Karlsson auf dem Dach
Kurzfazit: Zeitloser Lindgren-Klassiker über Einsamkeit und einen fliegenden Freund
Karlsson auf dem Dach - TV-Serie
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Preis bei Amazon ansehen →Astrid Lindgrens Geschichte vom fliegenden Männlein auf dem Dach wurde 1974 in Schweden unter der Regie von Olle Hellbom verfilmt. Entstanden ist eine vierteilige Kinderserie mit halbstündigen Folgen, die auch am Stück als ein Spielfilm gezeigt wurde. Lillebror spielt Lars Söderdahl, Karlsson spielt Mats Wikström. Grundlage ist Lindgrens Buch, das im Original „Karlsson vom Dach“ heißt.
Worum geht es in Karlsson auf dem Dach?
Der siebenjährige Junge Lillebror sehnt sich vor allem nach einem: einem wahren Freund, der ihn versteht und der sich Zeit für ihn nimmt. Lillebrors Eltern haben vor allem ihre Arbeit und den Haushalt im Kopf, und für Lillebror bleibt in ihrem hektischen Alltag nur wenig Zeit. Und von seinen Freunden aus der Schule fühlt Lillebror sich allzu oft nicht richtig verstanden und ernst genommen.
Die Freude ist groß, als eines Tages ein dicklicher Junge namens Karlsson mit einem Propeller auf dem Rücken durch das Fenster in Lillebrors Zimmer hineinfliegt. An Selbstbewusstsein mangelt es Karlsson nicht, mit einem „Heissa Hoppsa“ begrüßt er Lillebror und bezeichnet sich selbst gleich als „weltbesten Karlsson“. Eines Tages nimmt Karlsson Lillebror dann in sein Haus über den Dächern der Stadt mit. Lillebror ist von dem fröhlichen Jungen begeistert, der sich selbst aber weniger als Kind als vielmehr als „mitteldicken und klugen Mann im besten Alter“ sieht.
Doch die Freude über das plötzliche Auftauchen von Karlsson währt nicht lange, denn weder Lillebrors Eltern und Geschwister noch seine Schulfreunde schenken der Geschichte vom dicken fliegenden Karlsson Glauben. Doch Lillebror lässt sich nicht beirren und will Karlsson seinen Eltern und Freunden präsentieren. Doch Karlsson ist von dieser Idee nicht ganz überzeugt: Er will Lillebror lieber für sich behalten und taucht immer nur dann auf, wenn Lillebrors Eltern und Freunde gerade nicht in Reichweite sind.
Die Charaktere
Die beiden wichtigsten Charaktere in „Karlsson auf dem Dach“ sind natürlich Lillebror und Karlsson.
Lillebror
Lillebror heißt eigentlich Svante, doch er wird von allen nur Lillebror gerufen, was auf Schwedisch „Kleiner Bruder“ bedeutet. Er ist sowohl in der Familie Svantesson als auch in der Schule stets das „fünfte Rad am Wagen“. Genau darin liegt der Grund, warum die Geschichte bis heute funktioniert: Das Gefühl, in einer beschäftigten Familie übersehen zu werden, kennen Kinder aus eigener Erfahrung, ganz gleich in welchem Jahrzehnt.
Karlsson
Auch Karlsson ist im Grunde alleine, nimmt sich dies jedoch nicht zu Herzen. Er lebt in den Tag hinein, ist überaus selbstbewusst und ein bisschen anarchistisch veranlagt. Des Weiteren ist er sehr gefräßig und „stibitzt“ leidenschaftlich gerne Bonbons und Fleischbällchen.
Karlsson ist bewusst keine liebenswerte Fee, sondern ein ziemlich egoistischer Kerl. Er prahlt, er lügt, er nimmt sich den größeren Teil und verschwindet, wenn es unangenehm wird. Dass Kinder ihn trotzdem lieben, liegt genau daran: Er tut all das, was ihnen verboten ist, und entschuldigt sich nie dafür.
Die Charaktere von Karlsson und Lillebror ergänzen sich perfekt. Als Lillebror die Bekanntschaft von Karlsson macht, hat er endlich einen „echten Freund“, und Karlsson ist froh, nun einen Bewunderer gefunden zu haben.
Die Nebenfiguren
Die übrigen Charaktere in „Karlsson auf dem Dach“ sind für den Verlauf der Handlung nur von untergeordneter Bedeutung. Lillebrors größere Geschwister Krister und Gunilla werden überzogen und klischeehaft dargestellt, ihre Funktion besteht einzig und allein darin, Karlsson Anlass zum Spott zu geben und Lillebrors Platz in der Familie zu verdeutlichen. Die Eltern von Lillebror werden als liebevoll, aber desinteressiert dargestellt und fungieren somit als „Spiegel der Gesellschaft“, auch wenn die meisten kleinen Zuschauer des Films dies wohl noch nicht erkennen werden.
Wie die Verfilmung aussieht
Die Serie stammt aus dem Jahr 1974 und sieht auch so aus. Das ist kein Nachteil, sondern Teil der Wirkung: gedämpfte Farben, Wohnungen mit Tapeten und Küchentischen, Dächer einer schwedischen Großstadt, über die niemand hektisch hinwegfliegt. Die Tricktechnik für Karlssons Flüge ist einfach, und wer heutige Kinderfilme gewohnt ist, sieht das sofort. Kinder stört das erfahrungsgemäß deutlich weniger als Erwachsene.
Erzählt wird ruhig, in klaren Episoden. Weil die Vorlage aus einzelnen Streichen besteht, gibt es keine große Spannungskurve, sondern eine Aneinanderreihung von Situationen. Das passt gut zum Format der halbstündigen Folgen, macht die Spielfilmfassung aber an ein, zwei Stellen etwas langatmig.
Buch und Verfilmung
Astrid Lindgrens Vorlage heißt im Deutschen „Karlsson vom Dach“, und wer sie kennt, merkt schnell, wie nah die Verfilmung an ihr bleibt. Die Dialoge, die Streiche und vor allem Karlssons großspurige Selbstbeschreibungen stammen weitgehend aus dem Buch. Verloren geht dabei allerdings die Erzählerstimme, die im Buch immer wieder eine leise Ironie einzieht. Im Film muss das Spiel der Darsteller diese Ebene allein tragen.
Umgekehrt gewinnt der Film etwas, das das Buch nicht bieten kann: einen Blick auf die Stadt. Die Kamera zeigt Dächer, Hinterhöfe und Straßenzüge einer schwedischen Großstadt und macht dadurch plausibel, dass ein Junge sich ausgerechnet nach oben träumt. Wer den Film und das Buch nacheinander nimmt, bekommt zwei sehr unterschiedliche Zugänge zur selben Geschichte.
Für welches Alter lohnt sich der Film?
Am besten funktioniert „Karlsson auf dem Dach“ bei Kindern im Kindergarten- und frühen Grundschulalter. Es gibt nichts, wovor man Angst haben müsste, keine schnellen Schnitte und keine komplizierte Handlung. Kinder, die schon Pippi Langstrumpf oder Michel aus Lönneberga kennen, finden sich sofort zurecht, denn der Ton ist derselbe.
Ältere Kinder ab etwa zehn Jahren empfinden das Tempo häufig als zu gemächlich. Erwachsene wiederum entdecken beim Mitschauen die zweite Ebene: eine Geschichte über ein Kind, das sich einen Freund erfindet, weil ihm zu Hause niemand richtig zuhört. Ob Karlsson wirklich existiert, lässt Lindgren offen, und der Film tut es ihr gleich.
Fazit: Lohnt sich Karlsson auf dem Dach?
„Karlsson auf dem Dach“ ist ein leichter Film, der vor allem jüngeren Zuschauern viel Vergnügen bereiten wird, eben ein klassischer Kinderfilm im Stil von Astrid Lindgren. Kinder werden ihre helle Freude mit den Streichen von Karlsson und Lillebror haben, und auch ältere Zuschauer werden sich ein Lächeln bei der einen oder anderen Szene kaum verkneifen können, etwa bei der eigenwilligen Rechenweise von Karlsson, wenn es um die „gerechte“ Aufteilung von Himbeer- und Lakritzbonbons geht. „Karlsson auf dem Dach“ ist ein zeitloser und familientauglicher Filmspaß, der in jede Astrid-Lindgren-Sammlung gehört.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Karlsson auf dem Dach?
Lillebror ist ein Junge, der sich in seiner Familie und in der Schule übersehen fühlt und sich nichts sehnlicher wünscht als einen echten Freund. Eines Tages fliegt Karlsson, ein kleiner rundlicher Kerl mit einem Propeller auf dem Rücken, durch sein Fenster herein. Karlsson lebt in einem Häuschen auf dem Dach, stiftet Unfug und verschwindet immer genau dann, wenn Lillebror ihn jemandem zeigen will.
Wer hat Karlsson auf dem Dach verfilmt?
Regie führte der schwedische Regisseur Olle Hellbom, der zahlreiche Astrid-Lindgren-Stoffe fürs Fernsehen und Kino umgesetzt hat. Die Produktion entstand 1974 als vierteilige schwedische Kinderserie mit halbstündigen Folgen. Im deutschen Fernsehen wurden die Teile zeitweise am Stück als ein einzelner Spielfilm gezeigt.
Wer spielt Lillebror und Karlsson?
Lillebror wird von Lars Söderdahl gespielt, Karlsson von Mats Wikström. Beide Darsteller prägen die Verfilmung stark, weil der Film fast vollständig aus ihren gemeinsamen Szenen besteht. Die Flugtricks sind schlicht gemacht, stören aber nicht, weil die Figur allein durch das Spiel funktioniert.
Warum heißt Lillebror Lillebror?
Lillebror heißt eigentlich Svante Svantesson. Lillebror ist schwedisch und bedeutet wörtlich kleiner Bruder. Der Spitzname beschreibt genau seine Rolle in der Familie, in der er stets das fünfte Rad am Wagen ist.
Ab welchem Alter ist der Film geeignet?
Der Film richtet sich an Kinder ab etwa vier bis fünf Jahren. Es gibt keine bedrohlichen Szenen, kein Tempo, das überfordert, und keine Handlungsstränge, die man sich merken müsste. Ältere Kinder finden ihn möglicherweise zu ruhig, Erwachsene erkennen die Melancholie unter der Komik.
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