Gegenet und Verflucht

Rezension von: michaelkrause2 | Rezensionsdatum:

DER WOLF IM SCHAFSPELZ!

Der Sänger:

Im Bereich des deutschen Schlagers ist sicher eine der schillerndsten Figuren. 1983 gelang ihm mit der Drafi-Deutscher-Komposition „Jenseits von Eden“ der große Durchbruch. Seitdem war er einer der erfolgreichsten Schlagersänger. Doch er wollte nicht auf Dauer auf diese Musikrichtung reduziert werden, allerdings scheiterten seine Versuche, als Rocksänger Fuß zu fassen, recht kläglich. Fortan war seine Karriere ein Wechselspiel der Gefühle, ohne das er je an die Erfolge in den 1980ern anknüpfen konnte. Auch sein Privatleben sorgte immer wieder für Schlagzeilen. Zudem war es sein Gesundheitszustand, der für Gesprächsstoff sorgte. 2020 wurde bei die Lungenkrankheit COPD diagnostiziert.

Das Album:

Nach mehrfach erfolglosen Ausflügen ins Rockgenre sollte es jetzt eine Spur härter werden. Zusammen mit , dem Frontmann von , will Nino de Angelo das Genre der Neuen Deutschen Härte bedienen. Und die Vorzeichen waren so, dass mich das Album wirklich interessiert hat. Sicher, der im Vorfeld ausgekoppelte Titeltrack reitet auf der unheiligen Welle und warf die Frage in den Raum, ob Nino de Angelo vielleicht die freigewordene Stelle des Grafen übernehmen möchte. Daher war ich gespannt, ob es ihm ernst ist, oder ob er nur ein Wolf im Schafspelz ist.

Den Anspruch, den Grafen zu beerben, untermauern dann auch die ersten Takte des Openers „Sag es meinem Herzen bitte nicht“. Wer Alben wie „Lichter der Stadt“ gefeiert hat, wird hier begeistert sein. Doch spätestens beim Refrain offenbart sich die Wahrheit: Das ist weder Rock, noch , das ist einfach nur Schlager, den man diese Pseudojacke angezogen hat. Und genau das ist das Problem dieses Albums. Es weiß nicht, was es will. 

Für einfachen Schlager ist es stellenweise zu hart, doch für echte Härte viel so schlagerlastig. Und wenn dann noch solche Entgleisungen wie „Ich bin dein Vampir“ dabei herauskommen, weiß man, warum dieser Sänger eher zu Promi Big Brother gehört (wo er einen für seine Fangemeinde sicher lobenswerten dritten Platz belegt hat), als zur Riege der ernstzunehmenden Musiker. Und das wahre Gesicht zeigt der Wolf im Schafpelz dann bei der unsäglichen Coverversion von „Jenseits von Eden“, die mit Bombast zugekleistert wurde und dafür sorgt, dass jede Schlagermutti und jeder Schlagervati jetzt einen auf harten Rocker machen kann. 

Trackliste:

01 – Sag es meinem Herzen bitte nicht

02 – Gesegnet und Verflucht

03 – Zeit heilt Wunden

04 – Equilibrium

05 – Angel Lost in Paradise (feat. Scarlett Dorn)

06 – Ich bin dein Vampir

07 – Romeo & Juliet 

08 – Der Vampir (feat. Chris Harms)

09 – Sonnenkind

10 – Colonia

11 – Brennender Engel

12 – Denn wir wissen nicht was wir tun

13 – Jenseits von Eden (Version 2021)

Fazit: 

Für die Dauer von 4:07 Minuten (die Spielzeit des Titelsongs „Gesegnet und Verflucht“) war ich geneigt zu glauben, dass es Nino de Angelo mit seinem Imagewechsel wirklich ernst ist. Leider war dies ein Irrglaube. Das Album ist letztlich nichts weiter, als der Versuch, einen auf harten Rocker zu machen. Wie ein Wolf im Schafspelz biedert er sich der Fraktion an, die eine unheilige Lücke füllen muss, aber nicht gewillt ist, den Schritt in die richtige Richtung zu tun. Das ist schade, denn stimmlich hätte Nino de Angelo durchaus das Zeug dazu. Doch was nutzt dies, wenn man nur versucht, auf den schnellen Charterfolg zu schielen? Das ist sicher auch ein Grund, warum alle bisherigen Versuche als Rocksänger gescheitert sind, denn ehrliche Rockmusik ist mehr, als das Reiten einer Welle, die von richtigen Musikern wie besser bedient wird.

Bewertung

Musik: 2

Instrumentalisierung: 4,5

Stimme: 4,5

Abwechslung: 2

Hörspaß: 2

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