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Killing Joke - Democracy

2,5 von 5 Alle Rezensionen zu Killing Joke von Rezension.org · 2011-07-31 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Ein paar starke Riffs, sonst das müdeste Album der Neunziger.

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Die Titelliste

  1. Savage Freedom
  2. Democracy
  3. Prozac People
  4. Lanterns
  5. Aeon
  6. Pilgrimage
  7. Intellect
  8. Medicine Wheel
  9. Absent Friends
  10. Another Bloody Election

Worum geht es auf Democracy?

Die Band Killing Joke hatte gerade in den 90er Jahren ihre experimentelle Phase durchlebt. War der Vorgänger Pandemonium vor allem von elektronischen Sounds geprägt, gehen Killing Joke mit Democracy wieder einen Schritt zurück und überlassen der Band als solcher wieder mehr Spielraum. So gibt es wieder vermehrt Gitarrenriffs zu hören, auch wenn über der ganzen Produktion des Albums ein Hauch von Sonnenschein schwebt. Soll heißen: Hier klingen Killing Joke nicht so unterkühlt und roh wie zum Beispiel auf Extremities, vielmehr klingt Democracy sehr nach Sommer.

Thematisch bleibt die Band ihrer Linie treu. Schon die Titel „Democracy” und „Another Bloody Election” machen klar, dass es um politische Ernüchterung geht, um Systeme, die Beteiligung versprechen und Ohnmacht liefern. Auch ist das Album sehr viel lyrischer als seine Vorgänger, die Texte tragen hier mehr Gewicht als auf den elektronisch geprägten Platten davor.

Die Fakten zum Album

Democracy erschien am 1. April 1996 bei Butterfly Records und Big Life und ist das zehnte Studioalbum von Killing Joke. Aufgenommen wurde es in Henley-on-Thames in der Grafschaft Oxfordshire. Produziert hat Youth, Gründungsmitglied der Band, der bei diesen Aufnahmen zugleich den Bass übernahm und das Album abmischte. Jaz Coleman sang, Geordie Walker spielte Gitarre, am Schlagzeug saß Geoff Dugmore.

Dieser letzte Punkt ist mehr als eine Fußnote. Coleman und Geordie haben sich später enttäuscht über das Album geäußert und die Entscheidung bereut, Youth ohne ihre Beteiligung mischen zu lassen. Wer beim Hören den Eindruck hat, dass hier etwas nicht ganz zusammenpasst, liegt also nicht falsch.

Killing Joke in den neunziger Jahren

Um Democracy einordnen zu können, hilft ein Blick auf das Jahrzehnt davor. Nach der Pop-Öffnung der späten Achtziger hatte die Band mit Extremities noch einmal eine ausgesprochen harte, rohe Platte vorgelegt, bevor Pandemonium 1994 die Elektronik ins Zentrum rückte. Innerhalb weniger Jahre hat Killing Joke damit drei sehr verschiedene Wege eingeschlagen, und keiner davon ließ sich als Fortsetzung des vorherigen hören.

Democracy ist der vierte Versuch in Folge, und man merkt der Platte an, dass die Suche nach einer Richtung länger gedauert hat als das Finden einer guten Idee. Die Rückkehr zur Gitarre ist grundsätzlich richtig, sie führt aber nicht zu neuen Songs, sondern vor allem zu einem vertrauteren Klangbild.

Das Problem mit dem Gesang

Jaz Colemans Stimme ist sogar noch etwas rauer als sonst und damit für mich persönlich unerträglich geworden. Gerade wenn man die New-Wave-Phase der Band Mitte der 80er mag, die untrennbar mit Jaz Colemans Stimme verknüpft ist, liegen hier zwei ganz verschiedene Welten vor. Jaz klingt seit Democracy wie ein Whiskeysäufer, der auch gut als Lemmy-Ersatz bei Motörhead singen könnte.

Dadurch klingen viele Songs irgendwie gepresst, gewollt aggressiv, dabei geht jede Authentizität über den Bach. Nach einer Weile hat man einfach genug von seiner Stimme und kann auch die paar guten Riffs nicht genießen, die das Album so bietet.

Die Songs im Einzelnen

Prozac People

Der Song „Prozac People” ist ein gutes Beispiel für dieses Problem. An sich ein klasse Song mit einem düsteren Gitarrenriff und einem guten Text, aber das unflätige Geschrei von Jaz geht mir persönlich sehr auf die Nerven. Der Titel selbst trifft den Zeitgeist der neunziger Jahre ziemlich genau.

Aeon

Einzig mit „Aeon” haben die Jokes noch mal einen ganz großen Song abgeliefert. Er besitzt ein sehr hypnotisches Gitarrenriff, das obendrein noch eine sehr psychedelische Wirkung erzeugt. Wer nur einen Titel dieses Albums hört, sollte diesen wählen.

Another Bloody Election

Der Schlusstitel trägt den Zorn schon im Namen. Killing Joke waren nie eine Band, die sich um Diplomatie bemüht hat, und die Verbindung aus Albumtitel und diesem letzten Stück fasst die Haltung der Platte in zwei Zeilen zusammen: Wahlen kommen und gehen, geändert wird nichts. Musikalisch bleibt der Song im gleichen Fahrwasser wie der Großteil des Albums, was der Wirkung schadet.

Das Tempoproblem der übrigen Stücke

Auch bewegen sich viele Songs im Mid-Tempo-Bereich, was gerade Fans des Extremities-Albums sicher enttäuschen wird. Davon abgesehen ist Democracy leider über weite Strecken ziemlich langweilig, es gibt nicht viele Tempowechsel, es wird im Grunde eine Gangart eingehalten und kaum variiert, sodass man sich das Album bestimmt nicht sehr oft anhören wird, da es auf die Dauer ziemlich anstrengend ist, am Ball zu bleiben.

Das Cover

Auch das Cover kann nicht wirklich überzeugen, die vielen grellen Farben sind nicht gerade gesund für die Augen. Auch die komische Abbildung ist sehr überfrachtet gestaltet, sodass man gar nicht weiß, was hier eigentlich dargestellt werden soll. Nach der klaren Bildsprache früherer Platten wirkt das wie ein Rückschritt.

Was danach kam

Nach einer kurzen Tour im Sommer 1996 zog sich die Band zurück und legte die längste Pause ihrer Laufbahn ein. Erst Jahre später kehrten Killing Joke zurück, und zwar mit deutlich härterem Material, als es Democracy hatte erwarten lassen. Aus heutiger Sicht steht dieses Album damit am Ende einer Phase, in der die Band viel ausprobiert und dabei zunehmend die Richtung verloren hatte.

Für wen lohnt sich Democracy?

Als Einstieg in das Werk von Killing Joke taugt diese Platte nicht. Wer die Band kennenlernen will, greift zu den frühen Post-Punk-Alben oder zu Night Time. Democracy ist etwas für Sammler und für Hörer, die den Katalog vollständig durchgehen wollen. Wer mit Colemans rauer Neunziger-Stimme zurechtkommt und Mid-Tempo-Riffs mag, findet hier ein paar ordentliche Songs, allen voran „Aeon”.

Fazit: Lohnt sich Democracy?

Democracy gehört sicherlich zu den schwächeren Scheiben von Killing Joke. Irgendwie merkt man der Band an, dass sie kreativ ausgebrannt war, und es mussten erst lange Jahre vergehen, bis Killing Joke rauer und härter denn je zurückkamen.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Democracy von Killing Joke erschienen?

Das Album kam am 1. April 1996 bei Butterfly Records und Big Life heraus und ist das zehnte Studioalbum der Band. Aufgenommen wurde es in Henley-on-Thames in Oxfordshire. Es ist der Nachfolger von Pandemonium aus dem Jahr 1994.

Wer hat Democracy produziert?

Produzent war Youth, Gründungsmitglied der Band, der hier zugleich den Bass spielte und das Album abmischte. Am Schlagzeug saß Geoff Dugmore, Jaz Coleman sang und Geordie Walker spielte Gitarre. Coleman und Geordie äußerten sich später enttäuscht über das Ergebnis und führten das darauf zurück, dass sie Youth ohne ihre Beteiligung mischen ließen.

Wie unterscheidet sich Democracy von Pandemonium?

Pandemonium war stark von elektronischen Klängen geprägt, auf Democracy treten die Gitarren wieder deutlicher in den Vordergrund und die Band bekommt als Band mehr Raum. Gleichzeitig klingt die Produktion wärmer und weniger unterkühlt als auf früheren Platten. Das Album ist außerdem lyrischer angelegt als seine Vorgänger.

Welcher Song lohnt sich auf Democracy am meisten?

Aeon ist der herausragende Titel des Albums. Das Stück lebt von einem hypnotischen Gitarrenriff mit stark psychedelischer Wirkung und zeigt, wozu die Band auch in dieser Phase noch fähig war. Prozac People bietet zwar ebenfalls ein starkes düsteres Riff, leidet aber unter dem gepressten Gesang.

Was passierte nach Democracy?

Nach einer kurzen Tour im Sommer 1996 legte Killing Joke die längste Pause ihrer Laufbahn ein. Erst Jahre später meldete sich die Band mit deutlich härterem Material zurück. Democracy markiert damit das Ende einer langen, wechselhaften Phase.

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