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Matthias Reim - Matthias

3 von 5 von michaelkrause2 · 2022-02-06 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Album mit Licht und Schatten, stark immer dann, wenn der Rocker gewinnt.

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Zwei Herzen in einer Brust!

Worum geht es auf dem Album „Matthias“?

Der Longplayer erschien am 14. Januar 2022 und trägt schlicht den Vornamen des Sängers. Das ist keine Marotte, sondern Programm: Nach gut zwanzig Monaten, in denen Matthias Reim wie seine Kolleginnen und Kollegen kaum auf der Bühne stehen konnte, ist ein Album entstanden, das die Frage stellt, wer dieser Musiker eigentlich ist. Ein Schlagersänger? Ein Rocker, der beim falschen Label gelandet ist? Die Platte beantwortet das nicht eindeutig, und darin liegt zugleich ihre Stärke und ihre Schwäche.

Kommerziell ging die Rechnung auf. In Deutschland kletterte „Matthias“ bis auf Platz 2 der Albumcharts, in Österreich stieg es auf Platz 5 ein, in der Schweiz auf Platz 6. Für Reim waren das in beiden Nachbarländern die höchsten Einstiege seit Langem.

Über den Musiker

Matthias Reim ist eine der schillerndsten Figuren im deutschen Pop- und Schlagergeschäft. Komponierte und textete er anfangs für Kollegen wie Bernhard Brink, Jürgen Drews oder Roberto Blanco, gelang ihm 1990 mit seiner ersten eigenen Single der erste gesamtdeutsche Megahit: „Verdammt ich lieb dich“ verkaufte sich 2,5 Millionen Mal und hielt sich sagenhafte 16 Wochen auf Platz 1 der Singlecharts. Auch das dazugehörige Album „Reim“ wurde ein Erfolg. Rund zwei Millionen Einheiten gingen über den Ladentisch. Mit den folgenden Alben konnte Matthias Reim diesen Erfolg nicht wiederholen. Mit Titeln wie „Ich hab´Geträumt von dir“ oder „Ich hab´mich so auf dich gefreut“ kam er zwar in die Top Ten, ein Hit wie seine Debütsingle war nicht mehr dabei. Analog zu den sinkenden Plattenverkäufen geriet er durch die Misswirtschaft seines Managements in die Schuldenfalle. Musikalisch geht es seit dem Jahr 2000 und dem Album „Wolkenreiter“ wieder aufwärts. Vor allem durch seine umjubelten Liveauftritte hielt sich Matthias Reim in dieser Zeit über Wasser. 2010 war dann ein Wendepunkt in seinem Leben. Durch ein verkürztes Insolvenzverfahren war der Sänger schuldenfrei und legte mit dem Album „Sieben Leben“ ein fulminantes Comeback vor.

Diese Biografie ist für das Verständnis des Albums nicht nebensächlich. Wer einmal alles verloren und öffentlich wieder aufgebaut hat, singt anders über Neuanfänge als jemand, der das Thema nur als Textbaustein kennt. Genau in diesen Momenten wird „Matthias“ glaubwürdig.

Das Album im Überblick

Wie seine Kolleginnen und Kollegen war auch Matthias Reim in den letzten gut zwanzig Monaten nicht oder nur selten auf der Bühne, sodass er Zeit hatte, im Studio an neuen Songs zu arbeiten. Das Ergebnis resultiert jetzt im neuen Longplayer, der schlicht „Matthias“ getauft wird. Wer die Karriere des Sängers verfolgt und ihn im Konzert erlebt hat, der weiß, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen.

Offiziell dem Schlager verhaftet, gibt Matthias Reim auf der Bühne den Rocker und hat auf seinen Alben immer wieder entsprechende Titel drauf. Zumal ihn, wie er erst auf seinem letzten Album besungen hat, Bands wie Deep Purple oder Led Zeppelin geprägt haben. Im Studio ist er aber leider oft der Schlager-Matze, dessen Songs nicht ohne den unsäglichen WDR-4-Beat auskommen. Dabei schafft er insbesondere bei den Singles immer wieder eine recht gute Gratwanderung zwischen diesen beiden Herzen. Die Lead-Single „4 Uhr 30“, die bereits im September 2021 als Vorbote erschien, ist ein solcher Song. Trotz Schlagerlastigkeit ist der Titel nicht schlecht.

Wo das Album überzeugt

Leider kann man das nicht für das gesamte Album so sagen. Es ist typisch für Matthias Reim. Richtig gut ist das Album immer dann (auch das ist nichts Neues), wenn die Schlagerelemente reduziert oder gar nicht verwendet werden. „Reise um die Welt“, das er zusammen mit Versengold singt, ist ein solcher Titel. Die Folkband bringt eine Rauheit mit, die dem Song guttut und die im Studio sonst gern weggebügelt wird. Auch „Typisch anders“, eine tolle Power-Ballade, zeigt, welch guter Musiker er ist. Und mit der Klavierballade „Kindertraum“ gibt es einen seiner bisher besten Songs. Hier trägt die Stimme das Stück ganz allein, und es zeigt sich, dass Reim als Sänger deutlich mehr kann, als die Arrangements sonst zulassen.

Wo das Album schwächelt

Songs wie „Bon Voyage“, „Blaulicht“ oder „Acht Milliarden Träumer“ wären allesamt besser, wenn man die rockige Komponente betonen und den furchtbaren Disco-Fox-Beat entfernen würde. Man hört förmlich, wie ein solider Rocksong in eine Radioformatierung gepresst wird, bis nur noch das Metrum übrig bleibt. Das ist umso ärgerlicher, weil die Grundideen tragfähig sind. Der Eindruck bleibt, dass hier eine Produktionsentscheidung gegen den Künstler gearbeitet hat.

Trackliste

01 - 4 Uhr 30

02 - Bon Voyage

03 - Blaulicht

04 - Du liebst mich auch

05 - Reise um die Welt (feat. Versengold)

06 - Typisch anders

07 - paranoid

08 - Acht Milliarden Träumer

09 - Reisen durch die Zeit

10 - Gar nichts

11 - Kindertraum

12 - Schick mir einen Engel

13 - Nächsten Sommer (2022 Edit)

Für wen lohnt sich „Matthias“?

Für Fans, die Matthias Reim seit Jahren begleiten, ist das Album ein Pflichtkauf, weil es genau das liefert, was seine Alben seit dem Comeback ausmacht: einige sehr gute Balladen, ein paar radiotaugliche Singles und dazwischen Füllmaterial. Wer Reim vor allem live schätzt, wird die Studiofassungen als zu glatt empfinden und sich auf die drei, vier Titel konzentrieren, die auch ohne Beat funktionieren.

Wer den Künstler dagegen erst kennenlernen will, findet hier eine Momentaufnahme, aber nicht die Songs, für die er bekannt ist. Für den Einstieg führt der Weg eher über die frühen Hits und über das Comeback-Album von 2010.

Fazit: Lohnt sich Matthias?

Matthias Reim bliebt ein Janus-Kopf. Zwischen Schlager und Rock pendelt sein Album „Matthias“. Die rockigen Elemente sind überzeugend. Songs wie „Paranoid“ oder „Schick mir einen Engel“ absolut entbehrlich. Wie immer ein Werk mit Licht und Schatten, musikalischer aber typisch für Matthias Reim.

Unsere Bewertung

Musik: 3

Instrumentalisierung: 3,5

Stimme: 5

Abwechslung: 3,5

Hörspaß: 3,5

Häufig gestellte Fragen

Wann ist das Album „Matthias“ erschienen?

Das Album kam am 14. Januar 2022 in den Handel. Vorab war im September 2021 die Single „4 Uhr 30“ veröffentlicht worden. Neben der hier besprochenen Fassung existiert eine erweiterte XXL-Ausgabe mit zusätzlichen Titeln.

Wie hat sich das Album in den Charts geschlagen?

In Deutschland erreichte „Matthias“ Platz 2 der Albumcharts und verpasste damit knapp die Spitze. In Österreich stieg es auf Platz 5 ein, in der Schweiz auf Platz 6. Für Matthias Reim war das einer der höchsten Chart-Einstiege seiner Karriere in diesen beiden Ländern.

Welche Songs sind die Höhepunkte des Albums?

Am stärksten ist das Album dort, wo die Schlagerproduktion zurücktritt. Die Klavierballade „Kindertraum“ zählt zu den besten Stücken, die Reim je aufgenommen hat. Dazu kommen die Power-Ballade „Typisch anders“ und „Reise um die Welt“ im Duett mit Versengold.

Ist „Matthias“ ein Schlager- oder ein Rockalbum?

Es ist beides und genau das ist sein Problem. Offiziell läuft Matthias Reim unter Schlager, live gibt er den Rocker, geprägt von Bands wie Deep Purple oder Led Zeppelin. Auf der Platte stehen beide Seiten nebeneinander, ohne dass sich eine durchsetzt.

Wer den Einstieg sucht: lohnt sich dieses Album oder besser ein älteres?

Wer Matthias Reim kennenlernen will, findet auf „Matthias“ eine gute Momentaufnahme, aber nicht die bekanntesten Songs. Der Megahit „Verdammt ich lieb dich“ stammt von 1990, das Comeback-Album „Sieben Leben“ von 2010. Für den ersten Eindruck sind diese beiden näher am Kern seiner Karriere.

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