rezension.org

Klaus Lange: Westbau des Essener Doms

4 von 5 von Rezension.org · 2013-02-20 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Fundierte Baugeschichte des Westbaus, leider nur mit Schwarzweißfotos.

Auch bei Thalia ansehen →

Klaus Lange: Der Westbau des Essener Doms Architektur und Herrschaft in Ottonischer Zeit; Aschendorff Verlag Münster 2001; 152 Seiten; ISBN: 3-402-06248-8

Hier liegt Band 9 der „Veröffentlichungen des Instituts für kirchengeschichtliche Forschung des Bistums Essen„ vor; sie wird von Alfred Pothmann und Reimund Haas herausgegeben.

Worum geht es in Der Westbau des Essener Doms?

Der Dom zu Essen liegt in der Innenstadt der Ruhrgebietsstadt. Er ist auch das zentrale Gotteshaus des Ruhrbistums. Kein Wunder also, dass es auch ein gut besuchtes Touristenziel in Essen ist. Das Kirchgebäude kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht.

Gegenstand des Buches ist nicht die gesamte Kirche, sondern ein einzelner Bauteil: der Westbau. Klaus Lange fragt, wie dieser Bauteil entstand, welche Vorbilder er aufgreift und was seine Auftraggeberinnen damit sichtbar machen wollten. Der Untertitel „Architektur und Herrschaft in ottonischer Zeit„ benennt den Zugriff genau: Es geht um Steine, aber auch um Politik.

Was ist der Westbau des Essener Doms?

Der Westbau ist der älteste erhaltene Teil des heutigen Doms. Im Inneren fällt sofort auf, woran er sich orientiert: Der vieleckige Grundriss und die mit Säulenstellungen gefüllten Bögen nehmen erkennbar Bezug auf die Aachener Pfalzkapelle Karls des Großen aus der Zeit um 800. Nach außen zeigt sich die Dreiturmgruppe, die für ottonische Westbauten charakteristisch ist.

Die Datierungsfrage

Lange Zeit wurde der Bau der Äbtissin Theophanu zugeschrieben, die von 1039 bis 1058 amtierte. Die Forschung geht heute überwiegend davon aus, dass er bereits um das Jahr 1000 unter der Äbtissin Mathilde errichtet wurde. Solche Verschiebungen sind für Laien nur scheinbar nebensächlich: Mit der Datierung ändert sich auch, in welchen politischen Zusammenhang der Bau gehört.

Architektur als Anspruch

Der Bezug auf Aachen war keine ästhetische Laune. Aachen war der Ort der Königskrönungen. Wer in Essen so baute, machte damit sichtbar, dass die Äbtissinnen des Stifts der ottonischen Königsfamilie nahestanden und dass Essen in einer Reihe mit den großen Frauenstiften Gandersheim und Quedlinburg zu sehen war. Genau diese Verbindung von Architektur und Herrschaftsanspruch ist das Thema des Buches.

Der Ort und seine Geschichte

Das Stift Essen geht auf eine Gründung um 845 durch Bischof Altfrid von Hildesheim zurück. Nach einem Brand wurde die Kirche ab 1275 gotisch als Hallenkirche neu errichtet, der ottonische Westbau und die Krypta blieben jedoch erhalten. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und bis 1958 wiederhergestellt, wurde das Münster im selben Jahr mit der Errichtung des Bistums Essen zur Kathedrale. Der Domschatz beherbergt unter anderem die Goldene Madonna, die als älteste vollplastische Marienfigur nördlich der Alpen gilt.

Warum ausgerechnet der Westbau

Für die Frage nach Architektur und Herrschaft ist der Westbau der ergiebigste Teil der Anlage. Der Ostteil einer Stiftskirche folgt weitgehend liturgischen Vorgaben, der Westbau dagegen war der repräsentative Ort: Hier hatte die Äbtissin ihren Platz, hier empfing das Stift Besuch, hier wurde nach außen sichtbar, wer man zu sein beanspruchte. Ein Bauteil, der die Kaiserpfalz zitiert, ist deshalb kein architektonisches Detail, sondern eine Aussage. Dass Klaus Lange sich auf diesen einen Bauteil beschränkt, statt eine Gesamtdarstellung der Kirche zu versuchen, ist eine Stärke des Buches und kein Mangel.

Über den Verlag

Der Aschendorff Verlag wurde im Jahre 1720 gegründet. Er gehört heute zur Unternehmensgruppe Aschendorff. Er veröffentlicht Bücher zu Themen wie Theologie, Philosophie, Geschichte einschließlich der Kulturgeschichte, Politik, westfälische Regionalgeschichte, Bücher über Münster, Psychologie und Pädagogik.

Über den Autoren ist leider nichts bekannt. Er kann somit in diesem Text nicht vorgestellt werden.

Über das Buch - die Buchbesprechung

So, wie es sich für ein geschichtswissenschaftliches Werk gehört, sind die Ausführungen sehr sachlich und neutral. Es gibt viele Fußnoten, ein umfangreiches Literaturverzeichnis und wenn nötig auch Zitate. Der Autor geht inhaltlich auf Themen wie die Baugeschichte, Architektur und Instandhaltung bzw. Umbauten im Laufe ein.

Das Buch ist kein Touristenführer. Dessen sollte sich der Leser schon bewusst sein, wenn er zu diesem Buch greift. Hier wird wirklich Wert auf die fundierte Arbeit gelegt. Die Informationen sind so umfangreich wie nötig, um ein Bild von der Geschichte des sakralen Bauwerkes zu bieten, ohne sich allerdings im Detail zu verlieren. Auch wenn sich die benutzte Sprache um Allgemeinverständlichkeit bemüht, sollte der Leser schon ein gewisses Verständnis für Architektur und das Bauwesen mitbringen. Sonst kann es trotz der scheinbar guten Verständlichkeit dazu kommen, dass man als Leser nicht so ganz begreift, worum es hier eigentlich geht.

Das Buch ist also schon für eine interessierte Fachöffentlichkeit geschrieben. Wer Informationen zu tagesaktuellen Ereignissen (wie beispielsweise dem Beginn von Messen und anderen Veranstaltungen) sucht, wird sich schon die Mühe machen müssen, Informationsquellen wie das Internet und den Pfarrbrief zu Rate zu ziehen.

Der Kritikpunkt: die Bebilderung

Ergänzt werden die Ausführungen durch viele Zeichnungen und leider nur Schwarzweißfotographien. Dies ist um so bedauerlicher, weil hier viele Informationen über das Gebäude und seine Ausstattung verlorengehen. Sieht man, wann das Buch herausgegeben wurde, so muss schon die Frage erlaubt sein, warum der münsterländer Verlag sich nicht die Mühe gemacht hat, sich Farbfotos zu besorgen. Bei einem Bau, dessen Wirkung wesentlich von Licht, Steinfarbe und Raumtiefe lebt, ist das ein spürbarer Verlust.

Für wen lohnt sich das Buch?

Für Studierende der Kunstgeschichte und der mittelalterlichen Geschichte, für ehrenamtliche Kirchenführerinnen und Kirchenführer und für alle, die sich mit ottonischer Sakralarchitektur ernsthaft beschäftigen, ist der Band ein gut belegter Baustein. Wer den Essener Dom lediglich besichtigen möchte, greift besser zu einem Kirchenführer. Und wer sich für die Ausstattung, den Domschatz oder die Goldene Madonna interessiert, wird hier nur am Rande fündig, denn das Buch bleibt konsequent beim Bau.

Fazit: Lohnt sich Klaus Lange: Westbau des Essener Doms?

Die Baugeschichte steht bei diesem Buch deutlich im Vordergrund. Wer sich in diesem Themenkomplex auskennt, hält hier sicherlich ein gutes Buch in den Händen. Mit gutem Bildteil wäre es ein sehr gutes geworden.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Der Westbau des Essener Doms?

Klaus Lange untersucht den westlichen Bauteil des Essener Doms unter architektur- und herrschaftsgeschichtlichen Gesichtspunkten. Behandelt werden Baugeschichte, Architektur sowie spätere Instandhaltungen und Umbauten. Der Band ordnet den Bau in die politische Situation der ottonischen Zeit ein.

Was ist der Westbau des Essener Doms überhaupt?

Der Westbau ist der älteste erhaltene Teil des Essener Münsters. Sein vieleckiger Innenraum mit den von Säulenstellungen gefüllten Bögen nimmt sichtbar Bezug auf die Aachener Pfalzkapelle Karls des Großen. Nach außen zeigt er sich als Dreiturmgruppe, wie sie für ottonische Westbauten typisch ist.

Wann wurde der Westbau errichtet?

Lange galt der Bau als Werk der Äbtissin Theophanu, die von 1039 bis 1058 amtierte. Heute geht die Forschung überwiegend davon aus, dass er bereits um das Jahr 1000 unter der Äbtissin Mathilde entstand. Genau solche Datierungsfragen sind der Stoff, mit dem sich das Buch beschäftigt.

Eignet sich das Buch als Reiseführer für den Essener Dom?

Nein. Es handelt sich um ein geschichtswissenschaftliches Fachbuch mit Fußnotenapparat und Literaturverzeichnis, nicht um einen Touristenführer. Wer Öffnungszeiten, Gottesdienstzeiten oder einen Rundgang sucht, ist mit anderen Quellen besser bedient.

In welcher Reihe ist der Band erschienen?

Es ist Band 9 der „Veröffentlichungen des Instituts für kirchengeschichtliche Forschung des Bistums Essen“, herausgegeben von Alfred Pothmann und Reimund Haas. Der Band erschien 2001 im Aschendorff Verlag in Münster und umfasst 152 Seiten.

Deine Bewertung

Teile deine Erfahrung zu „Klaus Lange: Westbau des Essener Doms". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.