließlich alle Finnen landen, kommen die drei mit ihrer Rache nicht zum Zuge. Denn eine Dame bleibt eine Dame, auch in der Hölle.
Wer ist Arto Paasilinna?
Arto Paasilinna wurde 1942 in Kittilä im nordfinnischen Lappland geboren. Er arbeitete zunächst als Journalist, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete, und wurde zu einem der populärsten Schriftsteller Finnlands. Seine Romane sind in mehr als 40 Sprachen übersetzt worden und haben ihm im Ausland eine treue Leserschaft eingebracht, in Frankreich und im deutschsprachigen Raum besonders.
Sein Markenzeichen ist eine schnörkellose, fast beiläufige Sprache, die die absurdesten Vorgänge so erzählt, als wären sie das Selbstverständlichste der Welt. Genau daraus entsteht der Humor. Paasilinna kommentiert nicht, er zeigt, und der Leser lacht über das, was zwischen den Zeilen steht.
Der Humor des Buches
Der Meister des skurrilen Humors hat wieder zugeschlagen. Witzig, intelligent, grotesk zuweilen und herrlich spitz überzeichnet, mit einem Augenzwinkern. Auf jeder Seite ein Schmunzler. Warum zum Beispiel, so Kaukos Logik, wird jeder Mörder gleich bestraft? Müsste doch die Strafe für den Mörder eines alten Menschen geringer ausfallen, denn der hat ja schließlich nur noch wenige Jahre gehabt, um die man ihn bringt. Außerdem entlastet das die Rentenkasse. Nur der Mörder von Kindern, ja, der müsste härter bestraft werden.
Diese Passagen sind typisch für das Buch: Die Bösewichte argumentieren mit einer Konsequenz, die im Ansatz vollständig verdreht ist, und je logischer sie klingen, desto komischer und desto unangenehmer wird es.
Wo der Humor kippt
Man sollte nicht unterschlagen, dass unter dem Witz ein ernstes Thema liegt. Es geht um Gewalt gegen alte Menschen, um finanzielle Ausbeutung in der eigenen Familie und um Behörden, die nicht helfen. Paasilinna behandelt das nicht als Sozialdrama, aber er verharmlost es auch nicht. Wer für schwarzen Humor nichts übrig hat, wird an manchen Stellen zusammenzucken, etwa bei der Verwüstung des Hauses oder bei der Selbstverständlichkeit, mit der die Todesfälle abgehandelt werden.
Die Figuren
Linnea Ravaska
Linnea ist die eigentliche Entdeckung des Buches. Sie ist höflich, ordentlich und in ihrem Selbstverständnis eine Dame alter Schule, und genau diese Haltung wird zur Waffe. Sie schreit nicht, sie klagt nicht, sie handelt. Dass eine über achtzigjährige Frau als Actionheldin durchgehen kann, ohne dass es albern wird, ist die größte Leistung des Romans.
Kauko und die Kumpane
Die drei sind bewusst als Karikaturen angelegt, faul, gierig und dumm. Man muss ihnen keine Tiefe zugestehen, denn sie funktionieren als Naturgewalt, gegen die Linnea sich behaupten muss. Wer psychologisch ausgearbeitete Antagonisten sucht, ist hier falsch.
Jaakko, der alte Arzt
Der alte Freund und Arzt in Helsinki gibt dem Buch seine warme Seite. Ohne ihn wäre der Roman eine reine Rachegeschichte; mit ihm bekommt Linnea etwas, das über das Überleben hinausgeht.
Für wen lohnt sich Die Giftköchin?
Für Leser, die schwarzen Humor mögen und nordische Literatur schätzen, die nicht düster sein muss. Für alle, die einen kurzen, geradlinigen Roman für ein Wochenende suchen. Und ausdrücklich als Einstieg in Paasilinnas Werk, denn wer hier Gefallen findet, hat noch viele Bücher vor sich.
Weniger geeignet ist das Buch für Leser, die einen klassischen Kriminalroman mit Ermittlung und Auflösung erwarten, und für alle, die bei Gewalt gegen ältere Menschen keinen Spaß verstehen.
Fazit: Lohnt sich Die Giftköchin?
Ja. Paasilinna erzählt eine bitterböse Geschichte mit leichter Hand, gibt seiner Heldin Würde statt Mitleid und trifft dabei einen Ton, den kaum jemand kopieren kann. Jeder, dem es mal nicht so gut geht, sollte Paasilinna lesen. Das hilft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Die Giftköchin?
Die alte Offizierswitwe Linnea Ravaska lebt zurückgezogen in einem Häuschen auf dem Land. Ihr kleinkrimineller Neffe Kauko und dessen zwei Kumpane kassieren regelmäßig ihre Rente ab, verwüsten ihr Haus und zwingen sie schließlich, ein gefälschtes Testament zu unterschreiben. Linnea flieht nach Helsinki und beginnt, sich zur Wehr zu setzen.
Wer hat Die Giftköchin geschrieben?
Der Autor ist Arto Paasilinna, geboren 1942 im lappländischen Kittilä in Nordfinnland. Er arbeitete zunächst als Journalist und wurde zu einem der populärsten Schriftsteller Finnlands. Seine Bücher sind in über 40 Sprachen übersetzt worden.
Wie heißt das Buch im finnischen Original?
Der Originaltitel lautet „Suloinen myrkynkeittäjä“ und erschien 1988. Ins Deutsche übertragen hat den Roman Regine Pirschel. Die deutsche Ausgabe erschien bei Ehrenwirth, spätere Taschenbuchausgaben in der Verlagsgruppe Lübbe.
Ist Die Giftköchin ein Krimi oder eine Komödie?
Beides zugleich. Der Handel führt das Buch oft als Finnland-Krimi, tatsächlich ist es vor allem eine schwarze Komödie. Es gibt Tote, aber keine Ermittlung im klassischen Sinn, und der Ton bleibt trotz aller Gewalt trocken und komisch.
Muss man andere Bücher von Paasilinna kennen?
Nein. Alle Romane Paasilinnas stehen für sich. „Die Giftköchin“ eignet sich sogar gut als Einstieg, weil sie kürzer und geradliniger erzählt ist als manche seiner anderen Bücher.
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