Gary Numan - Human
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Gary Numans Human ist kein reguläres Songalbum, sondern eine Sammlung von 36 kurzen Instrumentalstücken aus Filmmusik-Material von 1991, in der Rezension vom 14. Juli 2011 mit 3,5 von 5 bewertet. Die sperrigen Skizzen lohnen sich vor allem für Fans und Sammler, die Numans Werkstatt hören wollen.
Human
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Was ist Gary Numans Human?
Bei Human handelt es sich nicht um ein Album im gewöhnlichen Sinne, vielmehr stellt es eine Sammlung experimenteller Instrumentalstücke dar, die Gary Numan Anfang der 90er Jahre zusammen mit Michael R. Smith aufnahm. Bei diesem Soundexperiment wollte man sich bewusst nicht irgendwelchen Regeln unterordnen, sondern nach dem Prinzip des Brainstormings der Kreativität freien Lauf lassen.
Numan hat das Ergebnis später selbst treffend eingeordnet: eine gut einstündige Sammlung musikalischer Ideen, jede mit einer bestimmten Stimmung oder Atmosphäre im Kopf entstanden, und ausdrücklich kein konventionelles Instrumentalalbum. Wer mit dieser Erwartung herangeht, wird der Platte deutlich eher gerecht als jemand, der nach Songs sucht.
Die Eckdaten
Die Aufnahmen entstanden 1991, veröffentlicht wurde Human erst 1995 auf Numans eigenem Label Numa unter der Katalognummer NUMACD 1013. Als Urheber sind Gary Numan und Michael R. Smith gemeinsam angegeben, beide auch als Produzenten. Eingespielt und gemischt wurde in den Outland Studios in England. Auf der CD finden sich sage und schreibe 36 Titel.
Die Herkunft aus dem Kino
Eine kleine Anekdote am Rande: Ursprünglich war geplant, einen Soundtrack zu einem Rutger-Hauer-Film zu produzieren. Da man sich aber mit den Machern nicht einigen konnte, suchte man sich einen anderen Abnehmer. So wurden Teile der Stücke, die auf diesem Album zu finden sind, beim Horrorfilm The Unborn verwendet, einer Low-Budget-Produktion aus dem Jahr 1991. Der größte Teil des hier versammelten Materials blieb im Film allerdings ungenutzt und wanderte stattdessen ins Archiv, bis es Jahre später als Album erschien.
Es ist genau diese Horrorfilmästhetik, die diesen Stücken sehr zugutekommt. Schon die Tracktitel beschreiben die Nähe zu diesen Filmen: „A Cry In The Dark“, „Halloween“ und allen voran „Elm Street“ leugnen ihre Intention nicht. Auch „The Unborn“ selbst, „Lethal Injection“ und „Embryo“ verweisen unmissverständlich auf den Kontext, in dem sie entstanden.
Wie klingt Human?
Was das Album auszeichnet, ist seine ganz eigene, oft sehr verschroben wirkende Produktion. Richtige Melodien findet man rein oberflächlich betrachtet fast vergeblich, nur wenn man ganz genau hinhört, kommen einem manche der sage und schreibe 36 Titel irgendwie bekannt vor. Das hat auch seinen Grund, denn einige der musikalischen Ideen, die hier dargeboten werden, fanden später Verwendung auf Werken wie Outland und Machine And Soul. Das Album von 1992 behandelt die Rezension zu Machine And Soul ausführlich.
Da die meisten Stücke auf dem Album sehr kurz sind, manche unter einer Minute, muss man dem Album sehr viel Zeit geben, bevor es so richtig funktionieren will. Darüber hinaus ist es auch etwas sperrig, um es nur nebenbei zu hören. Wer es als Hintergrundmusik laufen lässt, nimmt vor allem eine Abfolge von Stimmungen wahr, die sich nicht zu einem Bogen fügen.
Das gelungenste Stück
Das gelungenste Stück ist ohne Zweifel „New Life“, das einzige Stück mit vernünftiger Spiellänge, das zudem eine wunderschöne Synthesizermelodie besitzt. Hier zeigt sich, was aus diesem Material hätte werden können, wenn man ihm mehr Raum gegeben hätte. Auch „Harmonos“ und „Sahara“ tragen weiter, als ihre Kürze vermuten lässt.
Wo das Album an Grenzen stößt
Der Preis für diese Radikalität ist Beliebigkeit an den Rändern. Zwischen den starken Momenten stehen Skizzen, die für sich genommen kaum etwas transportieren und im Film vermutlich unter Dialog und Geräuschkulisse verschwunden wären. Sechsunddreißig Titel sind schlicht eine große Zahl, und nicht jede Idee trägt bis zum Ende.
Dazu kommt, dass Filmmusik ohne Bild grundsätzlich eine andere Aufgabe hat. Was in einer Szene Spannung aufbaut, wirkt isoliert oft nur wie ein Klang, der auf etwas wartet, das nicht kommt. Human verlangt deshalb Zuhörer, die bereit sind, sich die fehlenden Bilder selbst zu denken. Wer dazu keine Lust hat, wird die Platte nach einem Drittel abbrechen, und das wäre nachvollziehbar.
Human im Werk von Gary Numan
Zeitlich liegt Human zwischen zwei Welten. Die Aufnahmen von 1991 stammen aus einer Phase, in der Numan öffentlich kaum noch stattfand. Veröffentlicht wurde die Platte aber 1995, also im Jahr nach Sacrifice, mit dem sein künstlerisches Comeback einsetzte und das ihm die besten Kritiken seit Jahren einbrachte. Wer Human hört, hört damit gewissermaßen einen Teil des Rohmaterials, aus dem der spätere, deutlich düsterere Numan hervorging. Das Nachfolgealbum Exile von 1997 hat eine eigene Rezension zu Exile auf dieser Seite.
Ein Hinweis zur Trackliste
Wer die auf den Tonträgern abgedruckten Titel mit anderen Quellen vergleicht, stößt auf kleinere Abweichungen und Schreibfehler. Das ist bei einer Veröffentlichung dieser Größenordnung nicht ungewöhnlich und sagt nichts über die Musik aus, kann beim Sortieren einer Sammlung aber für Verwirrung sorgen. Im Zweifel hilft der Blick auf die Katalognummer NUMACD 1013, um die richtige Ausgabe zu identifizieren.
Für wen lohnt sich Human?
Gerade für Gary-Numan-Fans ist die Platte sehr interessant, weil Gary Numan hier mal wieder eine andere Seite seines kreativen Schaffensprozesses offenbart. Sammler bekommen einen Blick in die Werkstatt, in der Motive entstehen, bevor sie zu Songs werden. Wer dagegen den Numan der Hits sucht, den mit Gesang, Refrain und Chartvergangenheit, wird mit dieser Veröffentlichung wenig anfangen können.
Fazit: Lohnt sich Human?
Human ist ein sehr außergewöhnliches Album, steckt es doch voller interessanter musikalischer Ideen, die sich erst nach und nach so richtig erschließen wollen. Gerade für Gary-Numan-Fans ist die Platte sehr interessant, für alle anderen dürfte Human einfach nur strange klingen. Man sollte wissen, worauf man sich einlässt, dann aber wird man mit einer Sammlung belohnt, die es in dieser Form kein zweites Mal in seinem Katalog gibt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Gary Numans Human für ein Album?
Gary Numans Human ist kein reguläres Songalbum, sondern eine Sammlung von 36 kurzen Instrumentalstücken, die Numan gemeinsam mit Michael R. Smith aufnahm. Numan beschrieb es als Sammlung musikalischer Ideen mit jeweils eigener Stimmung und ausdrücklich nicht als konventionelles Instrumentalalbum.
Wann ist Human erschienen und bei welchem Label?
Gary Numans Human wurde 1991 aufgenommen und 1995 auf Numans eigenem Label Numa unter der Katalognummer NUMACD 1013 veröffentlicht. Aufnahme und Mischung entstanden in den Outland Studios in England.
Hat Human etwas mit einem Film zu tun?
Ja, Gary Numans Human hat einen Filmbezug: Teile des Materials wurden im 1991 gedrehten Low-Budget-Horrorfilm The Unborn verwendet, der größte Teil blieb dort aber ungenutzt. Tracktitel wie A Cry In The Dark, Halloween und Elm Street zeigen diese Herkunft.
Warum sind die Stücke so kurz?
Die Stücke auf Gary Numans Human sind kurz, weil es Filmmusik-Skizzen sind, die jeweils eine Stimmung tragen sollten. Manche Titel bleiben unter einer Minute, weshalb das Album sperrig wirkt und viel Zeit braucht.
Für wen lohnt sich Human?
Gary Numans Human lohnt sich für Numan-Sammler und Fans, die hören wollen, wie seine Ideen entstehen, bevor sie zu Songs werden. Einige Motive tauchten später auf Outland und Machine And Soul wieder auf. Wer Songs mit Gesang sucht, greift besser zu einem Studioalbum.
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